mini|hochkant=1.3|Typische Landschaft auf dem Gelände, Herbst 2018
Die Parks Range war von 1953 bis 1994 ein Truppenübungsplatz der U.S. Army im Berliner Ortsteil Lichterfelde des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Das Gelände in der Ortslage Lichterfelde Süd befand sich zwischen der in den 1970er Jahren gebauten Thermometersiedlung und der Grenze zu den heutigen brandenburgischen Landkreisen Potsdam-Mittelmark beziehungsweise Teltow-Fläming. Der südlichste Punkt wurde durch das Japaneck markiert. Nach einer Zwischennutzung als Weidelandschaft begann im Herbst 2024 der Bau des Neubauquartiers Neulichterfelde auf dem Gelände.
Geschichte bis 1945 Das Gelände gehörte einst zur Giesensdorfer Feldmark. Die Kaufleute Max Sabersky und dessen Bruder Albert erwarben 1872 von dem Berliner Kaufmann Herrmann Jacobson (1801–1892) größere Landflächen, darunter auch dieses Gebiet östlich der Anhalter Bahn in Lichterfelde Süd.Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd
Die Deutsche Reichsbahn erwarb – d. h. das Grundstück haben die Nazis „arisiert“ und der Reichsbahn übergebenBjörn Brinkmann: Betongold meets Brennpunkt: Glanz und Elend in Lichterfelde – Am Stadtrand will Investor Klaus Groth ein neues Stadtviertel bauen. Exklusiver Öko-Luxus trifft auf den einzigen Problemkiez im Südwesten. In: die tageszeitung, 26. Dezember 2019.Steffen Winter: Die Schande von Teltow. In: Der Spiegel, 16. Dezember 2013. – 1938 von der in Teltow-Seehof ansässigen jüdischen Kaufmannsfamilie Sabersky ein 110 Hektar großes Grundstück. Die damalige Absicht, dort ein großes Reichsbahnausbesserungswerk (Raw) im Zusammenhang mit dem damals am Priesterweg geplanten riesigen Berliner Südgüterbahnhof zu bauen, wurde nicht weiterverfolgt.Chronik Lichterfelde Süd 1938 errichtete die Reichsbahndirektion an der Osdorfer Straße Ecke Landweg ein Lager für 1400 sudetendeutsche Arbeiter.
Wehrmachtslager
Die Wehrmacht pachtete 1939 einen Teil des Geländes und brachte dort 2600 Kriegsgefangene unter, zunächst kurz Polen, dann vor allem Franzosen. Ab 14. August 1940 wurde das Lager zum Stammlager mit zehn Großbaracken und erhielt die Bezeichnung Stalag III D. Von hier aus wurden Kriegsgefangene auf Arbeitskommandos zur Errichtung von Luftschutzbunkern und für den Einsatz in der Rüstungsindustrie, aber auch in kleineren Betrieben der Umgebung, verteilt. Zum Stammlager gehörte noch ein zweites Barackenlager in Falkensee.Der Zukunft im Weg – Drei Gebäude sind noch erhalten. Doch dort soll eine Schule entstehen. In: Der Tagesspiegel, 20. Juli 2019. Es handelte sich um den ungewöhnlichen Fall eines Kriegsgefangenenstammlagers in einer deutschen Großstadt. Im Januar 1941 stammten von 18.172 Insassen 18.160 aus Frankreich. Später wurden auch Briten, Serben, Sowjets und Italiener interniert, im Oktober 1944 gab es fast 29.000 Gefangene.Lager in Lichterfelde Süd
Die Initiative für einen historischen Lernort in Lichterfelde SüdInitiative für einen historischen Lernort in Lichterfelde Süd erreichte mit einem Einwohnerantrag von Anfang 2019, dass ein historischer Gedenk- und Lernort in zu erhaltenden authentischen Gebäuden des Kriegsgefangenenstammlagers (Stalag) III D allgemein unterstützt wurde.Boris Buchholz: Nur echt ist echt: Eine bemerkenswerte Rede zum ehemaligen Kriegsgefangenenlager in Lichterfelde Süd. In: Der Tagesspiegel, 21. Februar 2019. In einem Vertrag zwischen dem Landesdenkmalamt Berlin und der Groth-Gruppe vom Sommer 2020 wurde vereinbart, dass eine Baracke am Landweg 3/5a konservatorisch instand gesetzt und als Depot und Ausstellungsort erhalten werden soll. Ein Gedenk- und Lernort ist dort allerdings politisch nicht vorgesehen.
