mini|hochkant=1.4|Die Wiener Staatsoper: Schauplatz des Opernballs
Der Wiener Opernball ist jedes Jahr neben dem Philharmonikerball der gesellschaftliche Höhepunkt der Ballsaison im Wiener Fasching. Er findet immer in der Wiener Staatsoper statt, üblicherweise am letzten Donnerstag vor dem Aschermittwoch.
Der Opernball ist mit 5150 Gästen der größte Treffpunkt Österreichs für Kulturschaffende, Unternehmer und Politiker aus dem In- und Ausland. Inklusive Mitwirkenden und Beschäftigten des Hauses bevölkern am Ballabend rund 7000 Personen die Staatsoper. 180 Paare aus dem In- und Ausland eröffnen den Ball.
Die Ballbesucher und der Werbeeffekt für den österreichischen Tourismus haben sich zu einem Wirtschaftsfaktor in Wien entwickelt.
Geschichte mini|Zeitungsannonce in Die Presse für die Erste Redoute im k. k. Hof-Operntheater am 2. März 1878 mini|Das berühmte Stiegenhaus der Oper – Treffpunkt während des Opernballs Die Tradition von Opernbällen geht zurück ins Paris des 18. Jahrhunderts und auf die Zeit des von 1814 bis 1815 dauernden Wiener Kongresses. An dieses politische Ereignis anschließend organisierten die Kulturschaffenden der Hofoper Tanzveranstaltungen. Ein Opernball am heutigen Standort fand erstmals als Hofopern-Soirée am 11. Dezember 1877 statt, unterschied sich in Ablauf, Charakter und Zielsetzung aber stark von dem 1935 vom austrofaschistischen Regime eingeführten Opernball. Einnahmen aus dieser Veranstaltung waren dem Opernpensionsfonds gewidmet. Der Name rührt auch daher, dass nach dem Willen des Kaisers nicht hätte getanzt werden sollen, da er tumultartige Zustände wie bei den Pariser Opernbällen befürchtete.
Johann Strauss (Sohn) dirigierte das Hofopernorchester, und als sein Bruder Eduard Strauß mit der Strauß-Kapelle erstmals seine Opern-Soirée-Polka aufführte, wurden die Sessel beiseite geräumt und es wurde getanzt. Der Programmzettel zur zweiten Hofopern-Soirée am 15. Jänner 1878 trug den Untertitel (Ball.), ebenso wie die Dritte und letzte Hofopern-Soirée in jenem Jahr am 23. Februar. Am 2. März 1878 fand die Erste Redoute im k. k. Hof-Operntheater statt.Nun tanzen sie wieder, die Wiener. ORF, 20. Februar 1995 12:00 Uhr (Beginn und 28:00, https://tvthek.orf.at/profile/Archiv/7648449/Nun-tanzen-sie-wieder-die-Wiener/7483133/Nun-tanzen-sie-wieder-die-Wiener/7483134 in der TVthek) Die Nachfrage nach Karten war so groß, dass einen Tag vor Beginn der Veranstaltung „nur mehr einige Logen in der dritten Galerie“ verfügbar waren. Nichtsdestoweniger herrschte bei Kritikern der Eindruck, neun von zehn Besuchern hätten das Gefühl „[s]o ennuyirt und so blasirt“ gehabt, d. h. sich „grenzenlos gelangweilt“ zu haben. In der Folge fanden bis 1899 jährlich zwei, manchmal drei Redouten statt, die durchnummeriert waren. Die Frauen waren bis Mitternacht maskiert.
Nach dem Ende der Donaumonarchie fand bereits am 29. Jänner 1921 („zugunsten der Altpensionisten der beiden Staatstheater“) die erste Redoute der Ersten Republik statt, am 8. Februar die zweite. Allgemein wurden sie schon Opernredoute genannt. Dies war auch der Titel für die folgenden einzelnen Veranstaltungen in den Jahren 1924, 1928 und 1929.
Der erste auch sogenannte Opernball wurde am 26. Jänner 1935 unter dem Ehrenprotektorat von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg zugunsten der Winterhilfe 1934/35 veranstaltet.,Die Veranstaltung war derart gesucht – es wurden 4.000 Besucher erwartet –, dass im Vorfeld gefälschte Eintrittskarten in Umlauf gebracht wurden. – Siehe: Zwei Jahre nach der Ausschaltung des Parlaments und ein Jahr nach der Niederschlagung der Februarkämpfe sollte der Opernball ein positives Bild der Diktatur im In- und Ausland schaffen. Seitdem findet er (fast) alle Jahre am letzten Donnerstag im Fasching in der Wiener Staatsoper statt. Ausnahmen waren meist Zeiten militärischer Auseinandersetzungen, wie der Zweite Weltkrieg ab September 1939 und die Besatzungszeit bis 1955 danach. Davor und knapp ein Jahr nach dem „Anschluss Österreichs“ wurde der Ball am 21. Februar 1939 auf Anordnung der deutschen Reichsregierung abgehalten.,Bildtext: Trotz politischer Differenzen zum Vorgängerregime setzte auch die nationalsozialistische Kulturpolitik auf den Wiener Opernball als „Erfundene Tradition“, deren Wurzeln in das 19. Jahrhundert verlegt wurden. Die 1898 uraufgeführte Operette Der Opernball, deren Handlung in Paris angesiedelt ist, wird in der nationalsozialistischen Verfilmung nach Wien verlegt und so eine vermeintliche Kontinuität des Wiener Opernballs ins 19. Jahrhundert unterstrichen.
