Das Kloster Marienau (lat.: Augia Sanctae Marie) war eine Zisterzienserinnenabtei in Breisach am Rhein, die 1525 während der Bauernkriege zerstört wurde.
Geschichte Gründung Da der Stiftungsbrief des Klosters nicht mehr erhalten ist, können sowohl sein Gründungsdatum als auch seine Stifter nicht genau bestimmt werden. Franz Xaver Krauss gibt an, dass Kloster sei angeblich 1123 von Herzog Berthold IV. von Zähringen gegründet wordenF. X. Krauss: Denkmäler am Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg, Neustadt, Staufen und Waldkirch. S. 73–74, bleibt aber seine Quellen schuldig. Der verstorbene Freiburger Stadtarchivar Berent Schwineköper nennt für die Gründung hingegen das Jahr 1265 und sieht die Basler Bischöfe als Gründer.Klöster in Baden-Württemberg, Landesarchiv
In Aufzeichnungen des Lützeler Abtes Bernhard Buchinger aus dem Jahr 1667 wiederum werden die Markgrafen von Baden-Hachberg oder die Grafen von Freiburg als Gründer aufgeführt: „Monasterium et Abbatia Augia Sancte Maria vulgo Marienawe; extra muros Brisacenses, in Diocesi Constantiensi, fundatur, quantum ex MSStis chartir conji? - cerelicet, ab alterutro, vel comite Friburgensi, vel Marchiore Hachbergensi, vel ab utrisque, incertum quo anno sub Lucellensium abbatum visitatione. Id anno 1525. Civer Brisacenses, rusticerum, tune per Alsatiam et Brisgoiam tumultuantium, complices, fade devagtatum, sa… Virginibus, sibi appropriaverunti,contra quos deinde, abbates Lucellenses, litem apud Regimen Austriacum, ideo intentarunt, quo adhuq indencisa pendet. Monum. Augie Sancte Marie Lucellenses.“Bernhard Buchinger abbas Lucellensis et Mulbrunensis Christianissimi Regis Consiliarius, Epitome Fastorum Lucellensum anno MDCLXVII, in der Humanistischen Bibliothek in Schlettstadt.
(„Kloster und Abtei zur Au der heiligen Maria, zu deutsch Marienawe, außerhalb der Mauern von Breisach, in der Diözese Konstanz, wird, soweit man aus den handschriftlichen Dokumenten schließen kann, vom einen oder anderen, nämlich entweder vom Grafen von Freiburg, oder dem Markgrafen von Hachberg, oder von beiden gegründet, unsicher in welchem Jahr, unter der Visitation der Äbte von Lützel. Dieses haben die Bürger Breisachs als Komplizen der Bauern, die damals durch das Elsass und den Breisgau Tumulte veranstalteten, bis zum Boden zerstört und das Einkommen der Jungfrauen sich angeeignet. Gegen sie strengten dann die Äbte von Lützel einen Prozess bei der Österreichischen Regierung an, der bisher unentschieden anhängig ist.“)
In einer weiteren Quelle aus dem Jahr 1720, die sich in etwa mit Buchinger deckt, steht: „Augia Sancte Mariae, (Germanice Marien-Au) in Diaecesi Constantiens tractu Brisgoiae, extra Muros Brisacenses, sub Visitatione Lucellensi, Fundatores habuit vel Marchiones Hachbergenses, vel Comites Friburgenses, incertum tamen, quo anno fuerit constructum. Tempore Seditionis Rustcanae Cives Brisacenses Rusticorum partibus addicti, hoc Monasterium spoliatum, arque foedè devastatum ad profanos usus in fuum commodum Converrerunt, Abbatibus Lucellensibus litem de Restituendo illo apud Regimen Austriacum ne quidquam intentantibus.“IDEA Chrono-topographica Congregationis per Superiorem Germaniam (1720), S. 138–139
(„Marienau in der Diözese Konstanz und Bezirk Breisgau, außerhalb der Mauern von Breisach, unter der Visitation von Lützel, hatte als Gründer entweder die Markgrafen von Hachberg oder die Grafen von Freiburg, es ist aber unsicher, in welchem Jahr es errichtet wurde. Zur Zeit des Bauernaufstandes haben die Bürger von Breisach, die auf Seiten der Bauern standen, dieses Kloster plünderten, bis zum Boden zerstörten und zu ihrem Vorteil für profane Zwecke verwendet, wobei die Äbte von Lützel für seine Wiederherstellung bei der Österreichischen Regierung nicht das geringste erreichten.“)
Der Prager Pater Augustin Sartorio wusste 1708 Folgendes über das Kloster Marienau zu berichten: „Ein Frauenkloster außerhalb der Stadt Breysach im Constanzer Bisthum / so entweder der Graf von Friburg oder der Marggraf von Hachberg (Baden-Hachberg) oder beide zusammen (unwissend in was für einem Jahr), unter der Visitation des Abbtes von Lützel fundieret. Anno 1525 wurde es im damaligen Bauern-Lerm verwüstet, die geistliche Jungfrauen von dannen verjaget und mithin solch Closter von der Breysacher Bürgerschaft gewaltthätiger Weise an sich gezogen: um dessen Recuperierung zwar der Abbt von gedachtem Lützel bey der oesterreichischen Regierung eifrig gearbeitet, den erzielten Erfolg finde aber nicht in Authore Fast. Lucell. p.150 2, aus welchem ich gegenwärtiges genommen.“Augustin Sartorio: Cistertium-Bis-Tertium 1708 zu Prag. S. 779–780Bernhard Buchinger: Epitome Fastorum = Summarischer Bericht über die Lützler Kongregation.
