mini|hochkant=1.20|Der Gleueler Bach neben dem Hubertushof in Sielsdorf Die hohe Zahl von Mühlen im Raum Hürth in historischer Zeit war für das kleine Hürther Gebiet am Rand der Ville südlich von Köln ungewöhnlich. Sie haben nur wenige Spuren hinterlassen.

Geschichtliche Voraussetzungen Schon das Wort Mühle (v. althochdeutsch: muli; aus lat. molina bzw. molere = mahlen) hat lateinische, also römische Wurzeln.

Antrieb durch Muskelkraft (Mensch/Tier) Die ersten Ackerbauern werden ihre mühsam erlangten geringen Mengen geernteter Getreidekörner per Muskelkraft gestampft oder zerrieben haben, um sich aus dem so gewonnenen Mehl Mahlzeiten herzustellen.

Nachdem der Mensch in seiner Entwicklung vom Jäger zum sesshaften Ackerwirt wurde, Tiere domestizierte, sich damit unabhängig von der Jagd machte, lernte er auch, Tiere als Antriebskraft einzusetzen. Irgendwann in dieser Zeit (vor fünf bis sechstausend Jahren), nachdem auch das Rad erfunden worden war, zogen sie den Pflug oder waren Antrieb der Schöpfräder am Brunnen oder für die Bewässerung.

Wegen der geringen Wasserführung des Bornbachs wurde vor der Elektrifizierung mit Starkstrom (etwa 1928) in Burbach eine Rossmühle, also ein Göpelwerk mit Antrieb durch Pferde, zum Malen betrieben. Diese Mühle stand am Schmitze-Hof am heutigen Von Geyr-Ring und war noch bis in die 1930er Jahre in Gebrauch.Engelbert Nothhelfer: Pferde-Göpel im Dorf Burbach in: Hürther Heimat. 84 (2005), S. 43 ff.

Erfindungsgeist und Technik mini|hochkant|Nachbau einer römischen Getreidemühle Die Menschen entwickelten sich weiter, sie hatten gelernt, auch die Kräfte der Natur zu nutzen. Das Segel wurde erfunden. Schiffe bewegten sich nun auch ohne Ruderer, Wind oder auch Wasserkraft ersetzten das Ochsengespann als Antrieb eines Mahlwerkes einer Mühle. Ein römischer Schriftsteller, Marcus Vitruvius Pollio, beschreibt 24 vor Christus eine Wassermühle mit „Steinmahlgang“, dem Kernstück jeder Getreidemühle. Dieser Steinmahlgang (es dreht sich nur der obere angetriebene Mühlstein) ist das Zusammenspiel der Mühlsteine, die durch die Mahlbewegung das Getreide zu Mehl verarbeiten.

Die Römer brachten ihr Wissen auch in ihren eroberten Provinzen am Rhein zur Anwendung.

Später nach Frankenzeit und Mittelalter waren es dann zunächst Mönche, die das römische Mühlenwissen bewahrt hatten und im Rahmen der klösterlichen Selbstversorgung weiter praktizierten. Die neuzeitlichen Wurzeln der europäischen Mühlentechnik gehen nicht nur auf das Ingenieurwissen der mittelalterlichen Klosterschulen, sondern schon auf den Erfindungsgeist römischer Zeit zurück.

Korn- und Ölmühlen als Lohnmühlen Müller der damaligen Zeit waren Pächter auf dem Grund und Boden des weltlichen oder geistlichen Grundherren, in Köln zum Beispiel des Erzbischofs, eines Stiftes oder Klosters, wurden vom Volke jedoch oft nicht sehr hoch geachtet. Da die einfachen Menschen auf dem Land ohnehin nicht viel von Technik verstanden, dachte man, es könne bei diesen geheimnisvollen Mechanismen nur mit dem Teufel zugehen. Auch konnte ja nie genau nachgewiesen werden, ob der Müller nur seinen ihm rechtmäßig zustehenden Anteil als Lohn genommen hatte oder möglicherweise noch mehr. So unterstellte man den Müllern oftmals Unehrlichkeit und sagte: „Das beste an der Mühle ist, dass die Säcke nicht reden können“.

