mini|Wappen derer von Ovelacker im Wappenbuch des Westfälischen Adels Ovelacker (auch Overlacker, Ufelacker o. ä. bzw. in frühen Zeiten auch Drire, Driere, Dreer nach einem Stammsitz in Langendreer) ist der Name eines westfälischen Rittergeschlechts, das zum Uradel der Grafschaft Mark gehörte.August Wilhelm Hupel: Neue Nordische Miscellaneen, Neuntes und Zehntes Stück, Riga 1794, S. 342–345.Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter, Heberle, 1858, S. 312–314.
Das Geschlecht ist zu unterscheiden von dem Adelsgeschlecht Dreer, das sich etwas später ebenfalls nach einem Stammsitz in Langendreer nannte, aber ein anderes Wappen führte.
Herkunft Heinrich von Ovelacker, auch Henricus de Driere genannt, lässt sich als erster seines Geschlechts nachweisen. Er war als miles (Ritter) 1223 im Gefolge des Grafen Adolf von Altena, des Stammvaters der Grafen von der Mark. In den 50er/60er Jahren des 13. Jahrhunderts standen er, später auch seine Söhne Eberhard und Wulfhard als Burgmannen (Ministeriale, Castellane) in den Diensten der Gegenseite, des Grafen Dietrich von Altena-Isenberg-(Hohen-)Limburg. Im Jahr 1266 bezeugte Graf Dietrich, dass die Witwe und Kinder des Ritters Heinrich Uvelacker, ihren Stammsitz in Drire, heute der Niederschultenhof bzw. Maihof in Langendreer, an das Kloster Elsey übertragen bzw. für 80 Mark verkauft haben.Westfälisches Urkundenbuch, VII. Band Die Urkunden des kölnischen Westfalens von 1200–1300, Urk 1228 S. 556, Urk 1229 S. 557.Ralf Blank / Stephanie Marra / Gerhard E. Solbach: Hagen – Geschichte einer Großstadt und ihrer Region, Klartext Verlag, Essen 2008, S. 97–99.
Die Hauptgebäude des Niederschultenhofes waren von Gräften umgeben. Außerdem gehörte zum Hof eine Wassermühle mit ihrem Teich und zwei Kotten. Die Ritter von Ovelacker waren eines der bedeutendsten märkischen Adelsgeschlechter. Ob sie von altsächsischem Adel und noch früher ortsansässig waren, oder erst in gräflichen Diensten geadelt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Es gilt lediglich als sicher, dass bereits vor dem 13. Jahrhundert ein adeliges Geschlecht in Langendreer existierte, von dem die von Ovelacker evtl. deren Ländereien und Rechte, darunter das Patronatsrecht, übernahmen, sei es durch direkte Abstammung, Einheirat, käufliche Übertragung oder andere Gründe für einen Wechsel in der Belehnung.Raimund Trinkhaus: Haus Langendreer und seine Aufsitzer sowie weitere Herrensitze in Bochum-Langendreer, 2018, pdf.
Die Adelsfamilie Ovelacker hatte aber sicherlich ihren Stammsitz schon vor 1266 auf den erstmals im Jahr 1373 erwähnten Niedernhof(f) bei Hengstey, unweit der Lennemündung in die Ruhr, verlegt.Anton Fahne: Geschichte der westphälischen Geschlechter, 1858, S. 314 (Ovelacker zu Niedernhof). Somit in die Nähe ihres Grafen auf der (Hohen-)Limburg. Der später repräsentativ ausgebaute Adelssitz fiel 1928 dem Aufstau der Ruhr als Hengsteysee zum Opfer. Das Patronatsrecht in Langendreer behielten die Herren von Ovelacker, zumal sie weiterhin für Jahrhunderte Grundherren von mindestens zehn Langendreerer Höfen und mehreren Kotten blieben.Clemens Kreuzer: 1100 Jahre Langendreer-Werne. Werden und Wandel einer Vorstadt des Reviers, Bochum 1987, Heinrich Pöppinghaus Verlag GmbH.
