Das Asien-Korps oder Levante-Korps war ein Verband der Streitkräfte des Deutschen Reiches, der im Ersten Weltkrieg zur Unterstützung des Osmanischen Reiches im Vorderen Orient eingesetzt wurde.
Aufbau und Kommando Bereits im März 1916 wurde auf Ersuchen der Türkei ein deutsches Expeditionskorps unter dem Kennwort Pascha I aufgestellt und nach Palästina entsandt. Anfang 1917 wurde Pascha II als Vorbereitung für das zukünftige Asien-Korps initiiert.Vgl. zum Aufbau ausführlich Werner Steuber: Kriegsgliederung der deutschen Verbände der Heeresgruppe „Jilderim“ an der Palästina-Front. In: „Jilderim“. Deutsche Streiter auf Heiligem Boden. (Schlachten des Weltkrieges 4). 2. Aufl. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. / Berlin, 1925, Anhang (mit Karten) (Digitalisat der Oberösterreichischen Landesbibliothek Linz).
Pascha II bestand u. a. aus dem Stab der 201. Infanterie-Brigade unter dem Kommando von Oberst Gustav von Oppen und wurden dem Asien-Korps zugeschlagen.
Gliederung Ende 1917 Infanterie-Bataillon 701 Infanterie-Bataillon 702 Infanterie-Bataillon 703 Artillerie-Abteilung 701 Flak-Batterie 15 Pionier-Kompanie 701 MG-Abteilung Hentig Armee-Nachrichten-Kommandeur 70 Darüber hinaus waren 1917/18 die Festungs-Eisenbahn-Baukompanie 11 und die Eisenbahnbetriebs-Kompanie 44/48 auf der Hedschasbahn eingesetzt.
Oberbefehlshaber des Asien-Korps war zunächst der Generalmajor Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein (1870–1948) als Kommandeur des 1. Türkischen Expeditionskorps und späterer Befehlshaber der Gaza-Front.
Von Juli 1917 bis August 1918 führte Generalmajor Werner von Frankenberg und Proschlitz (1868–1933) und in den letzten Kriegsmonaten Oberst Gustav von Oppen (1867–1918). Vom 1. Oktober 1918 bis Februar 1919 war dann Oberst Frithjof von Hammerstein-Gesmold Kommandeur.
Das Korps war direkt dem Befehl der osmanischen Heeresgruppe F unterstellt, welche von General Erich von Falkenhayn und ab Februar 1918 bis Kriegsende von Marschall Liman von Sanders geführt wurde.
Exkurs: Österreichisch-ungarische Truppen in Palästina Österreich-Ungarn war den deutsch-türkischen Geheimverträgen vom 2. August 1914 und dem 11. Januar 1915 in Form eines Notenwechsels beigetreten. Man wollte auf wirtschaftspolitischem Gebiet gegenüber der Türkei dem deutschen Bündnispartner nicht nachstehen. Um den politischen Einfluss in der Türkei zu stärken, wurden, ebenso wie das deutsche Levantekorps, kleinere Militärkontingente dorthin entsandt. Hierbei handelte es sich um Artillerie, technische Truppen und motorisierte Transportkolonnen.
Geschichte Nach dem Bündnis zwischen der Türkei und Deutschland am 2. November 1914 erklärten Großbritannien, Frankreich und Russland dem Osmanischen Reich den Krieg. Die türkischen Truppen konnten in Armenien, Mesopotamien und Südpalästina zunächst Erfolge erzielen.
Pascha I Bereits 1914/15 waren deutsche Pionier-Truppen am Bau der Militärbahn Maṣʿūdiyya–Sinai in Richtung Sueskanal beteiligt, die von der 4. Türkischen Armee unter der technischen Leitung von Heinrich August Meißner Pascha (1862–1940) errichtet wurde. Auch eine Marine-Hygieneexpedition wurde im Dezember 1914 unter Leitung des Hamburger Tropenmediziners Peter Mühlens zusammengestellt. Sie arbeitete zusammen mit den türkischen Sanitätsstellen daran, die beim Wasser- und Wegebau in der Wüste auftretenden Infektionskrankheiten wie Rückfallfieber, Flecktyphus, Typhus, Abdominaltyphus, Paratyphus, Amöbenruhr, Bakterienruhr und Cholera einzudämmen. Schutzimpfungsstoffe gegen Typhus und Cholera wurden in Jerusalem aus landestypischen Erregerstämmen selbst hergestellt. Bei der Pflege in den Lazaretten halfen deutsche Borromäerinnen und Kaiserswerther DiakonissenDie Diakonissen Freiin Veronika von Wechmar (1868–1918); Äbtissin des Freiherrlich von Hutten’schen Fräuleinstifts in Nürnberg, Schwester des Eberhard von Wechmar, und Prinzessin Brigitte Reuß (1889–1929) zu Köstritz, seit 1911 Schwägerin des Pfarrers und Militärseelsorgers Graf Siegfried von Lüttichau, 1925–1949 Vorsteher der Diakonissenanstalt Kaiserswerth, leiteten zusammen ein Soldatenheim bei den Lazaretten in Be’er Scheva. aus Beirut (wie Bertha Harz) und aus Jerusalem.
