mini|hochkant=2|Blick von der Friedensbrücke auf Neckargemünd mit der Mündung der Elsenz (rechts) in den Neckar (links) mini|Altstadt von Neckargemünd mit Elsenzmündung, Friedensbrücke und Hollmuth- sowie Bahntunnel Neckargemünd () ist eine Stadt am Neckar, zehn Kilometer flussaufwärts östlich von Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.

Im Hoch- und im Spätmittelalter war Neckargemünd eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.

Geographie Lage und Naturraum Die Stadt gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und liegt an der namensgebenden Mündung der Elsenz in den Neckar, am Fuße des Hollmuth, umgeben von den Ausläufern des südwestlichen Odenwaldes. Die Gemarkung erstreckt sich in 116 bis 469 Metern Höhe. 19,1 Prozent der 2615 Hektar großen Gemarkung sind Siedlungs- und Verkehrsfläche, 28 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 48 Prozent sind bewaldet. Das Gemeindegebiet ist Teil des Naturparks Neckartal-Odenwald. Die Elsenzaue, das Gebiet Sotten, eine Rodungsinsel östlich von Mückenloch, und das Gebiet Felsenberg stehen unter Naturschutz.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg

Nachbargemeinden Das Stadtgebiet grenzt im Westen an Heidelberg, im Norden an Schönau, im Nordosten an das hessische Neckarsteinach und im Osten an Schönbrunn und Lobbach. Südlich von Neckargemünd liegt Wiesenbach, im Südwesten Bammental.

Stadtgliederung Zur Stadt Neckargemünd gehört der zentrale Stadtteil Neckargemünd und die ehemaligen Gemeinden Dilsberg, Mückenloch, Neckargemünd und Waldhilsbach. Zur ehemaligen Bergfeste Dilsberg gehören der Ort Dilsberg, die Weiler Dilsbergerhof, Neuhof und Rainbach. Zu Mückenloch gehören das Dorf Mückenloch und die Siedlung Neckarhäuserhof. Zu Neckargemünd in den Grenzen von 1972 („Kernstadt“) gehören die Stadt Neckargemünd, der Stadtbezirk Kleingemünd, das Anwesen Kümmelbacher Hof und die Häuser Faßfabrik, Kriegsmühle, Haltestelle Waldhilsbach und Walkmühle. Zu Waldhilsbach gehört das Dorf Waldhilsbach. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Dilsberg lag der im Mittelalter aufgegebene Ort Reitenberg. In Neckargemünd aufgegangen ist die Ortschaft Ziegelhütte.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 381–384

Geschichte mini|Kupferstich nach Matthäus Merian mini|Hochwassermarken im Ortsteil Kleingemünd mini|Alte Ansicht von 1898 Bis zum 19. Jahrhundert Erstmals 988 unter dem Namen Gmundi urkundlich erwähnt, erhob König Heinrich (VII.) die Siedlung um 1230 zur freien Reichsstadt. Kaiser Ludwig verpfändete Neckargemünd 1330 an den Pfalzgrafen bei Rhein, der 1346 das Gericht der Meckesheimer Zent hierher verlegte. 1395 verlor Neckargemünd den Status einer Reichsstadt durch die Eingliederung ins pfälzische Territorium. 1466 erhielt die Stadt das Marktrecht, das 1544 erweitert wurde. 1566 wurde die Stadt wie die gesamte Pfalz protestantisch.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt immer wieder von fremden Truppen besetzt. Während des Dreißigjährigen Krieges war es 1622 das Heer der Katholischen Liga unter Tilly. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt von französischen Truppen unter General Mélac besetzt, 1799 waren es französische Revolutionstruppen und von 1814 bis 1819 stand russisches Militär in der Stadt. Die Badische Revolution führte preußische Verbände her.

1803 kam Neckargemünd zu Baden und wurde anstelle des Amtes Dilsberg Sitz eines Bezirksamtes. In Neckargemünd befand sich auch ein Großherzoglich-badisches Amtsgericht. Durch die Badische Gemeindeordnung verlor Neckargemünd 1831 alle ehemaligen kaiserlichen Privilegien. 1857 wurde das Bezirksamt Neckargemünd aufgelöst und die Stadt dem Bezirk Eberbach und ab 1863 Heidelberg zugeteilt. Durch die Eröffnung der Badischen Odenwaldbahn im Jahre 1862 und der Neckartalbahn 1879 wurde die Stadt ans Schienennetz angeschlossen.

