Das At-Zeichen oder kurz At [] ( „bei“) ist das Schriftzeichen @. Umgangssprachliche Bezeichnungen sind Affenschwanz, Affenohr, Affenschaukel oder Klammeraffe, in Deutschland (DIN 5008) heißt es auch Adresszeichen.DIN 5008:2020-03

Das At-Zeichen ist grundlegender Bestandteil von E-Mail-Adressen, es steht dort zwischen Benutzername und Domain. Außerdem wird es als Symbol für das Internet genutzt, zum Beispiel auf Wegweisern zu Internetcafés.

Geschichte Ähnliche Zeichen in Mittelalter und Neuzeit bis zum 18. Jahrhundert Ähnliche Zeichen lassen sich seit dem Mittelalter nachweisen. Es ist jedoch umstritten, inwieweit die modernen Verwendungen des Zeichens sich darauf zurückführen lassen, oder ob dies unabhängige Entwicklungen ähnlicher Zeichen sind.

Zwei solcher Verwendungen werden im Mittelalter angesiedelt: entweder die Entstehung als handschriftliche Verschmelzung (Ligatur) der Buchstaben a und d des lateinischen Wortes ad (deutsch: zu, an, bei) oder als Abkürzungszeichen. So soll es im Italien des 16. Jahrhunderts als Hohlmaßeinheit genutzt worden sein.Annette Kögel: Jung und schon Museum. In: Der Tagesspiegel online, 16. Juni 2010; abgerufen am 28. Juni 2010. Wortgleich: Das @ ist museumsreif. Zeit online, 17. Juni 2010

Die schlüssigste Theorie für einen tatsächlichen Vorgänger des Zeichens ist, dass die Mauren das Zeichen als Maßeinheit auf die Iberische Halbinsel brachten, was heute noch auf aus dieser Zeit stammenden Wein- und Olivenfässern zu sehen ist. In der Folge nutzten es spanische, portugiesische und dann auch französische Kaufleute, die mit Stieren und Wein handelten, als ein Maß für Festes und Flüssiges namens arroba, etwa zehn Kilogramm (25 Libras) oder 15 Liter. Das Wort ist arabisch, bedeutet „das Viertel“. Die Einheit arroba(s) wurde mit dem Zeichen @ dargestellt. Der Name arroba für das @ hat sich seither in Spanien, Frankreich, Portugal und Brasilien erhalten.

In einem Mennoniten-Verzeichnis der Stadt Danzig aus den 1660er Jahren wurde das @ als Kürzel für „anno“ (lateinisch „im Jahr“) verwendet.

In den Akten des Reichskammergerichts aus dem 18. Jahrhundert wurde das @ mit der Bedeutung gegen (lateinisch: contra; kontrahiert zu ca) benutzt, beispielsweise Maier @ Müller.

19. Jahrhundert mini|klasse=skin-invert-image|Mögliche Entstehung des Zeichens:aus dem französischen à Im angloamerikanischen Bereich hat sich das Zeichen möglicherweise aus französisch à mit der noch heutigen kaufmännischen Bedeutung entwickelt, wie 2 Stück à 500 Gramm (= zu je 500 Gramm). Das in der Schreibung des Englischen nicht vorkommende à war möglicherweise Händlern mit Beziehungen zu Frankreich geläufig und wurde letztendlich zur für Französischunkundige deutlicheren Form @ modifiziert.Dieter E. Zimmer: @, der Klammeraffe (PDF; 200 kB). In: Die Bibliothek der Zukunft (Abhandlung über die Geschichte des @) Es ist seit 1880 auf US-amerikanischen Schreibmaschinen nachgewiesen. Als kaufmännisches Zeichen wurde es seinerzeit commercial a genannt. Aus Preisangaben wie 5 apples @ 10 p ergibt sich die Bedeutung: five apples at 10 pence each („5 Äpfel zu je 10 Pence“).

20. Jahrhundert und Gegenwart Das Fieldata-Computerprojekt des US Army Signal Corps aus den 1950er Jahren verwendete einen Zeichensatz, welcher auch der ursprüngliche Zeichensatz der Computer der Serie 1100 von Univac war und der großen Einfluss auf den späteren ASCII-Zeichensatz haben sollte. Hier wurde dieses Zeichen als Master Space (MS) bezeichnet und diente zur Einleitung von Steueranweisungen.

Bei der Erfindung der E-Mail 1971 wurde nach einem noch ungenutzten Zeichen im Schriftsatz amerikanischer Fernschreiber (ASCII) gesucht, das zwischen Benutzer- und Rechnername gesetzt wird und die beiden Namen eindeutig trennen sollte. Dabei stieß Ray Tomlinson auf das @ und benutzte es als Symbol für at in E-Mail-Adressen. Die Benennung at (= „bei“) passte auch deshalb, weil der Benutzername vor dem @ eine Person und die Domain hinter dem @ ursprünglich meist den Großrechner des Betriebs oder Instituts bezeichnete, bei dem die Person arbeitete.A. Rawsthorn: Why @ Is Held in Such High Design Esteem. In: The New York Times. 21. März 2010.

