Rosenburg ist Hauptort und Katastralgemeinde der Gemeinde Rosenburg-Mold im Bezirk Horn in Niederösterreich.

Geographie Der Ort liegt am Kamp und an der Taffa, die im Ortszentrum in den Kamp mündet. Die Seehöhe in der Ortsmitte liegt bei 268 Metern. Die Fläche der Katastralgemeinde umfasst 4,55 km². Die Einwohnerzahl des Ortes beläuft sich auf  Einwohner (Stand: ).

Postleitzahl In der Gemeinde Rosenburg-Mold werden mehrere Postleitzahlen verwendet. Rosenburg hat die Postleitzahl 3573.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|links|Archäologische Fundzone Hofmühlemini|links|Die Lage der mittelneolithischen Kreisgrabenanlage in der Fundzone Hofmühle ist an der Verfärbung des Ackerbodens erkennbar.Der Talboden des Kamptals im Gebiet von Rosenburg war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. In der Flur Hofmühle wurden in einem zum Kamp hin abfallenden Bereich zwischen der Landesstraße nach Altenburg, der Straße zur Rosenburg und dem ehemaligen Mühlgraben der Hofmühle bei mehreren Grabungen in den 1980er und 1990er Jahren bedeutende Funde verschiedener Zeitlagen gemacht. Im nordwestlichen Teil der Fundzone konnte eine Siedlung aus dem Frühneolithikum (5500–5000 v. Chr.) mit zahlreichen Funden zur älteren Linearbandkeramik dokumentiert werden.Eva Lenneis: Rosenburg im Kamptal, Niederösterreich. Ein Sonderplatz der älteren Linearbandkeramik. Bonn 2009, Iris Ott: Die Artefakte der jungpaläolithischen Fundstelle von Rosenburg am Kamp. In: Archaeologia Austriaca, 80. Jg. (1996), S. 43–114. Im östlichen Teil des Geländes wurden eine mittelneolithische (5000 – 4500/4300 v. Chr.) KreisgrabenanlageGerhard Trnka: Studien zu mittelneolithischen Kreisgrabenanlagen. In: Mitteilungen der prähistorischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 26, Wien 1991Michaela Maurer: Die Kreisgrabenanlage von Rosenburg, NÖ. Diplomarbeit, Wien 2012 (Online abrufbar unter: https://othes.univie.ac.at/21338/). sowie Befunde aus der Latènezeit (5. – 1. Jahrhundert v. Chr.) nachgewiesen.Sandra Mayer: Latènezeitliche Siedlungsreste in Rosenburg, VB Horn Niederösterreich. In: Das Waldviertel, Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde des Waldviertels und der Wachau, 56. Jg. (2007), S. 60–67. Die gesamte Fundzone, zu der auch eine frühmittelalterliche slawische Siedlung gehört, steht als archäologisches Bodendenkmal unter Denkmalschutz (). Auf den Anhöhen des Taffatals nahe seiner Mündung in den Kamp wurden Siedlungsfunde des Spätneolithikums (3.500–2.800 v. Chr.), der Urnenfelderkultur (1.300 v. Chr. bis 800 v. Chr.) und der Hallstattzeit (1.200–450 v. Chr.) nachgewiesen.Hermann Maurer: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte des Waldviertels II. Urnenfelderzeitliche Funde aus Mühlfeld, pol. Bez. Horn, N.Ö. In: Das Waldviertel, Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde des Waldviertels und der Wachau, 22. Jg. (1973), S. 138–140.

Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit mini|links|Rosenburg. Kupferstich aus der Topographia Windhagiana, 1673. Das Kamptal in Rosenburg war auch im Frühmittelalter bewohnt. Gegenüber der ehemaligen Hof- oder Thurnmühle an der Straße zur Rosenburg befand sich eine slawische Siedlung des Frühmittelalters (ca. 600–800 n. Chr.) mit mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden.Celine Wawruschka: Die frühmittelalterliche Siedlung von Rosenburg im Kamptal, Niederösterreich. In: Archäologia Austriaca, 82–83. Jg. (1998/99), S. 347–411; Günther Karl Kunst: Die Tierknochen aus der Frühmittelalterlichen Siedlung von Rosenburg im Kamptal, Niederösterreich. In: Archäologia Austriaca, 82–83. Jg. (1998/99), S. 412–427. Seit dem 12. Jahrhundert ist die Geschichte des Ortes ist eng mit der Entwicklung der Rosenburg verbunden, die um 1150 erstmals erwähnt wird. Entlang des Kamps unterhalb der Rosenburg entstanden seit der Gründung des Schlosses mehrere Mühlen, die bis in das späte 19. Jahrhundert die einzigen Ansiedlungen blieben. Im ausgehenden 16. und frühen 17. Jahrhundert, als die protestantische Familie der Grabner zu Rosenburg Besitzer von Schloss und Herrschaft Rosenburg waren, wurde die Rosenburg zu einem Zentrum des Protestantismus in Österreich. In einer eigens von Leopold Grabner zu Rosenburg auf der Burg eingerichteten Druckerei wurde protestantische Literatur gedruckt.Gustav Reingrabner: „Als man um die Religion stritt …“ Reformation und katholische Erneuerung im Waldviertel 1500–1660. Ausstellung im Höbarthmuseum der Stadt Horn, Horn 2000. Nach dem großzügigen Umbau der Rosenburg in ein Renaissanceschloss musste Sebastian II. Grabner zu Rosenburg die Rosenburg aufgrund finanziellen Nöten an die Jörger von Tollet verkaufen. Im Zuge der Gegenreformation erhielt die Rosenburg im Jahre 1611 mit Kardinal Franz von Dietrichstein (1570–1636) wieder einen katholischen Burgherren. 1659 gelangten Burg und Herrschaft in den Besitz von Johann Joachim Enzmilner, Graf von Windhag (1600–1678), der die Burg weiter ausbauen ließ. In der von ihm 1673 herausgegebenen zweiten Ausgabe der Herrschaftstopografie Topographia Windhagiana ließ er durch Clemens Beutler (um 1623–1682) nicht nur die Rosenburg selbst, sondern auch die Mühlen am Kamp sowie Darstellungen des Ortes aus der Vogelperspektive in zahlreichen Kupferstichen darstellen. 1681 ging die Rosenburg in den Besitz der Familie Hoyos über, die bis heute Eigentümer ist.Anna Maria Sigmund: Es steht ein Schloß in Österreich – Zur Bau- und Besitzgeschichte der Rosenburg. In: Adel im Wandel. Politik, Kultur, Konfession 1500–1700, Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung Rosenburg 1990, Wien 1990, ISBN 3-85460-019-4, S. 585–596. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zerfiel die Rosenburg zusehends. Wegen seiner drei Getreidemühlen, einer Papiermühle, einer Tuchwalke und einem Holzrechen, mit dem das aus dem oberen Kamptal geflößte Holz geborgen wurde, war der Ort von regionaler wirtschaftlicher Bedeutung. Mit der unter Ernst Karl von Hoyos-Sprinzenstein 1859–1875 erfolgten Renovierung der Rosenburg und der 1889 erfolgten Inbetriebnahme der Kamptalbahn entwickelte sich Rosenburg neben Gars am Kamp, Schönberg am Kamp und Langenlois zu einer bedeutenden Sommerfrische des Kamptals.

Mühlen in Rosenburg Hof- oder Thurn-Mühle mini|Blick auf die Hof- oder Thurn-Mühle (in der ovalen Kartusche), Holzstich, 1884Die bereits 1673 in der Topographia Windhagiana abgebildete Mühle liegt unweit der Kampbrücke zur Rosenburg (heute Hausnummer 8) und befand sich bis 1950 im Besitz der wechselnden Eigentümer der Rosenburg. Ihre Ursprünge reichen ins 15. Jahrhundert zurück. Erstmals wird sie 1467 urkundlich erwähnt. Neben der Mühle befanden sich auch eine Tuchwalke und ein Holzrechen, an dem bis 1907 geflößtes Holz aus dem oberen Kamptal geborgen wurde. 1929 wurde der Mühlbetrieb eingestellt. Ab 1933 nutzte ein Pächter die Gebäude zur Produktion von technischen Gegenständen und Gebrauchsgegenständen aus Kunstharz (Bakelit). Nach dem Anschluss Österreichs zwangen die nationalsozialistischen Behörden den Eigentümer, Rudolf Hoyos-Sprinzenstein (1884–1972), der zwischen 1934 und 1938 als Vorsitzender des Staatsrates die zweithöchste politische Funktion im autoritären Ständestaat (Österreich) innehatte, das gesamte Anwesen unter Wert an die Gemeinde Rosenburg zu verkaufen. Geplant war, die Mühlanlage als kleines Elektrizitätswerk zu nutzen und in den Nebengebäuden ein Heim der Hitler-Jugend einzurichten. Die Kriegsereignisse verhinderten diese Pläne. Die Gebäude wurden ab 1940 als Kriegsgefangenenlager, vorerst für belgische und französische, später für russische Kriegsgefangene genutzt. Nach 1945 befasste sich die Gemeinde mit Plänen, ein Kino in der Mühle einzurichten. 1950 musste die zu Unrecht erworbene Mühle an ihren früheren Eigentümer restituiert werden, der sie im gleichen Jahr an das Rosenburger Mühlunternehmen Sparholz verkauft, das einen neuen Silo errichtete. Heute befindet sich die Mühle in Privatbesitz. Der Silo wird zur Lagerung von Getreide durch die Mantler-Mühle genutzt. Die restlichen Gebäude dienen Wohnzwecken.Hanns Haas: Die Rosenburger Hofmühle. In: Rosenburg-Mold Aktuell, Jg. 2000, Heft 10–12; Jg. 2001, Heft 1.