20. Jahrhundert Im Jahr 1914 wurde eine Straßenbahnverbindung nach Heidelberg erstellt.

Politisch waren vor dem Ersten Weltkrieg die Nationalliberalen am stärksten, während der Weimarer Republik waren sozialistische und liberale Parteien gleichauf. 1933 erhielt die NSDAP, die schon seit September 1930 stärkste Partei war, knapp 49 Prozent der Stimmen.

Neckargemünd wurde im Gegensatz zu Heidelberg im Zweiten Weltkrieg bombardiert. Ziel waren vor allem die Bahngleise, in deren Verlauf sich der Tunnel beim Deutschen Haus befand. So zerstörte im Herbst 1944 ein Volltreffer das Deutsche Haus, die örtliche NSDAP-Zentrale, welche hier eine Sammelstelle für das Winterhilfswerk eingerichtet hatte. In die Kellergewölbe dieses Hauses waren die Umwohner geflüchtet, obgleich es kein offizieller Luftschutzbunker war – jener befand sich beim Gasthaus Adler. Doch erwiesen sich die Gewölbe als sehr stabil, sodass viele Menschen dort am Leben blieben. 1938 war eine große Straßenbrücke über den Neckar eingeweiht worden. Am 29. März 1945 (Gründonnerstag) wurde sie, wie die meisten anderen Übergänge über den Fluss auch, von Pionieren der deutschen Wehrmacht gesprengt. Dennoch nahmen zwei Tage später amerikanische Truppen die Stadt ein.

Im Jahr 1967 wurde der Grundstein für das Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche gelegt. Durch die Auflösung des Landkreises Heidelberg 1973 kam Neckargemünd damals zum neuen Rhein-Neckar-Kreis. Durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen, Ausweisung von Neubaugebieten und Eingemeindungen erhöhte sich die Einwohnerzahl in den Nachkriegsjahrzehnten. Politisch wurde nach 1945 die CDU zur dominierenden Partei.

Einwohnerentwicklung + Neckargemünd mit Kleingemünd Jahr 1439 1577 1688 1727 1818 1852 1905 1939 1965 EinwohnerKreisbeschreibung. Band 2. S. 741: Neckargemünd mit Kleingemünd, ohne Dilsberg, Mückenloch und Waldhilsbach. 295 855 550 877 1956 2702 2637 3862 8107

+ Neckargemünd in der heutigen Ausdehnung Jahr 1961 1970 1991 1995 2005 2010 2015 2020 EinwohnerKreisbeschreibung. Band 2. S. 741: Neckargemünd mit Kleingemünd, ohne Dilsberg, Mückenloch und Waldhilsbach. 10.120 11.763 14.562 14.559 14.280 13.905 13.369 13.349

Eingemeindungen Kleingemünd (1. Januar 1907) – nach der Selbständigkeit in den Jahren von 1860 bis 1906 Dilsberg (1. Januar 1973) – kleiner Ort mit historischem Kern und mittelalterlicher Burgruine Waldhilsbach (1. Januar 1974) Mückenloch (1. Januar 1975)

Religionen mini|Dilsberg Nach der Reformation waren alle heutigen Stadtteile lange mehrheitlich protestantisch. Nur auf dem Dilsberg bildete sich durch die Garnison ab 1700 eine katholische Mehrheit heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich der katholische Anteil durch die Aufnahme von Vertriebenen in den Gemeinden. 2004 waren 40,6 Prozent der Einwohner evangelisch und 32 Prozent katholisch.

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat hat normalerweise 22 Sitze. Dazu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Vorsitzender. Durch die Unechte Teilortswahl ist den Ortsteilen eine Vertretung im Gemeinderat garantiert: die Kernstadt hält 14, Dilsberg 4, und Mückenloch und Waldhilsbach halten je 2 Sitze.Hauptsatzung Neckargemünd, § 14 (PDF); abgerufen am 31. Mai 2019.

Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 ergaben sich zusätzlich 5 Ausgleichssitze, sodass der Gemeinderat bis zur nächsten Wahl 2024 27 Mitglieder hat. Insgesamt führte die Wahl zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):Gemeinderatswahlen 2019, Stadt Neckargemünd Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. Gemeinderatswahl 2019. (PDF) Stadt Neckargemünd; abgerufen am 31. Mai 2019.

