Ungarn war im Zweiten Weltkrieg seit 1941 ein Verbündeter des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. mini|300px|Ungarn in Europa (1942)

Geschichte Die Zwischenkriegszeit Das Königreich Ungarn gehörte zu den Verlierern des Ersten Weltkriegs. Nach der Asternrevolution 1918 wurde Ungarn als eigenständiger Staat wiedererrichtet, zunächst als demokratische Republik unter Mihály Károlyi. Nach dem viermonatigen Intermezzo der Räterepublik im Jahre 1919 unter Béla Kun wurde Ungarn unter dem Horthy-Regime zu einem autoritär geführten konservativen Staat.

1920 verlor Ungarn im Friedensvertrag von Trianon über 70 Prozent seines Staatsgebietes, u. a. das Burgenland, die Slowakei, Siebenbürgen, Kroatien und Slawonien. Mehr als 3,5 Millionen seiner Staatsbürger gerieten dadurch unter die Herrschaft neu gebildeter Nachbarstaaten, es verblieben nur 8,6 Millionen im verkleinerten Staatsgebiet.Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht: Hitlers ausländische Helfer beim »Kreuzzug gegen den Bolschewismus« 1941–1945. Fischer TB, Frankfurt a. M. 2010, ISBN 978-3-596-18150-6, S. 38. Ungarn wurde wie Österreich als Nachfolgestaat der k. u. k. Monarchie zu Reparationen verpflichtet, die durch Zahlungen über einen Zeitraum von 33 Jahren geleistet werden sollten. Scharfe Restriktionen beschränkten die Stärke seiner Streitkräfte.Beschränkung der Streitkräfte auf ein langdienendes Berufsheer (Art. 103) von 35.000 Mann (Art. 104) ohne Luftstreitkräfte (Art. 128; siehe auch Teil XI. Luftfahrt (Art. 260 bis 267)).

Die Rückgewinnung „Großungarns“ durch die Revision des Vertrages von Trianon wurde die Doktrin einer neuen Armee, der Königlich Ungarischen Honved. Sie ging auf die 4000 Offiziere zurück, mit denen Miklós Horthy, der letzte Oberbefehlshaber der k. u. k. Kriegsmarine, die Räterepublik beendet hatte. Antikommunismus wurde die zweite Doktrin der Armee. Ungarn blieb zwar formal noch Monarchie, wurde aber von Miklós Horthy als Reichsverweser regiert. Seit Beginn der 1930er Jahre suchte die Armee nach Möglichkeiten aufzurüsten.

Verbündeter des nationalsozialistischen Deutschlands mini|480px|Territoriale Erwerbungen Ungarns 1938–1941 mini|480px|Administrative Gliederung Ungarns 1941–44

Ungarn sollte in der deutschen Außenpolitik nach dem Ersten Weltkrieg die Rolle eines „deutschfreundlichen Vorpostens“ in der weitgehend von Frankreich dominierten Region Südosteuropa spielen. Wirtschaftliche Verbindungen zu deutschen Industrie- und Bankunternehmen hatten Ungarn bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auch politisch eng an Deutschland gebunden. Ursprüngliche Bedenken der Budapester Regierung, die sich vom Deutschen Reich nicht zu abhängig machen wollte, standen territorialen Ambitionen gegenüber. Führende Kräfte in Ungarn erhofften sich von einer engen Bindung an das Deutsche Reich die Revision des Friedensvertrages von Trianon. Im ersten Wiener Schiedsspruch 1938 wurden Gebiete mit ungarischer Bevölkerungsmehrheit in der Südslowakei und in der Karpatenukraine von der Tschecho-Slowakei abgetrennt und Ungarn zugesprochen. In der Folge des Slowakisch-Ungarischen Krieges gelangte Ungarn 1939 mit deutscher Hilfe zu weiteren Gebieten auf Kosten der Slowakei. Aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes marschierte die Rote Armee in Ostpolen ein. In der Folge bekam Ungarn erstmals eine gemeinsame Grenze mit der Sowjetunion.

Seit dem Sommer 1940 spitzte sich durch die Gebietsforderungen Ungarns und Bulgariens gegenüber Rumänien die Lage zu. Im zweiten Wiener Schiedsspruch Deutschlands und Italiens vom 30. August 1940, dem sich Rumänien unterwarf, wurden Ungarns Gebietsansprüche teilweise befriedigt. Unter starkem deutschen Druck trat Ungarn am 20. November 1940, gefolgt von Rumänien und der Slowakei, dem Dreimächtepakt bei, der zwischen dem Deutschen Reich, Italien und Japan geschlossen worden war. Es folgten Bulgarien und Jugoslawien, dieses allerdings mit eingeschränkten militärischen Verpflichtungen. Damit befand sich Ungarn mit diesen Ländern in einem gemeinsamen Raum Südost an der Seite der Achsenmächte mit der Verpflichtung zum militärischen Beistand. Am 27. März wurde in Jugoslawien die Regierung, die sich Deutschland immer stärker angenähert hatte, gestürzt. Daraufhin begann das Deutsche Reich im April 1941 den Balkanfeldzug, dabei folgten der Wehrmacht italienische, bulgarische und auch ungarische Verbände. Ungarn annektierte Gebiete in Nordjugoslawien (Murgebiet, südliche Baranja, südliche Batschka), die 11.601 Quadratkilometer mit 1,145 Millionen Einwohnern umfassten.

