Langenfeld (Rheinland) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im Kreis Mettmann (Regierungsbezirk Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland). Mit Einwohnern (Stand ) ist sie nach Ratingen und Velbert die drittgrößte Stadt des Kreises.
Geografie Die Stadt Langenfeld liegt südöstlich von Düsseldorf, südlich von Hilden, westlich von Solingen und Leichlingen, nördlich von Leverkusen und östlich von Monheim am Rhein. Langenfeld wird von mehreren Bächen (etwa Viehbach, Blockbach und Galkhauser Bach) durchflossen, die ihr Wasser über den Langforter Bach dem Altrheinarm in Düsseldorf-Urdenbach zuführen. Das Stadtgebiet erstreckt sich auf den östlich des Rheins gelegenen Flussterrassen über etwa 42 Quadratkilometer, jedoch ohne direkten Zugang zum Rhein. Die Nord-Süd-Ausdehnung der Stadt beträgt etwa 7 km, die Ost-West-Achse etwa 6 km. Der tiefste Punkt mit etwa . liegt im Knipprather Wald an der Stadtgrenze zu Monheim am Rhein. Die höchste Erhebung ist der Wenzelnberg an der Stadtgrenze zu Solingen mit etwa .www.niederrhein.nrw.de/rheingraben (PDF; 219 kB)
Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|hochkant|Kirche St. Barbara
Die Vor- und Frühgeschichte der Stadt ist noch weitestgehend unbekannt. Ein germanisches Gräberfeld aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert auf dem Rosendahlsberg/Neuburger Hof (Langenfeld-Reusrath Süd/Stadtgrenze zu Leverkusen) lässt jedoch auf eine frühe Besiedlung schließen, selbst wenn die dazugehörende Siedlung noch nicht gefunden wurde.Rolf Müller: Stadtgeschichte Langenfeld Rheinland. Verlag Stadtarchiv Langenfeld, 1992. Ein weiteres Gräberfeld entdeckte man bei Bauarbeiten im Januar 2016 an der Düsseldorfer Str. / An der Landstr. in Berghausen. Hier wird das Alter auf 2500 Jahre geschätzt. Die dazugehörende Siedlung ist ebenso wenig bekannt, wird jedoch in der Nähe vermutet.Stephan Meisel: Sensationsfund auf der Baustelle. In: Rheinische Post. Ausgabe Langenfeld vom 30. Januar 2016.
Noch ältere Funde auf dem Rosendahlsberg (Steinabschläge für Klingen aus Feuerstein) konnten in die Altsteinzeit datiert werden. Sie werden heute im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Köln aufbewahrt. Mehrere Steinbeile aus Langenfeld-Feldhausen aus der jüngeren SteinzeitFritz Clees: 800 Jahre Feldhausen. Verlag Stadtarchiv Langenfeld. dürften überdies die Vermutung rechtfertigen, dass die rechte Rheinterrasse bereits seit frühester Menschheitsgeschichte besiedelt ist. Nicht unerwähnt bleiben soll nach Auffassung der Heimatforscher der Neandertaler, schließlich gehörten Erkrath und Langenfeld beide dem Kreis Mettmann an.Friedhelm Görgens: Langenfeld. Droste, Düsseldorf 1984.
Die Reste einer römischen Weiheglocke (überhaupt nur drei weitere aus der Antike bekannt) sowie u. a. weitere Scherbenfunde vom Rosendahlsberg konnten der Römerzeit zugewiesen werden. Aufsehen erregte zudem der Fund einer römischen Mercurius-Statuette 1976 an der Kirschstraße in Richrath. Mutmaßlich gab es also Handelsbeziehungen und Reiseverkehr über den Rhein hinweg in das Römische Reich.
Neuere Ausgrabungen an der St.-Martinus-Kirche in Langenfeld-Richrath ergaben, dass Orte mit der Endung -rath möglicherweise bereits Ende des achten Jahrhunderts, damit fast zweihundert Jahre früher als bisher angenommen, gegründet worden sein könnten.Thomas Becker: Neue Erkenntnisse zu St. Martin in Richrath. In: Niederwupper, Historische Beiträge. Heft 20, S. 36–39. Jedenfalls lässt dies der Fund eines Knochens eines an der Kirche Bestatteten zu, der von den Forschern mit Hilfe der Radio-Carbon-Methode exakt auf das Jahr 796 datiert wurde.Stephan Meisel: Schon im 8. Jahrhundert. In: Rheinische Post. Ausgabe Langenfeld vom 26. Juni 2004. Dieses Ergebnis bestätigen nach jüngeren Zeitungsmeldungen die Grabungen in Reusrath an der Kirchenwüstung St. Barbara.Stephan Meisel: Reusrath wohl älter als gedacht. In: Rheinische Post. Ausgabe Langenfeld vom 9. Mai 2008.Stephan Meisel: Schon im 8. Jahrhundert. In: Rheinische Post. Ausgabe Langenfeld vom 25. Oktober 2008. Hier wurde am Alten Markt unter anderem ein Baumsarg gefunden. Zudem wurde die erste St.-Barbara-Kirche offenbar in einem bereits früher existierenden Gräberfeld errichtet. Weitere Untersuchungen hierzu stehen aber noch aus. Im Jahre 2009 wurde der Fund von der Kirchenwüstung nach einer feierlichen Messe am „Alten Markt“ auf dem Friedhof St. Barbara endgültig begraben.
