mini|hochkant=1.5|Verlauf der Kursbuchstrecke 115 Braunschweig–Uelzen

Die Eisenbahnstrecke Braunschweig–Wieren ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn. Sie erschließt den Norden des Braunschweiger Landes und die östliche Lüneburger Heide. Wichtigster Unterwegshalt ist Gifhorn.

Vereinzelt wird die Bahnstrecke als Mühlenbahn bezeichnet. Der Name ist um das Jahr 2000 herum erstmals in einem Kursbuch nachgewiesen; er impliziert jedoch nicht, dass im Streckenverlauf besonders viele Mühlen sichtbar sind.

Verlauf

Die Strecke verläuft vom Braunschweiger Hauptbahnhof nach Norden, überquert den Mittellandkanal, kreuzt in Gifhorn (früherer Bahnhofsname: Isenbüttel-Gifhorn) die Bahnverbindung Hannover–Wolfsburg (Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin), durchquert dann den Landkreis Gifhorn und damit die östliche Lüneburger Heide, gelangt über Wittingen, wo eine Verbindung zum Netz der Osthannoverschen Eisenbahnen besteht, und Bad Bodenteich nach Wieren, wo sie in den elektrifizierten Ostabschnitt der Amerikalinie einmündet.

Die Bahnstrecke Braunschweig–Wieren ist die kürzeste Anbindung von Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg in Richtung Norden. Da sie aber nur schlecht ausgebaut ist (Streckenhöchstgeschwindigkeiten bis 80 km/h), sind Verbindungen über Lehrte überwiegend schneller.

In etwa parallel, aber mit einigen Kilometern Abstand zur Bahnstrecke, verlaufen der Elbe-Seitenkanal, der zweimal gequert wird, und die Bundesstraße 4.

Geschichte

Die Bahnstrecke wurde kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb genommen. Seither wird sie regelmäßig von Zügen des Personenverkehrs befahren. Der erste Zug fuhr am 1. März 1889, als die Strecke von Gifhorn-Isenbüttel nach Meine für den Güterverkehr freigegeben wurde, der erste Personenzug auf dieser Strecke am 1. Juli 1890. Nördlich von Gifhorn-Isenbüttel wurde zunächst die Teilstrecke nach Triangel eröffnet (Güterverkehr seit 1. Mai 1889, Personenverkehr seit 1. November 1889). Beide Teilstrecken wurden zunächst durch die Berlin-Lehrter Eisenbahngesellschaft betrieben. Die südliche Verbindung nach Braunschweig wird seit dem 1. Juli 1894 befahren und die nördliche Verbindung nach Wieren seit dem 1. September 1900.

Von Braunschweig kommende Züge fuhren bis 1913 von Westen her in den Bahnhof Isenbüttel-Gifhorn (heute: Gifhorn) ein. Dort mussten sie zur Weiterfahrt nach Uelzen die Fahrtrichtung ändern. Durch eine weiträumige Umtrassierung konnten die Züge ab 1913 von Osten her den Bahnhof erreichen und somit die Fahrzeit verkürzt werden.

In der Gemarkung Thune verläuft der Mittellandkanal etwa von Süd-Westen nach Nord-Osten, die Eisenbahnstrecke etwa von Norden nach Süden, so dass die Querung ungefähr unter dem Winkel von 45 Grad erfolgt, was zu einer sehr langen Brücke führte. Sie wurde ab Mai 1931 erbaut und ging am 24. Februar 1932 in Betrieb. Unterbrechungen des Zugverkehrs gab es mehrfach: 21. Februar 1933 bis April 1933 zwecks Sicherstellung der Standfestigkeit eines Widerlagers, für einige Tage im Oktober 1939 wegen Einbau zusätzlicher (verlängernder) Brückenteile, vom 10. April 1945 (Sprengung) bis 15. Juli 1946 (wiederhergestellt), 27. bis 30. August 1976 zwecks Anhebung der Brücke, um die lichte Durchfahrthöhe auf dem Mittellandkanal zu vergrößern.Rolf Ahlers: Eisenbahnbrücke auf der Strecke Braunschweig-Gifhorn über den Mittellandkanal. In: Braunschweigische Heimat 99 (1), S. 16–19.

Während des Zweiten Weltkriegs ereigneten sich auf dem Bahnhof Isenbüttel-Gifhorn zwei schwere Zugunglücke. Beide Unglücke waren Auffahrunfälle, an denen jeweils zwei Züge beteiligt waren. Am 22. Januar 1941 fuhr ein Zug auf einen Transportzug mit rund 1000 belgischen Kriegsgefangenen auf. Dabei kamen über 120 Personen ums Leben. Am 11. Oktober 1944 starben bei einem weiteren Unfall neun Menschen, 15 wurden schwer verletzt.

