Als Salzgraf (u. a. auch: Salzgrebe, Salzgräfe, Salzgräve)Helmut Schulte: Saline »Allendorf an der Werra« «Fürsten-Soth» – Teil-II, ganz unten siehe Fußnote , erstellt 2009, online unter gradierwerk.heimatkunde-bsa.de wurde der Inhaber eines Amtes einer Saline bezeichnet. Vor allem in Bayern und Österreich wurde synonym der Begriff Hallgraf verwandt und ist dort meist mit den Hallgrafen in Hall (später Reichenhall, heute: Bad Reichenhall) verbunden. Doch auch die Stadt Regensburg hatte laut ihren Statuten im 13. Jahrhundert das Amt eines Hallgrafen zu vergeben.Urbarium antiquissimum ducatus Baiuwariae, abgedruckt bei Maximilian Prokop von Freyberg: Sammlung historischer Schriften und Urkunden, geschöpft aus Handschriften. Band 5, Stuttgart 1836, S. 154 (Digitalisat). Darüber hinaus gab es Salzgrafen vor allem in Halle an der Saale, aber etwa auch in Wieliczka, SchöningenClaudia Märtl, Jörg Leuschner, Karl Heinrich Kaufhold: Die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Braunschweigischen Landes vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Band 2: Frühneuzeit. Olms, Hildesheim 2008, S. 399. und in Bad Sooden-Allendorf, deren berühmtester Vertreter der SalinistZur Bezeichnung Salinisten siehe Austria-Forum, online unter austria-forum.org Johannes Rhenanus war.Hans-Henning Walter: Das deutsche Salinenwesen im 16. Jahrhundert. Reiseberichte des Allendorfer Salzgräfen Johannes Rhenanus (um 1528–1589). Bergakademie Freiberg, Freiberg 1989.
Hallgrafen in Reichenhall Vorgeschichte Salinas, Hal(l), Reichenhall Die Ablösung des römischen Ortsnamens „Salinas“ zugunsten des germanischen, von BajuwarenJohannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 89 eingeführten Wortes „Hal(l)“ setzte seit dem 8. Jahrhundert ein und erfolgte parallel zum Namenswechsel in der Nachbarschaft von „Iuvavum“ zu „Salzburg“ – der parallele Namenswechsel ist für Johannes Lang als Stadtarchivar und Stadtheimatpfleger von Bad Reichenhall ein eindeutiger Hinweis darauf, dass Hall und Salz nicht dasselbe meinte.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 87 Über die Bedeutung des Wortes Hall ist die Diskussion zwar bis heute nicht abgeschlossen (→ siehe auch: Hall (Ortsname)),Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 88 doch zeigt sich für Lang, dass „der Begriff ‚Hall‘ für einen Ort im Süden erstmals in Reichenhall Verwendung gefunden und vermutlich die Bedeutung im Sinne von ‚Saline‘ hier überhaupt erst erhalten hat“ und damit zum Namensvorbild für zahlreiche Hall-Orte wie Hall bei Admont, Hall in Tirol, Hallstatt, Hallein, Schwäbisch Hall und Bad Hall wurde. Gerade diese namensurkundlichen Überlegungen weisen für Lang auf eine augenscheinlich „überragende Stellung, Bedeutung und Ausstrahlung Halls während des frühen und hohen Mittelalters“. Die Änderung des Ortsnamens von „Hall“ in „Reichenhall“ vollzog sich nach dieser Blütezeit während der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zur Unterscheidung von den anderen Hall-Orten. (Zu einer weiteren Namensänderung kam es erst dank einer Verfügung des bayerischen Prinzregenten Luitpold, wonach sich die Stadt seit dem 7. Juni 1890 „Bad Reichenhall“ nennen darf.)
