Die Sammlung Sterntagebücher, Original , ist eine Zusammenstellung von Reiseberichten des fiktiven Raumfahrers Ijon Tichy aus der Feder des Autors Stanisław Lem (1921–2006). Formal sind es humoristische Science-Fiction-Geschichten, doch Lem behandelt darin auch erkenntnistheoretische, psychologische, soziologische und ethische Fragen, wie die Intelligenz und Eigenleben von Maschinen (etwa in der Waschmaschinentragödie), der Begegnung des Menschen mit sich selbst (anhand von Zeitschleifen) oder der Relativität subjektiver Eindrücke, und durchwegs auch politische Thematiken des Kalten Kriegs, in Metaphorik gekleidet.
Ebenfalls zum Zyklus der Geschichten um den Raumfahrer Ijon Tichy gehören die Romane Der futurologische Kongreß (1971), Lokaltermin (1982) und Der Flop (1987, auch unter dem Titel Frieden auf Erden).
Editionen und Umfang Die erste polnische Ausgabe der erschien 1957. Diese erste Ausgabe enthielt die Reisen 12, 14, 22, 23, 24, 25 und 26. Für die 1966 erschienene zweite Ausgabe der Sammlung wurden die Reisen 7, 8, 11, 13 und 28 ergänzt (und die Reise 26 gestrichen). In der dritten Ausgabe 1971 fügte Lem schließlich die Reisen 18, 20 und 21 hinzu.
Kapitel der Sterntagebücher (Ijon Tichys Reisen)
Die Titel der einzelnen Kurzgeschichten beschränken sich dabei auf eine chronologische, aber unvollständige Nummerierung – Ijon Tichy verweist darauf, dass aufgrund der häufigen Zwischenfälle mit Zeitlöchern und -schleifen eine saubere Chronologie seines Lebens unmöglich geworden sei. In diesen Kontext fallen auch die konkurrierenden Memoiren der verschiedenen Temporalmanifestationen Tichys, die in den Anhängen gegeben sind.
Siebte Reise: Ijon Tichy ist alleine auf dem Weg zu Beteigeuze, als ein kleiner Meteor die Steuerung seiner Rakete zerstört. Tichy hat sowohl ein Ersatzteil als auch passendes Werkzeug dabei, wodurch das Problem schnell gelöst sein sollte. Er braucht jedoch eine zweite Person, um das andere Ende der Schraube festzuhalten. Steuerungslos gerät Tichy in den Einflussbereich von Gravitationsstrudeln, die einige Zeitüberschneidungen erzeugen. Tichy vervielfacht sich zusammen mit den sich überlagernden Zeitschleifen, seine verschiedenen Versionen geraten dabei in Streit bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen, anstatt die Reparatur gemeinsam durchzuführen. Die Rakete füllt sich mit immer mehr Tichy-Versionen aus Vergangenheit und Zukunft. Er wird nur gerettet, weil zwei Jünglingsausgaben seiner selbst die Schraube festdrehen, worauf die Steuerung wieder funktioniert. Achte Reise: Die achte Reise findet nur als Traum des Protagonisten statt. Ijon Tichy ist Delegierter der Erde und Kandidat beim Rat der Organisation der Vereinigten Planeten. Sprachliche Probleme können mit Hilfe einer informativ-translativen Tablette überwunden werden. Es bleiben körperliche und vordringlich kulturelle Schwierigkeiten für einen Menschen (kategorisiert als Typus Aberrantia > Antisapientinales > Nekroludentia > Monstroteratus Furiosus, übersetzt Abseitige > Vernunftwidrige > Leichenspieler > Gräßel-Wüteriche). Fazit unseres Werdegangs: Entwicklung durch Wettrüsten, Bombe vor Kraftwerk, Fleischfresserei. Anschuldigung z. B. Ausrottung der besseren Neandertaler und Geschichtsfälschung. Kann eine Zivilisation ihren extraplanetaren Ursprung nicht erforschen, gerät sie auf die Irrwege von Glaubenslehren, geschaffen aus Verwirrung und Verzweiflung. Erstaunliche Erklärung für UFOs vor dem alles verändernden Ende. Elfte Reise: Ijon Tichy wird in geheimer Mission auf einen Planeten entsandt, auf dem vor sechzig Jahren der Milchfrachter Gottesgabe abgestürzt ist. Es besteht der Verdacht, dass der Absturz auf eine Meuterei des Bordcomputers zurückzuführen ist. Der Bordcomputer des Raumschiffes hat nach diesem