Uelzen ist eines der alten Hellwegdörfer am Nordabhang des Haarstrangs in Westfalen und seit dem 1. Januar 1968 zusammen mit Mühlhausen eine Ortschaft der Kreisstadt Unna. Uelzen hat fast 1800 Einwohner.
Der Ort hat eine vorteilhafte Grenzlage in den fruchtbaren Hellwegbörden zwischen Tiefland und Mittelgebirge am östlichen Rand des Ruhrgebiets. Seine Besonderheit sind die vielen Quellen und die damit verbundene artenreiche Natur. Anfang 2015 hatte Uelzen 1770 Einwohner. Seit dem 1. August 2016 hat Uelzen seinen eigenen Bürgermeister.
Lage und Landschaft Die Gemarkung von Uelzen umfasst 493 Hektar und liegt zwischen 135 und 68 m hoch, die Ortsmitte bei 80 m. Durch ihre Lage zwischen Tiefland und Mittelgebirge ist sie besonders vielfältig und attraktiv. Sie erstreckt sich über drei naturräumliche Einheiten: Unterer Hellweg (nördlich des Dorfkerns), Oberer Hellweg und Haarstrang. Das Gebiet an den Hängen des Haarstrangs ist der Obere Hellweg, wo sehr fruchtbare Lössböden mit bis zu 80 Bodenpunkten (von 100 möglichen) liegen. Im Süden der Gemarkung, etwa auf der Höhe des Haarstrangs, verläuft eine der großen geographischen Grenzlinien Mitteleuropas: nach Süden die Hügel des Sauerlandes als Teil des Rheinischen Schiefergebirges, nach Norden die Westfälische Bucht als Teil des Nordmitteleuropäischen Tieflandes. Vom Hang des Haarstrangs hat man einen beeindruckenden Blick ins nördliche Ruhrgebiet.
Überall unter Uelzen befindet sich Kohle. Sie ist nur zu einem kleinen Teil abgebaut worden. Grund dafür sind vor allem die geringe Mächtigkeit und die steile Lage der Flöze mit vielen Verwerfungen.
Südlich der B 1 erstreckt sich der 1970 bis 1983 errichtete Industriepark Unna mit einer Größe von 113 Hektar, der zu einem großen Teil auf Uelzener Gebiet liegt. In den letzten Jahren wurde nach Osten hin und damit vollständig auf Uelzener Gebiet mit der Errichtung des Industrieparks Unna/Ost begonnen, der nach dem neuesten Flächennutzungsplan noch nach Süden und Osten erweitert werden soll.
Geschichte Entstehung Der Ort wird erstmals als Ulfersne in einer Urkunde des Klosters Fröndenberg aus dem Jahre 1249 erwähnt, in der es um die Zahlung des Zehnten in Uelzen ging. Der Name taucht dann während der folgenden 100 Jahre in 15 Urkunden in unterschiedlichen Formen auf: sechsmal als Ulfersne, viermal als Ulfershem, zweimal als Ulfersen, und je einmal als Ulferscen, Ulfersene und Ulversche. Die Bedeutung des Namens ist nicht klar. Manches spricht dafür, dass er als Siedlung (sen = husun = häuser) oder Haus (hem = heim) eines Mannes namens Ulf oder Wolf zu deuten ist. Übereinstimmung dürfte darüber bestehen, dass der Name einige Jahrhunderte älter ist und die Ansiedlung spätestens bereits im 9. Jahrhundert entstand. Sie könnte aber auch erheblich älter sein. Dafür sprechen vor allem die ideale Siedlungslage an den fruchtbaren, quellenreichen Hängen des „uralten“ Hellwegs und die vielen Bodenfunde in der Umgebung, die auf eine frühe dichte Besiedlung hinweisen. Archäologische Grabungen vom Februar 2015 im Süden Uelzens, im heutigen Indu-Park, lassen vermuten, dass dort schon um 4000 v. Chr. eine Ansiedlung bestand.
Die Schreibung des Ortsnamens schwankte bis in die jüngere Zeit zwischen Ü und Ue; erst 1961 wurde vom Gemeinderat die Schreibweise mit Ue festgelegt. Es gibt noch ein zweites Uelzen in Deutschland, nämlich die Kreisstadt Uelzen in der Lüneburger Heide. Auch dort schwankte früher die Schreibung zwischen Ü und Ue.