Übungsgelände der U.S. Army Geschichte Im Herbst 1953 beschlagnahmte die U.S. Army einen großen Teil des Bahnareals zwischen der Trasse der Anhalter Bahn und der Osdorfer Straße, um dort nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR einen Truppenübungsplatz für die Berlin Brigade einzurichten. Dieser wurde nach Generalmajor Floyd Lavinius Parks (1896–1959)F. L. Parks auf Arlington National Cemetery Website benannt, der von Juli bis Anfang September 1945 der erste Kommandant des Amerikanischen Sektors von Berlin war.Gerhard Niebergall: Die Parks Range und ihr Umfeld vom Mauerbau bis zum Mauerfall. Website der SPD Lichterfelde Ost und Süd, abgerufen am 10. Juli 2018.Karl-Heinz Dittberner: Chronik des Ortsteils Lichterfelde-Süd im Bezirk Berlin-Steglitz. Aktionsbündnis Lichterfelde Süd, abgerufen am 10. Juli 2018 (PDF).
Auf dem Gelände an der Osdorfer Straße befand sich unter anderem eine Häuserkampf-Anlage, die unter dem Namen Doughboy CityFotosammlung des AlliiertenMuseums bekannt wurde. 1975 wurde das Gelände erweitert und umfasste rund 70 Hektar. Das gesamte Militärgelände wurde umgangssprachlich auch US-Geisterstadt genannt und war seinerzeit auf den Berliner Stadtplänen als weiße Fläche eingezeichnet. Anders in einem Stadtplan von Berlin, den die Nationale Volksarmee der DDR in Gebrauch hatte. Hier waren Details des Geländes eingezeichnet.Topographischer Stadtplan Berlin / 1:25.000 / Vertrauliche Verschlusssache
Nach jahrelangem Protest Lichterfelder Bürger gegen den Übungslärm in Parks Range hatten die Amerikaner Mitte 1989 Zugeständnisse gemacht. Zwischen 22 und 7 Uhr wurden die Schießübungen auf Kleinkaliberwaffen mit „blinder“ Munition beschränkt. Des Weiteren wurde zugesagt, dass zu diesen Zeiten keine Konvois mehr anrollten, keine Hubschrauber-Tiefflüge stattfanden und das Kampftraining in der „Geisterstadt“ von geräuschintensiven Aktionen befreit wurde. Ebenso wurde Ruhe an Sonn- und Feiertagen vereinbart und die Sandbahn-Rallyestrecke wurde geschlossen. Der US-amerikanische Generalmajor Raymond E. HaddockBiografie Haddock machte seinerzeit aber auch deutlich, dass die Zurückhaltung Grenzen hatte: Die drei einwöchigen Manöver pro Jahr zur „Prüfung der Einheiten auf Kampfbereitschaft“ blieben unumgänglich, und eine Verlagerung in die vormalige amerikanische Zone kam nicht in Betracht.
Bevor 1994 die amerikanischen Besatzungstruppen aufgrund des Zwei-plus-Vier-Vertrages abzogen, wurde die Doughboy City abgetragen.
U-Bahnhof „Parks Range“ Ein nachgebauter U-Bahnhof in Form einer Hochbahnstation in Dammlage wurde für Straßenkampfübungen genutzt. Der detailgetreu und realitätsnah gestaltete U-Bahnhof war mit Sitzbänken, Zugabfertigerhäuschen und Treppenaufgängen ausgestattet. Auf einem – nicht mit dem U-Bahn-Netz der BVG verbundenen – Gleisstück war ein ausrangierter Berliner U-Bahn-Wagen abgestellt, der als Befehlsstand diente.
Natur Nach dem Ende des Übungsbetriebs nahm die Natur dieses Gebiet in Besitz. Es entstand eine vielfältige Tier- und PflanzenweltStadtplanung (Natur & Erholung 1) mit zahlreichen, auch nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützten Arten.
mini|Pferd auf der Weidefläche des Geländes
Seit den 1990er Jahren wird ein Teil des Areals von der Reitgemeinschaft HolderhofReitgemeinschaft Holderhof genutzt. Deren Projekt hat erheblich dazu beigetragen, dass auf dem Gelände eine offene Weidelandschaft entstand, die durch die „Pferde als Landschaftspfleger“ nachhaltig erhalten und entwickelt wird.Zur Pferde-Beweidung ab 2013
Aus einer Stellungnahme von 2012 des Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege, Ingo Kowarik, gehen Details zur „hohen naturschutzfachlichen Bedeutung“ der „Weidelandschaft Lichterfelde-Süd“ hervor. Die dazugehörige Naturschutzfachliche Bewertungskarte macht die Qualitäten anschaulich.Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege, Stellungnahme vom 27. Juli 2012.
