mini|Kusel
Kusel, bis 1865 Cusel geschrieben, ist die Kreisstadt des Landkreises Kusel sowie der Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan. Kusel liegt am Kuselbach im Südwesten von Rheinland-Pfalz im Nordpfälzer Bergland. Mit 5332 Einwohnern (Stand 2024)Stadt Kusel: Infos zur Stadt ist Kusel nach Cochem die zweitkleinste Kreisstadt Deutschlands. Kusel ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Geographie Lage Die Kleinstadt Kusel liegt im zum Saar-Nahe-Bergland gehörenden Nordpfälzer Bergland. Die Region wird oft als Musikantenland bezeichnet. Kusel gliedert sich vor allem in die Kernstadt um die historische Altstadt herum, den mittlerweile mit dem Kerngebiet verschmolzenen Stadtteil Diedelkopf und das Wohngebiet „Am Holler“, sowie den Stadtteil Bledesbach. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Blaubach, Altenglan, Rammelsbach, Haschbach am Remigiusberg, Schellweiler, Ehweiler, Pfeffelbach, Ruthweiler und Körborn.
Gewässer mini|Kuselbach innerhalb der Stadt Durch die Stadt fließt in West-Ost-Richtung der Kuselbach, der im Westen der Gemarkung durch Zusammenfluss von Pfeffelbach und Bledesbach entsteht. In Diedelkopf mündet der Blaubach in diesen.
Geschichte mini|Blick in die Altstadt mit Stadt- und Heimatmuseum mini|Hutmacherbrunnen Entwicklung bis zum Mittelalter Einst lebten neben Germanen auch Kelten und Römer in der Gegend von Kusel.
Durch die Schlacht bei Zülpich 496 kam Kusel unter fränkische Herrschaft und wurde durch Kauf oder Schenkung zu einem Teil des Reichslandes um Kaiserslautern. Im 7. Jahrhundert wurde auf den Ruinen eines römischen Gutshofes ein fränkischer Königshof gebaut, der eine Verpflegungsstätte darstellte, der „Curtis Cosla“. Im Jahr 850 wird dieser Hof das erste Mal in einer Urkunde erwähnt. Der Name kommt vom Kuselbach, der vorgermanisch *Kus(u)la geheißen haben dürfte.
Im 9. Jahrhundert befanden sich der Hof und das umliegende Land im Eigentum des Erzbistums Reims, dessen Gründer Remigius war. Der Königshof wandelte sich durch Mönche, die ihn organisierten, zum Klosterhof, und so wurde er zum Zentrum kirchlicher und wirtschaftlicher Interessen im so genannten Remigiusland. 902 weihte der Erzbischof Heriveus von Reims die Remigiuskirche auf dem heutigen Marktplatz zur ersten Mutterkirche der gesamten Umgebung. 931 wurde der Hof zu Kusel mit dem umliegenden Gebiet der Abtei St. Remy in Reims übergeben. Auf dem nahegelegenen Remigiusberg errichteten Reimser Mönche 1127 die Benediktinerpropstei, die nun zum kirchlichen Mittelpunkt des Landes wurde. Der Hof zu Kusel wurde durch die Vertretung eines Hofschultheißen zum Sitz der Verwaltung.
Die Grafen von Veldenz (1127–1444) wurden zu Schutzvögten des Landes. Um 1214 wurde in der Nähe die Burg Lichtenberg errichtet, die heute als die größte Burgruine Deutschlands (425 m lang, 382 m über NN) bekannt ist. Kusel wurde 1387 erstmals in einer Urkunde des Grafen von Veldenz als „Cuscheln der Stat“ urkundlich erwähnt. Die Befestigung mit Stadtgräben, Mauern, Türmen und Toren begann. 1444 wurde Kusel an Zweibrücken übertragen, da die Veldenzer Grafenlinie endete. Burg Lichtenberg wurde zum Oberamt Lichtenberg.
Frühe Neuzeit Im 16. Jahrhundert hatte das Kuseler Land drei Mal unter der Pest zu leiden. 1635 wurde Kusel durch kroatische Truppen im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt. In 40 Jahren wurde die Stadt wieder aufgebaut, 1677 aber durch die Truppen Ludwigs XIV. im Pfälzischen Erbfolgekrieg zum Großteil erneut abgebrannt.
