Die Zitwerwurzel, der Zitwer oder die Weiße Curcuma (Curcuma zedoaria) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Curcuma innerhalb der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). Die aus Indien stammende Zitwerwurzel wird vor allem in Ostasien als Heilpflanze verwendet.
Beschreibung
mini|Zitwer, Stärkekörner aus dem Rhizom, gefärbt mit Iod, mikroskopische Aufnahme im polarisierten Licht Vegetative Merkmale Die Zitwerwurzel ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Die duftende Pflanze bildet oberirdische Blattsprosse, die Wuchshöhen von bis 1 Meter erreichen. Es werden unterirdische, große und mehrmals verzweigte Rhizome als Überdauerungsorgane gebildet, die Stärke speichern.
Generative Merkmale Der Blütenstand trägt rote und grüne Hochblätter und gelbe Blüten.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 66.
mini|Zitwerwurzel (Curcuma zedoaria) Verbreitung Die Heimat der Zitwerwurzel liegt in Indien; vermutlich stammte sie ursprünglich aus dem nordöstlichen Indien. Ihren Namen Zitwer erhielt sie über portugiesisch und lateinisch zedoaria aus dem Persischen (dschedwār).Nabil Osman (Hrsg.): Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft. 3. Aufl. München 1992, S. 130. Sie wächst im feuchten subtropischen bis tropischen Klima. Nach R. Govaerts kommt sie ursprünglich zwischen Assam und dem östlichen Himalaja vor.
Taxonomie Die Erstveröffentlichung erfolgte 1779 unter dem Namen (Basionym) Amomum zedoaria durch Gottlieb Friedrich Christmann in Des Ritters Carl von Linné Königlich Schwedischen Leibartzes ec. ec. Vollständiges Pflanzensystem, Band 5, Seite 12 als erstveröffentlicht. Die Neukombination zu Curcuma zedoaria wurde 1807 durch Wiliam Roscoe in Transactions of the Linnean Society of London, Band 8 Seite 354 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Curcuma zedoaria sind: Amomum latifolium , Curcuma speciosa , Zingiber truncatum .
Nutzung Aus den unterirdischen Pflanzenteilen wird eine Droge gewonnen. Die Droge, „Zedoariae Rhizoma“, besteht aus den getrockneten Rhizom der Zitwerwurzel. Sie ähnelt der Kurkuma sehr und wird als Magen-, Galle- und Lebermittel verwendet. Das essbare Rhizom ist im Inneren weiß und duftet ähnlich wie Ingwer oder Mango; es hat einen sehr bitteren Nachgeschmack.
Die unterirdischen Pflanzenteil werden in China als 莪朮 / 莪术 (é zhú) und in Japan unter dem Namen ガジュツ (gajutsu) als Arznei benutzt; in Deutschland wurde die Zitwerwurzel als Rhizoma Zedoariae 1926 ins DAB 6 als pflanzliches Arzneimittel aufgenommen. Eine Überprüfung durch die Expertenkommission für pflanzliche Arzneimittel des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte kam 1988 zu dem Ergebnis, dass eine Heilwirkung nicht wissenschaftlich ausreichend begründet sei; sie wurde deshalb als Negativmonographie in das DAB 10 ab 1991 nicht mehr aufgenommen. Dagegen ist die ebenfalls zum Pflanzengenus Curcuma gehörende Curcuma longa und Curcuma xanthorrhiza seit 1930 (Erg.B. 5) bzw. 1978 (DAB 8) im Deutschen Arzneibuch enthalten.
Das ätherische Öl wird bei der Parfum- und besonders in der Likörherstellung verwendet. Als Gewürz ist Zitwerwurzel heute jedoch nicht mehr bedeutsam: In Indien wird sie gelegentlich zum Einlegen von würzigen Pickles (Gemüse und Obst) und insbesondere in Indonesien auch für Currypasten verwendet. In Thailand werden die jungen Rhizome als sehr geschmackvolles Gemüse gegessen.
