Otto Heinrich Bernhard Boris (* 24. Dezember 1887 in Lubjewen bei Nikolaiken, Ostpreußen; † 13. SeptemberDer Schriftsteller Otto Boris †. Das Ostpreußenblatt vom 28. September 1957, S. 12. 1957 in Hamburg-Rahlstedt) war ein deutscher Kunstmaler und Tierschriftsteller, zuvor Realschullehrer.
Leben Otto Boris kam im masurischen Lubjewen bei Nikolaiken als zweiter Sohn von insgesamt 4 Kindern von Michael Boris, Volksschullehrer, und dessen Gattin Wilhelmine zur Welt. Als er zwei Jahre alt war, wurde sein Vater nach Gehsen im Kreis Johannisburg versetzt. Um Lehrer zu werden, besuchte Boris nach seiner Schulzeit zunächst die Präparandenanstalt in Lötzen und dann das Lehrerseminar in Angerburg. Nach bestandener Abschlussprüfung 1907 trat er seine erste Lehrerstelle in Upalten/Lötzen an. Anschließend bekleidete er kurzfristig die Lehrerstelle in Seehausen/Lötzen, dann von 1909 bis 1913 die in Garbassen im Kreis Oletzko. Danach war er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Mysken bei Drygallen tätig.
Von hier aus wurde er zum Militärdienst eingezogen. An der Kriegsfront erlitt er einen Lungenschuss und bekam Typhus.
Ab 1920 absolvierte Otto Boris mehrere Semester an der Kunstakademie Königsberg, an der er 1921 die Prüfung bestand. Anschließend erhielt er eine Anstellung als Zeichenlehrer an der Staatlichen Realschule in Pillau/Ostpreußen. Nach kurzer Tätigkeit dort ließ er sich aus Krankheitsgründen (Kriegsleiden durch Lungenschuss) 1924 pensionieren und wurde freischaffender Kunstmaler. Seine Motive waren Tier- und Landschaftsbilder, Stillleben, Porträts und Karikaturen, vor allem aber Federzeichnungen, die ihm besonders lagen.
1927 heiratete er Gertrud Pastenaci, nachdem seine erste Ehe geschieden worden war. Der nächste Wohnort war Berlin, wo 1928 seine Tochter Silke Boris geboren wurde.
Von 1928 bis 1930 illustrierte er eine große Anzahl von Büchern der Weltliteratur, vornehmlich Textausgaben des Dortmunder Crüwell-Verlages, darunter Werke von Defoe (Robinson Crusoe), Eichendorff (Aus dem Leben eines Taugenichts), Goethe (Götz von Berlichingen, Egmont) und anderen. Auch viele seiner eigenen Bücher illustrierte er selbst. Bereits 1919/20, wahrscheinlich während eines Kuraufenthaltes im Harz wegen seines Kriegsleidens, fertigte er die bekannte Postkarten-Serie Harz-Träumereien (18 Federzeichnungen) sowie 1925, wohl bei einem längeren Harz-Aufenthalt, nochmals insgesamt 8 Federzeichnungen für die beiden Kurzgeschichten Ein Besuch bei den Holzfällern und Von Klippe zu Klippe im Oker-Tal, die in der Monatszeitschrift Der Harz erschienen waren.
Im Jahre 1932 trat er gemäß seiner Angaben im Fragebogen der Reichsschrifttumskammer in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2312769). Am 8. Februar 1936 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, weil er seit Monaten keine Mitgliedsbeiträge bezahlt hatte. 1932 trat er außerdem in den Kampfbund für deutsche Kultur ein. Etwa 1925 wurde er Mitglied im Hamburger völkischen Schutz- und Trutzbund (Mitglied Nr. 176).Bundesarchiv Berlin: Otto Boriss, Unterlagen Reichsschrifttumskammer, Signatur R 9361-V/4276. Sowie Boris, Otto, Personenbezogene Unterlagen der NSDAP Signatur: R 9361-I/7176.
1932 verzog er mit seiner Familie nach Hannover, wo es 1934 erneut zu einer Scheidung kam. Boris ging nach Hamburg; seine Tochter verblieb bei der Mutter. Als diese vier Jahre später starb, kam die Tochter in die Obhut ihrer Tante. 1936 zog Boris nach Hamburg-Rahlstedt, wo er 1941 ein Haus kaufte (Am Friedhof 68). Am 15. Mai 1944 wurde Frau Kammeyer seine dritte Ehefrau. Danach schuf er – mit Unterbrechung durch die Einberufung in den Volkssturm – die meisten seiner Werke, die er teilweise mit eigenen Illustrationen versah. Nach kurzer, schwerer Krankheit im 70. Lebensjahr verstorben, fand er auf dem Rahlstedter Friedhof seine letzte Ruhestätte.
Der Otto Boris-Nachlass befindet sich im Heimatarchiv des Bürgervereins Rahlstedt.Otto Boris – Vergangen, aber nicht vergessen! In: Hamburger Wochenblatt. – aus Wansbek. 19. Sep. 2012.