Als Regalie direkt dem Herzog unterstellt Als Regalie war das unmittelbare Salinenareal in Reichenhall bereits im ausgehenden 7. Jahrhundert trotz mehrerer Anteilseigner einer besonderen, direkt dem Herzog als Landesherrn unterstellten Gerichtsbarkeit unterworfen bzw. sämtliche, auch die ggf. mit einer Todesstrafe bewehrten Rechtsfälle wurde von einer ihm unterstellten Instanz geahndet.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 100 Somit bildete das Salinenareal einen eigenen Rechtsbereich, dem sich sämtliche Anteilseigner unterzuordnen hatten. Solange die Luitpoldinger und Ottonen die Saline zu ihrem eigenen Anliegen gemacht hatten, wurde kein eigens dafür zuständiger Graf eingesetzt, sondern sie einer Grafschaft im Salzburggau zugeordnet. Doch die Liste der Anteilseigner wurde immer länger und bedeutender – Ende des 10. Jahrhunderts waren an der Saline die Bischöfe (und zum Teil auch die Domkapitel) von Passau, Freising, Regensburg, Bamberg, Augsburg, Eichstätt sowie fünfzehn Klöster und einige Adelsgeschlechter beteiligt.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 102 Reichenhall wurde damit zum wichtigsten Wirtschaftsstandort des Erzbistums Salzburg. Im 11. Jahrhundert kam es zum Investiturstreit zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII., in dessen Folge Heinrich IV. erst seinen Gang nach Canossa antreten und im Anschluss daran gegen eine „Fürstenopposition“ und einen Gegenkönig vorgehen musste. Er entzog ihnen die Herzogtümer und übernahm das Herzogtum Bayern selbst.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 103 Doch in den Bischöfen von Passau und Salzburg verblieben ihm zwei papstgetreue Gegner. Insbesondere der Salzburger Erzbischof Gebhard setzte ihm mit dem Ausbau der Festungen Hohensalzburg, Hohenwerfen, Friesach und nicht zuletzt mit der Befestigung einer großzügigen Wehranlage auf dem Kirchberg in Reichenhall als dem künftig „wichtigsten militärischen Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe“ Einiges entgegen.
Einsetzung der Hallgrafen Auch auf Grund seiner wachsenden Bevölkerung und des damit verbundenen KonfliktpotentialsJohannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 101 wurde der inzwischen wirtschaftlich wie politisch bedeutende Salinenort Reichenhall zu einer eigenständigen Amtsgrafschaft erhoben und damit aus der Grafschaft im oberen Salzburggau herausgelöst.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 104 Neben der Aufwertung Reichenhalls hatte die sogenannte „Hallgrafschaft“ unter Leitung eines „Hallgrafen“ den praktischen Nutzen, dass „die an der Saline stets virulenten Rechtsstreitigkeiten nun der Kompetenz des Hallgrafengerichts als neutraler Instanz unterstellt waren.“ Nicht zuletzt aber setzte König Heinrich IV. damit auch ein Zeichen gegen „die deutliche salzburgische Einflußnahme auf die Saline und die daraus erwachsende Gefahr einer dauerhaften Ausgrenzung“. In Graf Arnold von Dießen, dessen Besitzungen zwischen oberem Lech, oberer Isar und am Inn bei Wasserburg lagen, hatte der König einen ihm ergebenen Gefolgsmann, den er als ersten für Reichenhall zuständig erklärte.