Die deutsche Führung sah Ungarn zunächst nicht für eine Teilnahme am Krieg gegen die Sowjetunion vor. Hitler weihte Horthy am 24. April 1941 in seine diesbezüglichen Pläne ein. Daraufhin bildete sich in der Militärführung um Generalstabschef Henrik Werth eine Kriegspartei, die die Regierung zu einer Teilnahme am deutschen Angriff zu bewegen versuchte. Dies blieb zunächst vergeblich. Die Regierung ließ lediglich das VIII. Korps an der Grenze zur Sowjetunion verstärken und mehr militärische Aufklärung betreiben. Am 22. Juni wurden diese grenznahen Truppen in Absprache mit der deutschen Seite in erhöhte Bereitschaft versetzt. Am 27. Juni 1941 erklärte Ungarn nach einem vermutlich sowjetischen Bombenangriff auf Kassa der Sowjetunion den Krieg.

Einer der Gründe für die Entsendung ungarischer Truppen an die Ostfront war der militante Antikommunismus der ungarischen Führung. Im August 1936 erklärte Horthy, dass es für die Menschheit kein Heil gebe, . Und den deutschen Angriff am 22. Juni 1941 begrüßte Horthy, mit den Worten, dass er , diesen Tag herbeigesehnt habe, und noch nach Jahrhunderten .Jürgen Förster: Die Gewinnung von Verbündeten in Südosteuropa. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1983, Band 4, S. 348, 358 und 360.

Am 29. Juni tauschten der ungarische Generalstab sowie die deutsche Heeresgruppe Süd und mehrere ihr unterstellte Verbände Verbindungsoffiziere aus. Zur Umsetzung der Kriegsbeteiligung wurde zum 30. Juni das ungarische VIII. Korps mit Hauptquartier in Kassa zur Karpatengruppe umformiert. Der Verband erhielt dazu neben seinen vorherigen Einheiten die 8. Grenzschutz-, die 1. Gebirgsbrigade und das I. bzw. „schnelle“ Korps (zwei motorisierte und eine Kavalleriebrigade, zusammen rund 44.000 Mann) unter Béla Miklós unterstellt. Die Karpetengruppe umfasste rund 93.000 Soldaten. Ungarn stellte damit nach Rumänien das zweitgrößte Kontingent deutsche Verbündeter an der Ostfront.Ákos Fóris: The Hungarian Army’s Way into the Vernichtungskrieg - The Hungarian Troops on the Eastern Front, 1941. In: The Journal of Slavic Military Studies, Volume 34, Issue 4, S. 580–598, hier: S. 581–583.

Die Karpatengruppe operierte vom 1. Juli 1941 an auf dem Gebiet der Sowjetunion. Obwohl es sich bei den eingesetzten Einheiten um die modernsten und am stärksten technisierten der ungarischen Armee handelte, war die Ausrüstung in der Regel der der sowjetischen Truppen unterlegen. Zudem hatte der Übergang zur Offensive kaum vorbereitet stattgefunden, so dass insbesondere die Marschkoordination mangelhaft blieb und praktisch keine eigenständigen Operationen möglich waren. Hitler forderte daraufhin in einem Schreiben an Horthy vom 2. Juli 1941 die Unterstellung der eingesetzten ungarischen Truppen unter die deutsche Heeresgruppe Süd. Horthy stimmte dem am 5. Juli zu. Am 9. Juli erreichten die Deutschen die Herauslösung des I. ungarischen Korps aus der Karpatengruppe und die direkte Unterstellung unter ihre Heeresgruppe Süd. Der ungarische Generalstab verlor damit die Kommandogewalt über diesen Verband.Ákos Fóris: The Hungarian Army’s Way into the Vernichtungskrieg - The Hungarian Troops on the Eastern Front, 1941. In: The Journal of Slavic Military Studies, Volume 34, Issue 4, S. 580–598, hier: S. 583.

