Die Neuapostolische Kirche Süddeutschland ist ein Verwaltungsbezirk (Gebietskirche) der Neuapostolischen Kirche, der Baden-Württemberg, den Großteil Bayerns (ohne den Raum Aschaffenburg, der zur Neuapostolischen Kirche Westdeutschland gehört) sowie kleinere Teile Hessens (im Landkreis Bergstraße) umfasst. Kirchenpräsident und zuständiger Bezirksapostel ist seit 21. Juni 2026 Martin Rheinberger.

Der Bezirksapostelbereich Süddeutschland umfasst nebst den genannten Gebieten in Süddeutschland 30 weitere Länder in Südosteuropa, Afrika und am Persischen Golf.

Geschichte Zu Beginn des 19. Jahrhunderts traten gläubige Christen, Anhänger einer charismatischen Erweckungsbewegung aus verschiedenen Konfessionen, in England, Schottland und in Deutschland auf, in Süddeutschland vor allem um das Donaumoos in Bayern, der Gegend um Karlshuld.

Aus ihnen gingen in den 1850er Jahren, durch die erste Heilige Versiegelung am 16. August 1856 in Ulm durch Apostel Henry Drummond die katholisch-apostolischen Gemeinden hervor. Um 1863 konvertierten fast alle katholisch-apostolischen Mitglieder zu dessen Abspaltung, der Neuapostolischen Kirche (damals noch Allgemeine christliche apostolische Mission). Schließlich wurde am 3. Juni 1888 der erste Apostel für den süddeutschen Bereich gerufen, Georg Gustav Adolf Ruff. Erst im Mai 1896 wurde in Schopfheim in Baden die erste süddeutsche Gemeinde gegründet. Die erste Gemeinde Württembergs wurde im Oktober 1896 in Tailfingen gegründet. Bis zum Jahresende 1897 entstanden noch etwa zwölf weitere Gemeinden.

Am 29. März 1921 erhielt die Neuapostolische Kirche in der Republik Baden die Körperschaftsrechte. Am 28. Juli 1924 wurden mit Karl Hartmann und Karl Gutbrod zwei neue Bezirksapostel ordiniert. Während Hartmann die Bereiche Südhessen, Baden und die bayerische Pfalz übernahm, verantraute man Gutbrod den Bereich Heilbronn. Am 1. Januar 1925 wird Karl Hartmann Landesvorsitzender in Baden, zuvor wurden alle badischen Gemeinden zur Juristischen Person. Genau ein Jahr später, am 1. Januar 1926, wird der Bereich Heilbronn ein selbstständiger Kirchenverwaltungsbezirk unter dem Namen: Neuapostolische Gemeinde e. V., Sitz Heilbronn. Dieser bestand aus 212 Gemeinden und zwölf Kirchenbezirken in Württemberg und Bayern (dortige Ausnahmen: Coburg und Hof).

Während des nationalsozialistischen Regimes und des Zweiten Weltkriegs wurden auch in Süddeutschland zahlreiche neuapostolische Gemeinden geschlossen. Nur die bedingungslose Unterwerfung durch rassistische Bemerkungen in Kirchenzeitschriften, Hitlergrüße nach den Gottesdiensten und Zwangsbeitritte neuapostolischer Geistlicher zur NSDAP brachten die Nationalsozialisten noch einmal zum Überdenken des „Irrtums“, was die Kirche selbst wahrscheinlich vor der totalen Schließung und Verbot rettete.

Am 27. November 1938 wurde Georg Schall zum Bezirksapostel für die rund 400 Gemeinden und 36.000 neuapostolische Christen in Württemberg und Bayern ordiniert. Etwa zehn Jahre später, am 28. Juli 1948 erhält Neuapostolische Gemeinde e. V., Sitz Heilbronn, d. h. Nordwürttemberg, die Körperschaftsrechte.

Ab dem 1. Januar 1949 wurde der Apostelbezirk Heilbronn in Apostelbezirk Stuttgart umbenannt; das Verwaltungsgebiet entsprach dabei weitgehend den Landesgrenzen. Am 25. Februar des Jahres 1950 erhielt die Neuapostolische Kirche auch in Bayern die Körperschaftsrechte, am 5. April dieses Jahres auch Südwürttemberg und Hohenzollern. Am 10. September 1950 wurde Friedrich Hahn zum Bezirksapostel für den Bereich Baden ordiniert. Am 1. Januar des Jahres 1953 übertrug man Bezirksapostel Eugen Startz die Verantwortung über alle bayrischen Gemeinden. Auch im Jahre 1954, am 21. Februar, wurde ein Bezirksapostel ordiniert: Gotthilf Volz sollte fortan Stellvertreter des Bezirksapostels Schall sein und übernahm damit die Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern.