Südöstlich des Gebietes grenzt auf brandenburgischer Seite unmittelbar das Landschaftsschutzgebiet Diedersdorfer Heide und Großbeerener Graben an.
Neubauquartier Neulichterfelde Erste Planungen Der Flächennutzungsplan von 1994 sah für das Gelände eine Wohn-, Misch- und Gewerbenutzung vor. Nachdem die US-Army das Gelände aufgegeben hatte, übernahm es die Bahn-Immobiliengesellschaft Vivico. Deren Nachfolger, die CA Immo, verkaufte das 96 Hektar große Areal (bestehend aus Parks Range und angrenzenden Flächen) im Oktober 2012 an die Groth Gruppe, die eine Wohnbebauung anstrebte.Baupläne für früheres Militärgelände Großstadtwildnis in Gefahr. In: Der Tagesspiegel, 10. November 2012. Im Herbst 2019 stellte die Groth Gruppe ihre Pläne für ein neues Wohnviertel im Berliner Süden, Neulichterfelde genannt, vor.Nicolas Šustr: Grothsfelde an der Weide. In: Neues Deutschland, 19. November 2019.Ulrich Paul: Neues Wohnviertel in Lichterfelde entzieht sich dem Mietendeckel. In: Berliner Zeitung, 19. November 2019. Geplant waren rund 2500 Wohneinheiten mit Raum für rund 6000 Menschen.
Aktionsbündnis für eine Alternative Bereits ab 2011 hatte das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd ein Konzept der verträglichen Sozialraumerweiterung unter Erhalt schützenswerter Natur innerhalb und außerhalb der ehemaligen Parks Range als Landschaftspark Lichterfelde Süd vorgestellt.Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd Für ihr Umweltengagement wurden das Projekt GroßstadtWildnis Lichterfelder Weidelandschaft sowie das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd mit dem Berliner Umweltpreis 2012 des BUND-Landesverbandes Berlin ausgezeichnet. Kritisiert wurde die geplante Wohnbebauung von Gewerbebetrieben am Rande von Parks Range, die sich in einer Petition an das Berliner Abgeordnetenhaus für eine „Gewerbeinsel“ im Planungsverfahren aussprachen.Prüfstein Lichterfelde Süd: Petition der Gewerbe-Unternehmen vom 11. März 2014 Diese Petition wurde vom Abgeordnetenhaus abgelehnt, da das Aktionsbündnis und die Öffentlichkeit über das städtebauliche Workshopverfahren und die formellen Planungsverfahren ausreichend beteiligt seien.Prüfstein Lichterfelde Süd: Antwortschreiben des Petitionsausschusses vom 25. September 2014
Studie für ein Schutzgebiet Eine Naturschutz- und Landschaftsentwicklungsstudie für ein zukünftiges Schutzgebiet Lichterfelde Süd – Dezember 2012 wurde vom Landschaftsarchitekturbüros Fugmann & Janotta vorgelegt.Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf: Büro Fugmann & Janotta: Naturschutz- und Landschaftsentwicklungsstudie für ein zukünftiges Schutzgebiet Lichterfelde Süd – Dezember 2012 In einer dem Gutachten vorangestellten Zusammenfassung wurde empfohlen, insgesamt 84 Hektar des rund 111 Hektar umfassenden Areals als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Das Vorkommen europarechtlich geschützter Arten wurde durch ein Gutachten umfangreich dokumentiert.Prüfstein Lichterfelde Süd: Artenschutzbeitrag Berlin-Lichterfelde Süd, Planwerkstadt Dipl.-Ing. Dieter Meermeier
Planungsprozess mit Bürgerbeteiligung für Neulichterfelde Ein Prozess der Bürgerbeteiligung an dem Bebauungsvorhaben und der städtebaulichen Neuordnung war vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf geplant worden. Es fanden eine Reihe von Informationsveranstaltungen statt. Helmut Schmidt vom Aktionsbündnis Lichterfelde Süd kritisierte diesen Prozess jedoch mit den Worten: „Wir wurden immer nur als Gegner behandelt.“
Anfang April 2013 wurde eine Absichtserklärung der Groth-Gruppe und des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf veröffentlicht, in der „Wohnungsbauflächen in Lichterfelde Süd“ von 39 Hektar mit bis zu 2700 Wohnungen (durchschnittliche Größe: 78 m²) vereinbart waren. Das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd kritisierte, dass dabei unter anderem Gewerbe sowie Natur- und Artenschutz nicht berücksichtigt worden seien. Die weiteren Schritte des Bezirks zur Planung für Lichterfelde Süd sahen nach weiteren fachlichen Bewertungen einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vor.Geplantes Schutzgebiet in Lichterfelde-Süd