Die katholische Filialkirche St. Viktor ist das Wahrzeichen des Dorfes Hochkirchen, eines Ortsteils von Nörvenich. Sie untersteht heute der St.-Josefs-Pfarre Nörvenich im Kreis Düren. St. Viktor wurde im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, hat ihren Ursprung aber in fränkischer Zeit um das Jahr 850.Hans Peter Schiffer, St. Viktor in Hochkirchen: „Kirchen und Kapellen, Kreuze und Bildstöcke in der Gemeinde Nörvenich“, S. 93 bis 113 Die ehemalige Pfarrkirche des Kirchspiels Hochkirchen ist heute eine Filialkirche der Pfarre St. Josef Nörvenich. Sie wird von vielen Einwohnern aus der Umgegend besucht, weil das Kirchengebäude schon von Weitem sichtbar ist. Es gibt über sie wenig schriftliche Unterlagen.
Lage mini|Lageplan Hochkirchen Kirche 1895 mini|Stützmauer der westlichen Kirchhofsmauer an St. Viktor mini|Grundriss Heinrich Wiethase Unterhalb der Kirche fließt westlich von Süden nach Norden der Neffelbach, und unweit führt die Bundesstraße 477 vorbei, deren Verlauf mit der römischen Heerstraße von Neuss nach Zülpich identisch ist. Der Lageplan aus dem Jahre 1895 zeigt die damalige Lage der Kirche neben dem Steinfelderhof.
Die mit dem Kirchturm etwa 38 m hohe geostete Kirche, die auf einem hoch ansteigenden Bachufer am nordwestlichen Ortsrand steht, überragt den auf 113 Meter über NHN liegenden Ort weithin sichtbar. Reste des alten aufgelassenen Kirchhofs umgeben die Kirche bis auf ihre Nordseite. Dort stehen die Backsteinbauten des ehemaligen, im Jahr 1902 erbauten Pfarrhauses und eines in der heutigen Form aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäudes des Steinfelderhofes. Von der historischen Friedhofsanlage sind noch 109 Grabmale, überwiegend als Grabkreuze, vorhanden. Das älteste Grabkreuz wurde zum Gedächtnis an Johann Hoch aus Eggersheim im Jahr 1586 aufgestellt. Das Kirchengelände ist von einer Sandsteinmauer umschlossen, die mit einer Backsteinrollschicht abgedeckt ist. Das schmiedeeiserne Tor an der Nordostseite der Kirche ist zugleich Eingang und Zufahrt für die Kirchenbesucher und die Anlieger im ehemaligen Zehnthaus.Bei Clemen findet der Begriff „Stadelhaus“ Verwendung Die Zufahrt benutzen auch die Mieter des ehemaligen Pfarrhauses.
Geschichte Grabungen und Befunde mini|Grabungsfunde in rekonstruierter Anordnung: Reste von Wandmalereien Das Bonner Landesamt für Denkmalpflege führte 1980/81 unter Leitung von Wilfried Maria Koch archäologische Grabungen in Hochkirchen durch.Architektur und Kunst im Abendland - Festschrift zur Vollendung des 65. Lebensjahres von Günter Urban, herausgegeben von Michael Jansen und Klaus Winands, Rom 1992, S. 233–243 Aufgrund der Auswertung der Befunde stand im Bereich des heutigen Kirchturmes sowie des ehemaligen Pfarrhauses und auf einem Teil des alten Kirchhofs ein großes römisches Landhaus, eine sogenannte villa rustica. Diese Anlage, wohl typischerweise Haupthaus und Nebengebäude (zumeist im geschlossenen Viereck), soll im 4. Jahrhundert erweitert worden und aufwändig ausgestattet gewesen sein. Nach den bei den Grabungen geborgenen Artefakten zu urteilen, handelte es sich um ein Gebäude mit luxuriösem Marmorfußboden und Wandmalereien als Verzierung. Es gab Anzeichen, dass es im 5. Jahrhundert seiner Wertgegenstände beraubt und, von einigen Autoren als Anzeichen einer Brandschatzung gewertet, vieles vernichtet wurde. Die Schäden waren derart groß, dass ein Wiederaufbau unterblieb und die Ruine verfiel.Karl Heinz Türk unter Verweis auf: Wilfried Maria Koch, „Zur Siedlungskontinuität in der Voreifel am Beispiel der Kirchengrabung in St. Viktor Hochkirchen“
Durch Grabungen auf dem Gelände des alten Kirchhofs und die Entdeckungen unter der Kirche konnte eindeutig festgestellt werden, dass das ummauerte Areal der Standort eines römischen Landhauses war. Auch die bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert dokumentierten Forschungsergebnisse fanden nicht nur ihre Bestätigung, sondern sie wurden aufgrund des Fortschritts der wissenschaftlich-archäologischen Untersuchungsmöglichkeiten präzisiert und damit umfassender und aussagekräftiger.