Am 18. Januar 1965 wurden beide in den Ruhestand versetzt und dem Schweizer Bezirksapostel und späteren Stammapostel Ernst Streckeisen wurden die württembergischen Gemeinden anvertraut. Zu einem Wechsel in Baden kam es an Silvester 1966, als Bezirksapostel Friedrich Hahn in den Ruhestand versetzt und Willi Wintermantel zum neuen Bezirksapostel ordiniert wurde.

Als der Bezirksapostel der Schweiz und Württembergs, Ernst Streckeisen, Anfang 1975 zum Stammapostel ordiniert worden war, wurde am 4. Mai 1975 Karl Kühnle zum württembergischen Bezirksapostel ordiniert. In Baden kam es am 19. April 1981 zu einem Wechsel in der Leitung, als Bezirksapostel Wintermantel in den Ruhestand ging und Bezirksapostel Klaus Saur dessen Nachfolger wurde.

In Bayern trat am 28. November 1982 Bezirksapostel Eugen Startz in den Ruhestand. Bezirksapostel Karl Kühnle wurde beauftragt, nebst Württemberg auch die Gebietskirche Bayern als Bezirksapostel zu betreuen. Die beiden Gebietskirchen blieben aber rechtlich selbständig.

Per 1. Januar 1997 fusionierten die Gebietskirchen Baden und Württemberg zur Gebietskirche Baden-Württemberg. Am 1. Januar 2002 entstand schließlich die heutige Gebietskirche Süddeutschland durch Fusion der Gebietskirchen Baden-Württemberg und Bayern.

Am 23. April 2006 trat Bezirksapostel Klaus Saur in den Ruhestand. Nachfolger als Bezirksapostel und Kirchenpräsident wurde Michael Ehrich.

Am Himmelfahrtswochenende 2024 (9.–12. Mai 2024) veranstaltete die Neuapostolische Kirche Süddeutschland in der Innenstadt von Karlsruhe den Süddeutschen Kirchentag. Die mehrtägige Veranstaltung stand unter dem Motto „Kommet her“.

Am 21. Juni 2026 trat Bezirksapostel Michael Ehrich in den Ruhestand. Nachfolger als Bezirksapostel und Kirchenpräsident wurde Martin Rheinberger.„Zum neuen Bezirksapostel beauftragte der internationale Kirchenleiter den bisherigen Bezirksapostelhelfer Martin Rheinberger." Quelle: Neuapostolische Kirche International (24. Juni 2026): Stabswechsel in Süddeutschland [online] https://nak.org/de/db/23352/Bekanntmachungen/Stabwechsel-in-Sueddeutschland abgerufen am 11. August 2026

Struktur

Deutschland Die Gebietskirche Süddeutschland ist mit rund 99.000 Mitgliedern aktuell knapp die zweitgrößte der Neuapostolischen Kirche in Deutschland, wobei die drei deutschen Gebietskirchen nach Mitgliedern aktuell nahezu gleich groß sind. Mit 540 Gemeinden weist die Gebietskirche Süddeutschland jedoch die meisten Gemeinden aller deutschen Gebietskirchen auf.

Sie ist Körperschaft des öffentlichen Rechts und besitzt somit eine eigene Verfassung.Neuapostolischen Kirche Süddeutschland: Verfassung Die Verwaltung in Stuttgart hat rund 60 Mitarbeiter fest angestellt.

Die Gebietskirche Süddeutschland gliedert sich in sechs Apostelbereiche und 42 Kirchenbezirke: +ApostelbereichKirchenbezirkeGemeindenApostelBischofFreiburg/Tübingen Albstadt/Tübingen Dornhan/Villingen-Schwenningen Freiburg/Offenburg Freudenstadt Lörrach Nagold Tuttlingen97Martin SchnauferUrs HeinigerHeilbronn/Nürnberg Backnang Coburg/Hof Erlangen/Würzburg Heilbronn Nürnberg Schwäbisch Hall88Arne HerrmannMarco MetzgerKarlsruhe Bretten/Bruchsal Calw Heidelberg Karlsruhe Mannheim/Weinheim Pforzheim Söllingen85Daniel HabichJörg VesterMünchen Augsburg/Nördlingen Ingolstadt Landshut München-Nord München-Süd Rosenheim76Andreas SargantPaul HeppStuttgart Bietigheim-Bissingen Esslingen/Stuttgart-Degerloch Nürtingen Reutlingen Sindelfingen Stuttgart-Bad Canstatt Stuttgart/Fellbach Stuttgart/Leonberg Stuttgart/Ludwigsburg115Jürgen LoyMatthias GrauerUlm Göppingen/Kirchheim Heidenheim Kempten Memmingen Ravensburg Schwäbisch Gmünd Ulm97Volker KeckJürgen Gründemann

