Das Vereinigte Königreich zählt zu den am stärksten deregulierten Volkswirtschaften der Welt. Die britische Wirtschaft ist der Ursprung des sogenannten „angelsächsischen Kapitalismus“, der auf den Prinzipien der Liberalisierung, des freien Marktes, niedriger Besteuerung und geringer Regulierung beruht. Das Land hat das weltweit sechsthöchste nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) und nach Deutschland das zweithöchste in Europa (Stand 2024). Bei der Kaufkraftparität (PPP) liegt es ebenfalls auf dem sechsten Platz. Mit 28.300 Euro liegt das BIP pro Kopf im oberen europäischen Referenzrahmen. Im Vergleich mit dem BIP der EU (ausgedrückt in Kaufkraftstandards) erreicht das Vereinigte Königreich einen Index von 104 (EU-28 im Jahr 2019: 100).
In Bezug auf Inflation und Zinsniveau gehört die britische Wirtschaft zu den stärksten Europas. Die Arbeitslosenquote lag im Juli 2025 bei 4,7 %, was sowohl weltweit gesehen als auch für europäische Verhältnisse gering ist. Das Vereinigte Königreich ist seit 2022 sowohl der viertgrößte Exporteur als auch der viertgrößte Importeur der Welt, was es hauptsächlich seinen Dienstleistungsexporten zu verdanken hat: So war das Vereinigte Königreich beispielsweise 2024 nach den USA der zweitgrößte Exporteur von Dienstleistungen und der größte Nettoexporteur von Finanzdienstleistungen.
Das Land war 47 Jahre lang Mitglied der Europäischen Union und ist Mitglied der Gruppe der Sieben. Oft wird die britische Wirtschaftsform als „angelsächsischer Kapitalismus“ bezeichnet. Seit den 1980er Jahren wurden zahlreiche Staatsbetriebe im Zuge des Thatcherismus privatisiert und die Gewerkschaften geschwächt. Die 1997 folgende Regierung unter der Labour Party führte unter anderem den Mindestlohn ein und stützte die Binnenwirtschaft mit gestiegenen Staatsinvestitionen, verfolgte aber insgesamt eine ähnliche Politik.
Die Industrie spielt heute anteilsmäßig in der britischen Wirtschaft, auch im europäischen Vergleich, nur noch eine relativ geringe Rolle (außer im Exportanteil) und viele Traditionsmarken wie Bentley, Jaguar oder Land Rover sind keine britischen Unternehmen mehr. An Bedeutung gewonnen haben hingegen Finanzdienstleistungen: Die Hauptstadt London ist ein internationales Finanzzentrum („City of London“) sowie Standort einiger wichtiger Börsen und Banken. Trotz dieses Strukturwandels bleibt das Vereinigte Königreich jedoch einer der größten Industrieproduzenten Europas.
Nach einer Phase hohen Wachstums ab den späten 1990ern befand sich die britische Wirtschaft von 2008 bis 2010 in einer Rezession (siehe Finanzkrise ab 2007). Die britische Wirtschaftsleistung wurde von der COVID-19-Pandemie und den Folgen des Brexit stark betroffen und hat auch im dritten Quartal 2022 das Niveau von Ende 2019 nicht erreicht. Nach einem starken Wachstumsjahr 2022 prognostiziert der Internationalen Währungsfonds das drittschwächste Realwachstum der G7-Staaten, die OECD sieht das Vereinigte Königreich als Schlusslicht. Aus deutscher Sicht belegte das Vereinigte Königreich 2023 den neunten Platz der wichtigsten Handelspartner, nachdem das Land 2021 aus den Top 10 gefallen war.
Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegte das UK 2019 Platz 9 von 141 Ländern. Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2022 von 177 Ländern den 24. Platz, vor den USA und hinter Zypern.
Wirtschaftssektoren Landwirtschaft und Fischerei Die britische Landwirtschaft wird intensiv betrieben, ist stark mechanisiert, stark subventioniert und im europäischen Vergleich effizient. Die Landwirtschaft trägt ca. 2 % zum BIP bei; etwa zwei Drittel der Produktion entfällt auf die Viehzucht, ein Drittel auf den Ackerbau. Die wichtigsten angebauten Nahrungsmittel sind Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse. Beim Vieh dominieren Rinder und Schafe.
Das UK ist auch eine wichtige Fischfangnation. Küstenstädte mit bedeutenden Fischverarbeitungsbetrieben sind Kingston upon Hull, Grimsby, Fleetwood, Great Yarmouth, Peterhead, Fraserburgh und Lowestoft.