Um die osmanischen Streitkräfte effektiver durch Kriegsmaterial, deutsche Offiziere zur Truppenführung, Militärflieger und Truppenkontingente zu unterstützen, wurde 1916 ein deutsches „Asien-Korps“ zusammengestellt, das an der Sinai- bzw. Palästinafront eingesetzt werden sollte. Mitte Januar 1916 unternahm Oberst Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein mit einigen Offizieren des Generalkommandos einen Inspektionsritt durch die Wüste bis nahe an den Sueskanal. Im März 1916 traf das Expeditionskorps Pascha I über die Etappenstrecke Balkan-Konstantinopel-Taurus-Aleppo-Damaskus-Jerusalem-Wüste auf der Sinai-Halbinsel ein. Am 1. April 1916 wurde die Fliegerabteilung 300 „Pascha“ unter Führung von zunächst Hauptmann Hans Eduard von Heemskerck, anschließend Hauptmann Gerhard Weyert, später Hauptmann Hellmuth Felmy mit 14 Flugzeugen vom Typ Rumpler C.I in Be’er Scheva (Beerscheba) stationiert. Im April bezogen auch die ersten deutschen und österreichischen Truppen Quartier in Beerscheba. Die Fliegerabteilung wurde in den Nordsinai verlegt: im Juni in das Wadi al-ʿArīsch und im Juli nach Biʾr al-ʿAbd.
Da sich das Eintreffen der deutschen Truppen verzögerte, fand die geplante Großoffensive gegen den Sueskanal erst in der Juli-Hitze 1916 statt und misslang. Die türkisch-deutschen Truppen wurden nach der Schlacht von Bir Romani (3.–5. August) rasch nach Palästina zurückgeworfen, im Dezember 1916 fiel mit al-ʿArisch der letzte Fliegerstützpunkt auf dem Sinai. Die Fliegerabteilung 300 wurde ab Oktober wieder nach Beerscheba und im Januar 1917 nach Ramla verlegt. Im Frühjahr 1917 siedelte das deutsche Hauptquartier nach Tell esch-Scheria (im Nachal Gerar) über; am 26. März und 17. April wurden von den Türken im Gebiet von Gaza zwei Schlachten gegen die Briten unter General Archibald Murray gewonnen. (Erste Schlacht um Gaza und Zweite Schlacht um Gaza)
Gliederung Pascha I
MG-Bataillon 601 MG-Bataillon 602 MG-Bataillon 604 MG-Bataillon 606 MG-Bataillon 607 Flak-Zug 28 Flak-Zug 133 Flak-Zug 136 Flak-Zug 142 Flak-Zug 172 Fußartillerie-Bataillon 60 Tragbare Funkstation 2 und 4 Fliegerabteilungen 300 „Pascha“, 301 und 302 (aufgestellt bei Flieger-Ersatz-Abteilung Breslau-Brieg), 303 (FEA Altenburg), 304 b (FEA 1 b Oberschleißheim) und 305 (FEA Breslau), ab 1918 Jagdstaffel 55 (später umbenannt in Jagdstaffel 1 F) Stabsoffizier der Eisenbahntruppen Nr. 25 mit 3 Kompanien Bohr-Sonderkommandos 5 Eisenbahn-Sonderkommandos 3 LKW-Kolonnen
Pascha II Als Bagdad am 11. März 1917 von den Briten eingenommen war, stand das Osmanische Reich vor der Niederlage. Deutschland verstärkte nun die Militärunterstützung. Um die türkische Armee zu stabilisieren, wurde die Heeresgruppe F mit einem fast ausschließlich deutschen Generalstab aufgebaut (sogenanntes Unternehmen „Blitz“, türkisch „Yılderım Orduları Grubu“). mini|Deutsche Flieger-Abwehrbatterie an der Heeresstraße vor Bir-es-Seba, April 1917 Im August 1917 wurde von der Obersten Heeresleitung über den Balkan und Konstantinopel ein deutsches Expeditionskorps Pascha II unter Generalmajor Werner von Frankenberg und Proschlitz in den Nahen Osten geschickt, um ein weiteres Vordringen der Briten aufzuhalten. Eigentlich sollten die deutschen Truppen helfen, Bagdad von den Briten zurückzuerobern, doch im Oktober 1917 wurde dieses Ziel aufgegeben. Die Soldaten wurden zur Frontsicherung nach Palästina verlegt, um dort den englischen Vormarsch zu stoppen.
