mini|hochkant|Oleg Deripaska (2020) Oleg Wladimirowitsch Deripaska (; * 2. Januar 1968 in Dserschinsk, Oblast Gorki, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein russischer Oligarch. Er ist Gründer und Eigentümer von Basic Element, einer der größten russischen Industriegruppen. Bis 2017 war er Präsident der En+ Gruppe und Gründer und Miteigentümer (2018) des russischen RUSAL-Konzerns, des größten Aluminiumherstellers der Welt außerhalb Chinas.

Herkunft und Ausbildung Deripaskas Eltern stammen ursprünglich aus dem Kuban-Gebiet; er wuchs in Ust-Labinsk (Region Krasnodar) auf und ging dort zur Mittelschule Nr. 2. Er verbrachte seine Kindheit auf dem kleinen Bauernhof der Familie. Zudem lehrten ihn seine Großeltern viele Details der Landwirtschaft. Beide Großväter kämpften im Zweiten Weltkrieg. Einer von ihnen fiel in Österreich und wurde dort in einem Massengrab bestattet, der andere kehrte nach Kriegsende nach Russland zurück. Für seinen verstorbenen Großvater ließ er um 2018 eine Gedenkstätte in der Kleinstadt Laa an der Thaya errichten.

Deripaska begann mit 11 Jahren als Elektriker-Lehrling in dem Industriebetrieb in Ust-Labinsk, in dem auch seine Mutter arbeitete. Hier wartete er vor allem Elektromotoren.

In jungen Jahren waren seine Lieblingsautoren Thomas Mayne Reid und Jack London. Wegen der geringen Literaturauswahl in den ihm zugänglichen Bibliotheken konzentrierte er sich mehr und mehr auf Bücher der technischen Wissenschaften und auf mathematische Lehrbücher. Heute gibt es im Hauptsitz der Investmentgruppe 'Basic Element' Wände voller Bücher, die seine Liebe zur Literatur widerspiegeln.

2017 kaufte Deripaska einen zyprischen Pass („goldenes Visum“) und erlangte damit die Unionsbürgerschaft der Europäischen Union.

Werdegang Seine mathematische Begabung half ihm, sich 1985 an der Physik-Fakultät der Moskauer Lomonossow-Staatsuniversität einzuschreiben. Er wurde 1986 zum Wehrdienst einberufen und diente bis 1989 bei den strategischen Raketenkräften der Sowjetarmee im Transbaikal-Seegebiet in Sibirien. 1993 beendete er sein Physikstudium mit Auszeichnung. 1996 absolvierte er die Russische Plechanow-Wirtschaftsuniversität.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der damit verbundene Wegfall der akademischen Finanzierung machten es Deripaska nach dem Abschluss unmöglich, sein Studium der theoretischen Physik an der Moskauer Lomonossow-Staatsuniversität fortzusetzen.

Er profitierte dabei von Exportarbitrage, indem er Metall zu niedrigen russischen Preisen einkaufte und es dann im Ausland zu den deutlich höheren internationalen Marktpreisen verkaufte. Der Handel lief hauptsächlich über den neuen baltischen Staat Estland, da das System russischer Ausfuhrlizenzen im Argen lag. „Ich fing mein Geschäft zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt an. Das Land, in dem ich geboren und aufgewachsen war, gab es nicht mehr, und das neue Land war noch nicht völlig ausgeformt. Das erste gab mir eine ausgezeichnete Ausbildung; das zweite gab mir die Chance des Erfolgs“, erklärte Deripaska.

Fast alle Gewinne aus den Handels- und Arbitrageoperationen wurden verwendet, um das anfängliche Aktienpaket der Sajanogorsker Aluminiumhütte in Südsibirien zu kaufen. Zwischen 1993 und 1994 kaufte Deripaska Gutscheine und Anteile an Sajanogorsk und vergrößerte so seinen Anteil an der Fabrik, bis er der größte Einzelaktionär nach dem Staat war. 1994 wurde Deripaska Generaldirektor der Fabrik.

1997 wurde die Aluhütte der Kernaktivposten der Sibirsky Aluminium Group.

In den Jahren 1994 bis 1997 wurde Deripaska Geschäftsführer und Hauptaktionär der 'Sayanogorsk Smelter Group'; von 1997 bis 2001 war er Präsident der 'Sibirsky Aluminium Investment Industrial Group', der später der Kernaktivposten von RUSAL wurde. Nach Übernahmen, Fusionen und Änderungen war RUSAL auf dem Weg der größte Aluminiumhersteller der Welt zu werden, bis sie 2015 von der China Hongqiao Group überholt wurde. 2010, unter Deripaskas Führung, wurde RUSAL als erstes russisches Unternehmen an der Hong Kong Stock Exchange gelistet.

