Das Universalmuseum Joanneum, ehemals Landesmuseum Joanneum, ist eine Museumsorganisation mit (2026) 20 Museen und einem Zoo mit Standorten in Graz und in der übrigen Steiermark. Benannt wurde es nach Erzherzog Johann, dem Gründer des Museums. Es ist das älteste und nach dem Kunsthistorischen Museum in Wien zweitgrößte Museum Österreichs und das größte Universalmuseum in Mitteleuropa.
Geschichte mini|Wappen des Gründungskuratoriums am Portal mini|Altes Joanneum, Innenhof Lesliehof mini|Neues Joanneum, neobarocke Fassade an der Neutorgasse mini|Zwischen „altem“ und „neuem“ Joanneum fanden während der Neugestaltung des Innenhofes umfangreiche Bauarbeiten statt 1811 erfolgte die Gründung des Joanneums durch Erzherzog Johann, ursprünglich war es sowohl Museum als auch Lehranstalt. Rund um die umfangreichen naturwissenschaftlichen Sammlungen des Erzherzogs lehrten und forschten mehrere berühmte Wissenschaftler: So entwickelte Friedrich Mohs am Joanneum die nach ihm benannte Härteskala für Mineralien, auch der Paläobotaniker Franz Unger wirkte hier. Daneben wirkte der Literat und Historiker Johann Ritter von Kalchberg in der Gründungszeit am Aufbau der Einrichtung mit. 1864 wurde das Joanneum in den Rang einer „k.k. Technischen Hochschule“ erhoben, aus der in weiterer Folge die Technische Universität Graz hervorging. Der räumlichen und organisatorischen Loslösung der Hochschule von der Gesamtinstitution folgte 1887 der Beschluss, die Sammlungen des Joanneums in einem Landesmuseum zu vereinigen.
In den folgenden Jahren erfolgte die Neuaufstellung der joanneischen Schausammlungen im Lesliehof in der Grazer Raubergasse, dem sogenannten Alten Joanneum. Schon bald nach der Neuaufstellung entstand allerdings erneut Raumnot und man errichtete zwischen 1890 und 1895 in der Neutorgasse – in unmittelbarer Nähe des Lesliehofs – ein neues Museumsgebäude, das nach Entwürfen von August Gunolt im Stil des Wiener Neubarocks realisiert wurde. Dieser repräsentative Bau, das Neue Joanneum, beheimatete das „Kulturhistorische und Kunstgewerbemuseum“, zu dem auch die Sammlungsbestände zur Kunst des Mittelalters zählten. Auch die Landesbildergalerie übersiedelte an diese neue Adresse.
Im Jahr 1941 wurde die Landesbildergalerie schließlich in eine Abteilung für Kunst bis ca. 1800 („Alte Galerie“) und eine andere für jüngere Kunst („Neue Galerie“) geteilt.
Die beiden einander gegenüberliegenden Gebäude des Alten und Neuen Joanneums wurden von 2010 bis 2013 umfassend saniert und unterirdisch zum Joanneumsviertel verbunden. Zum 200-jährigen Gründungsjubiläum des Joanneums wurden hier 2011 die Neue Galerie Graz und die Multimedialen Sammlungen verortet. Mit der Eröffnung des neu gestalteten Naturkundemuseums am 15. März 2013 wurde dieses Projekt, das seitens der Steiermärkischen Landesregierung mit erheblichen Sonderbudgets unterstützt wurde, vorerst abgeschlossen.
Ein von Hans-Peter Bojar, Franz Walter und Judith Baumgartner erstbeschriebenes und 2012 von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständig anerkanntes Mineral erhielt zu Ehren des 200-jährigen Bestehens des Joanneums den Namen Joanneumit. Das Typmaterial des Minerals wird ebenfalls in der Mineralogischen Sammlung des Joanneums unter der Inventarnummer 85.011 aufbewahrt.
