mini|Albert H. Rooks, Kommandant der Houston Die Schlacht in der Sundastraße fand vom 28. Februar bis zum 1. März 1942 in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra statt. Beteiligt waren die von der Schlacht in der Javasee übriggebliebenen Schiffe der ABDA-Flotte und japanische Einheiten.
Der amerikanische Kreuzer Houston und der australische Kreuzer Perth wurden von japanischen Zerstörern, die die Deckungsgruppe bei den Landungen im Westen Javas bildeten, ausgemacht, als sie versuchten, durch die Sundastraße aus dem Kriegsgebiet zu entkommen. Ihnen folgte mit einer Stunde Fahrtzeit Abstand der niederländische Zerstörer Evertsen, der in der Folge ebenfalls von den Japanern entdeckt wurde. Alle drei Schiffe gingen verloren.
Vorgeschichte Anfang Dezember 1941 begannen die Japaner mit ihrer Expansion in den südostasiatischen Raum. Dies bedrohte auch die niederländischen und britischen Kolonien sowie Australien. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor traten auch die USA in den Zweiten Weltkrieg ein. Zur Verteidigung des betreffenden Gebiets wurde das ABDACOM gegründet, dem auch eine Flotte, bestehend aus Einheiten der zugehörigen Staaten, zur Verfügung stand. Als die Japaner Ende Februar 1942 zur Invasion auf Java ansetzten, kam es vor Ostjava zur Schlacht in der Javasee, bei der die ABDA-Flotte von den Japanern faktisch zerschlagen wurde. Admiral Karel Doorman gab den beiden Kreuzern USS Houston und HMAS Perth gegen Ende der Schlacht den Befehl zur Rückkehr nach Batavia, dem heutigen Jakarta. Sie trafen etwa zwei Stunden nach Mitternacht am 28. Februar dort ein.
Ein kleinerer Verband, bestehend aus den Kreuzern Danae, Dragon, Hobart und den Zerstörern Scout, Tenedos und Evertsen, versuchte in der Nacht des 28. Februar, einen Vorstoß auf die japanische Invasionsflotte im Osten Javas zu unternehmen. Nachdem dieser fehlgeschlagen war, flüchteten die Schiffe durch die Sundastraße nach Süden, ohne von japanischen Schiffen behelligt zu werden. Die Hr. Ms. Evertsen kehrte allerdings nach Batavia zurück, nachdem sie durch einen Sturm von den anderen Schiffen getrennt worden war.
Die beiden Kommandanten, Albert H. Rooks von der Houston und Hector Waller von der Perth, ersuchten im Hafen von Batavia um Treibstoff und Nachschub an Munition. Beides war aber sehr knapp und für die normalerweise dort ankernden niederländischen Schiffe reserviert. Erst nachdem die Hafenbehörde von Tanjung Priok von den gesunkenen niederländischen Schiffen erfahren hatte, gab sie für die Perth 300 Tonnen Treibstoff frei, so dass sie auf etwa 50 % ihrer Gesamtkapazität kam. Die Houston wurde nicht betankt, da ihr Treibstoffvorrat für eine Fahrt bis nach Australien ausreichte. Da aber keine Munition verladen werden konnte, hatte die Houston nur noch 50 Schuss, und die Perth verfügte gerade mal über 20 Schuss für alle Geschütze.
Kapitän Waller, der Kapitän der Perth, war Kapitän Rooks, dem Kapitän der Houston, vorgesetzt und hatte daher das Kommando.
Admiral Conrad E. L. Helfrich gab etwa gegen 14:00 Uhr den beiden Kreuzern den Befehl, in Begleitung der mittlerweile eingetroffenen Evertsen nach Tjilatjap im Süden Javas zu laufen. Dazu sollten sie durch die Sundastraße fahren. Helfrich wollte in Tjilatjap die Reste der ABDA-Flotte sammeln, allerdings ohne die britischen Schiffe, die unterdessen den Rückzugsbefehl nach Colombo erhalten hatten.
Die letzten Aufklärungsmeldungen, die vom Nachmittag des 28. Februar stammten, meldeten die Sundastraße als frei von japanischen Schiffen, die in rund zehn Stunden Entfernung gesichtet worden waren. Die Houston und die Perth lichteten am Abend um 19:00 Uhr die Anker und erreichten eine halbe Stunde später das offene Meer, wo sie laut Befehl Kurs in Richtung Nordwesten setzen sollten, um einer Sichtung durch die japanischen Landungseinheiten vor Kragan zu entgehen. Kommandant Waller, der ranghöhere, entschied sich aber für einen direkten Westkurs zur Sundastraße. Die Evertsen unter Kommandant W. M. de Vries folgte den beiden Schiffen erst eine Stunde später, obwohl sie als Geleitzerstörer vorgesehen war. Einige Quellen berichten, dass die Betankung der Evertsen noch nicht abgeschlossen war, als die Kreuzer ablegten. Andere Quellen sprechen von Verständigungsschwierigkeiten bei der Befehlsübermittlung.