Der ungarische Einsatz gegen die Sowjetunion war von Anfang an von inneren und äußeren Konflikten begleitet. So kam es zu teils gewaltsamen Auseinandersetzungen mit formal verbündeten rumänischen Soldaten. Ferenc Szombathelyi, der Kommandeur der Karpatengruppe, schätzte die Erfolgsaussichten des deutschen Ostfeldzugs wesentlich schlechter ein als die hohe Militärführung und warnte vor der militärischen Entblößung des Heimatlands zu Gunsten einer übermäßigen Unterstützung der Verbündeten. Teils weigerten sich Verbindungsoffiziere auch, Gesuche ungarischer Feldoffiziere an die Führung der deutschen Heeresgruppe weiterzugeben. Unter den Soldaten und auch den niedrigen Offiziersränge war die Motivation für die Teilnahme trotz einer weit verbreiteten antisowjetischen Einstellung gering.Ákos Fóris: The Hungarian Army’s Way into the Vernichtungskrieg - The Hungarian Troops on the Eastern Front, 1941. In: The Journal of Slavic Military Studies, Volume 34, Issue 4, S. 580–598, hier: S. 584 f.

Das I. ungarische Korps war im Juli 1941 als Teil der 17. deutschen Armee in schwere Kämpfe verwickelt: Es nahm an der Überwindung der in diesem Bereich stark befestigten Stalin-Linie teil, geriet mit seiner 2. motorisierten Brigade am 27. Juli in eine sowjetische Gegenoffensive und schlug mit seiner 1. Kavalleriebrigade einen sowjetischen Ausbruchsversuch im Rahmen der Kesselschlacht bei Uman zurück.Ákos Fóris: The Hungarian Army’s Way into the Vernichtungskrieg - The Hungarian Troops on the Eastern Front, 1941. In: The Journal of Slavic Military Studies, Volume 34, Issue 4, S. 580–598, hier: S. 585. Bis zum 10. Juli nahmen das I. Korps rund 25.000 Kriegsgefangene. Zahlen für den weiteren Verlauf der Offensive sind nicht mehr überliefert.Ákos Fóris: The Hungarian Army’s Way into the Vernichtungskrieg - The Hungarian Troops on the Eastern Front, 1941. In: The Journal of Slavic Military Studies, Volume 34, Issue 4, S. 580–598, hier: S. 590.

Der Rest der Karpatengruppe war dafür vorgesehen, das Gebiet hinter dem I., „schnellen“ Korps zu besetzen, rückwärtige Aufgaben zu übernehmen und eine Besatzungsverwaltung einzurichten. Die Einheiten waren aber nicht in der Lage, mit der schnell vorrückenden Front Schritt zu halten. Das I. Korps übernahm daraufhin rückwärtige Aufgaben selbst. Zusätzlich bestimmte die deutsche Heeresgruppenführung von Oktober 1941 an auch die 1. ungarische Kavalleriebrigade für rückwärtige Dienste.Ákos Fóris: The Hungarian Army’s Way into the Vernichtungskrieg - The Hungarian Troops on the Eastern Front, 1941. In: The Journal of Slavic Military Studies, Volume 34, Issue 4, S. 580–598, hier: S. 588.

Mitte August 1941 kam es angesichts der an Schwung verlierenden deutschen Offensive zu einem offenen Konflikt zwischen einer Gruppe um Werth, die eine stärkere Beteiligung Ungarns und eine Generalmobilmachung zu diesem Zweck forderte, und Befürwortern einer größeren Zurückhaltung um Szombathelyi. Letztere erhielten die Unterstützung der Regierung und aus dem Umfeld Horthys, so dass Werth am 5. September durch Szombathelyi als Generalstabschef ersetzt wurde. Wenige Tage später setzte die ungarische Seite in Rastenburg bei Verhandlungen mit der deutschen Führung den Abzug des gesamten ungarischen Kontingents durch. Im Gegenzug wurden vier andere Brigaden als Besatzungstruppen in der Sowjetunion angeboten. Formal begann die Zuführung der neuen ungarischen Truppen am 6. November 1941. Die ersten Rückkehrer des I. Korps erreichten am 24. November Ungarn. Bereits weit vorher hatte das I. Korps kaum noch an offensiven Handlungen teilgenommen, weil ein großer Teil seiner Fahrzeuge ausgefallen und seine Gesamtstärke auf dreieinhalb Bataillon zurückgegangen war. Im Korps alleine wurden 855 Gefallene, 277 Vermisste, 2288 Verwundete und 1000 Kranke gezählt. Das entsprach dem Verlust von rund einem Zehntel seiner Mannschaftsstärke.Ákos Fóris: The Hungarian Army’s Way into the Vernichtungskrieg - The Hungarian Troops on the Eastern Front, 1941. In: The Journal of Slavic Military Studies, Volume 34, Issue 4, S. 580–598, hier: S. 585 f.