Die Belagerung von Nördlingen fand vom 18. August 1634 bis zum 7. September 1634 zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges statt. Die protestantische Reichsstadt, in der viele Flüchtlinge Zuflucht gesucht hatten, war mit einer kleinen schwedischen Garnison belegt und wurde von einer sehr starken Streitmacht der katholischen Seite, bestehend aus einem kaiserlichen, einem bayerischen und einem spanischen Heer belagert. Nachdem der Versuch zum Entsatz der Stadt durch ein schwedisches Heer in der für den weiteren Kriegsverlauf bedeutenden Schlacht bei Nördlingen katastrophal gescheitert war, musste sich die Stadt am darauf folgenden Tag ergeben.
Der Dreißigjährige Krieg in Süddeutschland
Süddeutschland war abgesehen von gelegentlichen Truppendurchzügen der katholischen Liga lange Zeit von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges verschont geblieben. Dies änderte sich, als nach der verlorenen Schlacht von Breitenfeld im September 1631 die Vorherrschaft der kaiserlichen Armee gebrochen und für die schwedisch-protestantischen Verbände der Weg nach Oberdeutschland frei wurde. In den folgenden Monaten gelang es ihnen, bis an den Rhein und Main vorzudringen und bald im katholischen Bayern einzufallen.
Nördlingen, etwa 30 Kilometer nördlich der Donau an der Grenze zu Württemberg gelegen, war als Reichsstadt trotz des evangelischen Bekenntnisses immer bestrebt, dem katholischen Kaiser (Ferdinand II.) treu zu bleiben. Als sich dann aber Ende März 1632 das so erfolgreiche protestantische Heer des schwedischen Königs Gustav Adolf näherte, stellte sich die Stadt unter den Schutz des schwedischen Königs. Der Seitenwechsel war angesichts der protestantischen Übermacht nicht nur die einzig vernünftige Alternative, sondern wurde auch von großen Teilen der Bürgerschaft und des Magistrats der Stadt begrüßt. Davon zeugte der Aufwand und die freudige Stimmung, die beim Einzug des Schwedenkönigs in Nördlingen im Herbst 1632 an den Tag gelegt wurden. In den folgenden zwei Jahren mussten dann aber auch wiederholt Besatzungen aufgenommen werden, die dann die Befestigungsanlagen der Stadt verbesserten.
Die dramatischen Niederlagen der katholischen Ligatruppen in den Schlachten bei Breitenfeld und Rain am Lech hatten Kaiser Ferdinand II. gezwungen, den zuvor entlassenen Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen Wallenstein im Dezember 1631 mit erweiterten Vollmachten wieder zurück zu berufen. Wallenstein hatte jedoch eine defensive Hinhaltetaktik verfolgt und keine Versuche unternommen, die Eroberung und Plünderung von Bayern und die Eroberung von Regensburg zu verhindern. Er hatte eigenmächtig Verhandlungen mit den Schweden und mit Kursachsen geführt, war bei Kaiser Ferdinand II. in Ungnade gefallen und wurde im Februar 1634 auf Geheiß des Kaisers ermordet. Für kurze Zeit wurde General Gallas Nachfolger Wallensteins, dann folgte als Oberbefehlshaber der Sohn des Kaisers, der spätere Kaiser Ferdinand III., König von Ungarn, mit Gallas als militärischem Berater. Beide begannen im Mai 1634 mit der Rückeroberung Bayerns. Nachdem sie das von den Schweden besetzte Regensburg nach mehrwöchiger Belagerung am 26. Juli 1634 zurückerobert hatten, zogen sie mit dem vereinigten kaiserlich-bayerischen Heer nach Westen in Richtung des Herzogtums Württemberg, um sich dort mit einem spanischen Heer zu vereinigen.
Die schwedische Armee, deren Oberbefehl nach dem Tode Gustav Adolfs 1632 bei seinem Reichskanzler Axel Oxenstierna lag, bestand in Süddeutschland aus zwei Heeren, jeweils eines unter Generalfeldmarschall Gustaf Graf Horn und Bernhard von Sachsen-Weimar, die im Frühjahr 1634 mit einem gemeinsamen Heerzug von Württemberg nach Osten vergeblich versucht hatten, die Rückeroberung von Regensburg zu verhindern. Sie hatten den schnellen Erfolg der kaiserlich-bayerischen Armee nicht erwartet, hatten deswegen zu langsam reagiert und kamen zu spät, um Regensburg zu schützen. Während die kaiserlich-bayerische Armee bereits Richtung Westen abzog und dort am 16. August Donauwörth im Sturm einnahm, befanden sich die beiden schwedischen Heere erst auf dem mühsamen, verlustreichen Rückmarsch nach Westen, der durch Regen erschwert wurde. Während sich die Kaiserlichen bereits in Marsch auf Nördlingen setzten, das ihnen auf dem Weg nach Württemberg ungünstig in der Flanke gelegen wäre, vereinigten sich Bernhard und Horn gerade erst bei Günzburg.