Neben Metallen, die der Mittelpunkt seiner diversifizierten Industriebeteiligungen blieben, kaufte Deripaska nach und nach außerdem Anteile zahlreicher Unternehmen verschiedenster Branchen, einschließlich Energie, Fertigung, Nutzfahrzeuge, Autoteile, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Leasing-Unternehmen, Bau, Luftfahrt und Landwirtschaft. Zu seinen Vermögenswerten gehören (Stand 2015) der sibirische Stromversorger EuroSibEnergo (das größte private russische Energieunternehmen), Ingosstrakh (eine der größten russischen Versicherungsgesellschaften), Baufirmen, die beim Aufbau der Infrastruktur für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi mitwirkten, die GAZ Group (ein Hersteller für Autos, LKWs und Busse), landwirtschaftliche Unternehmen (z. B. Kuban Agro Holding), und Transportunternehmen (z. B. eine Gruppe von Flughäfen in der Region Krasnodar, inkl. Sotschi und Krasnodar wo die Olympischen Winterspiele 2014 ausgerichtet wurden und wo 2018 die FIFA-WM veranstaltet wurde.) All diese Aktivitäten sind Teil der diversifizierten Investment- und Unternehmensgruppe Basic Elements.

Im Jahr 2010 konkurrierte Deripaska mit Wladimir Potanin, einem anderen russischen Oligarchen, um die Vorherrschaft bei Norilsk Nickel. Beide hielten damals jeweils 25 % der Anteile an diesem Rohstoffkonzern.

2022 stellte er die seiner Meinung nach für Russland nützlichen Unternehmer dem vollkommen überdotierten Staatsapparat gegenüber, welchen man halbieren und speziell bei den Strafverfolgungsbehörden noch mehr reduzieren sollte. Darunter falle auch das Militär,Deripaska schlug vor, den Staatsapparat und die Zahl der Sicherheitskräfte in Russland zu reduzieren, kommersant, 16. April 2022 diese Äußerung machte er während des laufenden russischen Überfalls auf die Ukraine und in einer Zeit, in welcher Rufe nach Verstaatlichungen, Enteignungen und Verhaftungen Hochkonjunktur hatten.„Oleg Deripaska behauptet, ein russischer Reformer zu sein“, Kommersant, 12. April 2022

Beteiligungen Basic Element Deripaska ist alleiniger Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender von Basic Element, einer 1997 gegründeten, diversifizierten Investmentgruppe. Die Vermögenswerte von Basic Element konzentrieren sich auf fünf Bereiche: Energie, Herstellung, Finanzdienstleistungen, Landwirtschaft, Bau und Luftfahrt. Die größten Vermögenswerte sind u. a. United Company RUSAL, der Produzent von Aluminium und Aluminiumoxid; die GAZ-Gruppe, ein Automobilkonzern; Ingosstrakh, das älteste Versicherungsunternehmen des Landes; Bank SOYUZ (Банк «СОЮЗ»); Aviakor Flugzeughersteller; EuroSibEnergo (ЕвроСибЭнерго), ein Investment- und Energieunternehmen; Glavmosstroy (Главмосстрой), ein Bauunternehmen; Kuban Agroholding, ein Agrarunternehmen und Basel Aero ein Luftfahrtunternehmen, bestehend aus den vier größten Flughäfen im Krasnodar Territorium (im Joint Venture mit Changi Airports International).

Basic Element besitzt ferner Unternehmen und Tochtergesellschaften in Russland, den GUS-Staaten, Afrika, Australien, Asien, Europa und Lateinamerika. Der Konzern beschäftigte 2015 weltweit etwa 200.000 Menschen.

Metall- und Bergbau UC RUSAL Die United Company RUSAL (Russisch: ОК РУСАЛ, /OK RUSAL/) ist das zweitgrößte Aluminiumunternehmen der Welt. Bis es 2015 von der chinesischen Hongqiao Group eingeholt wurde, war es der Weltmarktführer in dem Sektor. Die Aluminiumproduktion von UC RUSAL macht fast 7 % der weltweiten Aluminium- und Aluminiumoxid-Produktion aus. Die United Company wurde durch den Zusammenschluss von RUSAL (Russisch: Русский алюминий), SUAL und den Aluminiumoxid-Anlagen von Glencore gegründet, der im März 2007 abgeschlossen wurde. Das Unternehmen ist in 20 Ländern auf allen fünf Kontinenten tätig und beschäftigt über 61.000 Menschen in seinen internationalen Betrieben und Büros.

