Die Cleveland-Klasse war eine Klasse Leichter Kreuzer der United States Navy. Zwischen Juni 1942 und Oktober 1946 wurden 27 Kreuzer der Klasse in Dienst gestellt, sie blieben bis 1956 im Einsatz. Die Kreuzer wurden hauptsächlich auf dem pazifischen Kriegsschauplatz eingesetzt, einige aber auch in Europa und vor der Küste Nordafrikas. Lediglich ein Schiff – die USS Manchester – operierte während des Koreakriegs. Neun weitere bereits als Kreuzer auf Kiel gelegte Rümpfe wurden zwischen 1941 und 1943 als leichte Flugzeugträger der Independence-Klasse fertiggestellt. Zwischen 1957 und 1960 wurden sechs der Schiffe zu Lenkwaffenkreuzern umgebaut, die dann als Galveston- und Providence-Klasse eingeteilten Schiffe blieben bis 1979 im Einsatz.
Geschichte Planung und Bau mini|hochkant|links|Das Typschiff, die Cleveland, im Bau bei New York Shipbuilding Die Cleveland-Klasse wurde Ende der 1930er-Jahre als Weiterentwicklung der Brooklyn-Klasse entworfen, die noch unter den Bedingungen und Einschränkungen des Washingtoner Flottenabkommens von 1922 geplant und gebaut wurden. Nach dem Wegfall der vertraglich geregelten Bewaffnungs- und Tonnagegrenzen und nach ersten Erfahrungen anderer kriegführender Staaten mit ihren Kreuzern wurde bei den neuen Kreuzern ein erhöhtes Augenmerk auf eine größere Reichweite und besseren Schutz vor Luftangriffen gelegt. Um diese Ziele ohne zu große Tonnagezuwächse zu erreichen, wurde beim neuen Entwurf auf den fünften Drillingsturm verzichtet, der noch prägend für das Aussehen der Brooklyn-Klasse gewesen war. Auch der Verbesserung der Aufklärungselektronik wurde Rechnung getragen, die Brückenaufbauten erhielten zusätzlichen Platz für Auswertungsräume und verbesserte Nachrichtenverbindungen. Auch wurde gegenüber den Vorgängerklassen der Unterwasserschutz verstärkt.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach. S. 174.
Die Regierung genehmigte den Bau von insgesamt 39 Kreuzern der Cleveland-Klasse zum Stückpreis von 31 Millionen US-Dollar, wobei die tatsächlichen Baukosten der Kriegseinheiten aber über 40 Millionen US-Dollar betrugen. 33 Einheiten wurden in das Finanzjahr 1940 aufgenommen sowie jeweils drei in die Jahre 1941 und 1942. Die Aufträge wurden an fünf Werften an der Ostküste der Vereinigten Staaten verteilt, mit 17 Schiffen erhielt New York Shipbuilding in Camden, New Jersey den größten Einzelauftrag. Neun der Kreuzer wurden dann aber als leichte Flugzeugträger vollendet. Acht Kreuzer wurden bei Newport News Shipbuilding in Newport News, Virginia auf Kiel gelegt. Jeweils sechs Kreuzer wurden beim Fore River Shipyard von Bethlehem Steel in Massachusetts sowie bei William Cramp and Sons in Philadelphia gebaut. Der Bauauftrag für zwei Kreuzer, der an die Federal Shipbuilding and Drydock Company in Kearny, New Jersey gegangen war, wurde am 16. Dezember 1940 noch weit vor Baubeginn storniert, damit die Werft sich auf den Bau von Zerstörern konzentrieren konnte.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach. S. 326ff. Es bestanden Überlegungen, insgesamt bis zu 52 Kreuzer der Cleveland-Klasse zu bauen.