Verwechslungsgefahr: Die als Zitwerblüte bezeichnete Droge stammt nicht von Curcuma zedoaria, sondern vom Wurmsamen (Artemisia cina), einem giftigen russischen Beifußgewächs. Sie wurde früher, etwa in der Volksmedizin, auch als Wurmmittel verwendet (Volksname: Wurmsamen). Aus dieser Droge wird der wurmtötende Stoff Santonin gewonnen und in der evidenzbasierten Medizin als Wurmmittel angewandt. Aufgrund ihrer Giftigkeit sollte sie nur in Fertigpräparaten oder äußerlich angewendet werden. Im Mittelalter wurde der Zitwer„wurzelstock“ auch mit dem sogenannten „Deutschen Zitwer“ (Acorus calamus) verfälscht.
Trivialnamen Für die Zitwerwurzel bzw. die Wurzel der Zitwerwurzel (lateinisch zedoaria und rhizoma zedoariaeWouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 278.)Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 238 („Zeduaria – zytwan, zerumbet – Zeduarium - cedeuer (sc!) – Zedoar“). bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Cedewen, Citawar (althochdeutsch), Czitwar (mittelniederdeutsch), Czyddewar, Czytwar (mittelniederdeutsch), Czytwer (mittelniederdeutsch), Heydens Sedewer (mittelniederdeutsch), Seduar (mittelniederdeutsch), Seduer (mittelniederdeutsch), Seduwer (mittelniederdeutsch), Zedewar (mittelhochdeutsch), Zedewen (mittelhochdeutsch), Zedewer (mittelhochdeutsch), Zedoarwurzel, Zeduer, Zeitwan (mittelhochdeutsch), Zeyterwurzel (mittelhochdeutsch), Zitber (althochdeutsch), Zistwer (mittelhochdeutsch), Zitvar (althochdeutsch), Zitvarn (althochdeutsch), Zitwar (mittelhochdeutschBernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 404 (zitwar). und althochdeutsch), Zittewa (mittelhochdeutsch), Zitewar (mittelhochdeutsch), Zitwan (althochdeutsch), Zittwar (mittelhochdeutsch), Zitingeber (mittelhochdeutsch), Zydwein (mittelhochdeutsch), Zydwen (mittelhochdeutsch) und Zydwyn (mittelhochdeutsch).Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 122 (eingescannt).
Geschichte Quellen Arabisches Mittelalter: Avicenna 11. Jh.Avicenna, 11. Jh.: Kanon der Medizin. Übersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona, Arnaldus de Villanova und Andrea Alpago (1450–1521). Basel 1556, Band II, Kapitel 745: Zedoaria (Digitalisat); im Anschluss an Band V: De viribus cordis: Zedoaria (Digitalisat) --- Konstantin 11. Jh.Konstantin der Afrikaner, 11. Jh.: Liber de gradibus simplicium. Druck. Opera. Basel 1536, S. 374: Zedoar (Digitalisat) --- Circa instans 12. Jh.Circa instans 12. Jh. Druck. Venedig 1497, S. 211v: Zeduar (Digitalisat) --- Pseudo-Serapion 13. Jh.Pseudo-Serapion 13. Jh., Druck. Venedig 1497, Blatt (No CLXXII): Zedoaria (Digitalisat) Lateinisches Mittelalter: Pseudo-Macer 11. Jh.Pseudo-Macer. Edition: Ludwig Choulant. Macer floridus de virtutibus herbarum … Leipzig 1832, Kapitel 71 (S. 117): Zedoar (Digitalisat) --- Deutscher Macer 13. Jh.Deutscher Macer. Nach: Bernhard Schnell, William Crossgrove: Der deutsche Macer. Vulgatfassung. Niemeyer, Tübingen 2003, S. 376 (Kapitel 82). --- Cpg 226, Elsaß, 1459–1469, Blatt 204v: Cytwan (Digitalisat). Transkription: ( .lxxix. Cytwan ist gut genuczt wider die vergifft vnd das die nater gestichet ( Gessen stercket er den magen vnd macht gesund rüpßen ( Cytwan stetlich gessen vertribt er geswulst vnd des magen alte sucht ( Nuchtern gessen vnd die speichel lang in dem mund gehalten vnd das gancz verslünden vertribt die spülwurcz ( Cytwan gessen vertribt des knoblauch rauch in dem münd --- Hildegard von Bingen 12. Jh.Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868). S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem. Physica, Buch I, Kapitel 14: Zituar. Migne, Paris 1855. Sp. 1135 (Digitalisat) – Übersetzung: Herbert Reier: Hildegard von Bingen Physica. Nach der Textausgabe von J. P. Migne, Paris 1882 ins Deutsche übersetzt. Kiel 1980, S. 96: Zituar ist mäßig warm und hat in sich große Wirkungskraft. Ein Mensch, dessen Glieder zittern, soll es trinken, und wer schwach ist, schütte Zitwar in Wein, füge etwas weniger Galgan hinzu und koche dies mit mäßig viel Honig in dem Wein, und trinke diesen „wellich“ so warm, und das Zittern wird von ihm weichen, und er wird seine Kraft wiedererlangen. Wer viel Speichel und Schaum in sich hat, pulverisiere Zituar, binde das Pulver in ein Tuch, lege es mit hineingegossenem Wasser in ein kleines Gefäß, dass das Wasser seinen Geschmack annimmt und lasse es so in Wasser eine Nacht stehen, trinke es morgens oft nüchtern, und Speichel und Schaum werden weichen. Wem sehr der Kopf schmerzt, benetze mit demselben in ein Tuch gebundenen und mit Wasser befeuchteten Pulver Stirn und Schläfen, er wird sich bessern. Wessen Magen mit schlechten Speisen gefüllt und sehr beschwert ist, pulverisiere Zituar und bereite damit, mit mäßig viel Weizenmehl und Wasser, einen kleinen Kuchen und koche ihn in der Sonne oder im lauwarmen Ofen, tue das Küchlein in das Pulver und schlecke das Pulver oft morgens nüchtern, auch wenn er schlafen geht. --- Innsbrucker (Prüller) Kräuterbuch, 12. Jh.Innsbrucker (Prüller) Kräuterbuch, 12. Jh.: . Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Denkmäler deutscher Prosa des 11. und 12. Jahrhunderts. München 1914/16. Abteilung A: Text, S. 44–45 (Digitalisat); Abteilung B: Kommentar, S. 112–113 (Digitalisat) --- Konrad von Megenberg 14. Jh.Konrad von Megenberg, 14. Jh.: Buch der Natur. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Aue, Stuttgart 1861, S. 426 (V/87): Zitwar (Digitalisat) --- Galgant-Gewürz-Traktat 13. / 14. Jh.Galgant-Gewürz-Traktat 13. / 14. Jh. – Cpg 620 Nordbayern, um 1450, S. 78r (Digitalisat). Transkription: Zytber ist warm vnd hais vnd fäwcht von natur vnd wenn man es neusset so rainigtt es aller rotz von der prust vnd vertaut speys in dem magen - Cpg 226 Elsaß 1456–1469, S. 157r (Digitalisat). Transkription: von dem zÿtwen Zytwen ist heyß vnd trucken vnd hat die tugent wer sie frü ysset dem subert sie die flegma vnd die brust / vnd hat der mensch etwas vnverdaütes in dem magen / das dauwet der zÿtwan sere wol vnd fast - Cpg 558 Nordbayern, um 1470 – 1485, S. 78r (Digitalisat). Transkription: Cittwer ist haiß vnd feucht vnd ist allen frauen gut fur alle prechen vnd vertreibt alles das das der mag nit verdeuen mag vnd vertreibt alle ruczikait der prust vnd den posen geschmack dez mundes auch macht es keuschikait - Cpg 583 Südwestdeutschland, 1453–1483, S. 34r (Digitalisat). Transkription: Zittwar ist hiczig vnd trucken darvmb so bechümbt er wal den stucken dÿ hiczig vnd trucken sein Man sal czittwar nüchter essen das verczert dÿ vbrig speÿss in dem magen vnd hilfft der prust von dem vnflat vnd macht den menschen walgemuet vnd den mund walgesmach / vnd zuo welicher czeÿt man czittwar isset so hilft sy dem magen vnd hilft dem hiern vnd macht das frisch vnd ab man czittwar trinckt Das tött dÿ wüerm jm pauch Auch wer offt czyttwar isst der freÿet sich var aller gifft wan sy dem menschen bekümbt --- Gart der Gesundheit 1485Gart der Gesundheit. Mainz 1485, Kapitel 433: Zeduaria. Zytwan (Digitalisat) --- Hortus sanitatis 1491Hortus sanitatis 1491, Mainz 1491, Teil I, Kapitel 524: Zeduar (Digitalisat)