Der bei Ausschachtungsarbeiten am 16. April 1964 auf der Kölner Straße 50 gefundene Genagelte Schädel aus Langenfeld könnte forensischen Untersuchungen zufolge einer etwa 20-jährigen Frau gehört haben. Darauf lassen einerseits die Schädelform sowie andererseits der Beifund einer mit Goldfäden durchwebten Kopfbedeckung schließen, mutmaßlich orientalischen Ursprungs (wird noch untersucht). Genagelte Schädel (bekanntester ist der mutmaßliche des Klaus Störtebeker) sind selten und dienten der Abschreckung. Zu datieren sei der Fund mutmaßlich in die Zeit der Hexenverfolgungen, so der Forensiker in archäologischen Diensten, Peter Pieper, in seinem Vortrag im Februar 2008 (vgl. auch Müller.).
Nicht dokumentiert ist eine Pferdebestattung auf dem „Götscher Weg“ in Langenfeld-Richrath, die bei Ausschachtungsarbeiten für eine Kanalbaumaßnahme in den 1960er Jahren dort entdeckt worden sei, so alte Anwohner der Straße. Hinweise auf deren Bedeutung reichen von der Völkerwanderungszeit bis hin zum Tod des Anführers eines Vorauskommandos im Türkenkrieg von 1663/1664, von dem türkische Geschichtsbücher berichten würden. Allerdings gibt es zwei Überlieferungen (zitiert bei Görgens) zu der Geschichte, eine Sage aus Berghausen um den Weißenstein sowie eine weitere aus Rheinmülheim (Köln-Mülheim) um den Sieg des deutschen Kaisers über ein Heer aus dem Osten, die mit der Bestattung in Zusammenhang stehen könnten. Ebenso stehen noch Untersuchungen zu mutmaßlich frühmittelalterlichen Burgställen im Further Moor im Zusammenhang mit der Sage um das versunkene Schloss aus (Hapelrath), ebenfalls zu Bodenzeichnungen in den (so genannten: Leichlinger) Sandbergen.
Die Entwicklung zur Stadt mini|Kirchturm St. Martin
Auf dem heutigen Stadtgebiet bestanden seit dem 19. Jahrhundert die Gemeinden Reusrath und Richrath, die beide zur Bürgermeisterei Richrath im Landkreis Solingen gehörten.Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885 Zur Gemeinde Reusrath gehörten unter anderem Hausingen und Mehlbruch, zur Gemeinde Richrath Berghausen, Hucklenbruch, Immigrath und Wiescheid.
Reusrath und Richrath wurden am 1. April 1910 zur Gemeinde Richrath-Reusrath zusammengeschlossen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1910, S. 161 Seit 1929 gehörte Richrath-Reusrath zum Rhein-Wupper-Kreis. Am 11. November 1936 wurde Richrath-Reusrath in Langenfeld (Rhld.) umbenannt. Die Gemeinde erhielt 1948 die Stadtrechte.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1949, S. 40 Seit 1975 gehört Langenfeld infolge der Gebietsreform in NRW durch das Köln-Gesetz zum Kreis Mettmann.
Die erste urkundliche Erwähnung als „Langevelt“ findet sich in einer Urkunde des Jahres 1396. Die Bezeichnung „Das lange Feldt“ tauchte dann wieder in einer 1673 in Paris veröffentlichten Karte von Nicolas Sanson auf. Eine weitere von Johann Baptist Homann datiert um 1730.Uwe Schwarz: Köln und sein Umland in alten Karten, Emons Verlag 2005. Danach bezeichnete man offenbar ursprünglich mit dem „langen Feld“ das gesamte bäuerliche Siedlungsgebiet zwischen Itterbach im Norden und Wupper im Süden, zwischen Monheim im Westen und Bergischem Land im Osten.