Zeittafel 1249: Erste urkundliche Erwähnung von Uelzen (als „Ulfersne“).
1278/79: Das Adelsgeschlecht von Uelzen („de Ulfershem“, später auch „van Ulfersne“) taucht urkundlich auf.
1343: Erste urkundliche Erwähnung des Rittergutes Haus Heyde.
1486: Das Schatzbuch der Grafschaft Mark nennt für „Ulffzen“ 11 Bauernhöfe.
1500: Die Stadt Unna besitzt bei Uelzen ein Siechenhaus für Leprakranke. In der Nähe steht der Galgen für den Gerichtsbezirk Unna.
1559: Einführung der Reformation.
1596–1601: Philipp Nicolai ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Unna, zu der auch Uelzen gehört.
1609: Mit dem Tod des letzten Grafen von der Mark fällt Uelzen in der Folge an Brandenburg/Preußen.
1743: Der spätere Reitergeneral Christoph Friedrich Steffen von Plettenberg kauft Haus Heyde und macht es zu seinem Wohnsitz.
etwa 1770–1830: Das als Viehweide gemeinsam genutzte Gemeindeland – die Uelzener Heide – wird unter den Dorfbewohnern aufgeteilt.
19. Jahrhundert: Haus Heyde ist „der eigentliche Mittelpunkt“ der berühmten Familie von Bodelschwingh
1810: Uelzen hat 166 Einwohner in 23 Häusern.
1818: Der am Dorf vorbeiführende historische Hellweg wird durch die „Kunststraße“ (heutige B 1) ersetzt.
1828: Erste genaue Vermessung der Feldflur („Urkataster“).
1855: Als erste Eisenbahn wird die Linie Dortmund–Unna–Soest eröffnet. 1867, 1876 und 1899 folgen drei weitere Linien.
1907: Uelzen wird an die Wasserleitung des Ruhrwasserwerks in Fröndenberg-Langschede angeschlossen.
1907–1910: Flurbereinigung („Separation“) zur Zusammenlegung von zersplitterten Einzelgrundstücken. Das Wegenetz von Uelzen bekommt hierbei weitgehend seinen heutigen Verlauf.
1911: Uelzen wird an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.
10. April 1945: Einmarsch der Amerikaner. Bei den Kämpfen werden vier Häuser stark beschädigt oder zerstört.
1. Januar 1968: Die bisher selbständige Landgemeinde (468 Einwohner) wird durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Unna ein Ortsteil der Stadt Unna.
1970: Inbetriebnahme des Autobahnteilstücks Unna–Soest.
1997: Festsetzung des knapp 200 Hektar großen Naturschutzgebietes Uelzener Heide/Mühlhauser Mark.
24. November 2002: Im neuen Wohnpark Uelzen, der für etwa 180 Wohneinheiten ausgelegt ist, wird das erste Haus bezogen.
1. August 2016: Uelzen bekommt einen eigenen Bürgermeister
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1849 267 1910 415 1931Handbuch der Ämter und Landgemeinden in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen, Preußischer Landgemeindetag West, Berlin 1931. 393 1956Otto Lucas: Kreis-Atlas Unna. Unna/Münster 1957. 588 1961 480 1967 437 1987 1128 2013Einwohner in den Ortsteilen der Städte und Gemeinden des Kreises Unna 1768 2015 1785
Historische Stätten Gräberfeld Etwa 1 km westlich des Uelzener Dorfkerns wurde 1934 auf Unnaer Gebiet am heutigen Aluminiumwerk ein Gräberfeld von insgesamt neun Gräbern mit zahlreichen Beigaben aus dem 6. oder 7. Jahrhundert entdeckt. Weitere Gräber scheinen noch im Boden zu ruhen. Woher die Toten kamen, ist unbekannt. Anscheinend waren sie fränkische Brukterer christlichen Glaubens. Auch dieses Gräberfeld stützt die Annahme, dass die umliegenden Orte wie Uelzen, Mühlhausen und Unna schon damals existierten.
