Eversen ist eine zur niedersächsischen Stadt Bergen gehörende Ortschaft im Landkreis Celle in der Lüneburger Heide. Früheste archäologische Funde stammen aus der älteren Steinzeit, urkundlich wurde Eversen erstmals 1330 in einem Lehnsregister erwähnt. Die am Rande des Naturparks Südheide liegende Ortschaft wurde 1973 nach Bergen eingemeindet und hat bei einer Größe von 3328 ha 1.231 Einwohner (Stand Dezember 2022).

Geografie Lage Eversen liegt am Rande des Naturparks Südheide ca. 16 km nördlich von Celle und ca. 10 km südwestlich von Hermannsburg an der von Celle nach Hermannsburg führenden Landesstraße 240. Die Ortschaft liegt auf einer während der Weichsel-Eiszeit entstandenen Lösssandinsel im Urstromtal der Örtze,Horst Gädcke: Eversen. Ein altes Dorf im Celler Land, 1994. S. 7 ISBN 3-930374-02-1. ist 3.328 ha groß und gliedert sich in die Ortsteile Eversen, Feuerschützenbostel, Altensalzkoth und Kohlenbach. Feuerschützenbostel liegt ca. 2,5 km südwestlich, Altensalzkoth ca. 1,5 km südöstlich und Kohlenbach ca. 2,5 km südöstlich vom Ortsteil Eversen entfernt.

Flächennutzung Für die Gemarkung Eversen sind im Flächennutzungsplan von 1983 angegeben:Franz Rathmann: Dorfbuch Eversen. Ein Haus- und Lesebuch, 1998. S. 352 ISBN 3-921744-09-1.

Nutzungsart Größe Nutzungsart Größe Äcker / Gärten 305 ha Wiesen / Weiden 490 ha Wald 2302 ha Moor 14 ha Heide 4 ha Wege / Gewässer / Bebaute Grundstücke 223 ha

Gewässer mini|Die Örtze in Eversen

Durch Eversen fließen die Örtze, der Mühlenbach sowie der Bruchbach. Der Mühlenbach durchfließt das „alte Dorf“ von Norden nach Süden und mündet in die Örtze. Der Bruchbach fließt quer durch die Gemarkung Eversen. Er dient zum einen als Entwässerungsgraben, zum anderen wurde er in den letzten Jahren vom Fischereiverein Eversen zur Lachsaufzucht genutzt.Franz Rathmann: Dorfbuch Eversen. Ein Haus- und Lesebuch, 1998. S. 359ff. ISBN 3-921744-09-1.

Im alten Dorf liegt der zum Rittergut I gehörende Mühlenteich, der 1638 angelegt wurde. Er hatte eine Größe von ursprünglich knapp 0,75 ha und wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Einbeziehung weiterer Flächen auf 1 ha vergrößert. Bis zum beginnenden 20. Jahrhundert diente er zum Betrieb der gutseigenen Mühle; in den 1970er und 1980er Jahren wurde er für die Fischwirtschaft genutzt.

Weitere Gewässer sind unter anderem ein Nebenarm der Örtze, der sogenannte Kolk, mehrere Fischteiche im Ortsteil Feuerschützenbostel sowie im sogenannten Schummelsbruch, einem östlich des Kernortes gelegenen Waldstück, Wasserflächen, die nach einem Sturm von 1972 zur langfristigen Lagerung von Stammholz angelegt wurden.

Geschichte Dieser Abschnitt behandelt ausschließlich die Geschichte des Ortsteils Eversen. Zur Geschichte der 1929 eingemeindeten Dörfer siehe die Artikel Feuerschützenbostel, Altensalzkoth und Kohlenbach.

Vor- und frühgeschichtliche Zeugnisse Früheste archäologische Funde aus Eversen stammen aus der Zeit der ausgehenden älteren Steinzeit. Funde von Werkzeugen aus Feuerstein sowie Überreste von Feuerstellen zeugen von einer zumindest zeitweisen Besiedlung durch umherziehende Jäger- und Sammler. Für die Mittelsteinzeit bezeugen zahlreiche Funde eine starke Besiedlung der östlich der Örtze gelegenen Sanddünen im Gebiet des heutigen Ortsteils Sandberg. In der Jungsteinzeit und dem Übergang von der aneignenden zur produzierenden Lebensweise wurden die für die Landwirtschaft ungeeigneten Sanddünen als Siedlungsplätze größtenteils aufgegeben. Lediglich am sogenannten Kolk und am Lerchenberg ist auch für diese Zeit eine Besiedlung nachweisbar. Der Zugang zum Wasser und die im Vergleich zu den übrigen Siedlungsplätzen bessere Qualität des Ackerbodens boten hierfür die notwendigen Voraussetzungen. Für die Eisenzeit, d. h. die Zeit von ca. 800 v. Chr. bis 400 n. Chr., sind im Ortsbereich keine Siedlungsspuren nachzuweisen.Franz Rathmann: Dorfbuch Eversen. Ein Haus- und Lesebuch, 1998. S. 14ff. ISBN 3-921744-09-1.

