Lantershofen ist ein Ortsbezirk der Gemeinde Grafschaft im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler. Die Ortschaft liegt oberhalb des Ahrtals, nördlich von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit 1434 Einwohnern ist Lantershofen der größte Einzelort der Gemeinde Grafschaft.Einwohner-Bestandsstatistik Gemeinde Grafschaft, Stand: 30. Oktober 2013. Zu ihm gehört noch der Wohnplatz Tonwerk. Die erste urkundliche Erwähnung Lantershofens stammt aus dem Jahr 1019 in Form einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs II. an den Bischof von Bamberg.

Geographie Geographische Lage Lantershofen, im nördlichen Rheinland-Pfalz zwischen Bonn (25 km) und Koblenz (50 km) gelegen, befindet sich am nördlichen Auslauf der Vulkaneifel. Die Ortschaft befindet sich auf einem Hügel nördlich des Ahrtals. Sie liegt auf einer Höhe von 150 bis . Die Gemarkungsgrenze verläuft im Südosten nahe der A 573, folgt dann in nördlicher Richtung dem Karweiler Bach und der Bebauungsgrenze der Ortschaft Karweiler, um in westliche Richtung über das Fahr-, Trainings- und Testgelände zu schwenken. Anschließend verläuft die Grenze in südwestlicher Richtung durch den Bölinger Wald und umschließt das Rottstück. An dessen südlichem Rand entlang und über den Ahrweiler Berg reicht die Gemarkung dann wiederum bis in die Nähe der A 573. Die Gemarkung umfasst eine Fläche von 251,2 Hektar.

Durch die Gemarkung Lantershofen verlaufen mehrere Bäche. Auf dem Rottstück westlich der Ortsgrenze entspringen der Lantershofener Bach und der in diesen mündende Töschenbach. Nahe dem Lantershofener Schützenplatz mündet der Lantershofener Bach in den Fuchsbach. Dieser durchfließt den Ort in östlicher Richtung. Auf der Höhe des Lantershofener Schrottplatzes mündet von Norden kommend der Karweiler Bach in den Fuchsbach. Anschließend verlässt der Fuchsbach die Gemarkung in südöstlicher Richtung. Sein Lauf ist heute teilweise unterirdisch kanalisiert. Früher mündete zudem parallel zur heutigen Karweilerstraße von Süden kommend der mittlerweile versiegte Ronnebach in den Fuchsbach.

Klima Die jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge in Lantershofen beträgt 620 mm und liegt somit weit unter dem Durchschnitt des Mittelrheingebietes. Die durchschnittliche Lufttemperatur liegt mit 8,5 °C bis 9,0 °C leicht oberhalb des deutschen Mittels.

Geschichte Antike und Mittelalter Erste Siedlungsspuren stammen in Lantershofen aus römischer Zeit. In der Umgebung des Dorfes wurden Reste römischer Backöfen und einer Wasserleitung entdeckt. 1898 legte man zudem ein reich ausgestattetes Grab eines römischen Offiziers frei.

Etymologisch lässt die erste überlieferte Bezeichnung des Dorfes als „Lantherishoffe“ darauf schließen, dass es sich bei dem Ort um eine Gründung aus fränkischer Zeit handelt. Übersetzen lässt sich der Name als „Hof des Lanther“, wobei Lanther ein altdeutscher Familienname ist, der „Landkrieger“ bedeutet.

Die erste urkundliche Erwähnung Lantershofens stammt vom 1. Juli 1019: Mit einer in Köln ausgestellten Urkunde schenkte Kaiser Heinrich II. seine Besitzung „Lantherishoffe“, die er durch Erbrecht von einem rechtlos gestorbenen Giselinus erhalten hatte, mit sämtlichen Äckern, Wiesen, Waldungen, Weiden, Weingärten, Wassern, Wasserläufen und Hörigen dem Kloster Michelsberg. Das Benediktinerkloster Michelsberg war 1015 von Eberhard, dem Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches für Italien und ersten Bischof des 1007 gegründeten Bistums Bamberg, als bischöfliches Eigenkloster gegründet worden. Somit unterstanden die Besitzungen des Klosters direkt dem Bischof von Bamberg. Kaiser Heinrich II. bedachte das Bistum, welches er 1007 selbst gegründet hatte, mit zahlreichen solcher Schenkungen.