Die Vorhut des kaiserlichen Heeres erschien am 17. August vor Nördlingen. Auf dem im Südwesten an die Stadt angrenzenden Totenberg wurden vier, auf dem im Süden angrenzenden Galgenberg acht Belagerungsgeschütze in Stellung gebracht, der sich im Verlauf weiter nach Süden anschließende Stoffelsberg, der Adlersberg sowie die ausgedehnten Hochebenen des Schönefeldes dienten der Hauptmacht, die am folgenden Tag heranmarschierte, als Lager. Als an diesem 18. August der erste Warnschuss auf Nördlingen abgegeben wurde, befand sich das schwedische Heer noch im etwa 50 km entfernten Günzburg und zog darauf über Heidenheim nach Aalen, das es am 21. August erreichte. Herzog Bernhard hatte den Nördlingern versprochen, sie zu entsetzen, wartete aber noch auf die dafür notwendige Verstärkungen von insgesamt etwa 10.000 Mann, von denen nur die Hälfte rechtzeitig eintraf. Die Kaiserlichen hingegen konnten mit einem spanischen Heer von 15.000 Mann rechnen, das der Kardinalinfant Ferdinando, Bruder des spanischen Königs und Cousin Ferdinands III., in Italien aufgestellt hatte, um damit über den Rhein in die Niederlande zu ziehen. Zu dieser Zeit führte das mit dem Kaiser im Haus Habsburg verwandtschaftlich verbundene Spanien Krieg gegen Teile der Niederlande, die sich für unabhängig erklärt hatten (siehe Achtzigjähriger Krieg). Die Schweden befanden sich in der ungünstigen Lage, für einen Angriff zu schwach zu sein, bei zu langem Verzug aber eine Vereinigung und damit eine weitere Stärkung des Gegners zulassen zu müssen.
Die Belagerung Nördlingens
Die Befestigung der Stadt mini|Nördlingen Luftaufnahme mini|Deiniger Tor Nördlingen besaß, wie die meisten Städte der damaligen Zeit, eine vollständige Stadtmauer, die immer wieder dem Stand der Technik angepasst worden war, jedoch nicht als Festung bezeichnet werden konnte. Auf den Mauern befanden sich insgesamt 18 Türme, fünf davon mit Toren, und drei Basteien. Aus den Basteien, den vier Tortürmen und einigen anderen Türmen konnte mit Kanonen geschossen werden. Vor der Mauer befand sich ein teilweise gefluteter Graben, in dessen innerem Rand vor den Wällen eine weitere, niedrigere Mauer einen Zwinger einschloss. Der äußere Rand des Grabens wurde ebenfalls von einer Mauer begrenzt, die ein Eindringen in den Graben erschwerte. Dem Reimlinger und dem Berger Tor waren Schanzen aus Erde vorgebaut, die die Brücken über den Graben zu den Toren versperrten. Der Abschnitt zwischen diesen beiden Einlässen war der am meisten gefährdete, da er sich vor den (einzigen) Hügeln befand, die im Süden an die Stadt heranreichten. Deshalb standen dort auch die zwei stärkeren Basteien. Schwachpunkt der Verteidigung war das Deininger Tor, das dünne Mauern hatte, keine Geschütze tragen konnte und dessen anliegende Mauerpartien keine wehrhaften Türme besaßen.