Unfall einen Roboterstaat gegründet, der den Hass auf die Menschheit zu seinem Prinzip gemacht hat. Der Computer nennt sich selbst nach seiner früheren Aufgabe Der Kalkulator. Sämtliche irdische Agenten, die zur Aufklärung auf diesen Planeten geschickt wurden, sind verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Tichy wird auf dieser Reise als Maschine verkleidet und auf dem Planeten abgesetzt. Er lernt die merkwürdigen Sitten der Roboter kennen und klärt das Mysterium um den Kalkulator letztendlich auf. Zwölfte Reise: Bei dieser Exkursion reist Ijon Tichy auf den Planeten Amauropien im Sternbild des Zyklopen, um eine von Professor Tarantoga entwickelte Maschine zu testen. Dabei handelt es sich um eine Zeitmaschine, die je nach Einstellung den Zeitverlauf beschleunigen oder verlangsamen kann. Auf dem Planeten leben niedrig entwickelte Wesen namens Mikrozephalen. An diesen probiert Tichy die Zeitbeschleunigung aus und gerät dadurch mehr als einmal in Lebensgefahr. Je nach Entwicklungsstufe beten die Wesen ihn an oder verfolgen und verhaften ihn. Letztlich bricht Tichy das Experiment ab und lässt die Zeit rückwärts laufen. Dreizehnte Reise: (auch: Die Fahrt zum Meister Oh) Meister Oh gilt als 'Wohltäter des Kosmos', da er verschiedene galaktische Zivilisationen mittels sozial-technologischer Errungenschaften (sog. Prothesen) beglückt und in Harmonie geführt hat, so zum Beispiel in Europien durch 'Ableiter für unfreundliche Gefühle'. Tichy bricht zu einer neunjährigen Reise zum Planeten Hinterschein auf, um Meister Oh kennenzulernen. Aus Unachtsamkeit gerät er aber zwischen die zerstrittenen Zwillingsplaneten Pinta und Panta. Auf Pinta steht alles unter Wasser und das Volk muss auf Anweisung von oben versuchen, „fischiger“ zu werden. Tichy wird von der Polizei Pintas verhaftet und verurteilt, da er eine Dose Sprotten an Bord hat, was als fischfeindlicher Akt gewertet wird. Tichy kann entkommen, wird aber diesmal von der Polizei von Panta verhaftet. Alle Einwohner Pantas sehen gleich aus, haben keine Namen und tauschen alle vierundzwanzig Stunden ihren Platz in der Gesellschaft (Herrscher, Gärtner, Lehrer, Väter, Schwestern): Das Individuum wurde abgeschafft. Tichy wird unter anderem „persönliche Differenziertheit“ vorgeworfen. Als schlimmste Strafe droht Tichy Ausschluss aus der Gesellschaft und die Verstoßung, worauf sich Tichy bereitwillig schuldig sprechen lässt. Als er erfährt, dass die pantische Gesellschaftsordnung auf Ideen des Meisters Oh beruht, schwindet Tichys Lust, den Meister zu treffen. Vierzehnte Reise: Tichy reist zum Planeten Enteropia, der stark von Meteoriteneinschlägen heimgesucht wird. Die Bewohner (Ardriten: leuchtende Kristallwesen) lassen sich routinemäßig kopieren, und wenn jemand von einem Meteoriten getroffen wurde, wird er durch eine Kopie ersetzt. Auch Tichy selbst muss diese Erfahrung einmal am eigenen Leib machen. Auf Enteropia werden die riesigen gepanzerten Kulupen gejagt: Der Jäger lässt sich von einem solchen verschlucken, um in seinem Inneren eine Zeitzünderbombe zu deponieren. Nachdem Tichy selbst einen erlegt hat, erfährt er von einem Gelehrten, dass die Kulupen den Ardriten früher Schutz vor den Meteoriten boten und ihnen das Überleben ermöglichten, und es sei eine Schande, dass sie nun durch die Jagd an den Rand der Ausrottung gebracht würden. Auf dieser Reise erfährt Tichy zum ersten Mal von den „Sepulken“ (Einzahl: Sepulka), fiktionalen Objekten, über deren Zweck und Aussehen trotz intensiver Nachforschungen am Ende der Reise noch völlige Unklarheit besteht. Klar ist nur, dass es auf Enteropia ein Tabu ist, in der Öffentlichkeit darüber zu reden. Im später erschienenen Roman Lokaltermin stellt sich heraus, dass Tichy nicht den Planeten, sondern nur einen orbitalen