mini|Königseiche im Oktober 2006 mini|Detail der Volkenrodaer Königseiche bei Nacht

Die Königseiche (auch Dicke Eiche, Tausendjährige Eiche oder Volkenrodaer Eiche genannt) ist ein Naturdenkmal am Ortsausgang von Volkenroda, einem Ortsteil von Körner, im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen. Die Stieleiche (Quercus robur) ist mehr als 600 Jahre alt und hat einen Stammumfang von etwa 9,5 Metern. Das mutmaßliche Alter der Eiche wurde durch die Entnahme von Bohrkernen am Stamm und Ringauszählungen an einem abgebrochenen Ast bestimmt. Früher wurde angenommen, dass es sich bei dem Standort der Eiche um einen alten germanischen Thingplatz handle. Die neueren Forschungen legen jedoch nahe, dass die Eiche in einem mittelalterlichen Hutewald gewachsen ist.

Heutzutage werden an der Königseiche zu Pfingsten Gottesdienste abgehalten. Sie ist Eigentum der Gemeinde Körner und wurde in den vergangenen hundert Jahren mehrmals fachgerecht saniert.

Lage

Die Eiche steht etwa 300 Meter nordöstlich von Volkenroda, etwas südlich des Volkenroder Waldes in einer Höhe von etwa 285 Metern über Normalnull. Sie befindet sich in einem nach Süden zur Notter hin abfallenden Gelände auf Keuper-Lehm, am sogenannten Pfingstrasen, einer alten Flurbezeichnung, etwa drei Kilometer nordwestlich von Körner und zehn Kilometer nordöstlich von Mühlhausen. Die Eiche ist von einem Jägerzaun umgeben, der den Wurzelbereich vor Trittschäden der Besucher schützen soll. Südlich führt die Straße nach Obermehler, eine ehemalige Handels- und Heerstraße, an der Eiche vorbei. Auf der anderen Straßenseite befindet sich der Gasthof Deutsche Eiche.

Geschichte

Frühe Geschichte

Die Königseiche soll bereits im 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Kloster Volkenroda urkundlich erwähnt worden sein. Jedoch wird anhand der neuesten Altersuntersuchungen angezweifelt, ob es sich bei der genannten Eiche tatsächlich um die heutige Königseiche oder um eine Vorgängereiche gleichen Namens handelte.

Etwa 150 Meter von der Königseiche entfernt stand einst die sogenannte Teufelseiche. Diese war die weitaus ältere und mit einem Umfang von über elf Metern die stärkere der beiden Eichen.Heinz Freybote, S. 128 (s. Literatur). Den Namen soll sie der Sage nach im 8. Jahrhundert beim Durchzug von Bonifatius mit seinen Predigern erhalten haben, da man früher davon ausging, dass die beiden Eichen Überreste eines heidnischen Eichenhains und Thingplatzes waren.Gerichtslinden und Thingplätze, S. 181 So schrieb etwa Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, der letzte regierende Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, im Jahre 1903 in den Heimatblättern Aus den Coburg-Gothaischen Landen, Heft 5, über die Eichen in Volkenroda:

Heute werden sie dagegen als letzte verbliebene Bäume eines Hutewaldes aus der Blütezeit des Zisterzienserklosters Volkenroda angesehen.Hans-Jürgen Tillich, In: Mühlhäuser Museen in Zusammenarbeit mit dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein e. V., S. 11–12 (s. Literatur).

Im bereits damals hohlen Stamm dieser Eiche soll Überlieferungen nach im Dreißigjährigen Krieg eine ältere Frau mit ihrer Ziege vor den umherziehenden plündernden Kriegern und Räubern Unterschlupf gefunden haben. Im Jahre 1863 schrieb der Holsteinische Forstbeamte Eduard Mielck in Die Riesen der Pflanzenwelt: „Ferner misst die bei Volckenrode im Herzogthum Gotha stehende ‚Teufelseiche‘ zwei Fuß über der Erde 29 Fuß Umkreis.“ Im Jahre 1871 wurde die Eiche vom Blitz getroffen, stürzte um und ging am 2. September 1871 bei den Friedensfeiern (Sieg über Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg) in Flammen auf.Heinz Freybote, S. 121 (s. Literatur).

Die Königseiche ersetzt die Teufelseiche mini|Ansichtskarte von 1904 mit der Königseiche und dem Gasthaus Deutsche Eiche Nach dem Ende der Teufelseiche zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb die Königseiche erhalten. Aufgrund von Wuchsform und Erhaltungszustand wurde sie als Ersatzbaum für die Teufelseiche angesehen. 1884 kam es mit dem Herausbrechen eines großen Astes, der ein 63 Zentimeter großes Astloch hinterließ, zur ersten größeren Schädigung der Krone. Das Loch war 15 Jahre später wieder überwallt und verschlossen.