Einheiten Nachfolgend eine Übersicht aller 36 geplanten Kreuzer, inklusive der Umbauten zu leichten Flugzeugträgern. Kennnummer Name In Dienst Außer Dienst Verbleib/Schicksal CL-55 Cleveland 15. Juni 1942 7. Februar 1947 abgebrochen CL-56 Columbia 29. Juli 1942 30. November 1946 abgebrochen CL-57 Montpelier 9. September 1942 24. Januar 1947 abgebrochen CL-58 Denver 15. Oktober 1942 7. Februar 1947 abgebrochen CL-59 Amsterdam (als Independence fertiggestellt) CL-60 Santa Fe 24. November 1942 19. Oktober 1946 abgebrochen CL-61 Tallahassee (als Princeton fertiggestellt) CL-62 Birmingham 29. Januar 1943 2. Januar 1947 abgebrochen CL-63 Mobile 24. März 1943 9. Mai 1947 abgebrochen CL-64 Vincennes 21. Januar 1944 10. September 1946 abgebrochen CL-65 Pasadena 8. Juni 1944 12. Januar 1950 abgebrochen CL-66/CLG-7/CG-7 Springfield 9. September 1944 15. Mai 1974 abgebrochen CL-67/CLG-8 Topeka 23. Dezember 1944 5. Juni 1969 abgebrochen CL-76 New Haven (als Belleau Wood fertiggestellt) CL-77 Huntington (als Cowpens fertiggestellt) CL-78 Dayton (als Monterey fertiggestellt) CL-79 Wilmington (als Cabot fertiggestellt) CL-80 Biloxi 31. August 1943 29. Oktober 1946 abgebrochen CL-81 Houston 20. Dezember 1943 15. Dezember 1947 abgebrochen CL-82/CLG-6/CG-6 Providence 15. Mai 1945 1. Juli 1973 abgebrochen CL-83 Manchester 29. Oktober 1946 27. Mai 1956 abgebrochen CL-85 Fargo (als Langley fertiggestellt) CL-84 unbenannt Bau am 16. Dezember 1940 suspendiert CL-86 Vicksburg 12. Juni 1944 30. Juni 1946 abgebrochen CL-87 Duluth 18. September 1944 25. Juni 1946 abgebrochen CL-88 unbenannt Bau am 16. Dezember 1940 suspendiert CL-89 Miami 28. Dezember 1943 30. Juni 1947 abgebrochen CL-90 Astoria 17. Mai 1944 1. Juni 1947 abgebrochen CL-91/CLG-5/CG-5 Oklahoma City 22. Dezember 1944 15. Dezember 1979 1999 als Zielschiff versenkt CL-92/CLG-4/CG-4 Little Rock 17. Juni 1945 22. November 1976 Museumsschiff in Buffalo CL-93/CLG-3 Galveston 28. Mai 1958 25. Mai 1970 abgebrochen CL-94 Youngstown Bau am 12. August 1945 abgebrochen, verschrottet CL-99 Buffalo (als Bataan fertiggestellt) CL-100 Newark (als San Jacinto fertiggestellt) CL-101 Amsterdam 8. Januar 1945 30. Juni 1946 abgebrochen CL-102 Portsmouth 25. Juni 1945 15. Juni 1949 abgebrochen CL-103 Wilkes-Barre 1. Juli 1944 9. Oktober 1947 1972 versenkt CL-104/IX-304 Atlanta 3. Dezember 1944 1. April 1970 1970 als Zielschiff versenkt CL-105 Dayton 7. Januar 1945 1. März 1949 abgebrochen
Modifikationen und Umbauten Neun Kreuzer der Cleveland-Klasse wurden kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor in einem Notprogramm zu leichten Flugzeugträgern umgebaut und als Independence-Klasse bei der US-Marine in Dienst gestellt.
Um der Topplastigkeit der Kreuzer vorzubeugen, wurde ab dem achten Schiff der Klasse die Panzerung der Aufbauten verringert, zudem wurden während des Krieges Modifikationen an der Bewaffnung und der Elektronik vorgenommen. Aus den gleichen Gründen wurde 1942 eine weiterentwickelte Kreuzerklasse entworfen, die durch verschiedene Modifikationen an Aufbauten und Bewaffnung eine höhere Stabilität erhalten sollten. Von diesen als Fargo-Klasse klassifizierten Schiffen wurden allerdings nur zwei Exemplare fertiggestellt, die erst nach dem Kriegsende die Einsatzbereitschaft erreichten.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach. S. 210.
In den 1950er-Jahren wurden sechs Kreuzer (Galveston, Little Rock, Oklahoma City, Providence, Springfield, Topeka) zu Lenkwaffenkreuzern umgebaut. Sie erhielten anstelle der achteren 152-mm-Geschütze einen Zwillingsstarter für radargesteuerte Flugabwehrraketen. Die drei mit dem Talos-System ausgerüsteten Schiffe wurden als Galveston-Klasse eingeteilt, die drei Schiffe mit dem Terrier-FK-System wurden als Providence-Klasse klassifiziert. Innerhalb der Klassen gab es Unterschiede. Jeweils zwei Schiffe der Klassen (Little Rock, Oklahoma City, Providence, Springfield) erhielten anstelle des zweiten schweren vorderen Geschützturms größere Brückenaufbauten mit Stabsräumen, um sie als Flottenflaggschiffe einsetzen zu können. Das dritte Schiff der Klasse behielt jeweils zwei 152-mm-Drillingstürme.
Anfang der 1960er Jahre wurde mit dem Umbau der Atlanta zum „shock test target ship“ begonnen. Sie erhielt neue Aufbauten, wurde mit modernster Elektronik und Radaranlagen ausgerüstet und ab 1965 zur Erforschung der Auswirkungen von Druckwellen auf Schiffe eingesetzt.