Otto Boris Stellung zum Nationalsozialismus
Otto Boris ist nach eigener Aussage „seit 1915 als Soldat vor dem Feinde völkisch geworden.“Bundesarchiv Berlin: Otto Boriss, Unterlagen Reichsschrifttumskammer, Signatur R 9361-V/4276. Fragebogen Aufnahme Reichsschrifttumskammer. Er trat 1932 in die NSDAP ein. Er erklärt hier die Gründe, warum er, der er eigentlich Kunstmaler war, Schriftsteller geworden ist folgendermaßen: „Vom Jahre 1927 betätige ich mich schriftstellerisch in dem Sinne, dass ich die Leistung vor den materiellen Gewinn gesetzt habe, das ergab naturgemäß einen völkischen Kern als seelischem Gehalt und in der Öffentlichkeit Kampf gegen das Judentum, damals Ullsteinpresse und Abwehr des Amerikanismus, der sich allerorten einzuschleichen begann. Diese Feinde deutschen Kulturlebens habe ich als Maler bewusst sehen und erkennen gelernt, konnte ihnen aber auf diesem Gebiete, wo durch Geschrei und Reklame eine unglaubliche Verwirrung herrschte, nicht beikommen, warum ich zur Feder gegriffen habe.“Bundesarchiv. Brief an die Reichsschrifttumskammer vom 24. Hartung 1938 Am 20. April 1941 schreibt er: „Der Kern meiner Bücher ist völkische Treue.“Brief von Boris an die Reichsschrifttumskammer (Herr Maurer) vom 20. April 1941, Bundesarchiv. Im Jahre 1927 hat er in der Zeitung „Der Jungdeutsche“ einen völkischen Zeitungsroman mit dem Titel „Heimdals Horn“ veröffentlicht.Der Roman erschien in 38 Folgen vom 17. April 1927 bis zum 2. Juni 1927
Der Roman erschien nicht Buch als Buch. Hier eine Zusammenfassung:
Karl Friedrich von Gleinitz ist ehemaliger Offizier und besitzt ein Gut in Schlesien. Er beschließt nach Berlin zu fahren, um die Menschen dort zu studieren. Er möchte den Kern des gegenwärtigen Lebens in der Großstadt erkennen und findet nur Menschen ohne Bodenhaftung, Bäume die ihre Wurzeln in der Luft baumeln lassen statt im Boden festzuwachsen. Er verzweifelt am Sinn seines Lebens und krankt aber auch an der Zeit, die ihm alle alten Traditionen und Tugenden nimmt. In Berlin trifft er durch Zufall seinen Freund Prof. Bernd Treumann, einen berühmten Maler, der im Moment die Villa von Kommerzienrat Wollheim ausmalt. Es handelt sich um eine jüdische Familie, die durch Geschäfte reich geworden ist. Bernd schafft es, seinem Freund Karl-Friedrich das Geständnis zu entlocken, dass er in Evemarie, die Tochter des Grafen Ostermark verliebt ist. Diese hat ihm jedoch mitgeteilt, dass sie verlobt ist. Karl Friedrich meidet daraufhin den Ort und leidet still. Treumann stellt Karl-Friedrich Lissi, die sehr attraktive Gattin von Wollheim vor. Sie ist 23 Jahre alt. Wollheim wird folgendermaßen eingeführt: „Ein kleiner, rundlicher, schwarzhaariger Herr mit O-Beinen, weichen, schwammigen Zügen, unzähligen Ringen an den fetten Fingern und der unverkennbaren Hetiternase…“.Heimdals Horn. In: Der Jungdeutsche 1927 Lissi wird als “fremde Rasseschönheit” beschrieben. Ihr Äußeres hat orientalische Züge. Sie langweilt sich als Gattin des 30 Jahre älteren Mannes, der nur seinen Geldinteressen nachgeht und schmiedet den Plan, sich scheiden zu lassen und den Baron Karl-Friedrich zu heiraten, als sie erkennt, dass dieser sehr reich ist und einfach so ihrem Mann 5000 Mark gibt, damit er seinen Freund Treumann bezahlen kann. Karl-Friedrich erliegt den Reizen von Lissi und nimmt eine Einladung in ihre Villa an. Bernd, der selber mit Lissi eine Affäre hatte wollte eigentlich seinen Freund durch die Bekanntschaft aufmuntern. Er ist aber entsetzt, als Karl-Friedrich ernsthaft eine Beziehung zu Lissi eingeht. Er beschließt, die Katastrophe zu verhindern und schmiedet den Plan, ein Portrait von Lissi zu malen, das seinem Freund die Augen öffnen soll. Er nennt es: “Der fremde Garten.” Karl Friedrich beschwert sich über das Bild: “Es geht so schwül von diesem Bilde aus, wie Opium und stickender Duft fremder Blumen. So heiß, und doch wird man zurückgestoßen.” Bernd belehrt ihn: “Sie bleibt fremd dir und der