Pflegearbeiten mini|Ansichtskarte von 1909 Im Jahre 1903 wurden die ersten Schutzmaßnahmen an der Eiche durchgeführt. Mit Hilfe von zwei Schiffsankerketten von 14,50 Meter Länge, Ringen, Bolzen und Rundeisen hängte der Schmiedemeister Gebert vom Nachbarort Körner den längsten, in etwa zwei Meter Höhe beinahe waagerecht ausladenden Ast auf, befestigte beide Ketten an zwei eisernen Ankern mit 2,5 Zentimeter starken Rundeisen, die er um einen steil aufragenden Hauptast in etwa zwölf Meter Höhe zu dessen Sicherung legte.Hans-Jürgen Tillich, In: Mühlhäuser Museen in Zusammenarbeit mit dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein e. V., S. 5–6 (s. Literatur). Von dort führten sie zum äußeren Ende des waagrechten Astes. 1955 riss die Ankerkette altersbedingt und wegen des hohen Gewichts des Astes. Dieser brach ab und hinterließ ein großes Astloch im Stamm.R. Weise et al., S. 51 (s. Literatur). Die Ankerketten hingen beiderseits des steil aufragenden Astes, um den sie führten, herunter.

Im gleichen Jahr erfolgte eine umfassende Sanierung der Eiche. Am 7. April 1955 wurde der Stumpf des Astes abgesägt, die Wundstellen wurden mit Latex versiegelt und der hohle Stamm erhielt, wie damals üblich, eine Zementplombe. Die Schnittfläche des Astes ist vollkommen von Rinde überwallt, das Loch dazwischen jedoch noch sichtbar. Bei Sanierungsarbeiten im Jahre 1991 fand man in einem Aststummel eine Flasche mit einem Dokument über die Instandsetzung vom 4. Juli 1955 durch Tischlermeister Emil Haase, Siegfried Groß und Heinz Westerheyde.Heinz Freybote, S. 123 (s. Literatur). Das Dokument besagt, dass die Reste von abgebrochenen Ästen abgesägt und die Wundstellen mit Latex versiegelt wurden. In den 1970er Jahren wurden im Auftrag des Rat des Kreises, Sachgebiet Naturschutz, zweimal Sanierungsarbeiten durchgeführt. Hans Gerhard Zimmermann behandelte zunächst die Bruchstelle eines starken Astes. Einige Jahre später beseitigten Oskar Haase und sein Schwiegersohn die Schäden von mehreren abgebrochenen Ästen. Ab 1983 fühlte sich von staatlicher Seite aus niemand mehr für die Eiche verantwortlich. Im Juni 1989 hinterließ ein Blitz an der Nordostseite des Baumes eine Spur. Von der Kronenspitze bis zum Erdboden war ein etwa zehn Zentimeter breiter Borkenstreifen abgesprengt worden. Zunächst war kein weiterer Schaden am Baum erkennbar. Etwa drei Wochen später brach ein östlicher, vier Meter starker Hauptast ab, der einen großen Teil der Hauptkrone gebildet hatte und ebenfalls vom Blitz getroffen worden war. Dadurch ging etwa ein Drittel des Kronenvolumens verloren.

Umfassende Sanierung 1991 mini|Stammansicht Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurden 1991 im Rahmen der Thüringenhilfe dringend notwendige Baumpflegemaßnahmen durchgeführt. Forstfachleute aus Hessen, die in der Aktion Hessen-Hilfe für Thüringen aktiv waren, stuften die Eiche als Kostbarkeit ein. Im April und Mai 1991 waren Forstwirte des Forstamts Jesberg, Schwalm-Eder-Kreis damit beschäftigt, in Zusammenarbeit mit dem Revierförster Gerhard Köhler in Volkenroda, die Eiche zu sanieren. Die Kosten übernahm die hessische Forstverwaltung.Heinz Freybote, S. 75 (s. Literatur). Sie beseitigten Faulstellen und verschlossen Wunden so, dass keine Bakterien oder Pilzsporen eindringen können. Das morsche und pilzbefallene Holz wurde entfernt beziehungsweise stellenweise ausgeschabt, gedexelt, der Rest geglättet und die Oberfläche mit pilztötenden Mitteln behandelt. Die Fachleute entfernten die im Jahre 1955 im hohlen Stamm eingebrachte Zementfüllung. Man hatte erkannt, dass solche Scheinplomben für den Baum eher schädlich sind, da das Holz an der Betonplombe verstärkt faulen kann. Die durch den Pilzbefall geschädigte Holzschicht im hohlen Stamm trugen sie ab. Hohle Äste schnitten sie aus, damit dort kein Wasser stehen bleiben konnte, entfernten den angefaulten Kern und verschlossen das Astloch aus dem Jahre 1955 mit Gittern. Der Stamm weist jetzt drei Öffnungen auf, eine bodennah und zwei weitere am oberen Ende. Dies führt zu einer Kaminwirkung, die das Absaugen von feuchter Luft anregt. Im Inneren des Stammes kann nun das Holz leichter abtrocknen, wodurch ein weiterer Pilzbefall erschwert wird. Die beiden Ankerketten aus dem Jahre 1903, die seit dem Astbruch 1955 lose in der Krone hingen und im oberen Teil eingewachsen waren, wurden entfernt, um die Gefahr eines erneuten Blitzeinschlags zu verringern. Wie schon im Jahre 1955 deponierten die Helfer eine Flasche mit einer Sanierungsurkunde im Baum. Die abgebrochenen starken Äste wurden in Scheiben geschnitten und als Souvenirs in der Gaststätte Deutsche Eiche verkauft. Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten pflanzten der Forstoberamtmann Horst Siebert und Ronald Kaiser, Leiter des Umweltamtes der Mühlhäuser Kreisverwaltung, im Auftrag der Hessischen Forstverwaltung eine neue Eiche etwa 40 Meter östlich der Königseiche. Sie soll als Einheitseiche ein Denkmal für die deutsche Wiedervereinigung sein.