Am 9. Februar 1956 wurde er erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder veranstaltet. In dieses Jahr fällt auch die zweite Verfilmung der ursprünglich in Paris angesiedelten Opernball-Operette. Eine Unterbrechung folgte 1991 auf Grund des Zweiten Golfkriegs, da man die Sicherheit der zahlreichen in- und ausländischen Gäste nicht garantieren konnte.orf.at
Am 7. Februar 1962 trat Herbert von Karajan (1908–1989) von der künstlerischen Leitung der Wiener Staatsoper zurück, was die Bundestheaterverwaltung den Ball auf den 1. März des Jahres festlegen ließ, bei dem etwa Königin Beatrix (damals Prinzessin) zu Besuch war.
1978 besuchten Juan Carlos I. und seine Gemahlin Sophia den Opernball.
2005 wurde der Wiener Opernball erstmals zur „rauchfreien Zone“ erklärt. Lediglich in zwei Rauchersalons und dem Anbau des Logenumganges durfte geraucht werden. 2007 waren erstmals Blindenhunde beim Opernball erlaubt. Seit der Saison 2008/09 besteht in der Wiener Staatsoper ein generelles Rauchverbot – die Raucherbereiche beim Opernball befinden sich mittlerweile nur in den Außenbereichen auf den Seitenterrassen.
Seit dem Opernball 2011 wirken auch die Wiener Philharmoniker bei der Eröffnung mit. Am 4. Februar 2016 fand der 60. Wiener Opernball seit der Wiedereröffnung 1955 statt. Aufgrund der COVID-19-Pandemie entfiel der Opernball 2021 und 2022.
Organisation mini|hochkant|Poster
Zwei Tage vor dem Ball wird die Wiener Staatsoper in einen großen Ballsaal verwandelt. Mit dem Umbau und der Dekorierung wird unmittelbar nach der letzten Vorstellung am Montag um etwa 22 Uhr begonnen, somit stehen bis zum Einlass am Donnerstag um 20:30 Uhr etwa 70 Stunden zur Verfügung. Als eine der ersten Tätigkeiten wird die Bestuhlung des Parterres demontiert und auf einem Gerüst ein Fußboden eingezogen, sodass dieser mit der Bühne eine ebene Fläche von etwa 850 m² bildet.
Die Idee, die verschiedenen Ebenen von Parkett, Orchestergraben und Bühne zu einem einzigen Tanzparkett umzubauen, stammt von Willy Elmayer, welcher in den 1920er Jahren die Aufgabe übertragen bekam, den Opernball als großen Staatsball zu gestalten. Nach vielen Jahren Widerstand stimmten die Bundestheater kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu. Zusätzlich zu den 78 Ranglogen werden seit 1985Die Bühne, Ausgaben 352–363, 1988, S. 48. ergänzend 56 Bühnenlogen in drei Rängen aufgebaut, die teilweise als Doppellogen ausgeführt sind. Seit 2008 wird vor dem Haupteingang am Ring ein überdachtes und abgeschirmtes Entrée von 30 × 6,5 m mit rotem Teppich aufgebaut.
Insgesamt sind etwa 650 Personen mit dem Umbau beschäftigt. Am Mittwochabend findet die Generalprobe für die etwa eine Stunde dauernde Eröffnung statt. Am Donnerstagmorgen nimmt die Behörde die Umbauten ab, danach können noch Mängel behoben und die Dekoration ergänzt werden.Zahlenspiele rund um den Opernball. In: wien.orf.at, 9. Februar 2007, abgerufen am 13. Februar 2023.Oper wird wieder zum Ballsaal. In: wien.orf.at, 9. Februar 2010, abgerufen am 13. Februar 2023.Wie die Oper zum Ballsaal wird. In: wien.orf.at, 29. Jänner 2008, abgerufen am 13. Februar 2023.
