Die Landesschule Pforta ist ein Internatsgymnasium zur Förderung begabter Schüler.Begabtenförderung und Internatsleben an der Landesschule Pforta. Homepage der Schule, abgerufen am 14. Februar 2021.Dorothee Nolte: Begabtenförderung – Wo Nietzsche zur Schule ging. In: Tagesspiegel, 31. Mai 2025, abgerufen am 17. April 2026. Sie besteht seit 1543 und ist eine der ältesten Bildungseinrichtungen in Mitteldeutschland. Die Schule nutzt seit ihrer Gründung Gelände und Gebäude der einstigen Zisterzienserabtei Pforta in Schulpforte, einem Ortsteil von Naumburg im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Die Schüler haben die Möglichkeit, in den Bereichen Musik, Naturwissenschaften oder Sprachen eine spezielle Förderung zu erhalten.
Die Schule ist eine der drei Fürstenschulen, die im Jahr 1543 bzw. 1550 von Herzog Moritz von Sachsen nach der Umwandlung von Klöstern gegründet wurden. Diese Schulen sind die ältesten staatlichen Schulen in Deutschland.Volker Beyrich: 1549: Herzog Moritz macht Weg frei für Fürstenschule in Grimma – Kurfürst von Sachsen regelt freie Bildung und ermöglicht Söhnen ärmerer Stadtbürger den Zugang. In: Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Muldental, 4. Juni 2018, S. 28 (Thema des Tages).
Von 1543 bis 2018 haben (laut Immatrikulationsbuch) 21.291 Schüler die Landesschule Pforta besucht.Gut gehüteter Schatz in der Schul-Bibliothek, Artikel in der Leipziger Volkszeitung, Printausgabe, 10. April 2018, S. 4. Im Jahr 2018 feierte die Schule ihr 475-jähriges Jubiläum.
Geschichte mini|Erker-Relief über der Torhaus-Einfahrt von Schulpforta mini|Tafel an der Toreinfahrt zur Landesschule Pforta mini|Das Torhaus mini|hochkant|Lageplan der Schul- und Wirtschaftsgebäude von 1868 mini|Die Fürstenschule zu Schulpforta
Bischof Udo I. von Naumburg verlegte 1137 das wenige Jahre zuvor in Schmölln gestiftete und mit Mönchen aus dem Kloster Walkenried besetzte Zisterzienser-Kloster an die Saale und gab ihm den Namen Claustrum apud Portam (Kloster an der Pforte) oder Porta MariaeLeopold Janauschek: Originum Cisterciensium Tomus Primus. Wien 1877, S. 25. (Marien-Pforte). Die gebräuchlichste lateinische Bezeichnung der Stiftung lautete: Claustrum Sanctae Mariae ad Portam,Gerhard Arnhardt: Schulpforte. Verlag Volk und Wissen, 1988, S. 15. wörtlich übersetzt Kloster der heiligen Maria an dem Tore. Die Mönche kultivierten das Land um das Kloster und machten es so zu einem der reichsten Klöster Ostthüringens. 1150 wurde die Klosterkirche als romanische Basilika errichtet und von 1251 bis 1320 zur heutigen gotischen Klosterkirche umgebaut.
1209 wurden dem monasterium Cisterciensis ordinis apud Portam, das unter besonderem Schutz der sächsischen Herzöge stand, 27 Orte gehörig genannt mit einer Gesamtanzahl von 163 Hufen, zuzüglich von Waldungen und Wiesen. Später wurde das Kloster durch Erbschaften, Schenkungen und Kauf einer der größten Grundbesitzer im nördlichen Thüringen.
Mit der Reformation ließ Herzog Heinrich der Fromme das Zisterzienserkloster 1540 schließen. Die Klostergüter wurden ab 1543 im „Schulamt Pforta“ zusammengefasst, dessen Amtmann zugleich die Wirtschaftsangelegenheiten der neu gegründeten Landesschule verwaltete.