Haus Heyde
Im Norden der Gemarkung lag Uelzens bedeutendste Stätte, das 1966 abgebrochene Wasserschloss Haus Heyde. Seit seiner ersten Erwähnung im Jahre 1343 war es Sitz von neun unterschiedlichen Adelsgeschlechtern, darunter die Sprenge, von Aldenbockum, von Ascheberg (Grabsteine noch in der Unnaer Stadtkirche), von Plettenberg und von Bodelschwingh, für die Heyde im 19. Jahrhundert „der eigentliche Mittelpunkt der Familie“ war. Bedeutende Männer und Frauen lebten hier, so Christoph Friedrich Steffen von Plettenberg, Generalleutnant im Dienste Friedrichs des Großen, seine Enkelin Friederike von Bodelschwingh (1768–1850), Mutter zweier preußischer Minister, nämlich Ernst (1794–1854) und Carl (1800–1876) von Bodelschwingh, der später Heyde erbte. Der berühmte „Vater Bodelschwingh“, der die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel zu ihrer weltweiten Bedeutung brachte, war eng mit Heyde verbunden und heiratete dort 1861 seine Cousine Ida, eine der Töchter des Hauses. 1927 verkauften die Bodelschwinghs das Gut an die Stadt Kamen, die es verpachtete und 1966 abreißen ließ. Schon 1986 wurde der Kernbereich mit der beim Abbruch teilweise zugeschütteten Gräfte als Bodendenkmal unter Schutz gestellt. Zum eindrucksvollen Baumbestand dort (5 Bäume als Naturdenkmale geschützt) gehört auch der dickste Baum des Kreises Unna, eine 250 bis 300 Jahre alte Platane mit über 7,12 m Stammumfang (bei 130 cm Höhe gemessen). Inzwischen wurde festgestellt, dass sie auch die dickste Platane Westfalens und die zweitdickste von ganz Nordrhein-Westfalen ist.
Siechenhaus Im Westen Uelzens am Hellweg lag im Bereich des heutigen Bahnübergangs an der Bahnlinie Unna–Hamm das erstmals im Jahre 1500 erwähnte Leprosen- oder Siechenhaus der Stadt Unna. Es diente dazu, den Aussatz einzudämmen, der neben der Pest im Mittelalter die gefürchtetste aller infektiösen Krankheiten war. Einer der Altäre der Siechenhauskapelle war dem heiligen Jakob geweiht, ein weiteres Indiz dafür, dass der Hellweg einstmals auch Pilgerstraße war. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde in der Kapelle noch gepredigt. Die Reste des Bauwerks wurden 1816 zur Ausbesserung des Hellwegs verwendet.
Galgen Das baumbestandene Flurstück westlich des Bahnübergangs an der Bahnlinie Unna–Werl nennt sich Am Galgen. Früher war hier am Hellweg die öffentliche Hinrichtungsstätte für das gesamte Amt Unna. Die erste bezeugte Hinrichtung erfolgte 1510, die letzte 1805, als der Mörder Christian Schulte gerädert wurde. Zur Erinnerung an die ehemalige Richtstätte stellte der Heimatverein Mühlhausen/Uelzen am 8. Mai 2014 etwas weiter östlich am geographischen Mittelpunkt Unnas eine über 2 m hohe Stele als Mahnmal gegen die Todesstrafe auf. Geschaffen wurde sie von dem Hammer Bildhauer Harald K. Müller H9.
Alte Höfe mini|hochkant|Altes Bauernhaus in Uelzen Ganz im Westen der Gemarkung liegt als Einzelhof das Gut Schulze Höing, das schon 1291 als Gerichtsstätte für den Raum Unna bezeugt ist.
Südöstlich davon nahe dem heutigen Aluminiumwerk liegt ebenfalls allein in der Feldflur Höings Hof (heute Kayser), ein bereits im 13. Jahrhundert erwähntes „Behandigungsgut“ der Abtei (Essen-)Werden.
Den größten Grundbesitz im Dorf hatten zwei adlige Damenstifte, das Stift Fröndenberg mit vier großen Höfen und einer Anzahl weiterer Ländereien und das hochadlige Damenstift St. Cosmas und Damian in Essen mit drei großen Höfen. Vermutlich war einer der Höfe des Fröndenberger Stiftes, nämlich das Anwesen Schluckebier/Kortmann in der Dorfmitte früher einmal das „Schloss“ der Ritter von Uelzen.
Das große Fachwerkhaus auf der Südseite der B 1 ist der frühere Hof Voss, der 1542 als Vosshof erstmals in Erscheinung trat. Damals verkaufte der damalige Landesherr Wilhelm, Herzog von Kleve und Graf von der Mark, infolge Kriegsschulden alle seine Einkünfte aus dem Hof.
Denkmäler mini|hochkant|Mahnmal für die Opfer der Weltkriege