Organisatorinnen des Opernballs: 1956–1980: Christl Schönfeldt 1981–1996: Lotte Tobisch-Labotýn 1999–2007: Elisabeth Gürtler-Mauthner 2008–2016: Desirée Treichl-Stürgkh 2017–2020: Maria GroßbauerderStandard.at – Maria Großbauer ist neue Opernball-Organisatorin. Artikel vom 23. März 2016, abgerufen am 23. März 2016. 2023–2024: Komitee bestehend u. a. aus Nadja Swarovski (bis 2023), Birgit Reitbauer und Maryam Yeganehfar
Eine weitere Neuerung der Opernballorganisatorin Elisabeth Gürtler war, die begehrten und prestigeträchtigen Parterre- und Ranglogen im Zuschauerraum der Wiener Staatsoper nur noch an Donatoren der Oper zu vermieten. Nun müssen auch langjährige Opernball-Stammgäste einen Jahresbeitrag von 36.800 Euro (plus 10 % Umsatzsteuer) leisten, um weiterhin ihre Logen halten zu können. Ansonsten stehen ihnen nur noch die weniger angesehenen Bühnenlogen zu jeweils 16.000 Euro zur Verfügung.
Die Eröffnung des Balles stand 2008 mit einem Fußballballett (Choreographie: Giorgio Madia, Musik von Moritz Eggert) im Zeichen der Fußball-Europameisterschaft 2008. Giorgio Madia war auch in den Jahren 2005 und 2010 für die Choreographie verantwortlich.
Seit dem Opernball 2009 wird die Choreographie der Eröffnungszeremonie jedes Jahr an eine andere Tanzschule aus jeweils einem anderen Bundesland vergeben, vorher war dies Aufgabe der Tanzschule Mühlsiegel in Kooperation mit der Tanzschule Elmayer. Klaus Mühlsiegel steuerte hierbei die Choreographie bei, und die Tanzschule Elmayer zeichnete für den Wiener Walzer sowie das Einstudieren der Choreographie verantwortlich. Von 2009 bis 2018 hatte Roman E. Svabek von der gleichnamigen Tanzschule als Zeremonienmeister des Opernballs die Gesamtleitung der Eröffnung inne.orf.at: Opernball verliert Zeremonienmeister. Artikel vom 21. September 2018, abgerufen am 21. September 2018. 2019 soll Tanzlehrer Dominik Truschner für den Einzug des Komitees und den Walzer verantwortlich sein, die Publikumsquadrillen sollen von Maria Santner, ihrem Bruder Christoph Santner sowie Dominik Truschner abwechselnd angesagt werden.Kleine Zeitung: Opernball 2019: Tanzschule Santner gestaltet Eröffnungs-Choreografie. Artikel vom 29. September 2018, abgerufen am 29. September 2018.
Die Verantwortlichen für die Choreographie der Eröffnungspolonaise: 2009: Tanzschule Kummer, Graz 2010: danceschool horn, Linz sowie Tanz&more Werner Dietrich, Bad Mitterndorf 2011: Tanzschule Hieble, Dornbirn 2012: Tanzschule isi-dance, Bruck an der Leitha 2013: Tanzschule Iris Huber, Villach 2014: Tanzschule Fränzl, Mödling sowie Tanzschule Eddy Franzen, Wien 2015: Tanzschule Luger, Salzburg (Brigitte Wlodkowski-Luger)diepresse.com – Ball-Eröffnung: Wien tanzt nach ihrer Pfeife. Artikel vom 8. Februar 2015, abgerufen am 13. Februar 2015. 2016–2018: Tanzschule Svabek, Wien (Elisabeth und Roman Svabek) 2019–2020 und 2023–2024: Tanzschule Santner, Oberösterreich (Maria Santner und Christoph Santner)
2010 gab es erstmals eine Neuerung beim Einzug des Jungdamen- und Herrenkomitees: Es zogen bereits zu Beginn, nach den Hymnen, alle 176 Tanzpaare zu Frédéric Chopins Polonaise in A-Dur, Op. 40 ein, um nach den künstlerischen Darbietungen den Ball zu Johann Strauss’ Warschauer-Polka zu eröffnen.
Nach dem Ball wird der Blumenschmuck zu einem Teil von den letzten Ballbesuchern mitgenommen, und um 6 Uhr wird mit dem Reinigen und dem Rückbau begonnen. War dieser früher bis Freitagabend vollendet,Hans Pleininger: . In: wirtschaftsblatt.at, 19. Februar 1998, abgerufen am 16. September 2012. lässt man sich nun einen Tag mehr Zeit. Am Freitagnachmittag finden noch am Ballparkett seit 2003Die Bühne, Ausgabe 2, 2003, S. 20. zwei konzertante Aufführungen der Zauberflöte für Kinder statt, zu der etwa 7.000 Besucher aus ganz Österreich kommen. Bis zum Samstagabend ist der Rückbau abgeschlossen, und es findet die erste reguläre Vorstellung statt.APA: Deko mit 40.000 Blumen nach zwei Stunden wie weggefegt. In: derstandard.at, 20. Februar 2009, abgerufen am 13. März 2013.
Eröffnung mini|Der Opernball von 2009