Die Streitkräfte der Arabischen Republik Syrien () bestanden aus Heer, Marine und Luftstreitkräften. Oberster Befehlshaber der Streitkräfte war der Präsident des Landes.

Die Streitkräfte Syriens hatten vor Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 eine Gesamtstärke von etwa 300.000 Soldaten. In jenem Krieg erlitten die Streitkräfte schwere Verluste. Im Oktober 2015 wurden die Streitkräfte auf eine Gesamtstärke von 80.000 bis 100.000 Soldaten geschätzt. Im Dezember 2024, nach dem Fall des Assad-Regimes, dem sich die Reste der Streitkräfte Syriens kaum entgegenstellten, wurde die Infrastruktur der syrischen Streitkräfte durch Luftangriffe der israelischen Streitkräfte zerstört. Seit der Gründung Israels im Jahr 1948 befinden sich Syrien und Israel im Kriegszustand.

Allgemein In Syrien herrschte Wehrpflicht. Alle männlichen Syrer im Alter von 18 Jahren mussten einen 24-monatigen Wehrdienst leisten. Wichtigster Rüstungslieferant Syriens war bis 1989 die Sowjetunion; bis heute stammen die meisten syrischen Waffensysteme aus der Produktion des ehemaligen Ostblocks. Seit 1989 bestehen erhebliche Engpässe bei der Versorgung mit Ersatzteilen.

Auch strategisch und taktisch waren die Streitkräfte auf alte sowjetische Militärdoktrinen ausgerichtet.

Seit dem Bürgerkrieg erlitten die Streitkräfte neben den Verlusten durch Kampfhandlungen auch erhebliche Verluste durch Fahnenflucht. Der Zerfallsprozess der syrischen Gesellschaft entlang ethnischer und religiöser Grenzen beschleunigte diesen Vorgang und führte zu einer ungünstigen strategischen Lage, in der die verbliebenen Kräfte überdehnt waren.

Heer mini|Syrischer Soldat während der Operation Desert Shield, 1991

Das syrische Heer war die größte Teilstreitkraft. Es hatte bis zum Bürgerkrieg 2011 eine Stärke von etwa 350.000 Mann und war gegliedert in:

3 Armeekorps (I., II. und III. Korps) mit acht gepanzerten Divisionen (offenbar 1., 2., 3., 5., 6., 7., 8., 10. und 11. Division) 1 Division der Republikanischen Garde (ein Artillerieregiment, eine mechanisierte Brigade und drei gepanzerte Brigaden) 7 Luftlandebrigaden 2 Panzerbrigaden 4 mechanisierten Infanteriebrigaden 10 Spezialeinheitenbataillone (Darunter: Republikanische Garde, Tiger Forces) 2 Artilleriebrigaden 2 unabhängige Panzerabwehrbrigaden 3 Artillerie-Raketen-Brigaden (mit jeweils 3 Bataillonen), davon ist jeweils eine Brigade mit FROG-7, SS-21 Scarab und R-17 ausgerüstet. 2 an der Küste stationierte Raketenverteidigungsbrigaden, davon ist eine SS-C-1B Sepal und die andere mit P-15 Termit ausgestattet, SS-C-3 Styx können den beiden Brigaden alternativ zugeordnet werden. 1 Brigade der Küstenwache

mini|hochkant|links|Flagge der Armee

Die wichtigsten Waffensysteme waren bis 2011 rund 4.700 Kampfpanzer, die modernsten darunter waren 1.400 des Typs T-72. Außerdem gehörten noch rund 2.000 veraltete T-55 und 1000 T-62 zum Arsenal. Viele Panzer waren schon damals nicht mehr fahrfähig, sondern fest in Kampfstellungen eingebaut. Die 3.800 Schützenpanzer gehörten größtenteils zum veralteten Modell BMP-1, allerdings waren 200 bis 350 modernere BMP-2 und BMP-3 vorhanden. Die Artillerie verfügte über rund 2.600 Geschütze, darunter jeweils 600 der sowjetischen Typen D-30 und M-46. Dazu kamen rund 450 Selbstfahrgeschütze, mehrheitlich vom Typ 2S1 mit Kaliber 122 Millimeter.

Die Flugabwehr-Truppe innerhalb der Armee war mit 60.000 Mann ungewöhnlich groß und verfügte neben rund 4.000 Geschützen über die vergleichsweise fortschrittlichen Raketen S-200, 2K12 Kub, 9K34 Strela-3, 9K35 Strela-10 (mit 4.000 Raketen das zahlenstärkste System) und 9K33 Osa, die teilweise in stationären Raketenbasen nahe Damaskus und Aleppo stationiert waren. Man plante jedoch, die modernen russischen 96K6 Panzir- sowie S-300-Systeme in Dienst zu stellen.

