mini|hochkant=1.6|Tierpark Sababurg: Lageplan Der Tierpark Sababurg ist ein Wildpark an der Sababurg (früher auch Zapfenburg genannt) im Reinhardswald im nordhessischen Landkreis Kassel. Er wurde 1571 als Tiergarten (Thiergarten an der Zapfenburg) angelegt und ist seit 1973 als Tierpark Sababurg bekannt. Mit rund 130 ha Fläche zählt er zu den größten und ältesten Wildparks in Europa. Lange Eichenalleen durchziehen den Park, an den westlich der Urwald Sababurg grenzt. Der Park beherbergt auch vom Aussterben bedrohte heimische Tierarten; eine artgerechte Haltung wird durch großzügig angelegte Freigehege angestrebt.
Geographische Lage Der Tierpark Sababurg liegt, zum Hofgeismarer Stadtteil Beberbeck gehörend, im Kernbereich des Reinhardswaldes, zwischen dem etwa 4 km westsüdwestlich liegenden Beberbeck und dem rund 4,5 km nordnordwestlich gelegenen Gottsbüren, einem Ortsteil von Trendelburg. Er breitet sich direkt unterhalb der auf einer Basaltkuppe stehenden Sababurg aus und befindet sich etwa zwischen (am Eingangsbereich im Norden) und (nahe dem Kasseler Tor im Süden). Durch die östlichen und nördlichen Parkbereiche fließt etwa in Südost-Nordwest-Richtung der Donnebach, ein kleiner, rechtsseitiger Zufluss der Holzape. Westlich an den Park grenzt der zum gemeindefreien Gebiet Gutsbezirk Reinhardswald gehörende Urwald Sababurg.
Geschichte – 1571 bis 1973 mini|Kupferstich Sababurg 1598 von Wilhelm Dilich; zu erkennen ist die Mauer, die das Jagdgatter des Tiergartens umgibt Die ab 1334 als Zappenburg errichtete Sababurg erlebte ab 1490 durch Landgraf Wilhelm I. (1466–1515) einen Um- und Ausbau zum Renaissance-Jagdschloss mit Gestüt. Unterhalb der nun „Zapfenburg“ genannten Burg entstanden in den folgenden 70 Jahren ausgedehnte Pferdekoppeln und Weideflächen. Der stark an Naturwissenschaften interessierte Landgraf Wilhelm IV. (1532–1592) ließ zwischen 1567 und 1571 das Gelände mit einer fünf Kilometer langen und drei Meter hohen Mauer aus Bruchsteinen einfrieden. Für Jagd und Forschung wurde ein Teil des Areals unter anderem mit Auerochsen (heute ausgestorben), Damwild, weißen Rothirschen, Gämsen, Elchen und Rentieren bestückt. So entstand neben den Koppeln für die Gestütspferde der für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Thiergarten an der Zapfenburg, der erste seiner Art in Europa.
1724 ließ Landgraf Carl von Hessen (1654–1730) das Pferdegestüt nach Beberbeck verlegen. Teile des Tierparks wurden weiterhin als Weideflächen benutzt, während die Wildgatter einen starken Baumbewuchs aufwiesen.
Nach der Besetzung durch französische Soldaten von 1760 bis 1763 während des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763) wurde die Sababurg nur noch als Forsthaus benutzt und verfiel zusehends. Unter Landgraf Friedrich II. (1720–1785) wurde der Park um 1770, dem barocken Zeitgeist entsprechend, so umgestaltet, dass er für die Parforcejagd geeignet war. Man legte ein Rondell an, auf das von der Umfassungsmauer aus sternförmig sechs Schneisen zuliefen, die noch heute als Eichenalleen zu erkennen sind. Bei dieser Umgestaltung verlegte man die fast gerade von Holzhausen zur Sababurg verlaufende Allee auf einen Weg außerhalb des Tierparks. Zu dieser Zeit war der Tierpark aber eigentlich schon keiner mehr, weil die hessischen Landgrafen zum Ende des 18. Jahrhunderts das Interesse an ihm verloren hatten. Die meisten Bäume wurden abgeholzt und die Wildgatter entfernt, um mehr Weidefläche für die Beberbecker Pferdezucht zu erhalten.
Bis 1928 wurden in Beberbeck Pferde gezüchtet und der Tierpark Sababurg ausschließlich als Weide genutzt, danach als landwirtschaftliche Nutzfläche für die preußische Staatsdomäne Beberbeck. Nach 1945 gab es verstärkt Bemühungen, den Tierpark als solchen wieder zu beleben. Einsetzender Tourismus rund um die Sababurg, deren Ruine ab 1959 zum Hotel-Restaurant der gehobenen Kategorie umgebaut wurde, und die zu Zeiten des Hessischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn (1901–1976) im Reinhardswald eingeführten Diplomatenjagden förderten öffentliches und politisches Interesse an einer Reaktivierung. Wesentlichen Anteil an der konzeptionellen Gestaltung und am Neuaufbau des Tierparks hatte der Zoologe Hans Georg Picker. Unter seiner Leitung und der Trägerschaft des Kreises konnte 1973 der Tierpark neu eröffnet werden.