Eine erste schriftliche Erwähnung aus der heutigen Stadt Langenfeld findet sich für Neurath (Voigtslach, Stadtgrenze Leverkusen) in einer Kaiserwerther Urkunde aus dem Jahre 904, während die urkundlich erwähnte Geschichte Richraths nur bis in das Jahr 1090, die von Reusrath bis in das Jahr 1281 zurück reicht. Die ursprünglich im Herzogtum Berg liegenden Dörfer wurden zudem ab etwa 1289 durch den Grafen von Jülich unter dem Namen „Kirchspiel Richrath“ geordnet. Die Verwaltung der späteren, von 1666 bis 1804 währenden Herrschaft Richrath, erfolgte zeitweise über die Bergische Freiheit Monheim am Rhein.von Galera: Langenfeld (Rhld.): Von der Markgrafschaft zur Stadt. Langenfeld 1963. Ältestes erhaltenes Bauwerk ist der romanische Turm der Kirche St. Martin in Richrath (erbaut um 1150).
mini|Postillon und Christel von der Post vor der Stadtgalerie in Langenfeld
Die Entwicklung der Stadt Langenfeld ist wesentlich mit durch die Lage an der alten Via Publica, der späteren Köln-Arnheimer Chaussee und heutigen B 8 geprägt. Über diese europäische Fernverkehrsstraße sowie die weitere überregionale Verbindung zwischen Hitdorfer Rheinhafen und dem Bergischen Land reisten viele Menschen und wurden Waren in alle Himmelsrichtungen verteilt. In logischer Konsequenz erhielt bereits am 8. Juni 1668 der Düsseldorfer Fuhrunternehmer Johann Maurenbrecher eine erste Konzession zur regelmäßigen „Postfuhr“ zwischen Köln und Düsseldorf. Im Jahre 1774 wurde eine erste Poststation der von den Thurn und Taxis betriebenen kaiserlichen Reichspost in Berghausen am Probsthof (Alt Langenfeld) eingerichtet, die zunächst bis 1788 dort betrieben wurde. Einer Rückverlegung der Station nach Opladen war wenig Glück beschieden, so dass dessen Posthalter am 25. September 1793 die Dienstentlassung zugestellt wurde. Ab dem 11. Oktober 1793 wurde die Station deshalb endgültig bis zur Einstellung des Postkutschenwesens wieder in Langenfeld und zwar am heutigen Berliner Platz (gegenüber Haus Wagner) eingerichtet. Für das Jahr 1844 sind dort 24 Postillone verbürgt, die jeweils vier gleichfarbene und damit insgesamt knapp 100 Pferde zum Auswechseln für die Postkutschen betreuten.
Dieser Teil der Geschichte spiegelt sich noch heute im Kopf des Stadtwappens (1939 verliehen) in Form des Posthorns wider. Relikte dieser Zeit sind auch die etwa 1,5 m hohen, quadratischen Steinstelen, auf denen die Reisezeiten per Postkutsche zu den Städten Köln, Düsseldorf und Solingen in Stunden angegeben sind. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn nahm jedoch die Bedeutung der Postkutschen wie auch der Pferdewechselstation in Langenfeld schließlich wieder ab. Eine letzte Fahrpost verließ Langenfeld im Jahre 1905. Dennoch erscheint vor dem Hintergrund der überregionalen Bedeutung der Posthalterei die Verlegung der „Landes-Reit- und Fahrschule Rheinland“ nach Langenfeld als eine logische Folge.
Heute wird die vergangene Postkutschentradition durch das „Traditionspaar der Stadt Langenfeld“ gewürdigt. Bei feierlichen Anlässen repräsentieren „Postillon und die Christel von der Post“ gemeinsam mit dem Bürgermeister die Stadt Langenfeld. Das Paar wird hierbei häufig von der Kutschergarde in historischen Postuniformen der damaligen deutschen Länder sowie der Kaiserzeit begleitet. Eine Bronzeabbildung des Traditionspaares findet sich vor dem Haupteingang der „Stadtgalerie“.
Massaker in der Wenzelnbergschlucht
In der Wenzelnbergschlucht auf dem Langenfelder Stadtgebiet wurden am 13. April 1945 im Zuge von Kriegsendphasenverbrechen 71 Insassen aus dem Zuchthaus Lüttringhausen von Gestapo-Leuten hingerichtet. Die Leichen wurden nach dem Krieg von 25 bekannten Nationalsozialisten unter Aufsicht amerikanischer Besatzungssoldaten, angeführt von einem 19-jährigen Funker, exhumiert und später vor dem Rathaus in Solingen-Ohligs bestattet. Im Jahre 1965 wurden die Opfer an das Mahnmal Wenzelnberg umgebettet, wo jährlich eine Gedenkveranstaltung stattfindet.
Während der Europäischen Flüchtlingskrise in den 2010er-Jahren