Kusel entwickelte sich allmählich zu einer Handwerker- und Tuchmacherstadt. Am 26. Juli 1794 besetzten französische Revolutionstruppen den Ort. Unter Androhung der Todesstrafe musste Kusel innerhalb einer Stunde geräumt werden. Nach Plünderung der Häuser wurde Kusel zum dritten Mal bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Es blieben nur sechs Häuser stehen. Diese Tat galt als Bestrafung, denn die Stadt hatte einige Bürger, die in Metz als Geiseln festgehalten worden waren, mit Geld versorgt, das sich als gefälscht herausstellte und angeblich in Kusel hergestellt worden war. Eine Hypothese zur Niederbrennung ist, dass wohl eigentlich die Gemeinde Kasel zerstört werden sollte, es aber zu einem Schreibfehler bei der Ausstellung der Befehle kam.
Seit dem 19. Jahrhundert 1798 kam Kusel zum Département de la Sarre. Auf dem Wiener Kongress fiel die linksrheinische Pfalz 1815 zunächst an Österreich und 1816 aufgrund eines Tauschvertrages an das Königreich Bayern. Kusel wurde Sitz eines Landkommissariats im bayerischen Rheinkreis. Die erste Wasserleitung wurde 1824 gebaut. Durch freiwillige Spenden entstand der Maximilianbrunnen. In den Jahren von 1850 bis 1880 wurden bedeutende Tuch- und Streichgarnfabriken gegründet (Zöllner, Ehrenspeck, Fickeissen). Im Jahr 1865 wurde der Name Cusel offiziell in Kusel geändert. Seite 504. 1868 wurde die Eisenbahnstrecke von Landstuhl nach Kusel gebaut, die der Stadt große wirtschaftliche Vorteile brachte. In umliegenden Steinbrüchen wurde Kuselit abgebaut, der als Pflasterstein und zur Trassierung von Bahnstrecken genutzt wurde. Weiter entstanden Brauereien, Maschinengießereien, Wollwebereien, Ziegeleien, Druckereien und Ketten- und Nagelschmieden. Durch die großen Viehmärkte (später Kuseler Herbstmesse) wurde die Stadt zum landwirtschaftlichen Zentrum der Umgebung.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Kusel von Jagdbombern und später auch von größeren Flugzeugen mehrfach bombardiert. Nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg herrschten Inflation und Arbeitslosigkeit. Nach 1945 entstanden neue Industriebetriebe, es wurden Neubaugebiete (Holler-Siedlung) erschlossen und Schulen gebaut. 1965 wurde Kusel Garnisonsstadt. Im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform von 1969 wurde Kusel zum Verwaltungssitz der neu geschaffenen Verbandsgemeinde Kusel, die 2018 in der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan aufging.
Im Jahr 1939 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Diedelkopf eingegliedert. Außerdem wurde am 17. März 1974 die Gemeinde Bledesbach eingemeindet.
Bis 1938/40 bestand in Kusel eine jüdische Gemeinde, deren Ursprung im 18. Jahrhundert lag. Um 1924 gehörten zu ihr 65 Personen (2,2 % von insgesamt 3000 Einwohnern). Jüdische Mitbürger waren voll integriert und einige Einzelhandelsgeschäfte gehörten jüdischen Familien. 1938 lebten noch 54 Jüdinnen und Juden in Kusel. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Inneneinrichtung ihrer Synagoge zerstört, die jüdischen Geschäfte wurden demoliert, jüdische Männer in das KZ nach Dachau verschleppt. Frauen und Kinder wurden zunächst in Richtung französischer Grenze transportiert, dann nach Mainz gebracht und dort auf freien Fuß gesetzt; einige kamen nach Kusel zurück. Die letzten verbliebenen jüdischen Einwohner wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Die Namen von 25 der von den Nationalsozialisten Ermordeten sind festgehalten. Stolpersteine erinnern an sie.Alemannia-judaica.de. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
Konfessionsstatistik mini|hochkant|Evangelische Stadtkirche mini|Katholisches Pfarramt St. Ägidius 2017 waren 48,5 % der Einwohner evangelisch, 16,0 % katholisch und die übrigen 35,5 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos. Ende April 2023 hatten 37,1 % der Einwohner die evangelische Konfession und 11,9 % die katholische. 51,0 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Stadt Kusel Gemeindestatistik, abgerufen am 11. Mai 2023
Einwohnerstatistik
Politik mini|Rathaus Kusel Stadtrat Der Stadtrat Kusel besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Sitzverteilung: Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG Gesamt 2024 7 9 2 – 4 22 Sitze 2019 8 5 5 1 3 22 Sitze 2014 9 6 3 – 2 20 Sitze 2009 12 6 2 – 2 22 Sitze 2004 10 7 1 1 3 22 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Stadt Kusel e. V.