Geschichte – seit 1973 Konzept mini|Wüstenbussard in der Greifvogelstation des Tierparks mini|Rotwild im Tierpark mini|Humboldt-Pinguin im Tierpark mini|Wisent im Tierpark mini|Heckrind im Tierpark mini|Weißer Damhirsch im Tierpark mini|Wolf im Tierpark mini|Luchs im Tierpark mini|Keiler im Tierpark mini|Heckpferd im Tierpark mini|Exmoor-Pony im Tierpark mini|Przewalski-Pferd im Tierpark mini|Pickers Hof (Schulbauernhof) mini|Dybowskihirsch im Tierpark Grundsätzlich behielt man die alte, noch bestehende Tierparkmauer als Außengrenze des neuen Wildparks bei. Sie wurde auf ganzer Länge restauriert und lediglich an der Südwestflanke für einen zusätzlichen Außenbereich durchbrochen. Der Eingang befindet sich in der Nordwestecke des Areals, unmittelbar neben dem großen Parkplatz.
Die Aufteilung des Tierparks und die Wegführung entsprechen großteils der letzten barocken Anlage. Das Rondell im südlichen Drittel des Parks bildet wieder seinen Mittelpunkt, von dem sechs mit Eichen bestandene Alleen zur Außenmauer führen. Zwei weitere Alleen befinden sich im ersten Drittel hinter dem Eingang, sodass der Park fast symmetrisch streng in acht Bereiche aufgeteilt ist. Sechs davon sind teilweise bewaldete, 10 bis 20 Hektar große Wildwiesen.
Am Rondell und entlang der südwestlichen Mauer befinden sich Volieren. Zu den angelegten Wasserflächen gehören zwei größere Teiche, eine verzweigte Kleinteichanlage für Fischotter sowie je ein Becken für Pinguine und Waschbären. Am Hang des Burgbergs wurde eine Greifvogelstation eingerichtet.
Zur Infrastruktur des Tierparks gehören neben den Anlagen zur Tierhaltung und Tierzucht auch ein Streichelzoo und Spielplätze, ein Tierparkmuseum, eine Kultur- und Kirchenscheune, der Schulbauernhof Pickers Hof und ein Gasthaus.
Das heutige Konzept für den Tierpark beinhaltet drei Themenschwerpunkte: Urwildpark: Neben einigen vom Aussterben bedrohten, heimischen Wildtierarten werden auch Nutztierrassen, denen man eine gewisse Ähnlichkeit zu ihren ausgerotteten Vorfahren zuspricht, etwa das Heckrind, gehalten. Um an den geschichtlichen Werdegang zu erinnern, werden verschiedene Hirscharten wie zu Zeiten der Landgrafen gehalten. Zum Urwildpark gehören folgende Arten: Eurasischer Fischotter (Lutra lutra) Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) Europäischer Damhirsch (Dama dama) Dybowski-Hirsch (Cervus nippon hortulorum) Europäischer Rothirsch (Cervus elaphus elaphus) Maralhirsch (Asiatischer Rothirsch) (Cervus elaphus sibiricus) Wapiti (Nordamerikanischer Rothirsch) (Cervus canadensis nelsoni) Exmoor-Pony (Equus caballus) Przewalski-Pferd (Tachi) (Equus przewalskii) Heckpferd Heckrind Mufflon (Europäisches Wildschaf) (Ovis ammon musimon) Eurasischer Luchs (Lynx lynx) Rentier (Karibu) (Rangifer tarandus) Vielfraß (Järv, Bärenmarder) (Gulo gulo) Westkaukasischer Steinbock (Tur) (Capra caucasica) Wisent (Bison bonasus) Wildschwein (Sus scrofa) Wolf (Canis lupus) Archepark: Alte Haus- und Nutztierrassen sind häufig für unsere Landwirtschaft wirtschaftlich unbedeutend geworden und drohen auszusterben. Ihrer Aufzucht und Haltung wird besondere Bedeutung zugemessen. Kinderzoo: Vor allem junge Besucher sollen den Tieren hautnah begegnen können. Hierzu wurden verschiedene Streicheltieranlagen eingerichtet. Die hier auch gehaltenen, exotischen Arten wie Humboldt-Pinguine, tasmanische Bennett-Wallabys (Kängurus), Wellensittiche, Kattas und Erdmännchen weichen zwar vom Grundkonzept des Tierparks ab, sind aber bei den Besuchern sehr beliebt.