mini|300px|Verpfändungsurkunde von 1179 Aus einem Güterverzeichnis des Klosters Michelsberg geht hervor, dass seine Besitzung in Lantershofen zu Beginn des 12. Jahrhunderts infolge eines Gebietstausches an einen neuen Herren gelangte. Ob diese Besitzung ganz Lantershofen umschloss, ist unklar. In der Folgezeit scheint Lantershofen jedenfalls kein einheitliches Besitztum eines Feudalherren gewesen zu sein, sondern hatte wohl mehrere Herren gleichzeitig. 1106 zeigt eine Urkunde die Grafen von Saffenberg als Inhaber eines freien Hofgutes in Lantershofen, welches Adelbert von Saffenberg der von ihm gestifteten Abtei Rolduc bei Herzogenrath überwies. Am 7. September 1155 bestätigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa dem Hochstift Lüttich Besitz in Lantershofen. Am 11. April 1179 beurkundete der Kaiser, dass der Erzbischof von Köln, Philipp I. von Heinsberg, ein Hofgut in Lantershofen an den Grafen Engelbert I. von Berg und dessen Erben verpfändete. Das Hofgut scheint eine nicht unerhebliche Bedeutung besessen zu haben, da die Pfandsumme mit 126 Mark vergleichsweise hoch war. Im April 1180 fiel, erneut bestätigt durch eine kaiserliche Urkunde, in Folge eines Gebietstausches der Besitz des Hochstifts Lüttich in Lantershofen wiederum an den Erzbischof von Köln. Der Prämonstratenserabtei Steinfeld bestätigte dann der Erzbischof von Köln 1187 auf einer Synode ein Besitztum in Lantershofen. Auch das Kloster Mariental sowie die Herren von Nürburg und Are besaßen Hofgüter im Ort.

Möglicherweise bereits im 13. Jahrhundert, der genaue Zeitpunkt ist umstritten, wurde Lantershofen dann eine Ganerbschaft. Diese wurde, nachdem der Ort zuvor zeitweise ein kurkölnisches Lehen gewesen war, zu einer reichsunmittelbaren Herrschaft.

1290 starb die Linie der Herren von Nürburg und Are aus und ihr Hofgut in Lantershofen fiel den Grafen von Neuenahr, ebenfalls eine Linie des weit verzweigten Hauses Are-Hochstaden-Nürburg zu. Als 1358 mit Wilhelm III. von Neuenahr die Linie der Grafen von Neuenahr im Mannesstamm ausstarb, kam es zu Erbstreitigkeiten zwischen dem Mann seiner Tochter, Johann III. von Saffenberg und mehreren Mitgliedern aus Seitenlinien der Grafen von Neuenahr. Der Erbfolgestreit und gegenseitige Befehdungen zogen sich über Jahre hin, Schlichtungsversuche blieben erfolglos. Der Konflikt eskalierte als sich letztere auf Burg Neuenahr festsetzten und sich vor allem zu Lasten der Stadt Ahrweiler als Raubritter betätigten. Dies rief Kurköln, den Lehnsherrn von Ahrweiler auf den Plan. Die Erzbischöfe von Köln zögerten jedoch zunächst in den Konflikt direkt einzugreifen, da die Grafschaft Neuenahr ein Lehen ihres mächtigsten Konkurrenten in der Region, dem Herzogtum Jülich, war. Dieses gegenseitige in Schach halten zwischen Kurköln und dem Herzogtum Jülich spiegelte sich auch in Lantershofen wider, wo sowohl kurkölnische als auch jüliche Gefolgsleute Besitz hatten. Erst als das Herzogtum Jülich durch den Ersten Geldrischen Erbfolgekrieg militärisch gebunden war, entschloss sich der Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden zum Handeln und ließ seine Truppen, unterstützt durch ein Kontingent der Stadt Ahrweiler, 1372 Burg Neuenahr einnehmen und schleifen. Ebenfalls ließ er in Lantershofen eine mit den Raubrittern von Burg Neuenahr in Verbindung stehende Burganlage zerstören. Diese erste Burganlage in Lantershofen, der möglicherweise römische Mauerreste als Basis dienten, war wohl bereits im 11. Jahrhundert „auf der Schauer“ errichtet worden, einem Flurstück dessen Lage heute nicht mehr eindeutig zu identifizieren ist.

Bereits 1376 wurde in unmittelbarer Nähe zur heutigen Burg Lantershofen eine neue Burganlage errichtet. Es ist unklar, ob sie aus einem bereits 1321 erwähnten Hofgut eines Matthias von Densborn entstand oder von Beginn an als Stammsitz der Grafen von Blankart errichtet wurde. Spätestens 1480 sind die Grafen von Blankart jedoch eindeutig als Besitzer der Burg nachzuweisen.