Darüber hinaus gab es ein weiteres schweres Unglück. In den Wäldern bei Bodenteich befand sich eine Munitionsanstalt mit eigenem Anschlussgleis und eigener Lok (V 36). Am 25. März 1945 explodierte ein mit Munition beladener Güterzug, vermutlich durch Funkenflug eines einfahrenden Zuges. Es gab bis zu 80 Tote und viele Verletzte. Das Bahnhofsgebäude und viele umliegende Häuser wurden zerstört oder beschädigt.

Ein Bild des Bahnhofs Triangel bei Neudorf-Platendorf ist auf dem Umschlag der Erstausgabe von Bernward Vespers Romanfragment Die Reise (1977) zu sehen.

In den 1960erKursbuch Sommer 1967 Gesamtausgabe und 1970er Jahren befuhren Heckeneilzüge die Strecke, also Eilzüge mit Laufwegen abseits der Hauptstrecken. So gab es 1975 je ein Zugpaar der Relationen Flensburg–Lübeck–Wittingen–Kreiensen und Hamburg–Wittingen–Goslar–Kreiensen.

Die Zahl der Stationen wurde im Laufe der Jahre schrittweise reduziert. Der Haltepunkt Meinholz entfiel schon vor 1967, am Bahnhof Braunschweig-Querum und am Haltepunkt Isenbüttel Dorf hielt am 30. Mai 1976 zum letzten Mal ein planmäßiger Zug, in Bienrode am 22. Mai 1977, am Haltepunkt Langenbrügge und am Bahnhof Stöcken am 30. Mai 1981.Kursbuch Niedersachsen, Bremen, Ostwestfalen, Sommer-Ausgabe 1976, 1977, 1981 Der Bahnhof Wenden-Bechtsbüttel folgte 1988. In den Bahnhöfen Bad Bodenteich, Wittingen und Wahrenholz wurden im Dezember 2011 die Fahrkartenschalter geschlossen.

Der Haltepunkt Vorhop entstand neu mit dem Bau des Elbe-Seitenkanals. Ursprünglich hatten Schönewörde und Vorhop einen gemeinsamen Haltepunkt (der Schönewörde hieß) am Bahnübergang der Straße zwischen den beiden Orten.Topographische Karte 1 : 25000 Blatt 3329 Wahrenholz, Königl. Preuss. Landes-Aufnahme 1899. Herausgegeben 1901, reproduziert und herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt - Landesvermessung - Hannover Mit der Höherlegung der Bahnstrecke zur Überbrückung des Kanals wurde auch der Bahnübergang durch eine Brückenüberführung ersetzt. Vorhop und Schönewörde erhielten ihre heutigen, ortsnäheren Haltepunkte.Topographische Karte 1 : 25000, Blatt 3329 Wahrenholz, Mehrfarbig herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt - Landesvermessung - 1958, Ausgabe 1975

Bis etwa 1994 bestand in Meine ein Nebengleis zur damaligen Zuckerfabrik, das früher während der Rübenkampagne häufig von Güterwagen genutzt wurde, aber in den 1970er Jahren außer Gebrauch gekommen war.

Im Frühjahr 2008 wurden die innerörtlichen Bahnübergänge in Meine erneuert und die Brücke über den Mittellandkanal bei Bechtsbüttel saniert.

Einzelne Regionalbahnen mit dem Laufweg Braunschweig–Bremen verkehrten bis Dezember 2008 über die Bahnstrecke Braunschweig–Wieren und die Amerikalinie. In den Jahren 2010 und 2011 verband wieder eine Regionalbahn werktäglich Braunschweig mit Bremen auf dieser Strecke. Diese Tradition nahm mit der Übernahme des Nahverkehrs auf der Strecke Uelzen–Bremen durch die erixx GmbH im Dezember 2011 ihr vorläufiges Ende.

Im Juli 2011 wurden auf dem Streckenabschnitt Bad Bodenteich–Wieren die Gleise neu verlegt, im Herbst 2012 erfolgte dieses auf einem zehn Kilometer langen Abschnitt von Vorhop über Wahrenholz hinaus Richtung Neudorf-Platendorf. Gleichzeitig wurden im Bahnhof Wahrenholz die Gütergleise abgebaut (mit der ehemaligen Bezeichnung „Ölbf.“).Topographische Karte 1 : 25.000, Blatt 3329 Wahrenholz, Mehrfarbig herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt – Landesvermessung – 1958 2013 folgte die Erneuerung der Gleise zwischen Vorhop und Stöcken bei gleichzeitigem Ausbau aller Weichen zu den ehemaligen Gütergleisen des Bahnhofs Wittingen. Darüber hinaus wurden in Bad Bodenteich die Weichen für das Begegnungsgleis und in Gifhorn Stadt das Gleis 2 auf ganzer Länge einschließlich der Weichen erneuert. 2014 erfolgte die Streckenerneuerung zwischen Stöcken und Bad Bodenteich, dort verbunden mit dem anschließenden Neubau eines Mittelbahnsteigs, um die erforderliche Begegnung für die wenigen Züge, die seit Dezember 2014 im Stundentakt verkehren, zu ermöglichen. Der zur Zeit der HeckeneilzügeSommerfahrplan 1975 bei Begegnungen noch genutzte Bahnsteig 1 am Bahnhofsgebäude wurde zurückgebaut. An den Stationen Gifhorn Stadt, Neudorf-Platendorf, Wahrenholz und Knesebeck wurden die Bahnsteige ganz oder teilweise an die Einstiegshöhe der neuen Triebwagen angepasst. 2017 erhielt der Bahnhof Wittingen einen neuen Mittelbahnsteig bei gleichzeitigem Rückbau des alten Bahnsteigs 1. In Gifhorn Stadt wurden die Bahnsteige 1 und 2 in bisheriger Lage vollständig erneuert und zeitgleich die Bahnhofstraße mit ZOB und erweiterten Parkmöglichkeiten ausgebaut.