Im Englischen wird durchgängig die Aussprache des Wortes „at“ benutzt (wie in I’m at home), also []; das Zeichen heißt dort heute at sign oder commercial at. Der Name wird im Deutschen in der Regel in der Aussprache angepasst und [] („Ätt“) ausgesprochen.

Seit Anfang 2004 ist das At-Zeichen offizieller Bestandteil des Morsecodes: ·−−·−· (Eingabe wie A, gefolgt ohne Pause von C).Update für das Morse-Alphabet. heise online, 18. April 2004.

Am 22. März 2010 gab das New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) bekannt, dass das Zeichen @ in den Bestand des Museums aufgenommen wurde.

Typografie und Aussehen Das Zeichen besteht aus einer zumeist geschlossenen („einstöckigen“) Form des kleingeschriebenen lateinischen „a“, zumeist auch in geradem („normalem“) Schriftschnitt rechtsgeneigt ähnlich einer kursiven Form mit einem am Auslauf rechts unten ansetzenden, die gesamte a-Form linksläufig in zumeist etwa gleichmäßigem Abstand umlaufenden und nahe dem Anschlusspunkt frei (in Serifenschriften zumeist in einem spitzen Auslauf) endenden Bogen („Affenschwanz“). Die Höhe und Lage der a-Form kann dem Kleinbuchstaben „a“ entsprechen (also von der Grundlinie bis zur x-Linie reichen), häufig ist die a-Form aber auch kleiner und liegt dann zwischen den genannten Linien. Der Bogen ragt in jedem Fall unter die Grundlinie und über die x-Linie, muss aber nicht unten die p-Linie oder oben die H-Linie erreichen.

Im kursiven Schriftschnitt kann, sofern die a-Form (wie zumeist) schon in geradem Schriftschnitt kursiv erscheint, die gleiche Glyphe wie bei geradem Schriftschnitt verwendet werden. In einigen Schriftarten ist hier bei unveränderter a-Form die Rundungsachse des umschließenden Bogens schräggestellt. mini|links|hochkant=3.3|klasse=skin-invert-image|a, At-Zeichen und (soweit vorhanden) kleines lateinisches Alpha in den Schriftarten    Arial, Times New Roman, Cambria, Linux Libertine,    Adobe Garamond, Andron Mega Corpus, Consolas, Breitkopf-FrakturIn der zweiten Zeile kursiv in denselben Schriftarten

Weitere Verwendungen

Ansprache einzelner Personen im Schriftverkehr Laut DIN 5008 kann das Adresszeichen in an mehrere bekannte Personen gerichteten Texten zur Vereinfachung der Ansprache einzelner Personen verwendet werden. Dabei steht das Zeichen am Zeilenanfang, gefolgt von Leerzeichen, Name und Doppelpunkt; diese Zeichenfolge kann durch Fettschrift hervorgehoben werden.DIN 5008:2020-03, Abschnitt 22 „Elektronischer Schriftverkehr“, Unterabschnitt 22.8 „Layout und Text“

Benutzer-Identifikation im Mikroblogging In Mikroblogging-Texten (z. B. Twitter-Nachrichten) wird das Adresszeichen einem Benutzernamen direkt (ohne Leerzeichen) vorangestellt, beispielsweise wenn man den Text als speziell für den genannten Benutzer bedeutsam ansieht, oder wenn man sich auf Handlungen oder Texte dieses Benutzers bezieht.

mini|At-Zeichen als Symbol für Internet-Dienstleistungen auf einem Laden­schild in Brüssel (2017)

Symbol für das Internet Im englischen Sprachraum war das Zeichen schon lange vor dem Aufkommen des E-Mail-Verkehrs in Gebrauch, daher wird es dort nicht als spezifisch mit dem Internet verbundenes Symbol angesehen. Diese symbolische Assoziation ergibt sich in nicht-englischsprachigen Ländern daraus, dass das Zeichen in diesen Ländern vor dem Aufkommen des Internets höchstens Programmierern und Heimcomputer-Nutzern geläufig war, aber im Schriftverkehr keine Rolle spielte.