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 104 mit Anm. 13; Tertulina Burkard: Landgerichte Wasserburg und Inn (HAB, Teil Altbayern, Heft 15), München 1965, S. 70 ff., identifiziert den zwischen 1041 und 1101 als Zeuge in der Laufener bzw. Reichenhaller Gegend mehrfach belegten Arnold mit dem Grafen von Dießen; dito Wilhelm Störmer: Früher Adel. Studien zur Führungsschicht im Fränkisch-Deutschen Reich vom 8. bis 11. Jahrhundert in: Monographien zur Geschichte des Mittelalters. Band 6/II, Stuttgart 1973, S. 293 ff.; dem folgen Wanderwitz, Dopsch, Alois Schütz (1993), Ludwig Holzfurtner (1994) Arnold wird in einer zwischen 1077 und 1180 erstellten Ebersberger Urkunde noch preses Hallensis, d. h. „Reichenhaller Graf“ genannt, dessen eigentliche, d. h. „gängige und in romanhafter FormJohannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 104 mit Anm. 15; Anni Jungmann-Wilhelmi: Der Hallgraf. Passau 1955 strapazierte Bezeichnung wir erst um 1120 erfahren: Hallgravius (Hallgraf).“Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 104 mit Anm. 16; Wittmann/Muffat: Schenkungsbücher. S. 245 Nr. VIII Während die Hauptlinie des Hauses Andechs weiterhin den gesamten fränkischen Besitz und ihre Güter um Ammersee und Starnberger See verwaltete, hatte Arnolds Vater Friedrich eine Seitenlinie begründet. Doch erst mit Arnold wurde sie im Raum Wasserburg am Inn ansässig. Mit Arnold und seinen direkten Nachkommen wurden ungewöhnlicherweise die Grafen von Dießen bzw. Wasserburg in fünf aufeinanderfolgenden Generationen immer wieder vom König mit der Hallgrafschaft belehnt. Auf seinen Sohn Gebhard I.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 104 mit Anm. 17; Schütz: Andechs-Meranier (wie Anm. 13) S. 48 folgte Engelbert, der sich 1125 selbst als „Graf von Salinas oder Hall“ (Salinarum seu Hallensis comes) vorstellteJohannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. S. 104 mit Anm. 18; SUB II, S. 339, Nr. 236. Störmer: Früher Adel. (wie Anm. 13) S. 294, geht davon aus, dass erst Engelbert als erster Vertreter der Hallgrafen von Wasserburg betrachtet werden kann. und damit auch auf die gleichzeitige Verwendung beider Ortsnamen bis ins 12. Jahrhundert verweist. Weitere Beurkundungen seiner Person lauten Engelbertus qui Hallgravio dictus et de Aetele und Engilpreht Halgrave de Atile – also Hallgraf von Attel –, und in einigen zwischen 1116 und 1157 erstellten Urkunden ist er als Hallensis comesBeispielsweise und als comes de Halla – als Hallgraf in Reichenhall – überliefert. Von den beiden Söhnen Engelberts erhielt erst Gebhard II. die Hallgrafschaft, während Dietrich II. die Grafschaft Wasserburg erbte. Als jedoch Gebhard II. – 1159 als Gebehardus Hallensis comes, 1166 als comes Hallensis de Wazzerburch erwähnt – 1169 ins Kloster Stift Reichersberg eintrat, fiel die Hallgrafschaft zeitweise in die Hand des bairischen Herzogs Heinrich des Löwen zurück, um dann aber noch im gleichen Jahr wieder an Dietrich II. und anschließend an seinen Sohn Konrad (in einer Urkunde von 1217 als Chunradus Hallegravius de Wazzerburch ausgewiesen) übertragen zu werden. Zwischenzeitlich hatte 1196 der Salzburger Erzbischof Adalbert III. bei seiner nahezu völligen Vernichtung Reichenhalls insbesondere die Salinenanlagen zerstört und auch deren Wiederaufbau zu verhindern gesucht, doch „1198 weilte freilich bereits Herzog Ludwig I. wieder in Reichenhall“.Wilhelm Störmer: Rezension von Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. 21. Februar 2013. PDF-Datei mit 4 Seiten, S. 2 (Online) Erst 1218 wurde die Hallgrafschaft endgültig von Herzog Otto I. eingezogen, womit eine etwa 140-jährige, „durch romanhafte Überhöhung heute zum wirklichkeitsfremden Mythos“ gewordene Ära der Hallgrafen endete. Die Grafen von Wasserburg sind mit Konrad, der bereits Jahre zuvor vom Bayernherzog im Zusammenhang mit einer Erbschaftsstreitigkeit aus der für unbezwingbar gehaltenen Wasserburg vertrieben worden war, 1259 im Mannesstamm erloschen.