Zur Realisierung eines dichteren Nahverkehrsangebotes musste die Infrastruktur entsprechend ausgebaut werden. Die Station Rötgesbüttel wurde 2020 als Bahnhof 300 m weiter südlich neu gebaut, da für die Einführung eines Stundentaktes auf der Relation Braunschweig–Gifhorn–Uelzen Zugkreuzungen in Rötgesbüttel notwendig sind. Baubeginn war am 3. März 2020, seit dem 30. November 2020 wird er von Personenzügen bedient. Außerdem wurde der Bahnhof Wahrenholz modernisiert und dabei so umgebaut, dass gleichzeitige Einfahrten aus Richtung Wieren und Gifhorn möglich sind. Zum 13. Dezember 2020 wurde schließlich ein Stundentakt eingeführt. Für dieses Ziel musste der Verkehrshalt Neudorf-Platendorf eingestellt werden. Stillgelegt war der Haltepunkt Stand 2023 noch nicht.

Seit September 2025 werden Schöneworde und Vorhop nur noch bei Bedarf bedient. Auf diese Weise sollen die Fahrzeitreserven auf der Strecke erhöht und damit die Pünktlichkeit verbessert werden.Schönewörde und Vorhop sind Bedarfshaltestellen – Neues Konzept soll die Pünktlichkeit der RB47 steigern. Regionalverband Großraum Braunschweig. 28. August 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.

Personenverkehr

Der Personenverkehr wurde bis Dezember 2014 etwa im Zweistundentakt mit Regionalbahn-Zügen der DB Regio durchgeführt, zuletzt meist mit Dieseltriebwagen der Baureihe 628. Der Fahrplan war durch den Zweistundentakt und den frühen Betriebsschluss unattraktiv. So verkehrten montags bis freitags zwischen dem Oberzentrum Braunschweig und dem Mittelzentrum Gifhorn nur elf Zugpaare und die letzte Regionalbahn verließ Braunschweig um 19:37 Uhr in Richtung Gifhorn.http://kursbuch.bahn.de/hafas/kbview.exe/dn/KB115_R_Taeglich_G26112013.pdf?filename=KB115_R_Taeglich_G26112013.pdf&orig=k Deutsche Bahn, Kursbuch 2014, KBS 115 Braunschweig - Uelzenhttp://kursbuch.bahn.de/hafas/kbview.exe/dn/KB115_H_Taeglich_G26112013.pdf?filename=KB115_H_Taeglich_G26112013.pdf&orig=sT Deutsche Bahn, Kursbuch 2014, KBS 115 Uelzen - Braunschweig Seit Dezember 2014 wird die Strecke von der in Soltau ansässigen Eisenbahngesellschaft erixx mit Triebwagen vom Typ Lint 54 bedient., Presseinformation der LNVG vom 19. Dezember 2012 Das Fahrtenangebot hatte sich mit Ausnahme einer weiteren Abendverbindung ab Braunschweig nach Wittingen, freitags bis sonntags nach Uelzen, einer sonntäglichen Spätverbindung von Braunschweig nach Wittingen und zwei verbesserter Frühverbindungen zwischen Uelzen und Gifhorn noch nicht durchgreifend verbessert, da einige nicht getaktete Verbindungen auch entfallen waren.Kursbuch 2015, Strecke 115

Aktueller Betrieb

Im Fahrplanjahr 2021 verkehrt die Linie RB 47 von erixx im Stundentakt auf der Verbindung Braunschweig–Gifhorn–Uelzen.

Güterverkehr Güterverkehr findet noch von und nach Knesebeck statt (Holzverladung, Anschlussgleis Firma Butting), von und zum Hafen Wittingen sowie südlich von Braunschweig-Gliesmarode.

Die Strecke befindet sich abschnittsweise in renovierungsbedürftigem Zustand. An den Bahnübergängen bei Meine (Bundesstraße 4) und Ausbüttel kommt es daher mitunter wegen defekter Schranken zu Staus.

Durchgehende Güterzüge gibt es planmäßig auf der Strecke nicht.

Selten wird die Strecke von Museumseisenbahnen genutzt.

Planungen