Unterdessen versuchten sich die Japaner an ihren strengen Zeitplan für ihre Unternehmungen im südostasiatischen Raum zu halten. Die Java-Invasion war für den frühen Morgen des 1. März eingeplant und die Ankunft der Truppentransporter und ihrer Begleitschiffe der Westinvasionsflotte im Norden der Bantam Bay war für 1:00 Uhr vorgesehen. Die Flotte war dreigeteilt:
Zehn Transporter unter Begleitung des Leichten Kreuzers Yura und der 22. Zerstörerdivision mit Fumitzuki, Minatzuki, Nagatsuki und Satsuki fuhren auf Ajner Lor zu. Der Leichte Kreuzer Sendai war mit der 20. Zerstörerdivision, zu der Amagiri, Asagiri und Yūgiri gehörten, auf dem Weg nach Semarang. Die Hauptinvasionsstreitmacht traf am späten Abend des 28. Februar vor St. Nicolaas Point am Eingang der Sundastraße ein. Sechs Transporter nahmen Kurs auf Merak an der Westseite von St. Nicolaas Point, und 27 Transporter fuhren direkt in die Bantam Bay, um die 2. Infanteriedivision dort abzusetzen.
mini|Der Leichte Kreuzer Sendai mini|Der Zerstörer Amagiri
Nördlich und westlich der Landungsgebiete patrouillierten zum Schutz die Schweren Kreuzer Mikuma und Mogami, der Leichte Kreuzer Natori sowie die Zerstörer Asakaze, Hatsuyuki, Murakumo, Shikinami, Shirakumo, Shiratsuyu und Shirayuki. Im Osten klärte die Fubuki auf, und in der Bucht befanden sich zusätzlich noch die Harukaze und Hatakaze mit einer Division Minensuchbooten. Weiter nördlich auf hoher See bildeten der Flugzeugträger Ryūjō und der Wasserflugzeugtender Chiyoda zusammen mit den Schweren Kreuzern Kumano und Suzuya und den Zerstörern Isonami, Shikinami und Uranami einen Deckungsschirm.
Die Schlacht Etwa um 22:15 Uhr sichtete die Fubuki die anlaufenden Kreuzer, konnte aber deren Identität zunächst nicht klären. Sie befand sich zu dieser Zeit rund 2,2 Kilometer östlich der kleinen Insel Babi, die 21 Kilometer nordöstlich vor St. Nicolaas Point liegt. Der Kommandant der Fubuki, Yamashita Shizuo,IJN Fubuki: Tabular Record of Movement unter: combinedfleet.com, abgerufen am 14. Oktober 2006 beschloss, die Insel als Deckung zu nutzen und während ihrer Umrundung die unbekannten Schiffe zu beobachten.
Das Wetter in der Nacht war gut. Bei ruhiger See, Vollmond und bester Sicht konnte die Mannschaft der vorausfahrenden Houston die Lichter von St. Nicolaas Point ausmachen und glaubte, die Einfahrt zur Sundastraße sicher erreicht zu haben. Doch unvermittelt erschienen die dunklen Umrisse einiger Schiffe am Horizont. Rooks war zwar über die mögliche Anwesenheit einiger niederländischer Patrouillenboote informiert worden, doch die Geschwindigkeit der Silhouetten ließ ihn zu dem Schluss kommen, dass es sich dabei wohl nur um japanische Schiffe handeln könne. Daher löste er Gefechtsalarm an Bord aus.
Die Perth sichtete etwa in diesem Moment die Fubuki, die sich mittlerweile in einiger Entfernung achtern hinter ihr befand. Kommandant Waller ließ die Fubuki mittels Lichtsignalen anblinken, was diese nur mit einigen grünen Lichtblitzen erwiderte. Waller deutete die Blitze als feindlich und ließ umgehend das Feuer auf die Fubuki eröffnen. Die Fubuki drehte um 22:45 Uhr ab und hinterließ eine Nebelwand zu ihrem Schutz. Aus einer Entfernung von 2700 m schoss sie neun Torpedos in Richtung der Perth und setzte anschließend Nordkurs. Waller und Rooks hatten nun endgültig erkannt, dass sie mitten in die Hauptlandungen der japanischen Westinvasionsflotte geraten waren, und eröffneten das Feuer auf die Schiffe in der Bantam Bay.