Zeichen für das Wort bei Das Zeichen @ wird gelegentlich auch in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, in Datenblättern von elektronischen Bauteilen und in sonstigen Texten zur verkürzten Schreibweise von englisch at oder deutsch bei verwendet. Beispiel: d = 1,000 g/ml @ 4 °C, 1015 mbar – die Dichte von Wasser bei einer bestimmten Temperatur und einem bestimmten Druck

In chemischen Formeln wird das Zeichen @ für endohedrale Komplexe verwendet, bei denen ein Teilchen in einem anderen Teilchen eingeschlossen ist. Beispielsweise ist in He@C60 ein Heliumatom in einem kugelförmigen Molekül aus Kohlenstoffatomen gefangen.

Auch im US-Sport wird das @ gelegentlich eingesetzt, um das at zu ersetzen. Die Heimmannschaft wird hier als zweites genannt. Beispiel: Arizona Cardinals @ Seattle Seahawks

Programmiersprachen In älteren Programmiersprachen (zum Beispiel in einigen Dialekten von BASIC oder im Datenbanksystem dBASE) wurde @ manchmal auch als Operator für Positionsangaben verwendet, der nur in manchen Dialekten vorhandene BASIC-Befehl PRINT @ 12,10,"HALLO" stellt zum Beispiel das Wort HALLO in der 10. Zeile und ab der 12. Spalte des Bildschirms dar.

In einigen Programmiersprachen, beispielsweise in der Entwicklungsumgebung Delphi verwendeten Variante von Object Pascal, wird mit @ die Speicheradresse einer Variable ermittelt. var p: Pointer; d: Double; begin p := @d; end; ermittelt zum Beispiel die Adresse der Gleitkommavariable d und speichert sie in der Zeigervariablen p.

In der Programmiersprache PHP wird @ als Fehlerkontrolloperator vor einem Funktionsaufruf notiert, um Fehlermeldungen der aufgerufenen Funktion zu unterdrücken.Fehler-Kontroll-Operatoren. PHP Handbuch

In der Programmiersprache Forth bezeichnet @ den „Fetch“-Operator, der den Inhalt einer Speicheradresse auf den Stack legt. Der dazugehörige Speicheroperator „Store“ wird mit „!“ bezeichnet, so drückt man beispielsweise C = A + B durch A @ B @ + C ! aus.

In Objective-C leitet das @ das Literal eines String-Objectes ein, beispielsweise @"Simon sagt". Ebenso sind dort (gegenüber C) neue Schlüsselwörter mit einem voranstehenden @ gekennzeichnet (zum Beispiel @interface, @synchronized etc.).

In Haskell ist das @ (gelesen as, englisch für als) ein Schlüsselwort, um dem gesamten Wert eines Pattern-Matchings einen Bezeichner zuzuordnen. Beispielsweise bezeichnet im Ausdruck list@(x:xs), der eine nicht-leere Liste matcht, der Name list die gesamte Liste, während x das erste Element und xs die Restliste bezeichnet; list entspricht also x:xs. Ein solches Pattern wird als as-pattern bezeichnet.

In Julia wird das @ als Präfix für Makros verwendet, beispielsweise @time.

In Java beginnen Annotations mit einem @, z. B. @Override.

In Python werden Decorators mit einem @ eingeleitet, z. B. @property.

In der Standard-Kommandosprache DCL des Betriebssystems OpenVMS wird das @-Zeichen zum Starten von Kommandoprozeduren benutzt.

Firmennamen mini|At-Zeichen als Ersatz für den Buchstaben „a“ in den Wörtern „Spätk@uf“ und „Internet C@fé“, Berlin 2021      20px|verweis=Wikipedia:Hinweis Rechtsthemen|Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

In Deutschland war die Zulässigkeit des At-Zeichens und anderer Sonderzeichen, die nicht (wie z. B. das Kaufmanns-Und „&“) Bestandteil der deutschen Rechtschreibung sind, in im Handelsregister einzutragenden Firmennamen zunächst umstritten, kann aber mindestens seit 2009 als prinzipiell möglich gesehen werden. Noch um das Jahr 2000 herum wurde dies regelmäßig abgelehnt, beispielsweise in einem Beschluss des Oberlandesgerichtes Braunschweig vom 27. November 2000 (Az. 2 W 270/00, „met@box“), oder in einem Urteil des Landgerichts München I vom 3. April 2001 (Az. 17 HTK 24115/00, „D @ B“). Bereits 2004 ließ das Landgericht Berlin dies jedoch zu (Az. 102 T 122/03, „T@S GmbH“), mit Beschluss vom 12. Februar 2009 (Az. 17 HKT 920/09, „@p oHG“) auch das Landgericht München I. In der letztgenannten Entscheidung wurde als wesentlich herausgestellt, dass das „@“ als das englische Wort „at“ aussprechbar ist und somit der Aussprechbarkeit des Firmennamens nicht im Wege steht. Eine Verwendung des „@“ als eine modische Schreibweise des Buchstabens „a“ sei hingegen nicht im Handelsregister eintragungsfähig.