Martin Hesselbacher, Leiter des Staatlichen Amts für Denkmalpflege in Freiburg, datiert in einer Veröffentlichung als erster das Gründungsdatum des Klosters in die Zeit um 1150: „Das Cistercienserinnenkloster Marienau ist höchstwahrscheinlich schon vor der staufischen Stadtgründung - 1185, also etwa um 1150 gestiftet und am Fuße des Eckartsberges angelegt worden. Über das Aussehen dieses Klosters, das bereits 1525 dem Bau von Befestigungswerken weichen mußte, ist heute nichts mehr bekannt. Doch war das Kloster für Breisach von großer Bedeutung. Das heute im Münster aufgestellte Chorgestühl stammt noch aus Marienau.“Martin Hesselbacher: Der Mons Brisiacus unter Denkmal gestellt. In: Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Heft 2. 1959, S. 34
Darüber hinaus existiert im Kloster Lichtenthal eine Marienauer Handakte, die das Gründungsjahr ebenfalls mit 1150 angibtDas Kloster Lichtenthal ist eine Gründung der Markgrafen von Baden und wird mit Badisches Hauskloster betitelt. Auch das Kloster Marienau trug diesen Titel..
Obwohl also das genaue Gründungsdatum nicht bekannt ist, gibt es jedoch einige Fakten, die eine grobe zeitliche Einordnung zulassen. Das Mutterkloster Marienaus war nachweislich das Kloster Lützel im Oberelsass in der Grafschaft Pfirt an der Schweizer Grenze. Und ebendieses Kloster wurde selbst erst 1123 durch Bellevaux, eine in der Franche-Comté gelegene Tochter der Primarabtei Morimond, gegründet.
Hinzu kommt, dass der Bischof von Basel, Heinrich III. von Neuenburg-Erguel, die Zisterzienser 1265 um Aufnahme des Klosters in den Orden bat. Das Generalkapitel entsandte die Äbte von Tennenbach und Wachstatt bei Besançon (Lieu Croissant oder auch Trois Rois genannt) zur Prüfung und Befähigung vor Aufnahme. In den Statuten des Generalkapitels von 1265 heißt es dazu: „Inspectio abbatiae monialium Augiae sanctae Mariae iuxta Brisacum quem petit incorporari ordini episcopus Basiliensis de Loco crescente et de Porta cöli abbatibus committitur.“Statuta capitulorum generalium ordinis Cisterciensis. In: J. M. Canivez (Hrsg.): Bibliothèque de la revue d’histoire ecclésiastique. Fasc. 11, Bd. 3, 1935, S. 35, Nr. 26
(„Die Besichtigung der Nonnenabtei Marienau neben Breisach, deren Inkorporation in den Orden der Bischof von Basel erbittet, wird den Äbten von Lieu Croissant und Thennenbach anvertraut.“)
Die frühen Jahre In der Frühzeit Marienaus stachen besonders zwei Familien durch reiche Schenkungen an das Kloster hervor. Dabei handelte es sich zum einen um die Breisacher Patrizierfamilie Pforr und zum anderen um das Adelsgeschlecht derer von Rathsamhausen. So erließ Ritter Rudolf von Rathsamhausen der Äbtissin und dem Konvent Marienau am 31. Dezember 1270 alle Schulden und erklärte auch die Bürgen, die ihm hierfür gestellt worden waren, von allen Verbindlichkeiten frei. Desgleichen sollte ihnen auch das, was sie ihm vielleicht in Zukunft noch schuldig werden sollten, nach seinem Tod erlassen sein.