Die 18.000 Mann umfassende Grenzschutztruppe gehörte ebenso dem Heer an wie rund 8.000 paramilitärische Gendarmen. Darüber hinaus gab es eine Heeres-Brigade, die speziell für die Küstenverteidigung ausgebildet und ausgerüstet war sowie eine Raketenbrigade, die über Flugkörper der Typen FROG, Scud der Baureihen B und C sowie als effektivste Waffe über SS-21 verfügte. Die Reserve des Heeres umfasste eine gepanzerte Division, vier gepanzerte Brigaden, zwei Panzerregimenter, 21 Infanterie- und drei Artillerieregimenter.

Luftstreitkräfte

Die syrischen Luftstreitkräfte () wurden 1948 gegründet.

Das Personal bestand vor dem Bürgerkrieg von 2011 regulär aus rund 60.000 Mann. Sie waren in zehn oder elf Angriffs- und sechzehn Abfangstaffeln sowie zwei Transport- und eine Ausbildungsstaffel gegliedert. Das Flugzeugarsenal von gut 600 Maschinen bestand vor allem aus MiG-21 (rund 100) und MiG-23 (rund 160) sowie Su-22 (rund 50). Der Bestand moderner Kampfflugzeuge war deutlich kleiner: 20 Su-24, jeweils gut 10 MiG-25 und 30 MiG-29. Die Hubschrauber-Flotte umfasste knapp 100 Angriffshubschrauber des Typs Mil Mi-8.

Neben den auch militärisch genutzten sechs zivilen Flughäfen verfügten die Luftstreitkräfte noch über weitere 17 Militärflugplätze, die sich fast alle auf den westlichen Teil des Landes konzentrieren.

Marine

Die syrische Marine war im Vergleich zu den übrigen Teilstreitkräften unterproportioniert. Sie umfasste vor dem Bürgerkrieg rund 4.500 Mann, 2 Korvetten, 16 Raketenboote sowie einige kleinere Überwasser-Einheiten. Die Marine agiert nicht als eigene Teilstreitkraft, sondern ist in die Befehlsstrukturen des Heeres integriert.

Massenvernichtungswaffen und Trägerraketen Atomare Waffen Syrien hat den Atomwaffensperrvertrag ratifiziert und verfügt derzeit offiziell weder über ein Atomwaffenprogramm noch über nukleare Waffensysteme. Syrien wurde jedoch beschuldigt, heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Am 6. September 2007 zerstörten israelische Kampfflugzeuge im Rahmen der Operation Orchard die im Osten des Landes gelegene Militäranlage El Kibar. Es wird spekuliert, dass es sich bei der Anlage um einen Kernreaktor nordkoreanischer Bauart handelte. Nach Angaben der IAEO soll dort aufbereitetes Uran gefunden worden sein, was eine Verbindung zu einem geheimen Atomprogramm Syriens nahelegt. Die US-Regierung bezichtigte Syrien einer Kooperation mit Nordkorea, was von syrischer Seite aber bestritten wird.

Chemische Waffen Syrien besaß seit 1973, im Zusammenhang mit dem Jom-Kippur-Krieg, Senfgas, das von Ägypten geliefert wurde. In der Folge baute Syrien eigene Kapazitäten zur Entwicklung und Produktion chemischer Kampfstoffe auf. Seit Mitte der 1980er-Jahre verfügte Syrien über Sarin, möglicherweise auch VX. Die syrische Chemiewaffenproduktion soll von der Zulieferung von Technik und Ausgangsstoffen aus dem Ausland abhängig gewesen sein. Belege für den erstmaligen Einsatz von Sarin im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien sind seit dem 24. März 2013 bekannt, jedoch ist weiterhin nicht abschließend geklärt, ob es tatsächlich von den syrischen Streitkräften, beispielsweise bei den Giftgasangriffen von Ghuta im August 2013 eingesetzt wurde.Oliver Meier: Stiftung Wissenschaft und Politik: Chemiewaffen in Syrien. SWP-Aktuell 2013, Juni 2013 (abgerufen am 30. August 2013) (PDF; 139 kB) Noch im selben Jahr trat Syrien der Chemiewaffenkonvention bei. Am 13. Juli 2016 erklärte der OPCW-Generaldirektor, „entgegen früheren Beteuerungen der syrischen Regierung“ hätten OPCW-Experten Hinweise auf weitere chemische Kampfstoffe gefunden. Syrien habe „die Erforschung und Entwicklung von einem weiteren chemischen Kampfstoff“ eingestanden.Syrisches Regime besitzt doch noch Chemiewaffen, NZZ, 15. Juli 2016, Seite 2

Raketen Das syrische Raketenarsenal umfasste nach US-Angaben mit Stand 2000 über 250 bis 350 Scud-B und eine ähnlich hohe Anzahl SS-21. Diese Raketen sind vornehmlich mit mobilen Startrampen ausgestattet. Für die Scud-B- und -C-Systeme werden 26 dieser Rampen geschätzt. Die modernsten Raketen dürften rund 50 Scud-C mit 18 mobilen Startrampen sein. Darüber hinaus hat Syrien mit nordkoreanischer und iranischer Hilfe die Scud weiterentwickelt. Dieser mit Scud-D bezeichnete Typ verfügt über eine erhöhte Reichweite von rund 700 Kilometern aber über eine geringere Waffenlast und geringere Zielgenauigkeit als Scud-B und -C.

Geschichte der Streitkräfte Syriens Kolonialzeit Nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reichs übernahm Frankreich per Völkerbundmandat die Kontrolle über Syrien. 1919 gründete die Mandatsmacht die Troupes spéciales du Levant als Hilfstruppen vor allem gegen innenpolitische Unruhen. Aus diesen 8.000 Mann entwickelten sich sowohl die Streitkräfte Syriens wie auch des Libanon. Die französischen Behörden bevorzugten bereits von Beginn an bei den Mannschaften und Unteroffizieren Mitglieder ethno-religiöser Minderheiten der Alawiten, Drusen und Christen. Im späteren Verlauf griffen die Franzosen auch bei den Offizieren mehrheitlich auf diese Bevölkerungsgruppen zurück. Für diese Menschen bedeutet der Militärdienst die Möglichkeit des sozialen und ökonomischen Aufstiegs. Stämme auch innerhalb der bevorzugten Ethnien, die vorher gegen die Kolonialmacht rebelliert hatten, wurden größtenteils ausgeschlossen. Die unter den Osmanen herangewachsene Elite aus städtischen Sunniten stand dem Militärdienst weitestgehend reserviert gegenüber und nutzte oft die Möglichkeit, sich gegen Zahlung einer Sondersteuer dem Dienst zu entziehen.Kenneth Pollack: Arabs at War. Lincoln, 2004, S. 447.Nikolaos von Dam The Struggle for Power in Syria – Politics and Society under Asad and the Ba'th Party. 4. Auflage, London 2011, S. 26–28.

Palästinakrieg Während des Palästinakrieges 1948/49 setzte Syrien Infanterie in Brigadestärke – unterstützt von Panzern und Artillerie – ein, um einen Teil Galiläas einzukesseln. Das Unternehmen scheiterte nach kurzen Anfangserfolgen am Widerstand der israelischen Streitkräfte.Kenneth Pollack: Arabs at War. Lincoln, 2004, S. 448–457.

Zur Zeit des Kalten Krieges mini|Die syrische Armee nutzte die MILAN-Rakete während des Krieges im Libanon gegen die israelische Armee im Jahr 1982 mini|Ein syrischer Soldat mit einer Kalaschnikow während einer Schießübung. Der Soldat trägt eine sowjetische ShMS-ABC-Maske (1992)

1956 schloss die syrische Regierung das erste Abkommen über Militärhilfe seitens der Sowjetunion. Die ersten Waffenlieferungen erreichten das Land 1958. Im Folgenden entsandte die Sowjetunion mehrere hundert Militärberater, die eine zentrale Rolle für den weiteren Ausbau der Streitkräfte spielten. Seitens der entsandten sowjetischen Offiziere wurde häufig kritisiert, dass viele syrische Offiziere eher an politischen Intrigen als am Erwerb militärisch-fachlicher Qualifikationen interessiert waren.Kenneth Pollack: Arabs at War. Lincoln, 2002, S. 459.

Seit 1967 ist ein Teil der Golanhöhen im Südwesten Syriens durch Israel besetzt, aus israelischer Sicht annektiert. Die Waffenstillstandslinie wird seit 1973 von UNDOF überwacht und der Waffenstillstand wird im Allgemeinen von beiden Seiten respektiert, von wenigen Zwischenfällen abgesehen. Zwischen Israel und Syrien herrscht formal weiter Kriegszustand.