Geschichte mini|Zeichnung von Haus Niedernhofen an der Ruhr aus dem Jahr 1770 Am 11. Juli 1335 wurde Evert Ovelacker für sechs Jahre als erster gemeinsamer Freigraf der Stadt Dortmund und des Grafen Konrad IV. von Lindenhorst erwählt.Esser, Hermann: Hohenlimburg und Elsey, Dortmund 1907, S. 184 (Digitale Sammlungen der Universitäts- und Landesbibliothek Münster). Bestätigt danach von Kaiser Ludwig IV. bei Everts Reise nach Nürnberg. 1375 siegelte der Droste von Wetter Everhardi von Ovelacker eine Urkunde mit dem Kloster Cappenberg. Bernd von Ovelacker zum Niedernhoff war 1418 Burgmann zum Haus Villigst. Am 3. Juli 1424 schenkte Bernd der Stiftskirche in Herdecke seinen Hof Einhaus in Hengstey zur Stiftung einer Memorie.Die Gemeinde Boele – Landschaft Geschichte Menschen, Band I der Schriftreihe „Hagen einst und jetzt“ (Hrsg.): Hagener Heimatbund 1976, S. 20, 70, 92. Hillegard von Ovelacker war 1423 verheiratet mit Rötger von Neuhoff, genannt dey Duve. Neben dem Zweig von Ovelacker zu Niedernhofen war 1422 durch Einheirat in das Adelshaus von Wischlingen eine zweite Linie entstanden. Zudem besaß die Familie im 15. Jahrhundert Haus Temminghoven und später bis 1654 das Rittergut Darl in Erle. Evert Ovelacker zu Niedernhofen war 1505 mit Elisabeth von Syberg verheiratet. Maria Ovelacker Priorin im Kloster Gevelsberg. Ihr Bruder Friedrich Ovelacker war von 1531 bis 1553 Pfandbesitzer von Haus Brünninghausen.Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen U 194 / Gesamtarchiv von Romberg / Akten, Nr. 8925 (Verpfändung von Haus Brünninghausen an Friedrich Ovelacker, Niederhofen). Lucie Ovelacker zwischen 1526 und 1542 Äbtissin des Stifts Herdecke. Im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts war Diederich Caspar Bernhard Ovelacker Herr zu Niedernhofen, verheiratet mit Sibilla von Friesendorf. Mit ihrem kinderlosen Sohn Arnold Anton Diedrich Ovelacker starb im Jahr 1716 die Linie zu Niedernhofen, und damit auch das gesamte Adelsgeschlecht Ovelacker, im Mannesstamm aus.Johann Dietrich von Steinen: Westphälische Geschichte, Lemgo 1755–1801 (hier Teil I, Viertes Stück, S. 1311–1322, über die von Ovelacker zu Niedernhof).
Ein Evert Ovelacker war von 1348 bis 1382 Richter zu Essen und wohnte in Bodelschwingh. Johann Ovelacker war 1396 Schulte in Huckarde und wurde ab 1415 vom Stift Essen zum obersten Schulten und Verwalter des Amtshofes Huckarde bestellt.J. F. J. Sommer: Handbuch über die ältern und neuern bäuerlichen Rechtsverhältnisse in den ehemals großherzoglich-bergischen, königlich-westphälischen und [...], Hamm 1830, S. 242. Sein Sohn Tönnies wurde 1421 vom Werdener Abt mit dem Sattelhof Abdinghof in Waltrop belehnt.Sabine Grimm: Adelslinien – Die Herren von Frydag, in: Unruhige Zeiten Band 7, Norderstedt 2011, S. 96. Am 1. Juni 1411 bekommt Hermann Ovelacker für ein gegebenes Darlehen von 1500 Gulden die Pfandbenutzung von Schloss Landsberg und die Amtmannschaft zu Angermund. 1419 werden Hermann zusammen mit Johann von Altenbockum die Burg Blankenstein und die Stadt Hattingen verpfändet. 1425 ernennt der Graf von der Mark Gerhard von Kleve, Hermann zum Amtmann von Schwarzenberg in Plettenberg. Nach ihm übernahmen seine Söhne Johann und Dietrich die Ämter Schwarzenberg und Hörde, sowie die Weide- und Jagdrechte vor der Burg Schwarzenberg. Seinen Anteil an der Herrschaft Elberfeld und der Burg Elberfeld überträgt Bernd Ovelacker 1425 an Herzog Adolf VII. von Jülich-Berg. 1441 schwört ein Ebert Ovelacker dem Hause Nassau-Dillenburg Urfehde. Am 26. September 1493 wurde Dietrich Ovelacker mit einigen Fußknechten auf freier Straße bei Bredelar von Hermann von Hanxleden, Gert von Ense u. a. ermordet.Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland / Kurköln AA 0001 / Urkunden Nr. 3434, 3435, 3505. Diederich Ovelacker zu Leythe wurde im Jahr 1565 in Dortmund erstochen.
Ein Tilman Ovelacker war 1461 Erbschenk des Stifts Essen. Absalon Ovelacker zwischen 1541 und 1571 Richter zu Kleve. Rotger Ovelacker zu Leythe um 1550 Pastor zu Castrop. Anna Ovelacker von 1565 bis 1589 Kanonisse im Stift Nottuln.Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Germania Sacra Online, Digitales Personenregister (Ovelacker). Dietrich Ovelacker 1572 Kanoniker des Stifts B. Mariae in Erfurt. Werner Ovelacker ab Anfang des 17. Jahrhunderts Propst zu St. Patrokli in Soest.Werner Ovelacker, Propst der Kollegiatkirche St. Patrokli in Soest, Urkunde vom 15. Dezember 1605. Schönneberg Ovelacker 1601 Kanonikus zu Cappenberg. Anna Catharina Ovelacker von 1619 bis 1628 Äbtissin des Stifts Cappel und Jaspar Ovelacker war im Stift Cappel Propst.