Entwicklungen im 21. Jahrhundert Das 21. Jahrhundert begann für das Joanneum mit der Ausgliederung des Museums aus der Landesverwaltung: Um im internationalen Museumsbetrieb konkurrenzfähig zu bleiben, wurde im Jahr 2003 die gemeinnützige Landesmuseum Joanneum GmbH gegründet. Durch stetige Ein- und Ausgliederungen von einzelnen Museen erreichte das Universalmuseum Joanneum seine heutige Form und ist damit das größte Universalmuseum seiner Art in Mitteleuropa: 2003 war Graz „Kulturhauptstadt Europas“ und in diesem Kontext wurde auch das Kunsthaus Graz als Teil des Joanneums eröffnet. Das Volkskundemuseum wurde 2003 neu aufgestellt und das Künstlerhaus Graz wurde übernommen. 2004 erfolgte die Neuaufstellung der provinzialrömischen Sammlung mit der Eröffnung des Lapidariums im Park von Schloss Eggenberg und des Museumspavillons Flavia Solva. Auch der Planetengarten im Eggenberger Schlosspark wurde 2004 eröffnet. 2005 übersiedelte die Alte Galerie nach Schloss Eggenberg und wurde dort neu aufgestellt, außerdem wurde im Schlosspark das Herrschaftsgartel saniert. Im selben Jahr wurde auch die Museumsakademie Joanneum gegründet, die seit 2014 von Bettina Habsburg-Lothringen geleitet wird. 2006 konnte das Jagdmuseum Schloss Stainz eröffnet werden und in Schloss Eggenberg wurden die Wechselausstellungsräume fertiggestellt. 2007 kam es zur Übernahme des Betriebes des Österreichischen Skulpturenparks. In Schloss Eggenberg wurde das Münzkabinett mit einer Neuaufstellung der Münzensammlung eröffnet. 2008 erhielt die Schausammlung im Volkskundemuseum eine neue Gestaltung. 2009 wurden die archäologischen Sammlungen mit der Eröffnung des neuen Archäologiemuseums im Park von Schloss Eggenberg ebenso neu aufgestellt wie das Landwirtschaftsmuseum Schloss Stainz. In Graz-Andritz wurde 2009 das Studien- und Sammlungszentrum (SSZ) in Betrieb genommen. 2010 erfolgte der Spatenstich für das Joanneumsviertel. 2011 wurde zum 200-Jahr-Jubiläum des Joanneums das Joanneumsviertel mit der Neuen Galerie Graz, dem BRUSEUM und den Multimedialen Sammlungen eröffnet. Im Palais Herberstein, dem alten Standort der Neuen Galerie, erfolgte die Neuaufstellung der Kulturhistorischen Sammlung im „Museum im Palais“. 2012 wurde das Römermuseum Flavia Solva einem Relaunch unterzogen. Das 1952 eröffnete Künstlerhaus Graz wurde 2012 wieder aus der Zuständigkeit des Joanneums ausgegliedert und wird seit 2013 vom Kunstverein Medienturm als Halle für Kunst und Medien betrieben. 2013 konnte die Neuaufstellung der naturkundlichen Sammlungen im Naturkundemuseum im Joanneumsviertel präsentiert werden. Auch die Kanonenhalle im Landeszeughaus erhielt ein neues Erscheinungsbild. Das Rosegger-Museum Krieglach und das Rosegger-Geburtshaus Alpl wurden 2013 Teil des Universalmuseums Joanneum. 2017 wurde das Museum für Geschichte im Palais Herberstein als gemeinsames Haus der Kulturhistorischen Sammlung und der Multimedialen Sammlungen eröffnet. Auch die archäologische Stätte Flavia Solva bekam einen Relaunch. 2019 kam das Österreichische Freilichtmuseum Stübing in den Verband des Universalmuseums Joanneum, im Joanneumsviertel konnte das CoSA – Center of Science Activities in Kooperation mit dem Grazer Kindermuseum FRida & freD eröffnet werden und in der Alten Galerie wurde die Renaissance- und Barocksammlung unter dem Titel „Zwischen Tanz und Tod. Episoden der Frühen Neuzeit“ neu aufgestellt. 2020 wurde das Kunsthaus Graz aus der Universalmuseum Joanneum GmbH ausgegliedert.
