Die Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH (kurz Vivantes) ist ein kommunaler Krankenhausbetreiber in Berlin.Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH, Jahresabschluss 2024, abgerufen am 30. Juli 2025. Alleiniger Anteilseigner ist das Land Berlin. Das Unternehmen wurde zum 1. Januar 2001 gegründet und ist nach eigenen Angaben Deutschlands größter kommunaler Krankenhauskonzern.
Geschichte 1850–2001 mini|Das 1890 eröffnete Krankenhaus Am Urban in Kreuzberg Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Berlin verschiedene Krankenhäuser, welche später in Vivantes eingegliedert wurden. Dazu zählten beispielsweise das erste Städtische Krankenhaus in Spandau, welches 1854 in der Havelstraße gebaut wurde, das 1874 gegründete Städtische Krankenhaus Am Friedrichshain, das 1890 eröffnete Krankenhaus Am Urban sowie das 1899 eröffnete Städtische Krankenhaus zwischen Lynarstraße und Neue Bergstraße. 1880 wurde die Irrenanstalt Dalldorf (ab 1967: Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, die 1997 mit dem Krankenhaus Reinickendorf fusionierte) als erste Berliner Heil- und Pflegeanstalt gegründet.Matthias Kunert: Wittenau. Das Konzept geht nicht mehr auf. In: Berliner Zeitung. 25. April 2002.
Im Jahr 1909 wurde das Rixdorfer Krankenhaus eröffnet, welches nach drei Jahren in das Städtische Krankenhaus Neukölln umbenannt wurde. Im Jahr 1910 erfolgte die Eröffnung der Krankenhäuser der Gemeinden Reinickendorf, Tegel, Wittenau sowie Rosenthal in der Teichstraße.
Während des Nationalsozialismus wurden jüdische Krankenhausmitarbeiter aus dem Dienst gedrängt und deportiert oder zur Emigration gezwungen. Zudem wurden die Gebäude der städtischen Krankenhäuser teilweise besetzt sowie umbenannt. Zudem erfolgte die Vertreibung des jüdischen Personals. Des Weiteren führten die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs zu Beschädigungen vieler städtischer Krankenhäuser, die nach dem Krieg wiederaufgebaut wurden.
Nach der Teilung Berlins im Jahr 1949 entstand 1951 im westlichen Teil der Stadt das Wenckebach-Krankenhaus, welches 1945 von einem Militärkrankenhaus zu einem städtischen Krankenhaus umgewandelt worden war.Oliver Stüber: Zahlen, Daten, Fakten. Vivantes Wenckebach-Klinikum. In: B.Z. 31. Januar 2008. 1953 begann der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR mit Arbeitsniederlegungen auf zwei Berliner Großbaustellen, darunter auch am Krankenhausneubau des Städtischen Krankenhaus Am Friedrichshain.
1967 führte Emil Bücherl die erste Lungentransplantation Europas in der Lungenchirurgie Neuköllns durch.Medizingeschichte: Die ersten Transplantationen. In: Hamburger Abendblatt. 23. Juli 2005. In den Siebzigerjahren erfolgten weitere Klinikzusammenschlüsse in West-Berlin, die zur Entstehung des Humboldt-Krankenhauses (Fusion aus dem Städtischen Krankenhaus Tegel Süd und dem Klinikum Wiesengrund), des Krankenhauses Spandau (Fusion aus dem Städtischen Krankenhaus Spandau Nord und dem Städtischen Krankenhaus Spandau Süd) sowie des Krankenhauses Neukölln (Fusion aus dem Krankenhaus Britz und der Frauenklinik am Mariendorfer Weg) führten. Seit 1975 wird das Krankenhaus Neukölln als Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité genutzt. Des Weiteren wurden in den Siebzigerjahren das Krankenhaus Am Urban sowie das Auguste-Viktoria-Klinikum zu akademischen Lehrkrankenhäusern der Charité ernannt. In den folgenden Jahren wurden alle Vivantes Klinika Lehrkrankenhäuser der Charité.
1985 erfolgte die Eröffnung des neuen Humboldt-Krankenhauses in Reinickendorf. Ein Jahr später wurde das neue Hauptgebäude des Klinikums Neukölln fertiggestellt.
mini|Vivantes Logo bis 2007 Die Zusammenlegung des Krankenhauses Kaulsdorf und des Wilhelm-Griesinger-Krankenhauses in Biesdorf erfolgte im Jahr 1997, wodurch das Krankenhaus Hellersdorf entstand. Zudem wurde im selben Jahr die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in das Humboldt-Krankenhaus integriert.Oliver Ohmann: Berlin kaufte Wittenau, um eine Klinik zu bauen. In: B.Z. 6. Oktober 2008.