Naturgegebene Voraussetzung der Mühlen im Raum Hürth Eine Besiedlung des Raumes entlang des etwa acht Kilometer breiten Vorgebirges zwischen Brühl und Frechen erfolgte wohl erst in der Frankenzeit, als die ständig anwachsende Bevölkerung aus den fruchtbaren Tälern des Rheines und der Erft auch in die eher kargen Waldgebiete auf dem Höhenzug der Ville vordrang. Dabei sind die Talausgänge bereits in der Römerzeit durch villae rusticae besiedelt worden, so im Hürther Tälchen Am Römerhof Die im Mittelalter noch dicht bewaldeten fast undurchdringlichen Höhen der Ville waren nur spärlich besiedelt. Unter einer relativ dünnen Erd- und Schotterschicht lag über einer Tonschicht die noch nicht entdeckte oder in ihrer Bedeutung nicht erkannte unberührte Braunkohle und wirkte dort wie ein riesiger Schwamm, der das Regenwasser speicherte. Von diesem wahrhaft gigantischen Wasserreservoir wurden alle nach Osten hin abfließenden Quellen und Bäche des Hürther Raumes gespeist, die auch bereits von den Römern zur Wasserversorgung der Colonia Claudia Ara Agrippinensium mit den Römischen Wasserleitungen in Hürth genutzt wurden.

Diese Quellgebiete an den Hängen der Ville mit Rinnsalen, die sich zu Bächen vereinigten, waren günstige Gegebenheiten, sich anzusiedeln. Denn Wasser war nicht nur unverzichtbare Lebensgrundlage, sondern bot sich hier auf Grund des reichhaltigen Vorkommens und des vorhandenen Gefälles als Energiequelle für den Antrieb von Mühlen an. So wurden in den letzten Jahrhunderten allein im Hürther Raum (inklusive der auch vom Gleueler Bach angetriebenen Pletsch- oder Decksteiner Mühle im heutigen Köln-Lindenthal) 16 nachweisbare Mühlen betrieben.

Die für die mittlerweile zahlreichen bäuerlichen Ansiedlungen des Vorgebirgssaumes mit noch heute bedeutender Landwirtschaft äußerst wichtigen Mühlen zur Verarbeitung der Ernten dienten allen Beteiligten. Die Bauern bzw. das Volk erhielt Mehl für Brot und Speisen, der Müller seinen Lohn, die Mühleneigner die Pacht.

Die Mühlen in Hürth mini|hochkant|Ölmühle Schallmauer um 1905 Die Hürter Wassermühlen waren in der Mehrzahl Getreide-Mahlmühlen. Sechs der Mühlen lagen am Duffesbach, sechs weitere am Gleueler Bach und drei am Born- oder Burbach.

Gleueler Bach Der Gleueler Bach entspringt bei Berrenrath (ehemals an den 7 Sprüngen) und fließt durch Gleuel und Sielsdorf bis zum südlichen Randkanal. Er verläuft weitgehend oberirdisch und renaturiert. In vergangenen Zeiten lief der Gleueler Bach bis Kriel, wo er in einen Teich floss und dabei langsam in den Untergrund versickerte.

Schallmauer Ölmühle

In der Ölmühle, sie war integriert in eine landwirtschaftliche Hofanlage, wurden Raps, Rübsen, Leinsamen vom Flachs und Bucheckern verarbeitet. Durch den fortschreitenden Braunkohleabbau ab 1920, immer mehr Ländereien wurden von den Großbaggern geschluckt, verlor die Hofanlage an Wert. Bis auf das sich heute in Privatbesitz befindliche barocke Landhaus Burg Schallmauer wurden in den 1950er Jahren alle übrigen Gebäude abgerissen.

Oebels Mühle oder Obere Mühle

mini|hochkant|Theodor Oebel Schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts betrieb die Familie des Franziskus Oebel die „Obere Mühle“ in Endenich bei Bonn. Er hinterließ seinem Sohn, Johann Adam die Mühle und eine Branntweinbrennerei. Auch Johann Adam wurde zu einem erfolgreichen Geschäftsmann. So bewirtschaftete er zusätzlich zum eigenen Betrieb gepachtete Ländereien Es waren während der Franzosenzeit an den Staat übergegangene, säkularisierte Güter, deren Erträge zum Wohlstand der Familie beitrugen.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb Johann Melchior Oebel (Sohn des Johann Adam) in Gleuel die am Gleueler Bach gelegene „Obere Mühle“. Dort wurde sein Sohn, Theodor Oebel geboren. Diesen Betrieb ergänzte Theodor Oebel durch die am Oberlauf des Hürther- oder Duffesbach gelegene „Schollsmühle“, die man in späterer Zeit auch „Talmühle“ nannte. Auf diesem Anwesen wurde 1869 Viktor Oebel geboren. Er bewirtschaftete später die um das Jahr 1860 von seinen Eltern Theodor und Kunigunde Oebel erworbene Lechenicher Getreidemühle am dortigen Mühlenbach. Der Lechenicher Mühlenbetrieb wurde 1972 eingestellt. Das zu einer Wohnanlage umgebaute Anwesen wird noch heute Oebelsmühle genannt.Nach Angaben von: Franz Oebel (Nachkomme des Theodor Oebel), 65558 Balduinstein

Die Gleueler Oebels Mühle wurde um 1905 von ihrem letzten Besitzer, Edmund Oebel, geräumt und zu anderen Verwendungszwecken verkauft.