Damals dokumentierte der Archäologe und Historiker August Schoop die entdeckte römische Ansiedlung und wies in der Südwand des Langhauses Fragmente eines Matronensteins nach. In den 1980er Jahren konnten römische Materialien geborgen werden, wie sie auch an der Kapelle St. Petrus in Poll nachgewiesen wurden. Bei dem Bau des Pfarrhauses im Jahr 1902 wurden im Nordwesten der Anlage Reste eines Hypokaustums erkannt und südlich der Kirche wurde römischer Marmorfußboden freigelegt.Edmund Renard und Paul Hartmann in Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, S. 1 bis 10 zur Geschichte des Kreises Düren und Seiten 168 bis 171 zur Geschichte des Ortes und seiner Kirche Verblieben sind der Kirchengemeinde nur einige kleinere Keramiken, die an der Nordwand im flachen Schaukasten zu sehen sind. Wertvolleres Material gelangte in das Landesmuseum Bonn. Die Fundstücke belegen, dass St. Viktor wie auch eine Vorgängerin auf römischen Fundamentresten steht.
In der Mitte des 9. Jahrhunderts entstand, teilweise auf den Fundamenten der römischen Villa, wo vermutlich ein Ort der Jupiterverehrung war, eine kleine Holzkirche. Sie soll nach Angaben der Pfarrgemeinde St. Josef, Nörvenich, die Vorgängerin eines späteren Steinbauwerks gewesen sein, aus dem sich die heutige Kirche entwickelte. Solche sogenannten Schwellbalkenkirchen wies der Archäologe Peter Anton Tholen in Köln, in der Rhein-Erft-Region und im Kreis Heinsberg nach und datierte sie in die karolingische Zeit.
Fränkische Zeit Im 6. bis zum 8. Jahrhundert waren in der Gegend fränkische Stämme ansässig, die Sunuker, wahrscheinlich die Abspaltung eines Stammes der Ubier oder diesen zuzurechnen. Darauf weist auch der Fund einer Skulptur der Matrone Sunuxal, einer eigentlich germanischen Gottheit, an St. Viktor hin. Entsprechende Funde sind fast ausschließlich aus dem Stammesgebiet der Ubier bekannt.
Die Annalen des Erzbischofs Hinkmar von Reims nennen für das Jahr 870 unter den Ansiedlungen, die bei der Reichsteilung an Ludwig den Deutschen kamen, eine Ortschaft „Hoenkirche“, jedoch kann nicht geklärt werden, ob sie mit dem heutigen Hochkirchen identisch ist.
19. Jahrhundert Die Säkularisation beendete das Bestehen von Kloster Steinfeld, wodurch sich auch die Besitzverhältnisse vom Steinfelderhof änderten. Häufig wurden auf Druck der Gläubigen viele Kirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, um sie vor der Zerstörung zu retten. So könnte es auch in Hochkirchen gewesen sein.
20. Jahrhundert Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts brachte der Kirche eine Reihe von direkten und indirekten Neuerungen. Um 1900 wurde der damals schadhafte Außenputz an der Kirche entfernt. Dabei kam in dem aus Tuff und Sandsteinquadern bestehenden Mauerwerk auch römisches Ziegelsteinmaterial zum Vorschein. Das neue Pfarrhaus entstand 1902 und bot dem Pfarrer und einem Kaplan adäquaten Wohnraum und enthielt auch das Pfarrbüro. Es löste das Hochkirchener Hofgebäude der Steinfelder Geistlichen als Wohnsitz ab. Derzeit ist das Haus an Privatpersonen vermietet, die auch die Aufgaben des Küsters übernahmen. 1907 wurde wohl eine umfassende Restaurierung des Kirchturms durchgeführt und zur Weihnachtszeit des Jahres 1908 verfügte die Kirche erstmals über elektrisches Licht. Die Taufkapelle erhielt 1909 durch eine von dem Münchener Künstler Jakob Bradl geschaffene Herz-Jesu-Statue einen wertvollen Wandschmuck. Wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlitt die bis dahin von Kriegseinwirkungen verschont gebliebene Kirche einige Schäden. Am 25. Februar 1945 wurde sie mit Granaten beschossen, Turm, Kirche und Pastorat erhielten Treffer.