Vergnügungspark besucht hat. Achtzehnte Reise: Der theoretische Physiker Prof. Rasglas hat herausgefunden, dass das Universum spontan aus einem „Nichts“ entstanden sein muss. Somit existiert das Universum „auf Kredit“ und könnte jeden Moment wieder ins Nichts zurückfallen. Um diesen gefährlichen Zustand zu beheben, beschließen Prof. Tarantoga, Rasglas und Tichy ein einzelnes Elektron durch die Zeit zurück an den Anfang des Universums zu schießen, damit es einen Grund für dessen Existenz gäbe. Um diese einmalige Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, wollen sie auch gleich gewisse Verbesserungen am Universum im Allgemeinen und an den Menschen im Besonderen im Elektron „einprogrammieren“. Leider haben der Laborant Hauffen und seine zwei Bekannten Ast. A. Roth und Boels E. Bubb andere Pläne… Zwanzigste Reise Tichy erhält Besuch von sich selbst aus der Zukunft. Sein künftiges Ich zwingt ihn, ins Jahr 2661 zu reisen, um Direktor eines Programms zur Verbesserung der Geschichte des Sonnensystems zu werden. Im Vergleich zu den hohen kosmischen Zivilisationen schämen sich die künftigen Menschen ihrer Geschichte voller „Schlächtereien im Stammbaum“ und wollen sie mittels gezielter Interventionen von zeitreisenden Agenten ausbessern. Im Laufe des gigantischen Projekts häufen sich die Havarien, Fehler und Inkompetenzen, welche zu genau demjenigen Geschichtsverlauf führen, den wir kennen. Tichy verbannt zur Strafe nach und nach immer mehr der verantwortlichen Abteilungsleiter an verschiedenste Stellen in der Vergangenheit der Menschheitsgeschichte, wo sie ihrerseits zu herausragenden historischen Figuren werden. Einundzwanzigste Reise: Tichy nutzt Hopfstoßers Theorie zur Entdeckung der am höchsten entwickelten Kosmos-Zivilisationen, um den hoch entwickelten Planeten Dychthonien als Reiseziel zu wählen. In Dychthonien ist die totale körperliche Autonomie realisiert. Technologie erlaubt hier, prinzipiell alle denkbaren Körperformen und -funktionen zu realisieren. Tichy wird von einer Gruppe von barmherzigen Mönchen versteckt, da er einen illegalen Körper besitzt, und erfährt von ihnen die erstaunliche Geschichte des Planeten und die ungewöhnliche Natur der Mönche. Zweiundzwanzigste Reise: Tichy ordnet die Artefakte, die sich nach all seinen Reisen bei ihm angesammelt haben, und gibt einige Schnurren zum Besten, die ihm zu diesen Gegenständen einfallen. Er bleibt bei einem Taschenmesser hängen, das er einmal auf einem Planeten verloren hatte, den er nicht wiederfinden konnte: Es gab in dieser Gegend des Kosmos einfach zu viele davon. Bei seiner Suche trifft er einen Geistlichen, der ihm verzweifelt davon berichtet, wie der Glaube angesichts der Vielfalt der bewohnten Planeten immer schwächer wird und seine hoffnungsvollsten Missionare sich flugs säkularisieren, wenn sie nicht von den missionierten Aliens mit allerlei Quälereien aus den christlichen Märtyrer-Erzählungen zu Tode gebracht werden. Tichy will den Priester trösten, da rutscht ihm das Taschenmesser aus dem Jackenfutter. Dreiundzwanzigste Reise: Tichy liest in Tarantogas Werken von einem Planeten, der so winzig ist, dass alle seine Bewohner auf einem Bein stehen müssen, wenn sie alle gleichzeitig das Haus verlassen. Um diese Behauptung zu überprüfen, reist Tichy sogleich zu den Bischuten, die auf dem besagten Planeten wohnen. Er ist tatsächlich sehr klein, so dass die Bischuten einen Großteil ihres Daseins im „zerstäubten“ Zustand verbringen. Ein Präzisionsgerät fertigt eine atomare Personenbeschreibung an, worauf der Bischute in Atome zerstäubt platzsparend aufbewahrt werden kann, bis ein Wecker veranlasst, ihn aus den Atomen wieder zusammenzusetzen. - Hier hat Lem spielerisch ein Konzept entwickelt, wie es später in Star Trek beim Beamen vorkommen sollte.