mini|320px|Das traditionelle Verbreitungsgebiet westoberdeutscher (=alemannischer) Dialektmerkmale im 19. und 20. Jahrhundert mini|319x319px|Verbreitung von ausgewählten deutschen Ortsnamen im historischen Schwaben. Außerdem ersichtlich ist die West-, Nord- und Ostgrenze des alemannischen Sprachraums. mini|Die germanischen und romanischen Dialektgruppen in der Region Elsass und Lothringen
Als Grenzorte des alemannischen Dialektraums können Orte bezeichnet werden, die das Gebiet, in dem Mundartmerkmale vorkommen (bzw. vorkamen), die dem Westoberdeutschen zugeordnet werden, mit Gebieten verbinden, in denen Mundartmerkmale anderen Dialektgruppen zugeordnet werden oder in denen eine andere Sprache gesprochen wird.
Im Bereich der romanischen Nachbarschaft ist eine hohe Genauigkeit erreichbar, da sich hier die Sprachen weder linguistisch noch geographisch besonders überschneiden. Im Bereich der Nachbarschaft anderer germanischer Mundarten ist diese Genauigkeit jedoch nicht zu erreichen, da Dialekträume oft nicht durch linienhafte Grenzen, sondern durch Übergangsbereiche miteinander verbunden sind: diese sind räumlich, zeitlich und soziokulturell bedingt, horizontal und vertikal ausgebildet. Abgesehen davon handelt es sich bei Dialekten um Abstraktionen, was besonders deutlich wird, wenn man versucht, Mundarten voneinander abzugrenzen. Darüber hinaus sind Sprechweisen einer steten Veränderung unterworfen. Das Verzeichnis soll sowohl gegenwärtige als auch historische Verhältnisse darstellen.
Gliederung Das Register beginnt und endet am Oberrhein zwischen dem linksrheinischen Beinheim und dem rechtsrheinischen Wintersdorf und folgt dem Uhrzeigersinn.
Grundsätzlich wird in der Spalte „Grenzort“ die politisch selbständige Gemeinde aufgeführt. Wenn der „Grenzort“ nicht selbst eine unabhängige Kommune darstellt, wird diese in der Bemerkungsspalte genannt. Wenn es zur besseren Erfassung der Siedlungs- oder Gemarkungsstruktur nötig sein könnte, werden in der Bemerkungsspalte zudem zu einer Gemeinde gehörende Ortsteile erwähnt.
Das Verzeichnis ist, wie aus den Überschriften zu den einzelnen Tabellen zu entnehmen ist, gegliedert nach diesen drei Kategorien:
1. Aktuelle bzw. historische Staaten bzw. Staatsteile: Früheres Land Baden Früheres Land Württemberg Bundesland Bayern Bundesland Tirol Bundesland Vorarlberg Kanton Graubünden Kanton St. Gallen Kanton Glarus Kanton Uri Kanton Wallis Kanton Tessin Kanton Bern Kanton Freiburg Kanton Solothurn Kanton Jura Kanton Basel-Landschaft Département Haut-Rhin Département Bas-Rhin Region Lothringen 2. Wichtigste Dialektgruppen: Niederalemannisch (unterteilt in Oberrheinalemannisch und Bodenseealemannisch) Schwäbisch-fränkische Übergangsmundart Schwäbisch Schwäbisch-bairische Übergangsmundart Hochalemannisch Höchstalemannisch 3. Nachbardialekte bzw. Nachbarsprachen: Rheinfränkisch Südfränkisch Ostfränkisch Bairisch Rätoromanische Sprachen (siehe auch Linkliste) Italienisch Französisch (siehe auch Patois und Welche)
Baden-Württemberg Baden, Oberrheinalemannisch zu Südfränkisch Zwischen Rhein und Schwarzwald Die hier gewählten Dialektgrenzen im rechtsrheinischen Teil der Oberrheinischen Tiefebene folgen hier der Grenze zwischen mehreren Ämtern der bis 1771 bestehenden Markgrafschaft Baden-Baden (Ämter Eberstein und Rastatt im Süden, Amt Ettlingen im Norden) sowie der aktuellen Grenze zwischen den Landkreisen Rastatt und Karlsruhe (Ausnahme: Waldprechtsweier). Man nimmt an, dass die etwas südlicher verlaufenden Flüsse Murg und Oos ab etwa 500 die politische Grenze zwischen eher alemannischen und eher fränkischen Einflussbereichen bildeten (u. a. Grenze der Bistümer Straßburg und Speyer).
Die hier als alemannischsprachig ausgewiesenen Orte weisen zahlreiche südfränkische Einflüsse auf.
Wintersdorf, Ottersdorf und Plittersdorf bilden zusammen das sog. Ried.