Im Jahre 1983 wurde auf Veranlassung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege der Kirchturm mit einem hellen Außenputz versehen. Im Jahre 2000 konnten diese Arbeiten auf das gesamte Kirchengebäude ausgedehnt und 2001 abgeschlossen werden.Karl Heinz Türk, Hochkirchen – 900 Jahre Dorfgeschichte in Stichworten 2002
Geschichte der Pfarre mini|Initialen der ehemals zur Pfarre gehörenden Orte Die frühe Kirche war eng mit den Prämonstratensern des Klosters Steinfeld in der nahen Eifel verbunden. Der Orden hatte seit dem Ende des 12. Jahrhunderts Besitz in dem damals „Hoynkyrchin“ genannten Weiler und seit 1494 bis zur Säkularisation des Ordens im Jahr 1802 unterstand auch die Pfarre der Abtei Steinfeld.
St. Viktor war die Pfarrkirche für das schon im 15. Jahrhundert genannte Kirchspiel Hochkirchen, bestehend aus den Orten Hochkirchen, Irresheim, Eggersheim, Dorweiler, Poll sowie aus Teilen von Nörvenich, nämlich der Burgstraße, Am Kreuzberg, der Oberbolheimer Straße, der Vogelgasse, dem Marktplatz (außer Nr. 2 und 4) und der Zülpicher Straße (linke Straßenseite von Ecke Marktplatz bis Ecke Kirchgasse). Die Straßen in Nörvenich kamen später zur dortigen Pfarre St. Medardus.Karl Heinz Türk, Hochkirchen – 900 Jahre Dorfgeschichte in Stichworten 2002
Dies war auch bei den im 15./16. Jahrhundert durchgeführten baulichen Veränderungen zur Erweiterung des Raumangebotes ersichtlich. Das im 18. Jahrhundert erneuerte Nebenschiff trägt auf der Fassade der Nordwand über den Rundbögen der Fenster unter dem Dachgesims die in großen Lettern als eiserne Mauerklammern eingelassenen Initialen der Ortsnamen, die zur Pfarre gehörten. Das schon im 15. Jahrhundert erwähnte Kirchspiel bestand aus den Orten Irresheim, Eggersheim, Dorweiler, Poll und Hochkirchen.
Seit der Fusion der ehemaligen Pfarreien St. Medardus, St. Gertrud, St. Heribert, St. Mariä Heimsuchung, St. Martinus und St. Viktor am 1. Januar 2010 zur Pfarrei St. Josef Nörvenich ist St. Viktor eine Filialkirche der Großpfarre.
Pfarrer
Die Pastöre:Karl Heinz Türk, Hochkirchen - 800 Jahre Dorfgeschichte in Stichworten, 2002 Heinrich Leonhardt Conraths, 1845 bis 1865, verstorben 12. Juni 1865, beerdigt in Hochkirchen Clemens Joseph Eytorff, 1869 bis 1891, verstorben 1. Januar 1891, beerdigt in Hochkirchen Henrich Rick, 1891 bis 1901, Ruhestand Theodor Beckers, 1901 bis 1924 versetzt, 1916 Dechant Peter Pohl, 1924 bis 1947, verstorben 31. Dezember 1947, beerdigt in Hochkirchen Hermann Josef Platzbecker, 1948 bis 1974, verstorben 6. Juni 1974, beerdigt in Hochkirchen Johannes Wempe (OFM), 1974 bis 1978, versetzt Klaus Johannes Dors, 1978 bis 1992, versetzt Josef Lieth (CSSp), 1992 bis 2000, versetzt
Kapläne ab 1897: Dr. Hubert Aloys Minkenberg 1897–1899 Franz Hubert Heinen 1899–1915 Joseph Wöllges 1915–1918 Karl Edm. Herm. Ellebrecht 1918–1921 Kornelius Jonen 1921–1932 Gustav Sittard 1933–1939 Wilhelm Houben 1939–1944 Ewald Klug 1944–1948 Matthias Hegger 1948–1951 Josef Schmitt, Subsidiar 1959–1970 Werner Maria Klinkhammer 1989–1993
Besitzverhältnisse, Patronat In der Zeit des zerfallenden Fränkischen Reiches soll die Kirche in Hochkirchen mit all ihrem Zubehör bereits im Besitz des Erzbischofs Willibert von Köln gewesen sein. Damit gilt er als erster Eigner und Patronatsherr. Die Ereignisse der sich anschließenden 150 Jahre bleiben wohl unbekannt. Es gibt keine schriftlichen Zeugnisse, die Auskunft über die Rechtsverhältnisse geben. In der Folgezeit dehnten die eingefallenen Normannen ihre Beutezüge bis in das Rhein-Moselgebiet aus und brachten Teilen des Landes große Zerstörungen. Sie hinterließen in Hochkirchen jedoch keine Spuren. mini|Steinfelderhof, ehemaliger Zehnthof der Abtei Steinfeld