Nach längeren Verhandlungen über die weitere Nutzung der Gebäude des säkularisierten Klosters gründete Herzog Moritz von Sachsen, ab 1547 Kurfürst, am 21. Mai 1543 Schulpforta als eine von drei Landesschulen für Knaben. Moritz setzte damit einen Rat von Georg von Carlowitz, den dieser ihm 1537 gegeben hatte,Aus diesen Einrichtungen gingen bis 1900 in Meißen rund 9100 und in Grimma rund 7500 zumeist sehr gut ausgebildete Schulabsolventen hervor; in Pforta, das ab 1815 preußisch wurde, waren es 12400, die nach ihrem Universitäts-Studium optimal auf ihre Aufgaben in Verwaltung, Kirche, Wissenschaft, Militär und Regierung vorbereitet waren. Dieses „sächsische Landes- und Fürstenschul-Modell“ erwies sich als so erfolgreich, dass es bald anderswo Nachahmer fand: So entstanden nach dem Vorbild dieser drei Schulen beispielsweise die Fürstenschule Schwerin, gegründet 1553 von Herzog Johann Albrecht I., die Fürstenschule Heilsbronn, 1582 gegründet von Markgraf Georg Friedrich an der Stelle eines 1578 geschlossenen Klosters, das Joachimsthalsche Gymnasium, gegründet 1607 in Joachimsthal in Brandenburg unter Kurfürst Joachim Friedrich und die Fürstenschule Neustadt (Hochfürstlich Brandenburgisch-Culmbachische Teutsche und Lateinische Stadtschule). In: pforta.de in die Tat um: Er erließ am 21. Mai 1543 die „Neue Landesordnung“, mit der im Abschnitt Von dreyen neuen Schulen die dauerhafte Grundlage für die Fürsten- und Landesschulen Pforta (1543) bei Naumburg, St. Afra (1543) in Meißen und – nach dem Veto des Bischofs von Merseburg gegen eine solche Schulgründung in seiner Stadt – St. Augustin (1550) in Grimma geschaffen wurde. In: landesschule-pforta.de
Vom bedeutenden Pädagogen Friedrich Paulsen stammt die viel diskutierte These, die drei sächsischen Fürstenschulen seien seit 1543 die leistungsfähigsten hochschulvorbereitenden Einrichtungen im protestantisch-deutschsprachigen Raum gewesen., abgerufen am 16. Mai 2014.
150 Jungen aus allen Schichten erhielten hier eine Hochschulausbildung. Der Besuch war schulgeldfrei. Zur materiellen Absicherung der Schule übertrug Herzog Moritz den ehemaligen Klosterbesitz der Stiftung Schulpforte. Von 1573 bis 1575 wurde die Schule umgebaut und erweitert.
Nach den Napoleonischen Kriegen musste das Königreich Sachsen auf dem Wiener Kongress von 1815 seine Landesteile in Thüringen an Preußen abtreten, darunter auch das Gebiet von Schulpforta. 1850 erfolgte der Bau des Torhauses durch Friedrich August Stüler.
Von der Schulgründung bis Ende des 19. Jahrhunderts hatten Pforta rund 12400 Schüler besucht.Jonas Flöter, Marita Pesenecker: Erziehung zur Elite. Die Fürsten- und Landesschulen zu Grimma, Meißen und Schulpforte um 1900. Publikation zur Ausstellung im Kreismuseum Grimma. Leipzig 2003, ISBN 3-937209-33-6, S. 95.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Schule 1935 in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA, NAPOLA) umgewandelt. Sie diente diesem Zweck bis zur Besetzung durch die Amerikaner. Am 12. April 1945 wurden benachbarte Höhen und das Kloster selber durch amerikanische Artillerie und Panzergranaten beschossen. Der Erker des Portals, das Mühlengebäude und die Krankenanstalt wurden getroffen. Opfer gab es nicht, da die Bewohner in die Luftschutzräume geflüchtet waren.Jürgen Möller (Historiker): Kriegsende an Saale und Unstrut. April 1945. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013, S. 137.
Nach dem Kriegsende bis 1950 unternahm man zunächst den Versuch, die Schule mit dem Schulsystem der Weimarer Republik weiterzuführen. Durch die Bodenreform in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone wurde der Stiftungsbesitz enteignet. Nach der Gründung der DDR wurde die Stiftung Schulpforte 1949 schließlich aufgehoben und die Einrichtung in eine Erweiterte Oberschule umgewandelt, die zur Hochschulreife führte. Gleichzeitig nahm die Schule erstmals Mädchen auf. Von 1958 bis 1990 hatte Schulpforta den Status einer Erweiterten (Heim)-Oberschule mit 360 Internatsplätzen. In den Jahren 1981 und 1982 richtete man Spezialklassen für Musik und Fremdsprachen ein.