Scholle, die dich geboren hat. Jeder Ton, der aus dem herrlichen Körper klingt, gehört einer fremden Seele. Sie ist der fremde Garten mit den wunderlieblichen Blumen.” Diese Ambivalenz wird auch deutlich, als der Baron angesichts des schrecklichen Bildes in einen Tagtraum fällt, in dem die Göttin Astarte verehrt wird, die Tod und Zerstörung aber auch Leben und Auferstehung symbolisiert. “Spielte nicht ein Lächeln um die schönen Züge des wunderschönen Weibes. Sie morden sich, würgen sich, und aus dem Würgen und Ringen rieselt es wie zitternde Wollust über die ganze verlangende Gestalt.” Trotz dieser Warnung lässt sich der Baron weiter verführen, selbst als es zu einem Treffen mit seiner “deutschen” Geliebten kommt. Erst am Schluss, als ihm klar wird das er das Opfer einer Intrige geworden ist, lässt er sie fallen, nachdem er vorher sogar über Selbstmord nachgedacht hat. Lissi hatte ihrem Bruder eine hohe Geldsumme gegeben, damit er den Baron überzeugen sollte, mit ihr vor dem angeblichen Zorn ihres Gatten zu fliehen und mit ihr eine Reise anzutreten. Dieser Bruder (Gerhard Landenberger) wird als geldgieriger Geschäftsmann geschildert, der buchstäblich über Leichen geht. Er hatte zwei finstere Gesellen angeheuert, die für sein Delikatessengeschäft auf den Gütern des Grafen Ostermark wildern sollten. Bernd konnte Beweise hierfür sammeln. Die beiden Wilderer werden von Bernd auf frischer Tat erschossen, nachdem sie vorher den Grafen und seinen Jäger (Wilhelm, der ehemalige Bursche des Barons im Krieg) schwer verwundet hatten. Bernd stellt Landenberger zur Rede und verprügelt ihn anschließend. Die “deutsche” Geliebte des Barons spricht sein Dilemma aus: “Nein, mein Freund, ich kenne seine Seele, er ist zu stolz. Ich würde ihm den Rest Selbstachtung nehmen. Sehen Sie nicht, daß sein ganzes Leiden daher kommt, daß er kein Ziel und keine Mannestat vor sich sieht. Ich habe so viel über ihn nachgedacht. Die Nächte sind ja so lang. Und da weiß ich es, er krankt an unserer Zeit. Wenn man ihm eine Möglichkeit in die Hand drücken würde, irgendeine Waffe, mit der er dem Vaterlande helfen könnte, dann wäre er der erste, der voranginge. Aber so rettet ihn auch meine Liebe nicht. Ja, gerade sie treibt ihn von mir fort, weil er zu ehrlich ist, um mir ein unerfülltes, ein halbes Leben anzubieten. Ich bin ja so glücklich, daß er mich liebt.” Diese kranke Zeit schildert der Baron mit den Worten: “Das Leben ist zwecklos, wahnsinnig zwecklos. Ich schwöre auf Spengler, dass die Kultur des Abendlandes sich selbst verschlungen und den Zenit bereits lange überschritten hat. Es ist Zeit, dass auch wir aussterben, an die sich die Kultur geknüpft hat. Wollen getrost Gelben, N….N-Wort entfernt und anderen Schwarzen den Boden überlassen. Mögen sie mit ihm wuchern - mögen sie auf ihm Charleston tanzen - es ist vorbei.” Der kämpferische Bernd antwortet ihm: “Sieh mich und dich an. Männer von unserem Schlage sind noch lange nicht ausgestorben. Denke an deinen Wilhelm, der jetzt hier als Förster herumläuft! Der ist auch solch ein Kerl. Denke an unsere Jungen, die in Vereinigungen zu deutscher Treue erzogen werden. Es ist noch eine ganze Menge tüchtiger Kräfte im Volke übriggeblieben. Es ist Glut unter der Schlacke. Der frische Wind fehlt uns, der alles wieder zu heller Flamme entfacht, was gut und echt in uns ist. Ein Sturm muss kommen, der das Gesindel fortbläst, dass sich von allen Seiten eingefunden hat, um uns auf der Nase zu tanzen.” Dieser Sturm kommt denn auch in Gestalt eines neuen Krieges. Der Baron hört im Traum Heimdals Horn blasen. Dem folgt eine apokalyptische Vision, angelehnt an die Endzeiterzählung der Edda. Der Krieg weckte den melancholischen Karl-Friedrich aus seiner Lethargie. Vorher wurde eine Gesellschaft im Untergang geschildert. Der Baron bricht freudig mit seinem Freund Bernd auf, um wieder an vorderster Front zu kämpfen. Evemarie lässt ihn ziehen und seinem Schicksal entgegengehen.