Entstehung des Dorfes Eversen Die Entstehung des bäuerlichen Dorfes kann nicht exakt datiert werden, jedoch ist aufgrund der dort vorherrschenden Langstreifenfelder und der Ortsnamenentwicklung anzunehmen, dass Eversen spätestens im 9. Jahrhundert entstand.Horst Gädcke: Eversen. Ein altes Dorf im Celler Land, 1994. S. 51 ISBN 3-930374-02-1. Eversen gehörte zu dieser Zeit zum altsächsischen Loingau. Urkundlich wurde das Dorf erstmals 1330 in einer Lehnsurkunde als Euersten erwähnt.In einer weiteren Lehnsurkunde wurde ein „Werner bere“ unter anderem mit einem Hof in „euersten“ belehnt. Die Urkunde befindet sich im Lüneburger Lehnsregister Nr. 56.

Gutshöfe mini|1792: Herrenhaus Rittergut Eversen, Gut I mini|1686: Haupthaus des Rittergutes II mini|1700: Herrenhaus Gut Eversen III

In Eversen gibt es drei Rittergüter, denen die Bauernhöfe grundherrschaftlich zugehörig waren, das heißt, sie mussten dem Gutsherrn verschiedene Abgaben und Dienste leisten. Die Besitzer der adligen Höfe, die Gutsherren, mussten im Kriegsfall Reiter, gepanzerte Pferde und bewaffnete Leute zur Verfügung stellen.

Das Gut I Sedelhof, auch Sattelhof genannt, liegt östlich der Dorfstraße. Er wird im Norden und Osten vom Mühlengraben, im Westen vom Mühlenteich und im Süden von der Örtze begrenzt, ist also gänzlich von Wasser umgeben und nur über eine Holzbrücke zugänglich. Wegen seiner vorteilhaften Lage muss er als einer der ältesten Höfe in Eversen betrachtet werden.H. Pröve - Dorf und Gut im alten Herzogtum Lüneburg. Göttingen 1929, S. 46. Der Hof wurde urkundlich erstmals 1424 erwähnt. In einer Lehnsurkunde des Lüneburger Herzogs wurde ein „Carsten von Harling“ unter anderem mit einem Hof in Eversen belehnt. Da die Belehnung wie „von alters hero gehabt“Franz Rathmann: Dorfbuch Eversen, S. 98ff. erfolgte, kann davon ausgegangen werden, dass das Gut I spätestens seit dem Ende des 14. Jahrhunderts im Besitz derer von Harling war. Der Gutshof war einer der wenigen im Fürstentum Lüneburg mit einem Bergfried, d. h. einem befestigten Turm. Die aktuelle Bebauung stammt von 1792, als der Justizrat Carl August von Harling ein neues Gutsgebäude und Stallungen in Fachwerkbauweise errichten ließ.

Der Majorshof, Gut Eversen II liegt am südlichen Ende des alten Dorfes, westlich der Dorfstraße. Er war bis ins 15. Jahrhundert im Eigentum der Familie von Hodenberg, die ihn als Afterlehen an die Familie Tiebermann vergeben hatte. 1495 wurde erstmals die Familie von Harling mit dem Hof belehnt. Der Hof blieb wie zuvor im Besitz der Familie Tiebermann als Aftervasallen. Nach dem Aussterben der Familie Tiebermann im 17. Jahrhundert wurde der Hof nicht neu vergeben. Er ging an den Major Anton Johann von Harling, der das 1686 fertiggestellte Gutshaus bauen ließ. Sein Sohn erbte neben Gut II auch von seinem Onkel Gut I, so dass die beiden Güter vereinigt wurden. Das Gutshaus wurde 1971 verkauft und ist nicht mehr Bestandteil des Gutes.

Das Gut III, entstanden 1573 durch den Erwerb des Beckerhofes, liegt mitten im alten Dorf, westlich der Dorfstraße. Es war ursprünglich eine abgabenpflichtige Hofstelle und erhielt erst Anfang des 17. Jahrhunderts den Rang eines landtagsfähigen Gutshofes. Infolge einer Erbauseinandersetzung trat die auf dem Gut I sitzende sogenannte ältere Linie der Familie von Harling den Hof an die sogenannte jüngere Linie der Familie von Harling ab, die daraufhin mit dem Hof in den Lehnsverband aufgenommen wurde. Das zweistöckige Herrenhaus in Fachwerkbauweise wurde 1700 errichtet. 1834 übertrug Wilhelm IV., König von Großbritannien und Irland sowie in Personalunion König von Hannover, dem Besitzer des Gutes III, Landkommissär (heute: Landrat) Georg Franz von Harling den Gutshof in Feuerschützenbostel als Lehen.

