Zingsheim in der Eifel ist ein Ortsteil der Gemeinde Nettersheim im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen und Sitz der Gemeindeverwaltung: Im Dorf befinden sich das Rathaus und der Bauhof der Gemeinde. Zingsheim hat 871 Einwohner.

Geographie mini|hochkant|Felsformation Rummerschlegel

Lage Zingsheim liegt in der Nordeifel im deutsch-belgischen Naturpark Hohes Venn-Eifel, rund 2,7 km (Luftlinie) nordöstlich von Nettersheim.

Östlich des Dorfs liegt der Zingsheimer Wald und südlich erhebt sich Der Mürel (). Am Rande der Ortschaft entspringt der zum Einzugsgebiet des Eschweiler Bachs gehörende Kolvenbach.

Geologie

Der Nordwesten der Gemarkung ist Teil der Sötenicher Kalkmulde. Hier befindet sich die geologisch interessante aus Dolomitgestein bestehende Felsgruppe Rummerschlegel.

Geschichte Geschichte des Ortes Vorgeschichte Wahrscheinlich jagten in der Steinzeit bei der in der Gemarkung Zingsheim gelegenen Felsformation Rummerschlegel Jäger der Ahrensburger Kultur, die auch von den 4 km entfernten Kartsteinhöhlen, an denen sie sich kurzfristig aufhielten, aus operierten. Sie machten Jagd auf Rentiere, die vermutlich auf ihren jährlichen Wanderungen in der Nähe der Kartsteinhöhle und dann an Rummerschlegel vorbeizogen. In Rummerschlegel wurde von Löhr 1972 ein Mikrolith und Knochenreste entdeckt, was die steinzeitliche Anwesenheit der Jäger nahelegt.Zu diesem Abschnitt vgl. Hans-Eckart Joachim, Wighart v. Koenigswald, Wilhelm Meyer: Kartstein und Katzensteine bei Mechernich in der Eifel. 1998. S. 22.

Aus der älteren Eisenzeit (ca. 750–450 v. Chr.) stammen die ältesten gesicherten Besiedlungsspuren in der Gemarkung Zingsheim. So befinden sich am nordwestlichen Rand der Gemarkung über 60 Grabhügel aus dieser Zeit.H.-J. Mießeler, E. Nieveler, U. Ibler: Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung in der Gemarkung Zingsheim. In: Brigitte Krause: 1100 Jahre Zingsheim. 893-1993. S. 16.

Römische Zeit mini|Gallo-römischer Umgangstempel in der Flur „Vor Hirschberg“

In römischer Zeit wurde die Nordeifel Teil der römischen Provinz Germania Inferior. Aus dieser Zeit stammt das 1963 archäologisch untersuchte Matronenheiligtum in der Flur „Vor Hirschberg“ , ein gallo-römischer Umgangstempel, der wohl den Matronae Fachinehae geweiht war und der den Funden nach in der Zeit vom 2. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. genutzt wurde.Heinz Günter Horn: Nettersheim-Zingsheim: Gallo-römischer Tempel. In: Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. 1987. S. 579 f. Seine rekonstruierten Grundmauern können heute besichtigt werden.Heinz Günter Horn: Nettersheim-Zingsheim: Gallo-römischer Tempel. In: Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. 1987. S. 580. Der Tempel ist nur ein Teil eines noch nicht komplett erforschten Heiligtums.

Schon der Mechernicher Bergbeamte C. A. Eick erwähnt in seinem Buch von 1867 über die Eifelwasserleitung fünf 1845 westlich des Ortes gefundene Steine mit Inschriften, die wahrscheinlich Matronensteine waren.C. A. Eick: Die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln mit Rücksicht auf die zunächst gelegenen römischen Niederlassungen, Befestigungswerke und Heerstraßen. Ein Beitrag zur Alterthumskunde im Rheinlande. 1867. S. 23. Erste Berichte von Funden von Matronensteinen an die Matronae Fachinehae gibt es aus dem Jahr 1895:Sophie Lange: Wo Göttinnen das Land beschützten. Matronen und ihre Kultplätze zwischen Eifel und Rhein. S. 150. Auf dem fränkischen Gräberfeld „am Maulbeerbäumchen“ (Bereich „Gleisiger Heck“) fand man 1894 zwei Matronen-Inschriftensteine, die zum Bau der Steinplattengräber verwendet worden waren.Josef Klein: Matronensteine aus Zingsheim. In: Bonner Jahrbücher 96/97 (1895), S. 156–159. Aus den Inschriften der Steine geht hervor, dass sie von Flavius Communis und Crispinius geweiht wurden.Hans Lehner: Die antiken Steindenkmäler des Provinzialmuseums in Bonn. Friedrich Cohen, Bonn 1918, Nr. 327–328, S. 149 f.