Missionsgebiete Die Neuapostolische Kirche Süddeutschland unterstützt die administrative und seelsorgerische Arbeit auch in anderen Ländern der Welt, die jeweils einem bestimmten Apostelbereich zugeteilt sind und so von einem süddeutschen Apostel unterstützt werden. Insgesamt sind in den verschiedenen Missionsländern 37 Apostel tätig.25 Jahre Bezirksapostel Saur. S. 124–125

30 Länder in Südosteuropa, Afrika und am Persischen Golf gehören zum Bezirksapostelbereich Süddeutschland:25 Jahre Bezirksapostel Saur. S. 132–157. Land Mitglieder (2005) Missionstätigkeit seit Äquatorialguinea 11.400 1987 Äthiopien, Eritrea, Dschibuti, Somalia 1.100 1988 Benin 25.500 2001 Elfenbeinküste 24.200 2001 Gabun 4.400 1999 Ghana 562.000 1984 Guinea 48.600 1987 Kamerun 14.000 1990 Liberia k. A. 1995 Nigeria 355.000 1985 Sierra Leone 105.000 1985 Togo 44.000 2001 Golfstaaten 400 1991 Balkanländer 800 1991

Galerie

Spezielle Einrichtungen Kammerchor Stuttgart Gegründet wurde der Chor durch Hermann Ober, den damaligen Leiter der Musikabteilung des Verlags Friedrich Bischoff, Frankfurt am Main (heute Neu-Isenburg), im März des Jahres 1960. Bis in die 1980er Jahre war es ausschließlich Aufgabe des Chores, Lieder und Chorwerke aus Liedsammlungen der Neuapostolischen Kirche auf Tonträger aufzunehmen, daher stammt auch der ursprüngliche Name Schallplattenchor. Die erste Aufnahme fand 1961 im damaligen SDR-Tonstudio Villa Berg statt. Die musikalische Leitung hatte 28 Jahre Wilfried Orlikowsky aus Tübingen. Heute steht der Chor unter der Leitung von Timo Reikowski.

Forum Fasanenhof Das Forum Fasanenhof ist eine im Jahr 2007 in Betrieb genommenene Begegnungsstätte der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland. Das Forum Fasanenhof befindet sich im ehemaligen Kirchengebäude der neuapostolischen Kirchgemeinde Stuttgart-Fasanenhof, welche zuvor mit der Kirchgemeinde Stuttgart-Möhringen fusioniert worden ist. In der Begegnungsstätte werden Vorträge, Konzerte, Chor- und/oder Orchesterproben und sonstige Treffen unterschiedlicher Gruppen durchgeführt.

„human aktiv“ „human aktiv“ (bis Ende 2017 „Missionswerk“) ist das 1993 gegründete Hilfswerk der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland. Der eingetragene Verein mit Sitz in Stuttgart ist bestrebt, humanitäre Hilfe denen zuteilwerden zu lassen die in Not geraten sind. Er verfolgt ausschließlich und unmittelbar mildtätige Zwecke im In- und Ausland und finanziert sich zu großen Teilen aus Spenden und Zuschüssen. Unabhängig von Hautfarbe, Religion, Herkunft, Geschlecht und Nation will das Hilfswerk dazu beitragen, Not und Elend in Form von Hunger, Armut, Krankheit und anderen Formen menschlichen Leidens zu lindern und allen Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Dies geschieht in der Regel über die Förderung von Projekten und Einrichtungen vor Ort und in allen Teilen der Welt, die nicht ausreichend von anderen Kostenträgern finanziert werden. Vorwiegend erstreckt sich die Hilfe auf die Bereiche Gesundheit und Wohlfahrt, Bildung und Erziehung, Jugend- und Altenhilfe sowie die Hilfe für Verfolgte und Katastrophenopfer. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die „Hilfe zur Selbsthilfe“ gelegt, um eine dauerhafte Verbesserung der Verhältnisse zu erreichen.

Akademie der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland Die Akademie der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland bietet Aus- und Weiterbildungsangebote für Amts- und Funktionsträger (Jugendbetreuer, Organisten, Dirigenten, Lehrkräfte für den kirchlichen Unterricht) der Gebietskirche an. Das Angebot richtet sich hierbei an einem von 5 Fachbereichen aus. In den Bereichen Grundlagen für Amtsträger, Seelsorgepraxis, Religionspädagogik, Theologie und Musik bietet die 2009 gegründete Akademie eine Plattform des Lernens und des Gedankenaustausches. Geistliche und Funktionsträger, allesamt Laien, können hier Erfahrungen austauschen und Impulse erhalten, Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben die auch zu ihrer persönlichen Weiterentwicklung beitragen können.

„Gremium im Fall sexueller Übergriffe“ und Konzeption „Achtsamkeit“