Dienstzeit und Verbleib Die 27 fertiggestellten Kreuzer der Klasse wurden zwischen Juni 1942 und Oktober 1946 in Dienst gestellt. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein Großteil der Schiffe eingemottet und der Reserveflotte überstellt, nur die Pasadena und die Manchester blieben bis 1950 beziehungsweise 1956 in der aktiven Flotte. Die zu Lenkwaffenkreuzern umgerüsteten Schiffe wurden zwischen 1969 und 1979 ausgemustert.
Nur die Little Rock blieb erhalten, sie liegt heute als Museumsschiff im Buffalo and Erie County Naval & Military Park in Buffalo, New York am Ufer des Eriesees. Alle anderen Schiffe wurden entweder abgebrochen und verschrottet oder als Zielschiffe versenkt.
Technik mini|hochkant=2|zentriert|Risszeichnung eines Kreuzers der Cleveland-Klasse
Rumpf und Panzerung Der Rumpf eines Kreuzers der Cleveland-Klasse war 186 Meter lang und 20,2 Meter breit. Der Tiefgang betrug etwa 7,5 Meter, die Standardverdrängung lag bei 11.744 ts, die Einsatzverdrängung bei etwa 14.100 ts. Durch Umbauten während des Krieges stieg die Verdrängung auf knapp 14.400 ts, der Tiefgang auf 7,6 Meter. Die Lenkwaffenumbauten der Nachkriegszeit hatten mit 10.670 ts eine geringere Leerverdrängung als die Ursprungsversion während des Krieges, was vor allem durch die Entfernung der schweren Geschütztürme bedingt war. Die maximale Einsatzverdrängung der Lenkwaffenkreuzer lag bei 14.600 ts.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach. S. 320.
mini|Die Santa Fe rollt schwer während eines Taifuns 1944 Die Decksaufbauten erstreckten sich über das mittlere Drittel des Rumpfs. Das erste Oberdeck erstreckte sich über die gesamte Länge der Aufbauten, darüber waren diese zwischen den beiden Schornsteinen, deren Spitzen 23,5 Meter über Wasserlinie lagen, geteilt. Die höchste Mastspitze der Kreuzer befand sich 34,5 Meter über der Wasserlinie. Die Aufbauten sollten ursprünglich aus einer leichten Aluminiumlegierung hergestellt werden – der Aluminiummangel während der Bauzeit zwang aber zur Verwendung von Schiffbaustahl. Dadurch erhöhte sich die Topplastigkeit der Kreuzer, die Schiffe galten als sehr instabil und schlinger- und rollanfällig.
Wichtige Schiffssysteme wurden durch einen 121 Meter langen Panzergürtel aus 127 mm starkem Panzerstahl geschützt, die restliche Rumpfpanzerung war 38 mm stark. Die Stärke der Deckspanzerung betrug 50 mm, die Schotten waren 127 mm stark. Die Geschütztürme waren an der Vorderseite mit 165 mm Panzerstahl verstärkt, die Seiten und das Dach jeweils mit 76 mm. Die Stärke der Panzerung des Kommandoturms lag bei 127 mm Stärke an den Seiten und 76 mm auf dem Dach.Adcock: US Light Cruisers in action (Warships No. 12). S. 36. Ab dem achten Schiff der Klasse, der USS Vincennes, wurde auf die Panzerung der Kommandobrücke verzichtet und die Zitadelle entfernt, um die Topplastigkeit der Schiffe zu verringern.
Im Gegensatz zu älteren Kreuzerklassen verfügten die Schiffe über keine Bullaugen oder Öffnungen in den Bordwänden mehr, was einerseits den Schutz erhöhte, andererseits aber eine vollständige künstliche Beleuchtung und Belüftung der unteren Decks erforderte. Zudem war im Vergleich mit der Brooklyn-Klasse die Unterteilung des Rumpfes in wasserdichte Abteilungen verbessert, was die Überlebensfähigkeit der Schiffe erhöhte.
Antrieb Die Antriebsanlage der Kreuzer bestand aus vier Getriebeturbinen von General Electric, die ihren Dampf mit 43,7 bar Druck aus vier Kesseln von Babcock & Wilcox erhielten. Die Antriebsanlage hatte eine Gesamtleistung von 100.000 PS und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 32,5 Knoten. Der Treibstoffvorrat variierte je nach Baulos und betrug zwischen 1507 und 2100 Tonnen Schweröl, damit lag die Reichweite bei 15 Knoten bei 11.000 Seemeilen. Für Notfälle verfügten die Schiffe über zwei dieselgetriebene Notstromaggregate mit jeweils 250 Kilowatt Leistung.
Bewaffnung Hauptartillerie mini|Die achteren Geschütztürme der Columbia eröffnen das Feuer auf die Shortland-Inseln