Vorbereitungen In Nördlingen hatte man bereits während der Belagerung Regensburgs Gerüchte vernommen, dass man nach dem Fall der von den Schweden besetzten Reichsstadt das nächste Ziel der kaiserlich-bayerischen Truppen sei und Vorbereitungen für eine Belagerung angestellt. Der Stadtrat versicherte sich der Unterstützung der umliegenden Städte und Fürsten sowie der Herzog Bernhards. Nach kontroverser Diskussion am 13. und 14. August wurde den Wünschen Feldmarschall Horns und Herzog Bernhards entsprechend beschlossen, die Stadt im Ernstfall zu verteidigen und eine schwedische Besatzung aufzunehmen, die noch am selben Tag mit 400–500 Mann unter Oberstleutnant Deubitz in die Stadt einzog. Zusätzlich hatte man 500–600 Bürger in sechs Fähnlein eingeteilt, die dem Stadthauptmann Welsch unterstanden. Zur selben Zeit wurden bereits einige Dörfer und Städte im Ries durch kaiserliche Reiterei geplündert und erste Geplänkel mit Nördlinger Bewaffneten ausgetragen. Plünderungen, die auch in den vorhergehenden Monaten schon vereinzelt stattgefunden hatten, trieben meist zahlreiche Bauern aus den umliegenden Dörfern hinter die sicheren Stadtmauern. Der Stadtrat hatte in seiner Sitzung vom 14. August zwar zusätzlich beschlossen, „auch daß überflüssige in die Statt eingeflohene Bauers und ander Volckh außzuschaffen, damit man zu leben hab“, allerdings scheint dieses Dekret nicht konsequent umgesetzt worden zu sein, da sich während der Belagerung immer noch viele Flüchtlinge in der Stadt befanden und die Versorgungslage erschwerten. Um den Belagerern, die man in Bälde erwartete, die Deckung zu nehmen, wurden einige vor der Stadt gelegenen Gebäude und Gärten zerstört. Innerhalb der Mauern wurde notwendiges Material herbeigeschafft und die Bürgerschaft auch psychisch auf eine Belagerung eingestellt.
Beginn der Belagerung Die ersten Schüsse gab die kaiserliche Artillerie am Vormittag des 18. August ab, richtete damit aber nur geringen Schaden an. Nachmittags wurde die Stadt zur Übergabe aufgefordert, was Kommandant Deubitz verweigerte. Im Schutze der Nacht begannen katholische Pioniere, in der Ebene um die Stadt herum Laufgräben und insgesamt sechs zusätzliche, verschanzte Geschützstellungen anzulegen, aus denen die Mauer und ihre Bollwerke direkt und effektiver beschossen werden konnten. Zusätzlich wurde die Eger blockiert, damit kein Wasser mehr in die Stadt floss. Dies hatte zwei Effekte: Zum einen konnten die Mühlen der Stadt nicht mehr betrieben werden. Während der gesamten Belagerungszeit musste das Mehl nun in der Rossmühle gemahlen werden, die den Bedarf der Eingeschlossenen bei weitem nicht decken konnte. Andererseits erschwerte der Wassermangel die Löschversuche der Einwohner. Der folgende Tag markierte den Beginn der eigentlichen Belagerung. Vom 19. August an wurden die Befestigungsanlagen der Stadt heftig mit Kanonen beschossen und versucht, mit Granaten einen Brand in der Stadt zu entfachen, was aber nicht gelang. Nur einmal entzündete sich ein gefährliches Feuer, das aber glücklich gelöscht werden konnte. Mit den Granaten und schweren Kanonenkugeln, die besonders im Umkreis der Rossmühle einschlugen, diese aber nicht zerstören konnten, wurden im Rest der Stadt zwar einige Häuser getroffen, aber insgesamt relativ geringer Schaden angerichtet. Die auf die Mauern, Türme und Tore hauptsächlich aus den vorgelagerten Batterien abgegebenen Schüsse hingegen hatten eine höchst zerstörerische Wirkung. Vor allem auf das Deininger Tor wurde am 20. und 21. so stark gefeuert, dass dieses und die angrenzenden Mauerstücke stark durchlöchert wurden und die Geschützstellungen auf dem Turm aufgegeben werden mussten. Auch vom Berger Tor, dem Oberen Wasserturm und dem dazwischen liegenden Löwenturm mussten die Kanonen wegen großer Beschädigungen abgezogen werden. Die Basteien wurden am 21. August unter schweres Feuer gelegt, so dass man sich nur noch auf ihren Trümmern verschanzen konnte, um von dort das Geschützfeuer fortzusetzen. Nahe dieser Stelle war ein Stück der Mauer so mitgenommen, dass der Kommandant in Kürze eine Bresche erwartete und Vorbereitungen für eine Erstürmung traf, die aber ausblieb. In den ersten drei Tagen hatten die Belagerer die Gegenwehr der Eingeschlossenen bereits empfindlich geschwächt. Das Bombardement hatte dem Magistrat und sicherlich auch den Einwohnern „große Furcht und Schrecken eingejaget“. Da man zudem nichts über den Verbleib der schwedischen Armee wusste und um den Entsatz bangte, versuchte der Stadtrat nach einer Sitzung am 22. August, Oberstleutnant Deubitz zur Übergabe zu bewegen, stieß damit aber auf taube Ohren.