Energiewirtschaft
Konventionelle Energien Das UK besitzt große Ressourcen an Erdgas. Von 1980 bis 2006 war das UK dank seines Nordseeöls Nettoexporteur von Erdöl; seitdem ist es Nettoimporteur. Einige große Unternehmen des UK sind in diesem Sektor tätig, darunter BP, Royal Dutch Shell, Cairn Energy, Centrica, BHP Billiton, Anglo American und Rio Tinto Group.
Das letzte Steinkohlebergwerk im UK schloss am 18. Dezember 2015 (→ Kohleausstieg).
Dank Nordseeöl und Nordseeerdgas war das UK in den 1990er Jahren hinter Norwegen zweitgrößter Erdölförderer Westeuropas. Etwa 80 % des elektrischen Stroms wurde vor dem Ausbau der Windenergie aus fossilen Brennstoffen gewonnen und etwa 20 % aus Kernenergie (siehe Kernenergie im Vereinigten Königreich).
Das Vereinigte Königreich ist mit einem Anteil von 2,3 % der weltweit siebtgrößte Erzeuger von Kohlenstoffdioxid-Emissionen. Die britische Regierung hat das Kyoto-Protokoll ratifiziert und hat im Jahr 2000 das „Climate Change Programme“ beschlossen, mit dem die Emissionen weit über die Kyoto-Richtwerte hinaus reduziert werden sollen.
Die Regierung Brown (2007–2010) beschloss im Januar 2008 – also vor der Nuklearkatastrophe von Fukushima – den Bau weiterer Kernkraftwerke. 2020 solle das erste Kraftwerk der neuen Generation stehen. Die zwölf alten Kernreaktoren sollen bis 2035 abgeschaltet werden.Der Spiegel: Großbritannien baut neue Atomkraftwerke. 10. Januar 2008.
Tatsächlich ist der Bau der Kernreaktoren Hinkley Point C1 und C2 Jahre im Verzug; die geplanten Baukosten sind weit überschritten worden.
In den 1980er Jahren wurde – vorangetrieben von der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher – ein Großteil der Bergwerke geschlossen; nur wenige größere Zechen blieben bestehen:
Mine Eigner Region Produktion 2011 (Tonnen) Beschäftigte 2011 Schließung Ayle Colliery Ayle Colliery Company Ltd Northumberland ? ? vor 2015 Hatfield Colliery Hatfield Colliery Ltd Yorkshire 704.740 885 Juni 2015 Hill Top Colliery Grimebridge Colliery Company Ltd Lancashire ? 3 vor 2015 Kellingley Colliery UK Coal Operations Ltd Yorkshire 2.276.434 695 Dez. 2015 Monument Colliery Ray Ashly, Richard Daniels, Neil Jones Forest of Dean 250 3 vor 2015 Thoresby Colliery UK Coal Operations Ltd Nottinghamshire 1.283.346 613 Juli 2015 Unity Mine Unity Mine Ltd South Wales ? ? vor 2015 Am 18. Dezember 2015 wurde die letzte in Betrieb befindliche Zeche, Kellingley Colliery in North Yorkshire, geschlossen. Damit endeten mehrere Jahrhunderte industrieller tiefer Kohleförderung im Vereinigten Königreich.
Regenerative Energien
Großbritannien hat sich im Rahmen von Energiewende und Klimaschutz das Ziel gesetzt, bis 2050 den Kohlenstoffdioxidausstoß gegenüber 1990 um 80 % zu reduzieren.Climate Change Act 2008 – Section 1. Zudem soll bis in die 2030er Jahre der Elektrizitätssektor dekarbonisiert, d. h. CO2-frei werden.Henrik Lund et al.: System and market integration of wind power in Denmark. In: Energy Strategy Reviews 1, (2013), 143–156, S. 143, doi:10.1016/j.esr.2012.12.003. Um die Umstellung zu fördern, wird (Stand 2015) auf die Produktion von Kohlendioxid ein Mindestpreis von £18,08/Tonne ( Euro/Tonne) erhoben. Dieser Mindestpreis wird zusätzlich zu den sich aus dem EU-Emissionshandel ergebenden Kosten berechnet und soll unter den aktuellen Marktbedingungen hoch genug sein, um einen Umstieg von emissionsintensiven Kohle- auf emissionsschwächere Gaskraftwerke zu bewirken.Carbon floor price hike will trigger UK coal slowdown, say analysts. In: The Guardian. 2. April 2015. Abgerufen am 7. April 2015.