Abkürzungen: Gde. = Gemeinde.
Grenzort BemerkungWintersdorf Gde. RastattOttersdorf Gde. RastattPlittersdorf Gde. RastattSteinmauernElchesheim Gde. Elchesheim-IllingenIllingen Gde. Elchesheim-IllingenAu am RheinWürmersheim Gde. DurmersheimBickesheim(er Kloster) Gde. Durmersheim. Die alte Siedlung Bickesheim wurde etwa im 13. Jahrhundert verlassen. Das „neue“ Bickesheim bildete sich erst im 20. Jahrhundert als Nordteil Durmersheims rund um die gleichnamige, ursprünglich solitär liegende, im 15. Jahrhundert gegründete Kirche Bickesheim.DurmersheimBietigheimMuggensturmWaldprechtsweier Gde. Malsch NA.
Westlicher Schwarzwald Hier folgt die gewählte Grenzlinie größtenteils der Grenze zwischen altbadischen (alemannischen) und altwürttembergischen (südfränkischen) Orten. So besitzt auch das im Murgtal liegende Loffenau überwiegend fränkische Sprachmerkmale.
Abkürzungen: Gde. = Gemeinde.
Grenzort BemerkungFreiolsheim Gde. GaggenauMittelberg Markung Freiolsheim, Gde. GaggenauMoosbronn Markung Freiolsheim, Gde. GaggenauMichelbach Gde. GaggenauSulzbach Gde. GaggenauOttenau Gde. GaggenauHörden Gde. GaggenauGernsbachScheuern Gde. GernsbachLautenbach Gde. GernsbachReichental Gde. GernsbachDürreych Markung Kaltenbronn, Gde. GernsbachKaltenbronn Gde. Gernsbach
Württemberg und Baden, Schwäbisch-Fränkisch zu Süd- und Ostfränkisch Vom Schwarzwald über den Neckarraum bis hin zum Schwäbisch-Fränkischen Wald findet sich ein Gebiet, in dem sich Sprachmerkmale mischen, die als schwäbisch oder fränkisch gelten. Dieser Übergangsbereich schließt nach Süden auch Calw und Weil der Stadt mit ein, wird nach Osten hin jedoch immer schmaler, bis er südwestlich des fränkischen Löwenstein, wo sich auch der Grenzbereich zwischen süd- und ostfränkisch befindet, endet.
Württemberg und Baden, Schwäbisch-Fränkisch zu Südfränkisch Dieses Übergangsgebiet herrscht auch im nordöstlichen Schwarzwald sowie in der offenen Torlandschaft zwischen Schwarzwaldnordgrenze und Heuchelberg, unbeachtet der hier laufenden historischen und aktuellen politischen Grenzen zwischen Württemberg und Baden. Die Isoglossen verlaufen hier gern in der Nähe der Wasserscheide zwischen Rhein und Neckar.
Dialektbenennungen wie „badisch“ oder „schwäbisch“ sind auch hier, ebenso wie in vielen anderen Teilen Badens, äußerst problematisch, da es badische (hier alias südfränkische) Orte mit starken schwäbischen Sprachmerkmalen gibt (z. B. Tiefenbronn), andererseits württembergische (alias „schwäbische“) Orte, in denen starke südfränkische Einflüsse vorherrschen (z. B. Knittlingen) oder gar nur südfränkisch „gemundartet“ wird (z. B. Straubenhardt).
Abkürzungen: B. = Baden, Gde. = Gemeinde, NA = nichtalemannische Gemeinde.
Grenzort BemerkungenSprollenhausGde. Bad WildbadBad WildbadCalmbachGde. Bad WildbadHöfen an der EnzNeuenbürgBirkenfeldBrötzingenB. Gde. PforzheimPforzheimB.IspringenB.EisingenB.GöbrichenB. Gde. NeulingenBauschlottB. Gde. NeulingenÖlbronnGde. Ölbronn-DürrnKleinvillarsGde. KnittlingenRuitB. Gde. Bretten NA. Altwürttembergisch (Klosteramt Maulbronn), erst Anfang des 19. Jahrhunderts zu Baden.In den 1970er Jahren nach Bretten eingemeindet, der historisch südlichsten kurpfälzischen Stadt.KnittlingenGroßvillarsGde. OberderdingenOberderdingen
Württemberg, Schwäbisch-Fränkisch zu Südfränkisch Im Neckarland (württembergisches „Unterland“) zeigen die Grenzlinien westlich des Neckars eine Nähe zur altwürttembergischen Nordgrenze. Wichtige neuwürttembergische südfränkische Orte wie Heilbronn nehmen durch Zuwanderung aus der dicht besiedelten Region Stuttgart immer mehr schwäbische Sprachmerkmale auf.