Dezember 31. Nouerint vniuersi presentem literam inspecturj/quod Ego Ruedolfus miles de Racenhusen/venerabiles in xpo. . Abbatissam et conuentum Augie Sancte Marie/absoluo/ab omnj debitorum solucione/in quibus michi iam tenentur/ fideiussores etiam/michi pro eisdem datos/protestans liberos de soluendo/Ceterum si deinceps de bonis meis/ per mutuum siue per alium quemcunque modum/ me valente quicquam receperint/ et de hoc ad reddendum fuerint obligate/ volo et protestor presentibus/ ut post/ mortem meam/ ipsis libere cedat/ quicquid exinde remanserit insolutum/ Et ut prelibata robur obtineant firmitatis/ Sigilla Burgensium de Brisaco/ et meum presentibus sunt appensa/ Actum et datum Brisaci/ presentibus/ Hiltebrando Sculteto, Gunthero de Ansolzthen/ ChuonR(at) de Reno/ Ruedegero de Buezzenshe(im)/ et/ Ruedegero Monetario/ ChuonR(at) de Hostat/ Burchardo papa/ HenR(icus) dicto Schatan et/ walthero ze dem Rueste/ Anno domini/ M/ CC/ LXXj/ pridie kal Januarij.Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Corpus der Altdeutschen Originalurkunden, bis zum Jahr 1300. Bd. I., Lahr 1932 S. 189, und Stadt-Archiv Breisach Nr. 525
Doch trotz solcher Schenkungen hatte das Kloster offenbar finanzielle Schwierigkeiten, denn im Jahr 1283 verfügten die Äbte der Klöster Bellevaux und Lützel, dass Marienau während der kommenden sechs Jahre aus Mangel an Vermögen keine Klosterfrauen aufnehmen dürfeKarl Rieder: Die Archivalien des Münsterarchivs zu Breisach. In: ZGO 56 (1902), S. m 32.:
Nos frater P. de Bellavalle et nos frater C. de Lucela abbates ordinis Cisterciensis, Bisuntinensis et Basiliensis diocesis, universis has litteras inspecturis salutem in domino sempiternam. Cum ex regimine pastoralis officii licet indigne nobis inpositi et conmissi cunctis nobis subiectis, ne in deterius labantur, immo pocius ut ad prospera proficiant, teneamur, in quantum ipse a quo bona cuncta procedunt dederit, providere: notum sit omnibus, quos nosse oportunum fuerit, per presentes, quod nos provida deliberacione habita pro conmuni utilitate filie nostre, domus Augee sancte Marie juxta Brisacum, monialium ordinis nostri, ne ipsa domus nimietate personarum opressa in desperationis baratrum laberetur, sponsionem sacramentalem atque corporalem per posicionem manuum super regulam recepimus a singulis monialibus spontaneis non coactis, ut infra spatium sex annorum nullam personam recepiant ad regularem habitum vel convictum, donec numerus iam receptarum personarum adeo fuerit inminutus, ut heedem de proprio vivere possint et mendicitatis ruborem valeant devitare.
(„Wir, Bruder P. von Bellevaux und Bruder C. (Conrad "Prudentia" 12. Abt) von Lützel, Äbte des Zisterzienserordens, haben zum allgemeinen Nutzen unserer Tochter, dem Haus Au der heiligen Maria bei Breisach, Nonnen unseres Ordens, damit dieses Haus nicht durch eine Überzahl von Personen in das Grab der Hoffnungslosigkeit falle, ein eidliches und körperliches Versprechen durch das Auflegen der Hände auf die Regel von allen einzelnen Nonnen, freiwillig und nicht gezwungen entgegengenommen, dass sie innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren keine einzige Person zur Einkleidung oder zum Gemeinschaftsleben aufnehmen, bis die Zahl der bereits aufgenommenen Personen derart vermindert ist, dass diese vom eigenen Gut leben können.“)Krieger, 146, Z. 13, 51
Später aber folgten zahlreiche Schenkungen Breisacher Bürger und Anwohner umliegender Siedlungen und Städte, deren Töchter im Kloster als Nonnen lebten, und so dafür sorgten, dass die Abtei im Laufe der Jahre ein beträchtliches Vermögen ansammeln konnte.
Schauplatz im Oberrheinischen Städtekrieg 1367 war das Kloster Marienau Schauplatz eines blutigen Kampfes im Zuge des sogenannten Oberrheinischen Städtekrieges. Während eines Streits der Stadt Freiburg mit ihrem Grafen Egino III. belagerten Freiburger Truppen mit Hilfe von Basler, Neuenburger, Kenzingener und Breisacher Bürgern die Stadt Endingen, in der sich der Graf verschanzt hatte. Als aber Truppen zur Unterstützung Eginos anrückten, flohen die Belagerer in Richtung Breisach. Die Freiburger Grafen und ihre Verbündeten verfolgten sie bis an das Obertor des Marienauer Klosters und konnten sie dort stellen. In dem sich anschließenden Kampf kamen mehr als 90 Prozent der einstigen Belagerer um.