2001–Gegenwart Zum 1. Januar 2001 wurde die Net-Ge Kliniken für Berlin GmbH als Zusammenschluss der zu diesem Zeitpunkt verbliebenen städtischen Krankenhäusern Berlins gegründet. Die Net-Ge umfasste zum Gründungszeitpunkt die Krankenhäuser Friedrichshain, Hellersdorf, Prenzlauer Berg, Spandau, Reinickendorf, Neukölln, Urban in Kreuzberg, Auguste-Viktoria in Schöneberg und Wenckebach in Tempelhof.Mechthild Küpper: Das größte Kombinat im Land. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Januar 2001. Ein halbes Jahr später erfolgte die Umbenennung der Net-Ge in die Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH.
Unternehmensstruktur Nach eigenen Angaben wird rund ein Drittel der Berliner Krankenhauspatienten von Vivantes versorgt. Vivantes betreibt acht Klinika und ein Fachkrankenhaus für Geriatrie, die insgesamt über 5928 Betten verfügen (Stand 2024).
Der Vivantes-Konzern umfasst die Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH mit folgenden verbundenen Unternehmen: Die Vivantes Rehabilitation GmbH betreibt ein ambulantes Rehabilitations- und Therapiezentrum auf dem Gelände des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum für kardiologische, neurologische, onkologische und orthopädische Erkrankungen. Die Vivantes – Forum für Senioren GmbH betreibt 18 Pflegeeinrichtungen der Normalpflege und vier Kurzzeitpflegeeinrichtungen für Senioren sowie zwei Seniorenwohnhäuser. Über die Vivantes – MVZ GmbH werden 13 medizinische Versorgungszentren mit 80 Facharztpraxen betrieben; unter der Vivantes Hospiz gGmbH agiert das Hospiz der Vivantes. Das Ida-Wolff-Krankenhaus mit Schwerpunkt Geriatrie wird von der Vivantes Ida-Wolff-Krankenhaus GmbH geführt. Die SVL Speiseversorgung und -logistik GmbH ist für die Cafeterien und die Gastronomie der Vivantes-Einrichtungen zuständig, während die VivaClean Nord GmbH und die VivaClean Süd GmbH Reinigungsdienste übernehmen. Weitere Dienstleistungen werden von der Vivantes Service GmbH erbracht. Die BBG Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gGmbH (Beteiligung zu 51 Prozent, 49 Prozent werden von der Charité – Universitätsmedizin Berlin gehalten) fasst das Ausbildungsangebot des Konzerns zusammen.
Zudem ist Vivantes zu jeweils 50 Prozent an den Unternehmen Labor Berlin – Charité Vivantes GmbH, Labor Berlin – Charité Vivantes Services GmbH und MVZ Charité Vivantes GmbH beteiligt.
Kennzahlen Vivantes erwirtschafte im Geschäftsjahr 2025 Umsatzerlöse in Höhe von 1,842 Milliarden Euro (2024: 1,66 Milliarden Euro). In den Vivantes-Kliniken und dem Ida-Wolff-Krankenhaus wurden im Jahr 2025 206.278 stationäre Fälle (2024: 197.575 stationäre Fälle) behandelt. Die Zahl der Pflegeplätze belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf 2.362. Im selben Geschäftsjahr standen 16 Pflegeplätze im Hospiz zur Verfügung.
Zum Jahresende 2025 waren 20.649 Mitarbeitende für den Vivantes-Konzern tätig (2024: 20.215).
Vorsitzende der Geschäftsführung Johannes Danckert (seit Juli 2020) Andrea Grebe (Oktober 2013 bis Juli 2020) Joachim Bovelet (Februar 2007 bis April 2013) Holger Strehlau-Schwoll (Januar 2006 bis Februar 2007) Wolfgang Schäfer (November 2000 bis Dezember 2005)
Einrichtungen Zu den Einrichtungen des Unternehmens gehören Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen sowie weitere Einrichtungen, die sich über verschiedene Stadtteile Berlins erstrecken.
Fachbereiche und Zentren Die Gesundheitseinrichtungen von Vivantes bieten in Berlin medizinische Versorgung, Rehabilitation und Pflege an. 2022 behandelte Vivantes in den Rettungsstellen der Kliniken 304.000 Notfälle.Hannes Heine: Rettungsstellen. Welche Kliniken behandeln wie viel Notfälle? In: Der Tagesspiegel. 31. Oktober 2023. Nach eigener Aussage werden in den Kliniken und weiteren Einrichtungen des Unternehmens insgesamt rund eine halbe Millionen Behandlungen jährlich durchgeführt.