Abkürzungen: Gde. = Gemeinde, NA = nichtalemannische Gemeinde.
GrenzortBemerkungSternenfelsLeonbronnGde. ZaberfeldOchsenburgGde. ZaberfeldMichelbachGde. ZaberfeldKleingartachGde. Eppingen NA.NiederhofenGde. Schwaigern NA.HaberschlachtGde. BrackenheimNeippergGde. BrackenheimNordhausenGde. NordheimNordheimLauffen am NeckarNeckarwestheimSchozachGde. IlsfeldWüstenhausenGde. IlsfeldUntergruppenbachDonnbronnGde. UntergruppenbachObergruppenbachGde. UntergruppenbachOberheinrietGde. UntergruppenbachVorhofGde. Untergruppenbach
Württemberg, Schwäbisch-Fränkisch zu Ostfränkisch Auch hier, im westlichen Schwäbisch-Fränkischen Wald, existiert eine Nähe der wichtigsten Sprachgrenzen zur Nordgrenze Altwürttembergs. Aufgrund der besonderen Siedlungsstruktur – dem Überwiegen von Weilern und Höfen – lassen sich besondere „Grenzorte“ schwieriger fassen, da die Sprachmerkmale von Klein- und Kleinstsiedlungen weniger gut erforscht sind und sich schneller ändern können als die von größeren Kommunen mit freier Gemarkung.
Abkürzungen: OT = Ortsteil, Gde. = Gemeinde, NA = nichtalemannische Gemeinde.
GrenzortBemerkungOberheinrietGde. UntergruppenbachVorhofGde. UntergruppenbachBeilsteinOT Farnersberg, Etzlenswenden, Kaisersbach, StocksbergNeulauternGde. Wüstenrot NAVorderbüchelbergGde. SpiegelbergAltfürstenhütteGde. GroßerlachGroßerlachGrabGde. Großerlach
Württemberg, Schwäbisch zu Ostfränkisch Zwischen Murrhardt und der württembergisch-bayrischen Landesgrenze gilt die Dialektgrenze als besonders gut ausgebildet. Im Bereich des Kochers verlaufen die Isoglossen quer durch das Limpurger Land. Weiter östlich und im Bereich der Jagst gilt die Nordgrenze und der Einfluss der Fürstpropstei Ellwangen als sprachgrenzbildend.
Abkürzungen: OT = Ortsteile, Gde. = Gemeinde, NA = nichtalemannische Gemeinde.
GrenzortBemerkungSteinbergGde. MurrhardtFornsbachGde. MurrhardtPlapphofGde. Fichtenberg NA.KirchenkirnbergGde. MurrhardtEichenkirnbergGde. GschwendGschwendFrickenhofenGde. GschwendSulzbachGde. Sulzbach-LaufenGeifertshofenGde. BühlerzellBühlertannHinteruhlbergGde. Frankenhardt NA.RosenbergStimpfachOT Hörbühl, Stimpfach, SiglershofenFinkenbergGde. JagstzellMatzenbachGde. Fichtenau NA.OberdeufstettenGde. Fichtenau NA.SchönbronnGde. Wört
Bayern In Bayern zieht sich der Grenzbereich der alemannischen Mundarten zuerst in West-Ost-Orientierung vom Südrand der Frankenhöhe nördlich des Ries zum Westrand der Fränkischen Alb, um dann von dem Ort, an dem sich alemannische, fränkische und bairische Mundarten begegnen (in etwa westlich von Treuchtlingen), in Nord-Süd-Orientierung umzuschwenken. Zwischen der württembergisch-bayerischen Grenze und der Donau haben sich breitere Gebiete ausgebildet, in denen sich alemannische mit fränkischen bzw. bairischen Dialektkennzeichen mischen (Dinkelsbühl, Hesselberg, Wemding).Zu Mischungsphänomenen und Wechselerscheinungen der drei oberdeutschen Dialekte in diesem Gebiet vgl. Neu, David: Ein Sprecher - mehrere Dialekte : Code-Mixing und Code-Switching im tridialektalen Raum um Dinkelsbühl. Online publiziert unter urn:nbn:de:bvb:824-opus4-2153 bzw. http://opus4.kobv.de/opus4-ku-eichstaett/frontdoor/index/index/docId/215 Als Trennlinie zwischen dem eher schwäbisch gekennzeichneten schwäbisch-ostfränkischen Übergangsgebiet und dem ostfränkischen Dialektraum kann die Isoglosse herangezogen werden, die „Daag“/„däät“ von „Doog“/„daat“ trennt (standarddt. „Tag“/„täte“).Vgl. König/Renn 2007, S. 24–26. Auch zwischen fränkischem und bairischem Dialekt besteht ein Übergangsraum, der sich hier in etwa um Treuchtlingen erstreckt.