mini|Die Houston
Nur die Harukaze und die Hatakaze standen zum Schutz der eigenen Transporter bereit, da die anderen Kräfte hauptsächlich im Norden und Westen operierten. Die Harukaze nahm Fahrt auf und vernebelte etwa gegen 22:30 Uhr den Eingang der Bucht. Durch diesen Nebel setzte die Hatakaze Kurs in Richtung Norden, um vor der Bucht bessere Sicht auf die feindlichen Schiffe zu haben. Den Torpedos, welche die Fubuki abgeschossen hatte, wichen die beiden alliierten Kreuzer durch einen engen Kreiskurs aus. Anschließend richteten sie ihre Fahrt wieder auf den Eingang zur Sundastraße aus. Dabei feuerten sie auf die kaum auszumachenden Schiffe in der Bucht.
Um 22:52 Uhr begann die Hatakaze das Feuer zu erwidern und mit der Ankunft der Shiratsuyu aus Nordwesten begann sich das Kräfteverhältnis im Kampf zugunsten der Japaner zu verschieben. Aus etwa 3200 m Entfernung eröffnete die Shiratsuyu das Feuer. Dabei befand sie sich auf einer Position nördlich von St. Nicolaas Point. Auch der Leichte Kreuzer Natori begann zusammen mit den Zerstörern Hatsuyuki und Shirayuki, die alliierten Schiffe mit Granaten einzudecken, wobei sie weiter Fahrt aufnahm und ihre Entfernung zu ihnen stetig verkürzte. Die Asakaze hatte nördlich der Hatakaze und Harukaze gekreuzt und stieß nun zu ihnen. Die Schweren Kreuzer Mikuma und Mogami, gefolgt von der Shikinami, waren ebenfalls auf dem Weg in die Kampfzone, befanden sich aber noch in einer Entfernung von mehr als neun Kilometern nordöstlich. Aus westlicher Richtung näherten sich in 6400 m Entfernung die Murakumo und Shirakumo.
Zu dem Zeitpunkt befanden sich die Houston und die Perth noch 4500 m östlich von St. Nicolaas Point. Sie drehten südlich und liefen etwa acht Minuten lang auf einem Parallelkurs zu den japanischen Transportern in der Bucht. Während dieser Phase des Kampfes richteten sie einigen Schaden unter den Landungsbooten an und blieben dabei selbst unbeschädigt.
Als sich die beiden Kreuzer um 23:08 Uhr der Insel Penang vor der Bantam Bay näherten, waren sie gezwungen, auf Nordkurs zu gehen. Die japanischen Schiffe fuhren in einer Dreierreihe auf sie zu und schossen innerhalb der nächsten elf Minuten 28 Torpedos in Richtung der alliierten Schiffe ab. Diese versuchten sich mit allen ihnen verbliebenen Mitteln zu wehren und die Perth schoss selbst ihre letzten vier Torpedos ab. Die feindlichen Schiffe näherten sich unaufhörlich einander und kamen sich so nahe, dass sie mit gegenseitigem Maschinengewehrfeuer die Decks bestrichen.
mini|Die Perth
Die Houston musste den ersten Treffer hinnehmen, der auf der Brücke einschlug und ein Feuer auslöste, während die Perth bis auf drei kleinere Treffer weitgehend unversehrt blieb. Im Gegenzug konnte sie selbst die Harukaze am Ruder und die Shirayuki auf der Brücke durch ihre Schiffsartillerie beschädigen. Als um 23:19 Uhr die japanischen Schweren Kreuzer dem Kampfgeschehen beitraten, schossen sie aus 8500 m Entfernung sechs Torpedos auf die Perth ab und drehten dann nahe der Insel Babi auf Gegenkurs. Gleichzeitig drehten die beiden alliierten Kreuzer wieder auf St. Nicholaas Point, hatten aber für ihre Geschützbatterien keine Munition mehr. Sie feuerten nur noch Übungs- und Leuchtgranaten. Nur Minuten später eröffneten die Schweren Kreuzer der Japaner aus einer Entfernung von knapp elf Kilometern intensiv das Feuer aus ihren Geschützen. Die Szenerie wurde dabei von den Suchscheinwerfern der Zerstörer erhellt. Zwar musste die Mikuma wegen eines Elektrikschadens kurzzeitig ihr Feuer wieder einstellen, doch schon nach einigen Minuten griff sie wieder in den Kampf ein.