Das Vereinigte Königreich hat aufgrund seiner Insellage ein großes Potenzial für die Stromerzeugung in Windparks, Wellenkraftwerken und Gezeitenkraftwerken. Die Anteil an der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen (Bioenergie, Windenergie, Sonnenenergie und Wasserkraft) stieg von 9,4 % in 2011 auf 11,3 % im Jahr 2012.Energy Trends 2013. (PDF; 2,1 MB). Department of Energy & Climate Change, S. 40. Das Land ist mit 5,2 GW Leistung weltweit größter Nutzer von Offshore-Windparks (siehe auch Liste der Offshore-Windparks). Insgesamt waren Ende 2016 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 14,5 GW in Großbritannien installiert.Global Wind Statistics 2016. (PDF; 2,1 MB). Global Wind Energy Council. Abgerufen am 11. Februar 2017. Die Wasserkraft macht hingegen weniger als 2 % am Strommix aus.
Industrie Die Deindustrialisierung ist im Vereinigten Königreich weit vorangeschritten. Im Jahre 2019 betrug der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am BIP 8,6 Prozent und liegt damit im europäischen Vergleich auf dem viertletzten Platz hinter Zypern, Norwegen und Malta. Der seit den 1960er Jahren stetig anhaltende Abwärtstrend beschleunigte sich seit dem Jahre 2000. Damals hatte die Industrie noch fast 20 % des BIP erwirtschaftet.Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Oktober 2015, S. 17. Dennoch spielt die Industrie weiterhin eine gesamtwirtschaftlich bedeutende Rolle, da sie 57 % aller Exporte erzeugt (2014).Office for National Statistics: Time Series Data: Trade in Goods, August 2015.
Dem Office for National Statistics zufolge beschäftigte die Industrie im Juni 2015 noch 8 % aller Arbeitnehmer (2.317.000 von 29.129.000 Beschäftigten insgesamt).Office for National Statistics: Employee jobs by industry, Date of Publication: 16 September 2015. Der Anteil der Beschäftigten in der herstellenden Industrie ist in den Regionen East Midlands und West Midlands am höchsten, mit 12 bzw. 11 %. Am tiefsten ist der Anteil in London mit 4 %.
Im Vergleich zu anderen Industrienationen, wie den USA, Deutschland und Frankreich liegt die Produktivität der britischen Industrie um 20–30 % niedriger. Als eine Ursache hierfür wird die mangelhafte Ausbildung vieler Industriearbeiter genannt.. Großbritannien / Industrie auf Geolinde.de.
Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) am BIP betrug im Vereinigten Königreich im Jahre 2012 nur 1,72 %. Damit lag es unter den zehn größten Volkswirtschaften der EU an neunter Stelle.Eurostat: Schlüsseldaten über Europa – Ausgabe 2014. Luxemburg 2014, S. 139 (Tabelle 10.1: Bruttoinlandsaufwendungen für FuE). Demgemäß tragen die Spitzentechnologie (z. B. Pharmazie, elektronische und optische Geräte) und die Hochtechnologie (z. B. Maschinenbau, Automobilindustrie) jeweils weniger als ein Sechstel zur Gesamtwertschöpfung der Industrie bei. In der britischen Industrie dominieren mit 72 % der Gesamtwertschöpfung (Stand: zweites Quartal 2015) die Branchen mit mittleren oder niedrigen technologischen Anforderungen (z. B. Getränkeabfüllung, Lebensmittelverarbeitung, Textilien, Kunststoffwaren, Metallwaren, Holzverarbeitung und Möbelherstellung).Office for National Statistics: Index of Production Dataset August 2015.
Innerhalb des industriellen Sektors stellt die Automobilindustrie den größten Anteil, wenn auch alle großen Unternehmen mittlerweile in ausländischer Hand sind. Im Vereinigten Königreich vertreten sind BMW (Mini und Rolls-Royce Motor Cars), Ford, Honda, Nissan, PSA (Vauxhall Motors), Tata Motors (Jaguar Land Rover), Toyota und Volkswagen AG (Bentley). Daneben gibt es eine Anzahl von kleinen spezialisierten Unternehmen, darunter TVR, Lotus, McLaren Automotive, Morgan Motor, Leyland Motors, LDV, Alexander Dennis, J. C. Bamford und Manganese Bronze. Fünf von sechs im Land hergestellten Autos werden exportiert. Mehrere Unternehmen sind in der Schienenfahrzeugbranche tätig wie z. B. Brush Traction. Ein weltweit führendes Unternehmen im Zivilluftfahrt- und Rüstungsbereich ist BAE Systems, weitere bekannte Unternehmen sind Babcock International Group, GKN und Rolls-Royce Aero Engines.