Keips oder Correns Mühle

Die Corrensmühle, Ernst-Reuter-Str. 91, deren Mühlrad einst auch vom Gleueler Bach angetrieben wurde, wird erstmals 1773 erwähnt. Die Stilllegung der Mühle erfolgte 1954. Von den ehemals zahlreichen Mühlen an den Villebächen im Hürther Gebiet ist die früher auch Keips- oder Mittlere Mühle genannte Anlage dank aufwendiger Investitionen des jetzigen Besitzers die einzige einigermaßen gut erhaltene. Ihr fehlt nur das Mühlrad.

Technik der ehemaligen Mühle Das verbliebene Teilinventar, ein Getriebe des Motorantriebs aus der späteren Neuzeit, Transmission und der Läuferstein eines Mahlgangs, wurde in den Wohnbereich integriert. Das unterschlächtige Wasserrad ist nicht mehr vorhanden. Erhaltene Müllereimaschinen, im Besitz des heutigen Eigentümers, lagern an separater Stelle.

Burgmühle später Mertens Mühle

Den Namen hatte die Mühle durch die Burg Gleuel. Der mittelalterliche Text „Spezificatio der fronhofs länderey zu Glewel de 1545 und 1628“ über die Wasserburg von Gleuel führt als wahrscheinlich älteste Mühle auch die Burgmühle an. Um 1930 wurde die Mühle vom letzten Besitzer, Mertens, stillgelegt. Die Mühlsteine wurden im wegen des Braunkohleabbaus kaum noch Wasser führenden Gleueler Bach „entsorgt“, das Bachbett später zugekippt.

Untere Mühle oder Unterste Mühle

An die Untere Mühle, auch sie wird in der vorgenannten „Spezificatio“ erwähnt, erinnert heute lediglich ein in einer dort nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten kleinen Siedlung angebrachtes Straßenschild. 1875 letztmals erwähnt, verliert sich ihre Spur.

Sielsdorfer Mühle

Die Sielsdorfer Mühle gehörte zum Kölner Stift Sankt Pantaleon und wurde laut Lagerbuch der Pfarrei Gleuel an Müller verpachtet. Genannt werden hier um 1550 ein Rorich Müller, ein Gottschalk Deckstein um 1599 und ein Hermann Bachem im Jahre 1621. Elisabeth Nissen, Ehefrau des Müllers Hermann Bachem, war höchstwahrscheinlich identisch mit der nach grausamen Folterungen im Jahr 1637 als Hexe in Gleuel verbrannten Person. In der napoleonischen Zeit wurde die Mühle mit ihrem Besitz von 19 Morgen Land im Jahr 1802 säkularisiert. Um 1835 erwarben die „Fabrikanten“ Peter Jüssen und Jakob Sons die alte Wassermühle und wandelten sie zu einer Papierfabrik um, in der sie grobes Packpapier herstellten. Die offenbar nicht florierende kleine Fabrik zwang allerdings nach wenigen Jahren zur Aufgabe. 1855 wurde dieser Betrieb von Johann Classen-Kappelmann, einem Kölner Unternehmer, erworben. Er installierte einen modernen gasgefeuerten Dampfkessel, ersetzte mit diesem die Wasserkraft und machte somit auf dem Gebiet der Bürgermeisterei Hürth den ersten Schritt ins Industriezeitalter. Heute ist das Fabrikgebäude in eine Wohnanlage umgebaut. Ein Straßenname erinnert noch an die Mühle.

Bornbach oder Burbacher Bach mini|hochkant|Karte-Tranchot-1807 mit drei Mühlen am Burbacher Bach. Im Westen des historischen Berrenrath (etwa 130 – 140 m. ü. NN) trat aus den früheren (mittelalterlichen) Waldgebieten der Ville der Bornbach aus. Er durchfloss Berrenrath bis zum Anfang des Braunkohleabbaus im letzten Jahrhundert, sein Verlauf hat sich durch den Braunkohleabbau geändert. Am Bornbach oder Burbacher Bach wurden im Lauf der Zeit drei Mühlen erbaut und betrieben. Der Bornbach mündete früher in Efferen in den Duffesbach. Heute wird er in den Kölner Randkanal eingeleitet. Im Unterlauf heißt der Bach Stotzheimer Bach.

Kloster Burbach Verbürgt ist die Errichtung des Klosters der Heiligen Maria an der Quelle (ad fontem Sanctae Mariae) des Burbaches im Jahre 1233.

Ölmühle und Mahlmühle Kloster Burbach

Die Erstnennung der Burbacher Klostermühlen ist für 1669 belegt. Die Ölmühle lag oberhalb des Klosters, von ihr ist nichts mehr zu finden.