Die Fachbereiche des Konzerns in den verschiedenen Einrichtungen sind Anästhesie, Adipositas und metabolische Chirurgie, Augenheilkunde, Intensivmedizin, Schmerztherapie, Chirurgie (Allgemein- und Viszeralchirurgie; Endokrine Chirurgie; Plastische, Ästhestische und Rekonstruktive Chirurgie; Unfallchirurgie; Gelenke und spezielle Orthopädische Chirurgie; Neurochirurgie; Wirbelsäulenchirurgie), Dermatologie und Phlebologie, Ernährungsmedizin, Suchtmedizin, Geburtsmedizin und Gynäkologie, Gefäßmedizin, Geriatrie und Gerontopsychiatrie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Pathologie, Innere Medizin (Gastroenterologie, Infektiologie, Pneumologie, Kardiologie, Diabetologie, Nephrologie), Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Kinder- und Neugeborenenchirurgie, Onkologie, Hämatologie, Palliativmedizin, Orthopädie, Neurologie mit Stroke Unit, Nuklearmedizin, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Radiologie und interventionelle Therapie und Urologie.Krankenhausplan 2020 des Landes Berlin. Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Berlin. 2021. Abgerufen am 8. Juli 2024. Außerdem betreibt Vivantes sieben Rettungsstellen für Erwachsene und zwei Kinderrettungsstellen.
Vivantes unterhält psychiatrische Tageskliniken, psychiatrische Institutsambulanzen und psychiatrisch-psychotherapeutische Fachabteilungen im Humboldt-Klinikum, im Klinikum Spandau, im Auguste-Viktoria-Klinikum, im Klinikum Kaulsdorf, im Klinikum Neukölln, im Wenckebach-Klinikum, im Klinikum Am Urban und im Klinikum im Friedrichshain.
Im Bereich Schwangerschaft und Geburt informieren außerdem die Babylotsen des Unternehmens über Beratungsangebote zu verschiedenen Aspekten der Elternschaft und Geburt.Lorenz Vossen: Vivantes Klinikum Kaulsdorf stellt Babylotsen ein. In: Berliner Morgenpost. 25. September 2018.
Kliniken mini|Klinikum im Friedrichshain Zum Konzern gehören acht Klinika und ein geriatrisches Fachkrankenhaus: Auguste-Viktoria-Klinikum Humboldt-Klinikum Ida-Wolff-Krankenhaus, Fachkrankenhaus für Geriatrie Klinikum Am Urban Klinikum Kaulsdorf Klinikum im Friedrichshain Klinikum Neukölln Klinikum Spandau Wenckebach-Klinikum
Pflegeeinrichtungen Des Weiteren sind folgende Pflegeeinrichtungen im Geschäftsbereich Vivantes – Forum für Senioren GmbH tätig:
Haus Dr.-Hermann-Kantorowicz (Spandau) Haus Ernst Hoppe (Spandau) Haus Franckepark (Tempelhof) Haus Jahreszeiten (Friedrichshain-Kreuzberg) Haus John F. Kennedy (Reinickendorf) Haus Jungfernheide (Charlottenburg-Wilmersdorf) Haus Kaulsdorf (Marzahn-Hellersdorf) Haus Leonore (Steglitz-Zehlendorf) Haus Rhinstraße (Lichtenberg) Haus Seebrücke (Spandau) Haus Sommerstraße (Reinickendorf) Haus St. Richard (Neukölln) Haus Teichstraße (Reinickendorf) Haus Weidenweg (Friedrichshain-Kreuzberg) Haus Wilmersdorf (Charlottenburg-Wilmersdorf) Ida-Wolff-Pflegeheim (Neukölln) Standorte der Kurzzeitpflege:
Wenckebach Ida Wolff Rhinstraße Sommerstraße
Standorte der Gerontopsychiatrie:
John-F-Kennedy
Ausbildung Vivantes unterhielt bis 2020 das konzerneigene Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG), das zum 1. Januar 2020 mit der Gesundheitsakademie der Berliner Charité zur Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gGmbH (BBG) zusammengelegt wurde. Das Institut umfasst rund 3000 Ausbildungsplätze (zum Beispiel zur Pflegefachkraft) an 13 Schulen und bietet in Kooperation mit der Charité den Studiengang Angewandte Hebammenwissenschaften an. Zudem werden Weiterbildungen zum Logopäden oder Physiotherapeuten angeboten.
Kontroversen
Gerichtsverfahren