Bruck- oder Mitter-Mühle mini|Blick auf die Bruck- oder Mittermühle, Holzstich, 1884Die ebenfalls 1673 in der Topographia Windhagiana abgebildete Mühle liegt an einer Engstelle des Kamptales am Ortsausgang gegen Altenburg. Ihre Namen verweisen zum einen auf eine Brücke, die einst oberhalb der Mühle den Kamp überspannte, zum anderen auf ihren Standort als mittlere der Rosenburger Mühlen. In weiteren Quellen wird die wie die Hofmühle zur Herrschaft Rosenburg gehörige Mühle auch als Untere Hofmühle oder wegen ihrer Lage unterhalb des Schlossfelsens als Mühle unter dem Stein bezeichnet. Im 19. Jahrhundert befand sich mittlerweile nicht mehr als Mühle genutzte Gebäude im Besitz einer Bauernfamilie Hauer. Der erhalten gebliebene Teil der Mühle erhielt deshalb den Namen Hauerhaus (Hausnummer 10). 1922 erwarb die Mantler-Mühle das Anwesen und richtete Werkswohnungen ein. Heute befindet sich das Gebäude in Privatbesitz.Hanns Haas: Das Hauerhaus, früher Mühle unter dem Stein, Bruckmühle, Untere Hofmühle, Mittermühle. In: Rosenburg-Mold Aktuell, Jg. 2001, Heft 2 und Heft 3.

Schulhof- oder Rechberger-Mühle mini|Werbepostkarte der Mantler-Mühle in Rosenburg am Kamp, um 1920Die ursprünglich kleinste der vier Rosenburger Mühlen liegt an der Abzweigung der Straße nach Mühlfeld und Horn und wurde 1607 erstmals urkundlich erwähnt. Ihre Geschichte ist von zahlreichen Besitzwechseln geprägt. Erst nach dem Erwerb durch Johann Mantler 1876 entwickelte sie sich als Erste Rosenburger Walzmühle Johann Mantler zu einem großen Mühlbetrieb. 1924 kam es zu einem monatelangen Streik der Müllergesellen, der überregionales Aufsehen erregte.Hanns Haas: Der große Streik im kleinen Dorf. Rosenburg am Kamp 1924. In: Gerhard Ammerer, Christian Rohr und Stefan Weiß (Hrsg.): Tradition und Wandel. Beiträge zur Kirchen-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Festschrift für Heinz Dopsch. München 2001, ISBN 3-7028-0378-5, S. 380–403. Ein Großbrand 1925 führte zum Ausbau und zur Vergrößerung der Mühle. Seit 1966 erzeugt der Betrieb Fertigmehlmischungen, die in Österreich einen Marktanteil von rund 30 Prozent haben.Website der Mantlermühle

Pfister- oder Papier-Mühle Wie die anderen Rosenburger Mühlen ist auch die Pfister- oder Papiermühle 1673 in der Topographia Windhagiana dargestellt. Sie liegt außerhalb des Ortszentrums an der Straße nach Gars am Kamp. Errichtet wurde sie wohl im 17. Jahrhundert als Säge und Papiermühle. Die Papierherstellung wurde bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fortgeführt, zuletzt von Josef und Eugenia Lammer, die es 1875 an die Sparkasse Waidhofen an der Thaya verloren.Ignaz Steininger: Geschichtliche Skizzen über Rosenburg, Manuskript. Rosenburg 1953–1978. Ihr 1863 in Rosenburg geborener Sohn Eugen Guido Lammer wurde ein bedeutender Alpinist und Schriftsteller. 1885 erwarb der Müller Josef Sparholz das Anwesen und baute es in eine Getreidemühle um. 1957 wurde die Mühle durch einen Großbrand schwer beschädigt. Die teilweise wieder in Stand gesetzten Gebäude wurden 1981 im Zuge des Ausbaus der Kamptalstraße abgebrochen.Hanns Haas: Die Sparholzmühle. In: Rosenburg-Mold Aktuell, Jg. 1997, Heft 4–9; Hanns Haas: Drei Generationen Sparholz Bürgerliches Landleben in Rosenburg am Kamp. In: Hannes Stekl (Hrsg.): Kleinstadtbürgertum in Niederösterreich (= Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich 27). Horn 1994, ISBN 3-901234-01-2, S. 177–207.

Sommerfrische