Im Jahr 1968 wurde auf Anregung ehemaliger Schüler der Landesschule Pforta die Evangelische Landesschule zur Pforte im westfälischen Meinerzhagen gegründet, die die Tradition der Fürstenschulen zur Zeit der Teilung Deutschlands in Westdeutschland fortführte. Aufnahmebedingung war jeweils eine entsprechende Begabung unabhängig von der Herkunft. Nach Wiedereinrichtung der Landesschule Pforta wurde die Schule Ende der 1990er Jahre geschlossen und das Gebäude 2005 abgerissen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Schulpforta 1990 das Internatsgymnasium Landesschule Pforta in der Trägerschaft des Bundeslandes Sachsen-Anhalt für zirka 400 Schüler. Die Klassen 9 bis 12 werden in den Ausbildungszweigen Sprachen, Musik und Naturwissenschaften unterrichtet, für die eine Aufnahmeprüfung abzulegen ist. Durch die Änderung des Schulgesetzes in Sachsen-Anhalt und nach der damit verbundenen Wiedereinführung des Abiturs nach zwölf Jahren an allen Gymnasien des Landes erreicht man auch an der Landesschule Pforta die allgemeine Hochschulreife nach zwölfjährigem Unterricht. Das Internat, in dem alle Schüler leben, und die damit verbundenen Aufgaben für die Gemeinschaft bestimmen weitgehend den Tagesablauf. Als besonderer Unterricht gelten für die Musikschüler Stimmbildung, Schulpraktisches Musizieren, Chorleitung und Chor, für den Zweig der Naturwissenschaftler Logik, Astronomie, Informatik und ein Jahrespraktikum in der 11. Klasse. Für die Sprachenschüler wird Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Latein und Altgriechisch angeboten. 1992 erfolgte die Wiedererrichtung der Stiftung Schulpforta als gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts.
Nachdem Karl Büchsenschütz, langjähriger Rector Portensis, zum Ende des Schuljahres 2005 pensioniert wurde, übernahm Hans-Jörg Däumer, der bisherige Leiter des Gymnasiums Laucha, am 1. August 2005 übergangsweise die Stelle des Rektors der Landesschule. Nach einem bundesweit offenen Bewerbungsverfahren wurde Bernd Westermeyer, bisher stellvertretender Schulleiter des Ökumenischen Domgymnasiums Magdeburg, als Rector Portensis vorgestellt. Er trat sein Amt zum Beginn des Schuljahres 2007/08 an, wurde jedoch bereits zum Schuljahr 2012/13 als Gesamtleiter der Schule Schloss Salem berufen. Sein Amt wurde am 1. Oktober 2012 vom vormaligen stellvertretenden Direktor des Landesgymnasiums für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd, Thomas Schödel, übernommen.Landesschule Pforta: Abgerufen am 31. Oktober 2012
Zu den historischen Namen Als sich die Klöster in der Folge der Reformation leerten, stellte sich die Frage, was mit den Gebäuden und dem beträchtlichen Grundbesitz geschehen sollte. Herzog Moritz von Sachsen entschloss sich, in drei dieser Klöster Schulen einzurichten. Damit entstanden Schulen, deren Träger der Landesherr war, also staatliche Schulen.
Daher stammen auch die historischen Namen dieser Schulen – es waren kurfürstliche Schulen, also Fürstenschulen. Zudem waren sie Schulen im bzw. für den Machtbereich des Herrschers, also für das Kurfürstentum, für das Königreich (ab 1806), für den Freistaat Sachsen (ab 1919) – kurzum für das „Land“, woraus sich die Bezeichnung Landesschulen ergab.Volker Beyrich: 1549: Herzog Moritz macht Weg frei für Fürstenschule in Grimma – Kurfürst von Sachsen regelt freie Bildung und ermöglicht Söhnen ärmerer Stadtbürger den Zugang. In: Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Muldental, 4. Juni 2018, S. 28 (Thema des Tages).
Reformation und die Landesschule Volker Beyrich verweist im Zusammenhang mit der Luther-Dekade und dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ 2017 darauf, dass die drei Fürstenschulen in Schulpforta, Meißen und Grimma beabsichtigte „stabilisierende Rückwirkungen“ auf die Reformation hatten, wie der Text der Stiftungsurkunde belegt: Die Schulen sollten gegründet werden, „damit es mit der Zeit an Kirchendienern … nicht Mangel gewinne“, das heißt, es sollten rechtzeitig genügend hervorragend ausgebildete Landesschulabgänger für das Theologiestudium zur Verfügung stehen, Absolventen, die später als Pfarrer in evangelisch-lutherischen Gemeinden tätig werden oder höhere kirchliche Ämter ausüben konnten. So studierten nach Beyrichs Recherche beispielsweise von den 25 Knaben, die im Gründungsjahr 1550 in die Schule in Grimma aufgenommen wurden und für die der spätere Beruf bekannt ist, 15 Theologie. Untersuchungen zu 550 Schülern, die von 1701 bis 1750 die Landesschule Grimma besuchten, ergaben, dass mehr als 40 Prozent von ihnen später kirchliche Berufe ausübten – also die relative Mehrheit.