Im Zuge der Landreform kam es zu Ablösungsverträgen. Ab 1830 gingen auch die Lehnsgüter, nach Zahlung einer Ablösesumme an den König von Hannover, in das Eigentum über.

Das bäuerliche Dorf Eversen mini|Bauernhof in Eversen mini|Das in Vierständerbauweise errichtete Fachwerkhaus stammt von 1882. Der Hof wurde 1381 erstmals urkundlich erwähnt und ist einer der ältesten Höfe in Eversen.

Für 1378 wurden in einem Celler Zinsregister drei dem Celler Herzog abgabenpflichtige Vollbauern genannt.Sudendorf - Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande, Band V. Hannover, 1865. Da dieses Register lediglich die dem Herzog grundherrschaftlich zugehörigen Höfe aufführt, kann jedoch nicht gesagt werden, ob zu diesem Zeitpunkt bereits weitere Höfe existierten.Horst Gädcke: Eversen. Ein altes Dorf im Celler Land, 1994. S. 132 ISBN 3-930374-02-1. Kurz darauf kam es zu einer Aufteilung einer der drei dem Herzog pflichtigen Höfe in drei Kötnerstellen. Im Celler Einnahmeverzeichnis von 1381 wurden fünf dem Celler Herzog pflichtige Hofstellen genannt, hinzu kam ein dem Everser Gut II zugehöriger Hof, so dass für diese Zeit von sechs pflichtigen Hofstellen ausgegangen werden kann.

Im beginnenden 15. Jahrhundert wurde der Ort weiter ausgebaut. Die Lehnsbesitzer der Everser Rittergüter nutzten ihr Land, um weitere, ihnen abgabenpflichtige Hofstellen zu schaffen. In einem Schatzregister von 1438 sind bereits zwölf schatzpflichtige Personen aufgeführt.R. Grieser - Das Schatzregister der Grossvogtei Celle von 1438 und andere Quellen zur Bevölkerungsgeschichte der Kreise Celle, Fallingbostel, Soltau und Burgdorf zwischen 1428 und 1442. Hildesheim 1934 S. 21. Die genannten Schatzleistungen lassen für diese Zeit 3 Vollhöfe und 9 Kötnerstellen annehmen.Horst Gädcke: Eversen. Ein altes Dorf im Celler Land, 1994. S. 149 ISBN 3-930374-02-1.

Im 16. und 17. Jahrhundert setzte sich der Ausbau des Ortes fort, der mit der Einrichtung einer dem Gut I pflichtigen Kote von 1692 seinen vorläufigen Abschluss fand.Horst Gädcke: Eversen. Ein altes Dorf im Celler Land, 1994. S. 197 ISBN 3-930374-02-1. Eversen bestand zu dieser Zeit aus 22 pflichtigen Hofstellen, einem gemeindlichen Hirtenhaus und den drei adligen Gütern der Familie von Harling. Hinzu kamen die Häuser der Kleinbauern und der Heuerlinge. Da die Heuerlinge jedoch nur mit wenig Land ausgestattet waren und keine Weiderechte an der Allmende, das heißt, an den der Allgemeinheit gehörenden Flächen besaßen, waren die Besitzer auf Arbeit auf den Gütern angewiesen oder verdienten sich als Salzfahrer der Sülzer Saline ihren Lebensunterhalt.

Von Kriegshandlungen und Plünderungen durch brandschatzende Truppen blieb Eversen in seiner Geschichte verschont, im Gegensatz zu den meisten anderen Heidedörfer in der südlichen Lüneburger Heide.Horst Gädcke: Eversen. Ein altes Dorf im Celler Land, 1994. S. 138 ISBN 3-930374-02-1 Gädcke bezieht sich hier insbesondere auf die Jahre des Lüneburger Erbfolgekrieges. Die umliegenden Moore boten einen natürlichen Schutz für das Dorf. Schwerwiegend waren für die Bauern jedoch die aus dem Dreißigjährigen Krieg resultierenden Kontributionen, die über Jahrzehnte die dörfliche Entwicklung schwächten und zu einer Aufgabe zahlreicher Höfe führten.Horst Gädcke: Eversen. Ein altes Dorf im Celler Land, 1994. S. 196 ISBN 3-930374-02-1.

Zwei Pestwellen führten 1581 und 1642 zu zahlreichen Todesfällen und dem Aussterben mehrerer Familien.Franz Rathmann: Dorfbuch Eversen. Ein Haus- und Lesebuch, 1998. S. 188ff ISBN 3-921744-09-1.