+ Gemeinderatswahl 2019 Partei Stimmen Sitze Freie Wähler 27,4 % (−1,6) 7 (±0) GRÜNE 26,4 % (+6,5) 7 (+2) CDU 21,2 % (−5,1) 6 (±0) SPD 20,6 % (−4,3) 6 (±0) LINKE 4,4 % (+4,4) 1 (+1) Wahlbeteiligung 69,2 % (+11,6)

Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 ergaben sich 4 Ausgleichssitze, sodass der Gemeinderat bis zur nächsten Wahl 2029 26 Mitglieder hat. Insgesamt führte die Wahl zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019)

+ Gemeinderatswahl 2024 Partei Stimmen Sitze Freie Wähler 25,6 % (−1,8) 7 (±0) GRÜNE 24,6 % (−1,8) 6 (−1) CDU 27,7 % (+6,5) 7 (+1) SPD 17,1 % (−3,5) 5 (−1) LINKE 5,0 % (+0,6) 1 ±0 ) Wahlbeteiligung 66,9 % (-2,3)

Die Angaben für die Wahlen des Jahres 2024 wurden der Stuttgarter Zeitung vom 13. Juni 2024 entnommen und nehmen Bezug auf die Veröffentlichung der Stadt Neckargemünd.

Bürgermeister Am 26. Juni 2016 setzte sich Frank Volk in der Stichwahl knapp mit 134 Stimmen Vorsprung gegen den Amtsinhaber Horst Althoff durch, der bis dahin 16 Jahre lang im Amt gewesen war. Im 2. Wahlgang der Bürgermeisterwahl des Jahres 2024 setzte sich am 26. Mai der parteilose Kandidat Jan Peter Seidel mit 59,3 % der Wählerstimmen gegen Amtsinhaber Frank Volk und Hermino Katzenstein durch. Er trat am 27. September dessen Nachfolge im Amt des Bürgermeisters an.

+ Bürgermeister von Neckargemünd Name Partei Amtszeit Mathäus Heckman 1833–1839 Georg Reibold 1839–1839 Adam Herpel 1839–1842 Philipp Bauer 1842–1848 Peter Pabst 1848–1849 Franz Degen 1849–1851 Adam Herpel 1852–1855(2. Amtszeit) Georg Reibold 1855–1861(2. Amtszeit) Julius Friedrich Menzer 1862–1867 Carl Heckmann 1867–1873 Carl Thilo 1873–1899 Carl Wittmann 1899–1902 Franz Heeg 1903–1909 Wilhelm Steinbrunn 1909–1910 Georg Schneider 1910–1917 Carl Kirchmayer 1917–1919 Dr. Emil Leist 1919–1928 Georg Müßig 1928–1939 Wilhelm Cloos 1939–1942(als Erster Beigeordneter im Verein) Gottfried Kramer 1942–1945(zunächst Erster Beigeordneter, dann Bürgermeister) Georg Lampertsdörfer 1945–1948 Heinrich Held 1948–1966(1948–1951 kommissarisch) Kurt Schieck 1966–1984 Oskar Schuster 1984–2000 Horst Althoff CDU 2000–2016 Frank Volk Freie Wähler 2016–2024 Jan Peter Seidel seit 2024

Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: In Gold ein rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Adler, belegt mit einem silbernen Brustschild, worin ein blauer Reichsapfel mit goldenem Kreuz und goldenem Beschlag.

Bereits ein Siegel aus dem Jahr 1359 zeigte den für eine Reichsstadt typischen Reichsadler. Das Wappen in seiner heutigen Form ist erstmals 1645 in Merians Topographia Palatinatus Rheni zu sehen. Die Flagge ist Schwarz-Gelb.Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 86

Städtepartnerschaften Städtepartnerschaften bestehen mit

Évian-les-Bains in Frankreich seit 1970 Missoula in Montana in den Vereinigten Staaten seit 1993 Jindřichův Hradec in der Tschechischen Republik seit 1996 Romeno in Italien seit 1992 (Partnergemeinde des Stadtteils Waldhilsbach)

Für das tschechische Valeč wurde 1965 eine Patenschaft übernommen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Neckargemünd liegt an der Burgenstraße, dem Neckartal-Radweg und dem Neckarsteig, die alle an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen.

Bauwerke mini|Evangelische Ulrichskirche mini|hochkant|Griechische Weinstube mini|hochkant|Karlstor In der Altstadt von Neckargemünd, die sich vom Neckartal den Hang hinaufzieht, findet man verschiedenste Sehenswürdigkeiten. Außer den bisherigen Hauptverkehrsstraßen Hauptstraße und Neckarstraße, die in jeweils nur einer Verkehrsrichtung durch die Altstadt führen, gibt es zahlreiche kleine Gassen mit vielen Fachwerkhäusern. Besonders erwähnenswert ist die sehr enge Kleppergasse, die direkt an der Rückseite der ehemaligen Stadtmauer verläuft. Der zuvor störende Durchgangsverkehr in der Altstadt wurde durch den 2011 eröffneten Straßentunnel, der in etwa parallel zum Eisenbahntunnel verläuft, und durch nachfolgende Maßnahmen der Verkehrsberuhigung weitgehend reduziert.