Im Jahr 2000 schlossen Deripaskas Sibirsky Aluminium und Roman Abramowitschs Millhouse Capital eine Partnerschaft, um die von ihnen kontrollierten Aluminium- und Aluminiumoxid-Unternehmen zu verwalten, und gründeten RUSAL. 2003 erhöhten die von Deripaska geführten Unternehmen ihre Anteile an diesem Joint Venture auf 75 %, indem sie die Hälfte der von Millhouse Capital verwalteten Interessen übernahmen.

2004 wurde mit der Übernahme der verbleibenden 25 % von Millhouse Capital an RUSAL die Konsolidierung der Eigentümerstruktur – durch mit Deripaska verbundene Unternehmen – abgeschlossen.

Um eine stabile Versorgung seiner Aluminiumhütten mit Aluminiumoxid zu gewährleisten, wurden mehrere Fusionen und Übernahmen von RUSAL durchgeführt. Anfang der 2000er Jahre übernahm RUSAL Bauxitminen in Guinea, dem Land mit den weltgrößten Bauxitvorkommen. Anschließend übernahm RUSAL einen Anteil an einer Aluminiumoxidraffinerie in Australien. Nach der Fusion mit Glencore investierte RUSAL in Bauxit- und Aluminiumoxid-Anlagen in Jamaika, Italien und Irland. Durch diese Transaktionen wurde RUSAL von einem Unternehmen mit nur wenig Vorrat am Rohmaterial Bauxit in ein vertikal integriertes Unternehmen umgewandelt.

Parallel dazu investierte Deripaska erheblich in die operative Verbesserung der Schmelzer in Russland: „Wir haben die Branche konsolidiert und Bauxite ausfindig gemacht, die es in Russland nicht gibt. Wir haben ein Unternehmen aufgebaut, das in weniger als zwölf Jahren zum Marktführer der Branche wurde. Aber um der weltgrößte Aluminiumhersteller zu werden, mussten wir unsere betriebliche Praxis verbessern. Um die besten Praktiken anzuwenden, haben wir uns Toyota angesehen, das ein präzises, tiefes und gut durchdachtes Verfahren seit seinem fast 30-jährigen Betrieb verwendet.“

Deripaska selbst war stets aktiver Unterstützer der Art von Produktionseffizienz, die durch Toyota populär gemacht wurde. Die RUSAL-Schmelzer haben das Kaizen-Konzept übernommen, was im westlichen Sprachgebrauch so viel wie kontinuierliche Verbesserung bedeutet und bei dem die Mitarbeiter in standardisierten Produktionstechniken geschult werden. Es sei wichtig, das Denken und auch die Berichtswege des Unternehmens zu ändern. Man solle verstehen, dass alles in den Händen seines Betreibers liegt, und man solle diesen Betreiber ermächtigen, Effizienz und Verbesserungen direkt in der Fabrikhalle voranzutreiben.

Unter Deripaskas Leitung unternahm RUSAL große Modernisierungsprojekte an vielen seiner Produktionsstätten, darunter die Aluminiumschmelzer in Bratsk, Krasnojarsk und Irkutsk.

Im Jahr 2007 fusionierten RUSAL, damals der weltgrößte Aluminiumproduzent, die SUAL Group, einer der 10 größten Aluminiumproduzenten weltweit und Glencore International, eine Schweizer Rohstoffgruppe, zur United Company RUSAL, dem weltgrößten Aluminium- und Aluminiumoxidhersteller. 2008 kaufte RUSAL 25 Prozent des arktischen Bergbauunternehmens Norilsk Nickel.

Als 2007 die Weltwirtschaftskrise das Unternehmen beeinflusste, kehrte Deripaska als CEO zu RUSAL zurück, um das es durch einen Umschuldungsprozess zu führen. “Ich arbeitete 16 Stunden am Tag. Wir waren in Zahlungsverzug, auch wenn es keiner der Beteiligten so nennen wollte.” Als Teil der Notfallmaßnahmen reduzierte Deripaska 2009 die Kosten von RUSAL um 25 %. Bis Dezember 2009 erreichte Deripaska eine endgültige Einigung mit über 70 russischen und internationalen Geldgebern, zur Refinanzierung von Schulden in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar. Unter der Führung von Deripaska erhielt RUSAL 2010 HKD 17,4 Milliarden (USD 2,24 Milliarden) aus dem ersten Börsengang eines russischen Unternehmens in Hongkong. Der Börsengang lockte Investoren wie John Paulson von Paulson & Co, den Hongkong Milliardär Li Ka-shing von Cheung Kong Holdings und den britischen Baron Nat Rothschild von NR Investments Ltd. an. Während dieser Zeit war Nat Rothschild Freund und Berater.LANDON THOMAS Jr: The Man Who May Become the Richest Rothschild, The New York Times, 9. März 2007.Franklin Foer (Text) und Bernhard Schmid (Übersetzung): Das Komplott gegen Amerika, Republik, 10. März 2018.