Tierbestand Früher in allen Zonen Europas und Asiens vorkommend, galt der Wisent (Europäischer Bison) zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa als ausgerottet. Neben anderen zoologischen Einrichtungen beteiligt sich auch der Tierpark Sababurg daran, diese Art vor dem Aussterben zu bewahren.
Gehalten wird auch das Resultat der Abbildzüchtungs-Versuche der Gebrüder Heck, das Heckpferd und Heckrind. Neben einer Herde Heckpferde beherbergt der Tierpark das aus der asiatischen Steppe stammende, vom Aussterben bedrohte Przewalski-Pferd und das Exmoor-Pony aus Mooren von Südwestengland.
Zu den in Europa und Asien heimischen Hirscharten im Tierpark gehören Dybowski-Hirsche, Maralhirsche und Wapiti-Hirsche und auch Damhirsche und Rothirsche (beide auch in weißen Farbvarianten) sowie das Rentier, das außerhalb seiner nordischen Heimat nur schwer zu halten und auf spezielle Nahrung angewiesen ist. Dies erfuhr bereits der Tierparkgründer Landgraf Wilhelm IV., als seine mit dem Schiff aus Lappland in den Reinhardswald transportierte Rentierherde stark dezimiert eintraf und der Rest nur wenige Wochen überlebte. Beim zweiten Versuch wurde die Herde von Anfang an von einer erfahrenen Samin betreut, die dann zusammen mit ihren Rentieren im Tierpark lebte. Als das letzte Rentier verstarb, verschwand auch die junge Samin. Als Erinnerung an ihr Schicksal befindet sich am Rondell eine Skulptur der Samin mit entsprechender Inschrift. Im Jahr 2013 wurde eine vier Tiere umfassende Gruppe Elche in einem 53.000 m² großen Gehege angesiedelt.
Der Bestand an heimischen Wildtieren wird ergänzt durch ein Rudel Wölfe, Luchse, Vielfraße, Fischotter, Wildschweine, Westkaukasische Steinböcke und Mufflons. Zu den im Tierpark gehaltenen Haustieren gehören Esel, ostpreußische Skudden und Thüringer Waldziegen genauso wie Rotes Höhenvieh, Deutsches Sattelschwein, Leinegans und Deutsche Pekingente.
Auf Grund der im Jahr 2025 aufgetretenen Afrikanischen Schweinepest musste der Tierpark vorsorglich alle Haus- und Wildschweine töten.
Greifvogelstation Am Burgberg direkt unterhalb der Sababurg an der höchsten Stelle des Tierparks befindet sich terrassenförmig angelegt die Greifvogelanlage. Zwischen 1. März und 30. November (Montags Ruhetags), können hier verschiedene Greifvögel besichtigt werden. Sie werden auch von einem Falkner im Rahmen von Flugvorführungen vorgestellt. Zum Bestand der Anlage gehören unter anderem Seeadler, Schreiseeadler, Steppenadler, Mäusebussard, Rotmilan, Würgfalke, Wanderfalke, Wüstenbussard, Weißkopfseeadler, Uhu und Schneeeule. Die meisten Vögel sind Leihgaben der Greifvogelstation Hellenthal.
Pickers Hof Der geistige Vater des Tierparks, Zoologe Hans Georg Picker, hatte bereits 1985 einen Haustiergarten verwirklicht, um bedrohte alte Rassen zu zeigen. 2006 erhielt der Tierpark Sababurg den ersten Bauabschnitt eines Schulbauernhofs: Pickers Hof.
Es entstand mit einem finanziellen Aufwand des Landes Hessen in Höhe von 341.000 Euro und 181.000 Euro aus EU-Mitteln eine Hofanlage mit Stallgebäude, Volieren und Auslaufbereichen für Kleintiere. Ein Multifunktionsgebäude mit Küche, Gruppenraum und Getreidelager gehört ebenso zum Hof, bei dessen Bau traditionelle Handwerkstechniken eingesetzt wurden. Beheizt wird der Hof durch eine Pelletheizung. Die Stromversorgung geschieht durch eine Photovoltaikanlage.
Rinder, Schweine, Ziegen, Schafe, Enten und Gänse leben im Schulbauernhof, auf dem praktisch gezeigt wird, wie auf einem Bauernhof gearbeitet und gelebt wird. Um dies zu verdeutlichen, wurden alte Nutztierarten für den Tierpark angeschafft wie Rotes Höhenvieh, Leineschaf, Thüringer Waldziege und Deutsches Sattelschwein. Neben dem Lachshuhn und dem Vorwerkhuhn werden noch die Deutsche Pekingente und die Leinegans auf dem Hof gehalten.
Museum