Weitere Funde machte man hier bei der Flurbereinigung Ende der 1950er Jahre.Antonius Jürgens und Marianne Jürgens: Ur- und Frühgeschichte. Steinzeiten, Metallzeiten, Römer, Franken. In: Eifelverein (Hrsg.): Gemeinde Nettersheim mit den Orten Bouderath, Buir, Engelgau, Frohngau, Holzmülheim, Marmagen, Nettersheim, Pesch, Roderath, Tondorf, Zingsheim. 1984. S. 73. Auch 1976 wurden bei archäologischen Untersuchungen des Gräberfeldes in der Flur „Gleisiger Heck“ wieder drei Weihesteine an die Matronae Fachinehae entdeckt.Antonius Jürgens und Marianne Jürgens: Ur- und Frühgeschichte. Steinzeiten, Metallzeiten, Römer, Franken. In: Eifelverein (Hrsg.): Gemeinde Nettersheim mit den Orten Bouderath, Buir, Engelgau, Frohngau, Holzmülheim, Marmagen, Nettersheim, Pesch, Roderath, Tondorf, Zingsheim. 1984. S. 50 und 74. Diese Weihesteine stammen vermutlich aus dem Matronenheiligtum in der Flur „Vor Hirschberg“ und waren wieder zum Bau der Plattengräber mit verwendet worden.Antonius Jürgens und Marianne Jürgens: Ur- und Frühgeschichte. Steinzeiten, Metallzeiten, Römer, Franken. In: Eifelverein (Hrsg.): Gemeinde Nettersheim mit den Orten Bouderath, Buir, Engelgau, Frohngau, Holzmülheim, Marmagen, Nettersheim, Pesch, Roderath, Tondorf, Zingsheim. 1984. S. 50. Die Stifter dieser Steine waren, wie den Inschriften zu entnehmen ist, Lucius Chuaciionius Primus und Lucius Celeris.Antonius Jürgens und Marianne Jürgens: Ur- und Frühgeschichte. Steinzeiten, Metallzeiten, Römer, Franken. In: Eifelverein (Hrsg.): Gemeinde Nettersheim mit den Orten Bouderath, Buir, Engelgau, Frohngau, Holzmülheim, Marmagen, Nettersheim, Pesch, Roderath, Tondorf, Zingsheim. 1984. S. 50 f. Eine Kopie seines Steins steht heute wieder am gallo-römischen Umgangstempel.Sophie Lange: Wo Göttinnen das Land beschützten. Matronen und ihre Kultplätze zwischen Eifel und Rhein. S. 152.

Die Gemarkung Zingsheim reicht im Nordwesten bis an die heute als Feldweg erhaltene Römerstraße Trier–Köln, die hier vom Urfttal zur Landesstraße 206 führt.Heinz Günter Horn: Mit den Römern unterwegs: Agrippastraße. Von Köln bis Dahlem in 4 Etappen. J.P. Bachem Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-7616-2782-2, S. 156. Diese römische Fernstraße wurde an diesem Streckenabschnitt wahrscheinlich von der Römerstraße Marmagen–Wesseling gekreuzt.Heinz Günter Horn: Mit den Römern unterwegs: Agrippastraße. Von Köln bis Dahlem in 4 Etappen. J.P. Bachem Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-7616-2782-2, S. 155. Sie ist noch in der Tranchotkarte, die im Bereich der heutigen Gemarkung Zingsheim um etwa 1809 aufgenommen wurde, als „König Strasse“ eingetragen, die von Weyer nach Urft führte. Dieses Teilstück der Römerstraße ist heute nur noch bis zur Landesstraße 206 unter der Bezeichnung „Kreuzweg“ erhalten , endet immer noch in Weyer und erschließt jetzt drei Aussiedlungshöfe.

Eine weitere bekannte Römerstraße in der Gemarkung Zingsheim ist eine heute als Feldweg erhaltene Straße, die von Zingsheim nach Harzheim führte. Ihre Trasse wird jedoch heute von der Autobahn zerschnitten.

Franken Die Besiedlung der Eifel durch die Franken erfolgte spätestens nach ihrem Sieg über die Alemannen in der Schlacht bei Zülpich am Ende des 5. Jahrhunderts. Bisher konnten noch keine frühmittelalterlichen Siedlungsreste im Kreis Euskirchen nachgewiesen werden.G. U. Knackstedt: Neandertaler, Römer, Franken. Siedlungsgeschichte des Landkreises Euskirchen anhand archäologischer Funde. 1991. S. 82. Einer der Gründe dafür ist, dass fränkische Gehöfte aus Holz errichtet wurden.Ursula Ibler, Ruth Plum, Imke Ristow: Archäologie in Nettersheim. 1998. S. 36.