Im 16. Jahrhundert verzweigte sich die Adelsfamilie in mehrere Linien. Im Herzogtum Westfalen zwischen 1527 und 1630 in die Linien Ovelacker zu Antfeld, zu Bestwig, zu Gevelinghausen und zu Ostwig. Antfeld war bis um 1600 im Besitz der Eheleute Dietrich Ovelacker und Irmgard von der Recke, danach kam es an ihren Sohn Heinrich Ovelacker, verheiratet mit Beatrix von Galen, deren Familie nach Heinrichs Tod im Jahr 1648 Antfeld erbte.Heinrich Ovelacker in GenWiki – Beiträge zur Genealogie der adeligen Geschlechter. Gevelinghausen war seit 1531 im Besitz der Familie. 1555 wurde Jaspar Ovelacker († 1558) mit Gevelinghausen belehnt. Er war seit 1551 mit Elisabeth von Syberg († 1610) verheiratet und hatte mit ihr vier Kinder. Ihr Sohn Johann besaß ab 1582 als Lehen des Stifts Meschede Haus Laer sowie Haus Welschenbeck und ab 1587 Haus und Güter in Ostwig sowie die Hälfte der Höfe Bestwig und Horn. Im November 1593 lagerte Johann mit Kriegsvolk in bredelarschen Klöstern. Nach dem Tod Johanns im Jahr 1598 verkaufte sein Sohn, der kurkölnische Kapitän Caspar Ovelacker, den Gevelinghauser Anteil 1602 an Wilhelm von Westphalen.Albert K. Hömberg: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen und ihre Besitzer, Register bearb. von B. Wrede, LWL Münster 2013, S. 36, pdf. Haus Welschenbeck kam bis 1624 an Friedrich von Siegen (1575–1658) und Ehefrau Elisabeth Ovelacker (1580–1651).
In der Grafschaft Mark verzweigte sich die Familie in die Linien Ovelacker zu Niedernhofen (s. o.), zu Goldschmieding, zu Leythe und zu Wischlingen. Das befestigte Gut Goldschmieding erbte Wilhelm Ovelacker im Jahr 1442 und blieb im Besitz der Familie bis Ende des 16. Jahrhunderts, als die Erbtochter von Goldschmieding Anna Margaretha Ovelacker den Johann von Schell zu Rechen heiratete. Haus Leythe, ein Lehen der Kölner Erzbischöfe, kam 1530 an Rutger Ovelacker durch Heirat mit der Erbtochter des Hauses Anna von Backum und blieb in Besitz der Familie bis Anfang des 18. Jahrhunderts.Der Adelssitz Haus Leythe in „AlleBurgen“ mit seinen Besitzverhältnissen. Haus Wischlingen gehörte seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu gleichen Teilen den Familien von Frydag und Ovelacker. Deren Hälfte war Mitte des 15. Jahrhunderts im Besitz von Bernd Ovelacker († 1516) und Sophie geb. von der Leithen. Ihre Kinder, vier Söhne und zwei Töchter, wanderten ab 1495 nach Livland aus. Hermann und Tönnies wurden Ordensritter. Diederich und Bernd I. Ovelacker († 1518/19) gründeten dort 1501 die Linie zu Pallifer. Bischof Johann zu Oesel und Wyk hatte den beiden Gut Pallifer verlehnt. 1518 war Bernd II. Ovelacker († 1566) Vorsteher der Kirche zu Pönal und 1548 Mannrichter in der Wyk. Im Livländischen Krieg verliert er 1559 Pallifer, bekam es aber später wieder zurück. Bernds II. Sohn, Jacob, der letzte männliche Ovelacker der Linie, Vasall der Reußen, verliert aber Pallifer endgültig. Hermanns Sohn Johann I. († nach 1546), war 1507 im Gebiet Rositten, gründete dann aber 1517 im Kirchspiel Helmet die Linie Ovelacker von Hof zum Felde. Er hatte zwei Söhne, Johann II. und Philipp Ovelacker. Der Sohn von Johann II., Johann III. († 1602), war letztes männliches Mitglied dieser Linie. Seine zweite Frau Anna geb. von Patkul wurde 1617 feierlich im Dom zu Riga bestattet. Erbin war aus Johanns III. erster Ehe, Tochter Margarete, verheiratet mit Johan III. von Patkul.Astaf von Transehe-Roseneck: Die von Ovelacker in Livland, in: Jahrbuch für Genealogie, Heraldik und Sphragistik 1898, Mitau 1899, S. 14–32, pdf.
mini|Grabplatte Diederich Ovelacker