Ein weiteres Hofgut zu „Zwenbrücken“ in Lantershofen ist 1416 nachzuweisen. Am 24. Mai des Jahres verkaufte eine gewisse Metza von Lantershofen, die in verwandtschaftlicher Beziehung zu den Herren von Einenberg, Mitresidenten der Reichsburg Landskron, und den Herren von Metternich stand, das Hofgut inklusive 20 Morgen Land und 2 Morgen Weinberg an einen Eberhard von Derne und seine Frau. Aus der Verkaufsurkunde und weiteren erhaltenen Schriftstücken geht hervor, dass auf diesem Gut Hofgedinge abgehalten wurden, es also einen eigenen Gerichtsstand besaß. Die ehemalige Lage des Zweibrückhofes ist wohl an der Mündung des Karweiler Baches in den Fuchsbach zu verorten.

Frühe Neuzeit Aus dem Jahr 1548 stammt das älteste, noch erhaltene, von einer ganzen Reihe von überlieferten Weistümern über in Lantershofen abgehaltene Hofgedinge.

Im Jahr 1603 wird der Zweibrückenhof letztmals urkundlich erwähnt. Es ist wahrscheinlich, dass er im Zuge der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts zerstört wurde. Im Jahr 1632 erreichte der Dreißigjährige Krieg Lantershofen. Schwedische Truppen nahmen das Dorf ein und zerstörten die 1376 errichtete Burganlage teilweise. 1642 plünderten französische Truppen Lantershofen und brannten Teile des Ortes nieder. Im Zuge des Holländischen Krieges wurde Lantershofen 1673 von niederländischen Truppen erneut gebrandschatzt, die wieder aufgebaute Burganlage wurde nun vollständig zerstört. Die dritte Brandschatzung des Ortes innerhalb weniger Jahrzehnte erfolgte im Winter 1689/1690 durch französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Schon nach dem Dreißigjährigen Krieg und einer auf den Krieg folgenden Pestepidemie in der Region betrug die Dorfbevölkerung im Jahr 1666 nur noch 160 Einwohner. Ein erneutes Pestjahr 1668 und die Brandschatzung im Holländischen Krieg dezimierten die Dorfbevölkerung weiter, sodass die Einwohnerzahl im Jahr 1676 auf 135 gesunken war.

Weiterhin ist aus dem 17. Jahrhundert überliefert, dass ab 1640 der gesamte Landbesitz von Burg Lantershofen an die Dorfbevölkerung verpachtet war und 1659 mit Zustimmung von Kaiser Leopold I. ein Anteil an der Ganerbschaft Lantershofen aus dem Besitz der Herren zu Gudenau an den Herzog von Jülich überging.

Ein Weistum aus dem Jahr 1700 belegt für die Ganerbschaft Lantershofen sieben Herren, die einen Herrschaftsanteil an der Ganerbschaft besaßen. Explizit genannt werden in diesem Weistum der Graf von Blankart und der Herr von Orsbeck. Weistümer aus den Jahren 1706 und 1708 belegen zudem einen Anteil der Freiherren von Clodt, von Dallwig und von Brempt als Teilhaber der Reichsritterschaft Landskron. Ein Weistum von 1722 benennt außerdem den Graf von Manderscheid als Anteilseigner.

Das Adelsgeschlecht der Blankarts, erlosch 1712 im Mannesstamm, mit dem Tod des kinderlosen Johann Otto Friedrich Blankart von Ahrweiler, in der Schlacht bei Denain. Erbinnen waren seine Schwestern Maria Anna, verheiratet mit Freiherr Johann Heinrich Vlatten zu Drove, und Marie Sophie, verehelicht mit Freiherr Ferdinand Ernst von Dalwigk zu Lichtenfels. Maria Ottilia, eine dritte, bereits verstorbene Schwester, hatte Freiherr Johann Franz Capellini von Wickenburg genannt Stechinelli (1677–1752) geheiratet, der mit seinen Kindern ebenfalls zu den Erben zählte. Da die lebenden Erbschwestern 1714 eine einseitige Teilung der Familiengüter vornahmen, klagte Johann Franz Capellini von Wickenburg, zur Wahrung der Rechte seiner Kinder dagegen. Die Teilungsstreitigkeiten zogen sich bis 1790 hin und ein Urteil bestätigte schließlich die gleichen Rechte für die Nachkommen aller drei Schwestern.Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die geschichte des Niederrheins, Band 5, 1. Heft, S. 397 u. 398, Düsseldorf, 1865; (Digitalscan)Webseite zum Blankarts Hof in Ahrweiler Der in den alten Quellen öfter als Eigentümer zu Lantershofen genannte „Freiherr von Stickeneil“ dürfte der Blankart-Schwiegersohn Johann Franz Capellini von Wickenburg genannt Stechinelli gewesen sein. Als weitere Eigentümer werden in dieser Periode auch die Herren Vlatten zu Drove bzw. Rohe zu Drove und die von Dalwigk genannt, also Nachkommen der beiden anderen Blankart-Erbtöchter. Durch die Erbauseinandersetzungen blieben die Besitzverhältnisse strittig.