Schon C. A. Eick berichtet in seinem Buch über fränkische Gräber in der Gemarkung Zingsheim:

Das bedeutendste der fränkischen Gräberfelder der Gemarkung ist das schon oben Erwähnte in der Flur „Gleisiger Heck“. Es wurde 1976 archäologisch untersucht.Antonius Jürgens und Marianne Jürgens: Ur- und Frühgeschichte. Steinzeiten, Metallzeiten, Römer, Franken. In: Eifelverein (Hrsg.): Gemeinde Nettersheim mit den Orten Bouderath, Buir, Engelgau, Frohngau, Holzmülheim, Marmagen, Nettersheim, Pesch, Roderath, Tondorf, Zingsheim. 1984. S. 73 ff.Ursula Ibler, Ruth Plum, Imke Ristow: Archäologie in Nettersheim. 1998. S. 44 ff.G. U. Knackstedt: Neandertaler, Römer, Franken. Siedlungsgeschichte des Landkreises Euskirchen anhand archäologischer Funde. 1991. S. 86.

Mittelalter und Neuzeit bis zur Französischen Revolution Erstmals wird der Ort 893 als „cinesheym“ im Besitzverzeichnis der Abtei Prüm genannt.Heinrich Beyer: Urkundenbuch zur Geschichte der, jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien. Aus den Quellen herausgegeben von Heinrich Beyer. Erster Band: Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1169. Hölscher, Coblenz 1860, S. 177. Dies war der Anlass zur 1100-Jahr-Feier des Ortes im Jahre 1993. Im Mittelalter und der Neuzeit bis zur Besetzung durch die Franzosen im Jahre 1794 waren auch in Zingsheim die Besitzverhältnisse von der Grundherrschaft bestimmt. Zingsheim gehörte seit dem 13. Jahrhundert zum Erzstift Köln.Brigitte Krause: 1100 Jahre Zingsheim. 893-1993. S. 34. Aber nicht alle Güter bzw. Höfe und Flächen unterstanden dem Erzbischof.Brigitte Krause: 1100 Jahre Zingsheim. 893-1993. S. 40. 1670 gab es in Zingsheim 39 Häuser, wie eine frühe Statistik überliefert.Brigitte Krause: 1100 Jahre Zingsheim. 893-1993. S. 44.

In dem im Erzstift Köln zum Amte Hardt gehörenden Ort Zingsheim bestand von 1378 bis 1797 ein vom Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden eingerichtetes Schöffengericht.Johann Friedrich Schannat und Georg Bärsch: Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel. Des dritten Bandes erste Abtheilung, Erster Abschnitt. Verlag von Jakob Anton Mayer, Aachen und Leipzig 1852, S. 272. Das für Zingsheim gültige Recht war im Schöffenweistum geregelt, von dem das Weistum von 1622 das bekannteste ist.Jacob Grimm (Hrsg.): Weisthümer. Zweiter Theil. Mitherausgegeben von Ernst Dronke und Heinrich Beyer. Göttingen 1840, S. 681–684.

Am östlichen Rand der Gemarkung ist in der Tranchotkarte die Ruine des Rundenhofes eingetragen. Von der Wüstung der Siedlung „Rundenhof“ weiß man heute nicht mehr sicher, weshalb sie aufgegeben wurde.vgl. Brigitte Krause: 1100 Jahre Zingsheim. 893-1993. S. 182. Sie liegt östlich des oberen Wespelbaches.Walter Janssen: Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand. Teil II: Katalog. 1975, S. 88 Die Siedlung wird schon im Weistum von 1622 erwähnt.Jacob Grimm (Hrsg.): Weisthümer. Zweiter Theil. Mitherausgegeben von Ernst Dronke und Heinrich Beyer. Göttingen 1840, S. 682.

Im Nordwesten der Gemarkung befand sich an der Kreuzung des Kreuzweges mit der Landstraße 206 von Zingsheim nach Keldenich eine Antoniuskapelle.Walter Janssen: Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand. Teil II: Katalog. 1975, S. 87 Ihre Ruine ist noch in der Tranchotkarte mit der Bezeichnung „Tonus Hausken Cap. Ruinée“ eingetragen. Der Kreuzweg an der Kapelle kommt von Weyer und spielte auch eine Rolle in einigen Sagen aus den Orten Zingsheim und Engelgau.Sophie Lange: Hier spukt's. Sagen und alte Dorfgeschichten aus den elf Orten der Gemeinde Nettersheim. 2000. S. 15f, 133.