Bürgermeister Martin Heß (CDU) wurde am 9. Juli 2024 Stadtbürgermeister von Kusel. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich bei einer Wahlbeteiligung von 60,9 % mit 58,9 % der Stimmen gegen Peter Schmid (SPD) durchsetzen können.
Sein Vorgänger Jochen Hartloff (SPD) hatte das Amt am 28. Juni 2019 erneut übernommen, nachdem er es bereits von 1984 bis 2011 ausgeübt hatte. Bei der Stichwahl am 16. Juni 2019 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 50,4 % knapp durchgesetzt, nachdem bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 keiner der ursprünglich drei Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte. Bei der Wahl 2024 kandidierte Hartloff nach insgesamt 32 Jahren Amtszeit nicht erneut als Stadtbürgermeister.
Hartloff war sowohl Nachfolger als auch Vorgänger von Ulrike Nagel (SPD), die von 2011 bis 2019 Stadtbürgermeisterin von Kusel war.
Wappen
Städtepartnerschaften Kusel ist seit 1973 verpartnert mit Toucy in Frankreich (Département Yonne), seit 1997 mit Zalaegerszeg in Ungarn (Komitat Zala) und seit dem 13. September 2018 mit Valguarnera Caropepe in Italien (Sizilien).
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke, Theater und Museen
mini|Stadt- und Heimatmuseum
Das städtebauliche Ensemble des Marktplatzes wird dominiert von der klassizistischen evangelischen Stadtkirche, dem Rathaus mit seinem Glockenspiel und dem Hutmacherbrunnen.
Die Kirche zeichnet sich durch klare Linien, einen seltenen, streng symmetrischen Aufbau des Blocks Altar-Kanzel-Orgel und die wuchtigen monolithischen Sandstein-Rundpfeiler aus, die die Empore tragen.
In der Fritz-Wunderlich-Halle, einer Mehrzweckhalle, die für Vorträge, Theater- und Konzertaufführungen und dem Schulzentrum am Roßberg als Aula dient, wird in Zusammenarbeit der Gebietskörperschaften ein reichhaltiges Kulturprogramm angeboten, zu dem auch eine ansehnliche Anzahl von Auftritten deutscher und internationaler Tourneetheater gehören.
Wichtigstes Kuseler Museum ist das Heimatmuseum. Es birgt unter anderem eine Dauerausstellung über den in Kusel geborenen Opernsänger Fritz Wunderlich und zu typisch historischen häuslichen Einrichtungen der Pfalz.
Natur Im Gebiet von Kusel gibt es drei Naturdenkmale, den Stadtpark Kusel, die Buche am Windhof und die fünfstämmige Eiche am Höhenweg in der Winterhell.
Vereine Einer der Vereine in Kusel ist der FV Kusel.
Regelmäßige Veranstaltungen Am zweiten Wochenende im Juni wird in der Altstadt das Hutmacherfest gefeiert. Am ersten Septemberwochenende findet von Freitagabend bis Dienstag die Kuseler Herbstmesse statt, eines der größten Volksfeste des Kreises.
Am 24. Mai 2014 wurde zum fünfzehnten und letzten Mal der Team-Triathlon Kusel gestartet. Er zählte zu den größten Breitensportveranstaltungen in Rheinland-Pfalz. Es war eine kombinierte Radfahr-Schwimm-Lauf-Staffel, die von Teams, die aus drei Teilnehmern bestehen mussten, bestritten wurde.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Hauptstelle der Kreissparkasse Kusel
In der Stadt hat die Kreissparkasse Kusel ihren Sitz.
Bildungseinrichtungen In Kusel gibt es eine Grundschule (als Ganztagsschule in Angebotsform) mit etwa 250 Schülern, ein staatliches Gymnasium, das sogenannte Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel.Website des Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel mit etwa 1000 Schülern sowie das Schulzentrum „Auf dem Roßberg“ mit Realschule plus, Berufsbildender Schule und Wirtschaftsgymnasium. Hinzu kommen zwei Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Lernen und Sprache sowie ganzheitliche Entwicklung und einige Kindergärten.
In gemeinsamer Trägerschaft mit dem Landkreis wird eine Kreis- und Stadtbücherei betrieben. Die Volkshochschule in Kusel untersteht wie alle anderen im Kreisgebiet direkt dem Landkreis.
Behörden