Zur weiteren Luftunterstützung wurden der Heeresgruppe F im September 1917 die Fliegerabteilungen 301-305 und die Jagdstaffel 55 mit insgesamt 55 Flugzeugen zugeteilt. Die neue bayerische Fliegerabteilung 304 b unter Kommando von Hauptmann Franz Josef Walz war dazu am 25. August 1917 aus Oberschleißheim aufgebrochen. Die mitgebrachten Flugzeuge waren zweisitzige Bautypen wie die Aufklärer AEG C.IV oder Albatros C.III, die Jagdflugzeuge Pfalz E.I, Pfalz E.II oder Albatros D.III und der Aufklärer oder Bomber Rumpler C.I in Gebrauch. Die Luftaufklärung war die einzige Möglichkeit, den operativen Überblick im weitläufigen Operationsgebiet zwischen Damaskus und der Küste des Libanon, dem See Genezareth bis Kairo zu erhalten.Gerd M. Schulz: Der Einsatz und die Erfolge der Fliegerabteilung 304b in Palästina S. 92 Arabische Milizen unter Führung von Thomas Edward Lawrence („Lawrence von Arabien“) führten gegen die osmanisch-deutschen Truppen einen Kleinkrieg durch Hinterhalte und Handstreiche insbesondere gegen die Hedschasbahn um Truppenverschiebungen und die Logistik zu unterbinden.
mini|Britische Offensive im November–Dezember 1917
Im September 1917 brach die Sinai-Front zusammen. Ende Oktober 1917 waren die Fliegerabteilungen in es-Sawafir, Ramla, et-Tina (in der Nähe des heutigen Kirjat Malʾachi) und Iraq al-Manshiyya (auf dem Gebiet des heutigen Kirjat Gat) stationiert. General Edmund Allenby schlug die Osmanen am 31. Oktober – mit dem letzten erfolgreichen Kavallerieangriff der Geschichte – in Be’er Scheva und am 7. November in Gaza in der Dritten Schlacht um Gaza. Die deutschen Fliegerabteilungen wurden damals in den Norden Palästinas zurückgezogen: nach Bethlehem in Galiläa und Waldheim (heute Allone Abba zwischen Haifa und Nazareth), Dschenin, Samach am See Genezareth (heute Wüstung in der Nähe des Kibbuz Ma’agan), Merchavya bei Afula (el-Fule) in der Nähe von Nazaret. Auch in Darʿā (Südsyrien) waren 10 Flugzeuge zusammen mit der türkischen Flugabteilung 14 im Einsatz gegen die arabischen Milizen.
Nach den Niederlagen der Osmanen wurde Jerusalem am 9. Dezember 1917 und den folgenden Tagen von den osmanischen Truppen geräumt, auch das deutsche Oberkommando verließ sein Hauptquartier auf dem Ölberg im Auguste-Viktoria-Hospital und zog sich nach Nazaret zurück. Dort war das Hauptquartier von Dezember 1917 bis September 1918. Das k.u.k. Etappengruppenkommando und das k.u.k. Feldpostamt Nr. 452 befanden sich 1917–1918 in Aleppo.
Zwischen Dezember 1917 und April 1918 gab es Stellungskämpfe in Mittelpalästina, von April bis September 1918 auch Kämpfe im Ostjordanland. Die deutschen Truppen in Palästina wurden noch einmal verstärkt; es befanden sich insgesamt etwa 16.000 deutsche Soldaten in Palästina. Im April und Mai 1918 kamen dabei auch das 1. Masurische Infanterie-Regiment Nr. 146 unter Major Frithjof von Hammerstein-Gesmold und von Mai bis Juli das Kurhessische-Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 11 („Marburger Jäger“) mit über 1000 Mann und 468 Pferden unter Major von MengesVielleicht handelte es sich um den späteren Oberstleutnant Gustav Alexander von Menges (1877–1950) aus Kassel, Herr auf Wangritten, Vater von Dietrich Wilhelm von Menges. zum Einsatz. Die deutschen Fliegerabteilungen wurden in dieser Zeit zum Teil nach Amman, Rayak, Aleppo, Hama und Homs verlegt.
Gliederung von Pascha II (Frühjahr 1918)
Stab der 201. Infanterie-Brigade
1. Masurisches Infanterie-Regiment Nr. 146 aus Allenstein unter Oberstleutnant Frithjof von Hammerstein-Gesmold Pionier-Kompanie 205 Gebirgs-MG-Abteilung 201 Gebirgs-MG-Abteilung 203 Gebirgs-MG-Abteilung 207 Gebirgs-MG-Abteilung 208 Reserve-Jäger-Bataillon 11 aus Marburg Gebirgs-Artillerie-Abteilung 1 7./Fußartillerie-Regiment 2 7./Fußartillerie-Regiment 9 Flakzug 120 Gebirgs-Funker-Abteilung Funkerzug 1720 Funkerzug 1731 Lichtsignalzug 27 Lichtsignalzug 28 Telegraphen-Abteilung „Klein-Asien“
Niederlage und Rückzug mini|Deutsche Sanitäter führen einen Verwundetentransport mittels Kamel durch (Palästinafront Mai/Juni 1918).