Unterschutzstellung

Obwohl die Eiche zu den ältesten und dicksten Eichen in Deutschland zählt, konnte bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises kein Nachweis über eine Unterschutzstellung des Baumes gefunden werden. Dies ist bei der Größe und Bedeutung der Eiche verwunderlich. Um diesen rechtlichen Schwebezustand zu beenden, wurde am 21. Februar 2005 die Unterschutzstellung beantragt, die am 28. März 2005 in Kraft trat. Seitdem gilt der Baum als Naturdenkmal. Künftig trägt die Naturschutzbehörde des Landkreises die Kosten für die Beseitigung von Schäden an der Eiche. Der Baum wird zweimal im Jahr, im Winter und wenn er Blätter trägt, von der Behörde begutachtet. Schädigungen der Eiche können mit Geldstrafen bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Beschreibung mini|Borke der Königseiche Wie die Königseiche zu ihrem Namen kam, ist nicht bekannt. Der Name soll der Erzählung nach von dem majestätischen Wuchs in früheren Jahren, als sie wie ein König auf einem Wiesenrain stand, herkommen. Sie war tief beastet mit einer breiten Krone und den Merkmalen einer frei aufgewachsenen Hutewaldeiche, deren Früchte zur Mast des Weideviehs genutzt wurden. Sie zeigt die für Stieleichen typischen Merkmale. Der Stammfuß ist wulstig und breit, die Borke am Stamm tief gefurcht, die Äste der Krone sind knorrig und verdreht. Die Borke ist selbst im oberen Kronenbereich noch tief gefurcht, was nur bei sehr alten Eichen vorkommt. Bisher galt die Eiche als Rest eines frühgeschichtlichen Eichenhains und als eine Stätte, an der nach germanischem Recht Volks- und Gerichtsversammlungen, sogenannte Thing, abgehalten wurden. Gründliche Altersbestimmungen in den letzten Jahren und eine gut dokumentierte Entwicklung der Eiche machen eine neue historische Einordnung möglich. Sie wird jetzt als einziger verbliebener Baum des Hutewaldes aus der Blütezeit des Zisterzienserklosters Volkenroda angesehen.

Die Eiche ist etwa 23 Meter hoch bei einem Kronendurchmesser von etwa 16 Metern. Die Krone kommt ohne jegliche Kronensicherung aus. Die Spitze des Baumes ist zerzaust, einige starke Äste sind, vor allem im unteren Kronenbereich, herausgebrochen oder gestutzt. Dadurch wirkt die Krone asymmetrisch. Der Baum ist vermutlich schon seit Jahrhunderten Wind und Sturm voll ausgesetzt. Einige der ausgebrochenen Äste hinterließen Löcher im Stamm, die teilweise wieder vollständig zugewachsen sind. Das Loch, das 1955 beim Herausbrechen des größten Astes entstand, ist mit einem Eisengitter verschlossen. Der Stamm ist völlig hohl, aber noch geschlossen. Die Eiche macht einen sehr vitalen Eindruck. Das Deutsche Baumarchiv zählt sie zu den national bedeutsamen Bäumen (NBB), wobei der Stammumfang in einem Meter Höhe als wichtigstes Auswahlkriterium dient.

Bei der Eiche steht eine Informationstafel aus Holz mit folgender Inschrift: