Mühlhausen ist eines der alten Hellwegdörfer am Nordabhang des Haarstrangs in Westfalen und seit 1968 zusammen mit Uelzen eine Ortschaft der Kreisstadt Unna. Es hat etwa 1400 Einwohner.

Es hat eine vorteilhafte Grenzlage: in den fruchtbaren Hellwegbörden zwischen Tiefland und Mittelgebirge am östlichen Rand des Ruhrgebiets. Seine Besonderheit sind die vielen Quellen und die damit verbundene artenreiche Natur.

Lage und Landschaft Die Gemarkung von Mühlhausen umfasst 551 Hektar und liegt zwischen 150 und 70 m hoch, die Ortsmitte bei 75 m. Durch ihre Lage zwischen Tiefland und Mittelgebirge ist sie besonders vielfältig und attraktiv. Sie erstreckt sich über drei naturräumliche Einheiten: Unterer Hellweg (nördlich des Dorfkerns), Oberer Hellweg und Haarstrang. Das Gebiet an den Hängen des Haarstrangs ist der Obere Hellweg, wo sehr fruchtbare Lössböden mit bis zu 80 Bodenpunkten (von 100 möglichen) liegen. Im Süden der Gemarkung, etwa auf der Höhe des Haarstrangs, verläuft eine der großen geographischen Grenzlinien Mitteleuropas: Nach Süden die Hügel des Sauerlandes als Teil des Rheinischen Schiefergebirges, nach Norden die Westfälische Bucht als Teil des Nordmitteleuropäischen Tieflandes. Vom Hang des Haarstrangs hat man einen beeindruckenden Blick ins nördliche Ruhrgebiet. Der „Mühlhauser Berg“ östlich des Dorfkerns gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte im Kreis Unna.

Zu Spaziergängen und Radtouren lädt das südlich der B 1 gelegene Bimbergtal ein, das allerdings seit 1970 durch die Autobahn Dortmund–Kassel verlärmt wird, die mit einer gewaltigen Brücke das Tal überspannt. Lünerner und Kessebürener Bach durchfließen das ansonsten reizvolle Tal. Schon 1856 wurden hier bei Bohrungen Eisenerz und Kohle gefunden. Die Kohle, die sich überall unter Mühlhausen befindet, ist bis auf wenige Ausnahmen nicht abgebaut worden. Grund sind die geringe Mächtigkeit und steile Lage der Flöze, die vielen Verwerfungen und Wassereinbrüche. Die 1920 gleich hinter der Mühlhauser Grenze an der B 1 in Lünern abgeteufte Zeche Unna wurde daher nach vier Jahren schon wieder geschlossen. Die drei nicht mehr betriebenen Steinbrüche dort gewähren einen der seltenen Einblicke in die Kreide-Zeit vor 90 Millionen Jahren, als das Gebiet von der Ur-Nordsee bedeckt war. Es sind interessante Versteinerungen zu finden, vor allem die Muschel Inoceramus lamarcki. Aus dem Lehm im Bimbergtal wurden früher vor Ort die Backsteine für die Häuser in Mühlhausen gefertigt.

Geschichte Entstehung Mühlhausen wurde erstmals urkundlich um das Jahr 890 als Mulinhusun in einem Abgabenverzeichnis der Abtei (Essen-)Werden zusammen mit anderen Orten am Hellweg erwähnt: Im Brukterergau im Dorf Mulinhusun hat Folkbracht für eine halbe Hufe jährlich 10 Scheffel Gerste, 10 Scheffel Roggen, 8 Denare Heerschilling, 2 Scheffel Mehl zu leisten. Hierfür ist Salz zu kaufen.Heerschilling: anderer Ausdruck für Kriegssteuer als Ersatz für persönlich zu leistenden Kriegsdienst, in der Regel nicht mehr als zwei Schillinge = 24 Denare.

Somit bestand damals schon ein Dorf mit einer Mühle (Mulin = Mühle, husun = hausen). Die Mühle dürfte Ende des 8. Jahrhunderts errichtet worden sein, nachdem die Franken, die bereits Wassermühlen kannten, unter Karl dem Großen 775/776 das Gebiet um Mühlhausen erobert hatten. Mit dem abgabepflichtigen Folkbracht taucht auch der erste namentlich bekannte Einwohner Mühlhausens auf. Bemerkenswert ist, dass er den Mönchen anstelle der üblichen Abgaben jährlich eine Wagenladung Salz zu liefern hatte. Wahrscheinlich kam das Salz aus Werl, wo schon mehrere Jahrhunderte vor Christus Salz gewonnen wurde.

Eine Ansiedlung hat im Bereich Mühlhausen weit früher bestanden. Dafür sprechen nicht nur die ideale Siedlungslage (in einer geschützten Talmulde mit Quellen am Fuß fruchtbarer Abhänge), die verkehrsgünstige Lage am „uralten“ Hellweg sowie die vielen auf frühe Besiedlung hinweisenden Bodenfunde in der Umgebung. Noch nicht ausgewertete archäologische Grabungen von Anfang 2015 im Indu-Park nahe der B 1 ergaben, dass dort schon um Christi Geburt Germanen lebten. Diese Ansiedlung müsste dann aber einen anderen Namen als Mulinhusun/Mühlhausen gehabt haben.

Zeittafel Um 890: Erste Erwähnung Mühlhausens.

ab 1243: Das Gebiet von und um Mühlhausen gehört zur Grafschaft Mark.

1283: Erste Erwähnung des Adelsgutes Borgmühl (als „Burgmolen“).

1317: Das Geschlecht der Ritter von Mühlhausen („van Molhuson“) taucht urkundlich auf.

1486: Das Schatzbuch der Grafschaft Mark nennt für „Moelhusen“ 22 Bauernhöfe.

1545: Einführung der Reformation.

1609: Mit dem Tod des letzten Grafen von der Mark fällt Mühlhausen in der Folge an Brandenburg/Preußen.

1681: Mühlhausen hat schon einen „Schulmeister“ und 1755 eine Schule.

1705: Das Dorf umfasst 31 steuerpflichtige Bauernhöfe und Kotten.

1810: Mühlhausen hat 320 Einwohner in 55 Häusern.

1818: Der am Dorf vorbeiführende historische Hellweg wird durch die „Kunststraße“ (heutige B 1) ersetzt.

1822–1834: Das meist als Viehweide gemeinsam genutzte Gemeindeland – vor allem die Mühlhauser Mark – wird unter den Dorfbewohnern aufgeteilt.

1828: Erste genaue Vermessung der Feldflur („Urkataster“).

1855: Als erste Eisenbahn wird die Linie Dortmund–Unna–Soest eröffnet, zwei weitere folgen 1867 und 1876.

1907: Mühlhausen wird an die Wasserleitung des Ruhrwasserwerks in Langschede angeschlossen.

1907–1910: Flurbereinigung („Separation“) zur Zusammenlegung von zersplitterten Einzelgrundstücken. Das Wegenetz von Mühlhausen bekommt hierbei weitgehend seinen heutigen Verlauf.

1912: Mühlhausen wird an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.

10. April 1945: Einmarsch der Amerikaner. Bei den Kämpfen werden 17 Häuser stark beschädigt oder zerstört.

1. Januar 1968: Die bisher selbständige Landgemeinde (667 Einwohner) wird ein Ortsteil der Stadt Unna.

1970: Inbetriebnahme des Autobahnteilstücks Unna–Soest.

1997: Festsetzung des knapp 200 Hektar großen Naturschutzgebietes „Uelzener Heide/Mühlhauser Mark“.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1849 505 1910 665 1931Handbuch der Ämter und Landgemeinden in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen, Preußischer Landgemeindetag West, Berlin 1931. 601 1956Otto Lucas: Kreis-Atlas Unna. Unna/Münster 1957. 682 1961 655 1967 674 1987 1404 2013 1396 2015 1403

Historische Stätten Mühle, Mühlpfad mini|Mühlpfad im Winter Die um 890 erstmals genannte Mühlhauser Mühle in der Dorfmitte (heutiger Bau von 1906) ist die älteste urkundlich nachweisbare Wassermühle Westfalens; sie war bis um 1950 in Betrieb. Die Bewohner von Mühlhausen sowie der Nachbarorte Uelzen, Lünern und Stockum mussten dort ihr Mehl mahlen lassen. In der Nähe der Mühle hatte das Rittergeschlecht der von Mühlhausen sein „Schloss“; Spuren hiervon sind nicht mehr zu erkennen. Es dürfte dort gestanden haben, wo sich heute die Wiesen der vom Mühlbach durchflossenen „grünen Mitte“ Mühlhausens ausbreiten.

Der 5 km lange Mühlbach, der früher auf seinem Weg zur Seseke bis zu fünf Mühlen antrieb und auf weite Strecken die Grenze zwischen Uelzen und Mühlhausen bildet, entspringt im Hof des Fachwerkhauses Heerener Str. 39, der bereits 1755 erwähnten Schule und des wohl ältesten Gebäudes von Mühlhausen. Von hier bis zur Mühle verläuft am Mühlbach entlang der idyllische Mühlpfad, der 2004 als Musterbeispiel für schützenswerte Alleen und Baumreihen landesweite Anerkennung fand. Am Ostende des Mühlpfads lag früher ein umfangreiches Wasserloch, der Kolk.

Folkbrachtstein mini|Der Folkbrachtstein Nordöstlich des Dorfkerns am so genannten 1. Scheidtweg wurde 2001 zum 1111. Jubiläum der ersten Erwähnung Mühlhausens und seines ersten bekannten Einwohners vom Heimatverein Mühlhausen/Uelzen der „Folkbrachtstein“ errichtet. Er steht im Bereich seines vermutlichen Hofes, bei dem es sich sehr wahrscheinlich um den späteren Hof Schulze Wiehenbrauck handelt, der dort noch bis 1798 lag. Ganz in der Nähe wurde 1951 auf dem Weg eine römische Kupfermünze gefunden. Sie zeigt Kaiser Valentianus I., der von 364 bis 375 n. Chr. über den Westen des Römischen Reiches herrschte. Sein Konterfei auf der Münze ist auf dem Folkbrachtstein als Kopf des Folkbracht wiedergegeben. Etwa 150 m nordöstlich dieser Stelle wurde 1939 ein doppelkonisches Tongefäß aus der Zeit zwischen 400 und 450 n. Chr. entdeckt.

Borgmühl Auf dem frei in der Feldflur nördlich Mühlhausen liegenden Gut Borgmühl (Eigentümer Wisselmann) war im 14. und 15. Jahrhundert die reich begüterte Ritterfamilie Sprenge ansässig, die aber schon im 15. Jahrhundert ausstarb. Ritter Meinrich Sprenge schenkte im 14. Jahrhundert der Unnaer Kirche einen silbernen Abendmahlskelch, der noch heute verwendet wird. Ganz in der Nähe lag die Ruine eines sagenumwobenen Turms, die aber 1867 beim Bau der dort vorbeiführenden Bahnlinie Unna–Hamm abgetragen wurde. Dabei wurden Urnen und römische Münzen gefunden. Wie der Name „Burgmühle“ besagt, lag nahebei am Mühlbach ehemals auch eine Mühle. Sie war aber schon 1755 „unbrauchbar“.

Denkmäler In Mühlhausen stehen drei Denkmäler: Außer dem Folkbrachtstein das 1922 eingeweihte Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Ecke Bruchstraße / Mühlhausener Dorfstraße, seit 2001 Denkmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Weiterhin auf der Verkehrsinsel Heerener Straße/Abzweig Bruchstraße ein mit Kohlen beladener Förderwagen zur Erinnerung daran, dass jahrzehntelang Bergleute eine der stärksten Berufsgruppen des Dorfes bildeten.

Verkehr Mühlhausen ist von einem dichten überörtlichen Verkehrsnetz durchzogen. Der Hellweg, der südlich am Dorfkern vorbeiführt, war ehemals einer der bedeutendsten Verkehrswege Europas. Er dürfte schon um Christi Geburt als Fernverkehrsstraße existiert haben. Karl der Große baute ihn ab 775/776 aus. Kaiser, Könige, Soldaten und vor allem viele Kaufleute mit ihren Wagen zogen hier vorbei. Im Mittelalter war er Teil des weitverzweigten Jakobsweges nach Santiago de Compostela in Spanien. 1818 wurde die ausgefahrene, häufig morastige Trasse durch eine nahezu parallel verlaufende „Kunststraße“ ersetzt, nämlich eine Straße mit festem Untergrund, die heutige B 1. Anschließend sank der Hellweg zum Feldweg herab. Später nannte sich die neue Verkehrsverbindung Provinzialstraße. 1936 wurde sie Teil der Reichsstraße 1, die von Aachen bis Königsberg in Ostpreußen reichte. Parallel südlich der B 1 verlaufend wurde 1970 das betreffende Teilstück der Autobahn Dortmund–Kassel (A 44) in Betrieb genommen. Im Übrigen ist das Straßennetz weitestgehend zu einer Zeit entstanden, als es noch keinen motorisierten Verkehr gab. Insbesondere für den heutigen Schwerlastverkehr ist es nicht geeignet. Am 24. März 2010 wurde die Trasse des historischen Hellwegs von der Altertumskommission für Westfalen, einer wissenschaftlichen Institution des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), als Teil des westfälischen Jakobsweges von Höxter an der Weser nach Dortmund eröffnet und wird mit der gelben Muschel auf blauem Grund als Pilgerzeichen ausgeschildert.

Drei Eisenbahnlinien wurden durch die Mühlhauser Gemarkung gelegt. 1855 wurde parallel zum Hellweg die „Dortmund–Soester–Eisenbahn“ in Betrieb genommen, später „Hellweg–Eisenbahn“ genannt. Seit 1970 ist die Strecke elektrifiziert. Durch den Bau der Bahnlinie wurde die ursprüngliche Trasse des Hellwegs etwas nach Süden verschwenkt und führt seitdem an der Südseite des Bahndamms entlang. 1867 wurde im Westen der Gemarkung die Linie Hagen–Unna–Hamm als „Bergisch-Märkische Eisenbahn“ in Betrieb genommen. Es folgte 1876 im Norden die Linie Dortmund–Königsborn–Welver. Sie wurde 1968 stillgelegt und zu einem Wanderweg hergerichtet. Beim Anlegen der Bahndämme entstanden in weiten Bereichen mit Wasser gefüllte Schachtkuhlen, die heute wertvolle Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere sind.

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