Organisation und Personal Das Universalmuseum Joanneum beschäftigt rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und genießt internationale Beachtung. Mehr als 4,9 Millionen Sammlungsobjekte sind die Basis für das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, mit dem ein breites Spektrum an Geschichte, Kunst, Kultur und Naturwissenschaft vermittelt wird. Damit folgt dieses traditionsreiche Haus seinen Gründungsaufträgen des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns.
Lange Zeit als Dienststelle der Steiermärkischen Landesverwaltung geführt, wurde das Joanneum im Jahr 2003 in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt, an deren Spitze zwei Geschäftsführer standen: Peter Pakesch als Intendant und künstlerischer Leiter sowie Wolfgang Muchitsch als wissenschaftlicher Direktor. Die Landesmuseum Joanneum GmbH erlangte mit diesem Schritt mehr Eigenverantwortlichkeit und Autonomie in personeller und budgetärer Hinsicht. Das Land Steiermark bleibt jedoch – der Stiftung Erzherzog Johanns folgend – weiterhin Eigentümer der Liegenschaften und Träger der Vermögensrechte am Museum. September 2009 erfolgte die Umbenennung in Universalmuseum Joanneum. Von 15. Oktober 2015 bis 31. Dezember 2017 war Wolfgang Muchitsch alleiniger Geschäftsführer der GmbH. Mit 1. Jänner 2018 wurde Alexia Getzinger als kaufmännische Geschäftsführung bestellt. Seit 2023 führen Marko Mele als wissenschaftlicher Geschäftsführer und Josef Schrammel als kaufmännischer Geschäftsführer die Universalmuseum Joanneum GmbH.
Direktoren 1977–1994: Friedrich Waidacher 1995–1999: Barbara Kaiser (Direktorin) 2000: Odo Burböck (geschäftsführender Direktor) 2001–2002: Odo Burböck (Direktor) 2003–2015 Peter Pakesch (Intendant) und Wolfgang Muchitsch (Direktor) 2015–2017: Wolfgang Muchitsch (Direktor) 2018–2023: Wolfgang Muchitsch (wissenschaftlicher Direktor), Alexia Getzinger (kaufmännische Geschäftsführung) Seit 2023: Marko Mele (wissenschaftlicher Geschäftsführer), Josef Schrammel (kaufmännischer Geschäftsführer)
Architektur Die Unterbringung bzw. Präsentation der Sammlungen und Ausstellungsobjekte erfolgt in Gebäuden, die mehrheitlich Zeugnisse historischer Baukunst darstellen: Schlösser, Adelspalais, ehemalige Klosteranlagen und das Landeszeughaus in Graz, welches als größte erhaltene historische Waffenkammer weltweit einzigartig ist. Aber auch markante Beispiele moderner Architektur finden sich im Verband des Universalmuseums Joanneum, z. B. das Kunsthaus Graz (2003), das Römermuseum Flavia Solva (2004) und das neue Archäologiemuseum im Park von Schloss Eggenberg (2009). 2006 gewann das Madrider Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos zusammen mit dem Grazer Büro eep architekten die Ausschreibung für das neue Besucherzentrum, das unterirdisch im Hof der Gebäude Neutorgasse und Raubergasse angelegt wird; die Eröffnung erfolgte 2011.
Standorte in Graz Landeszeughaus Das einzigartige Landeszeughaus in Graz gilt als die größte erhaltene historische Waffenkammer der Welt. Im Auftrag der steirischen Landstände erbaute Antonio Solar das „landschaftliche Zeughaus“ zwischen 1642 und 1644. Es war bis zum 18. Jahrhundert das wichtigste Waffendepot im Südosten des habsburgischen Reiches. Als Maria Theresia das Heerwesen zentralisierte, wurde das Zeughaus geschlossen, blieb jedoch als „Denkmal der Geschichte des Landes“ erhalten. Seit 1892 ist das Landeszeughaus Teil des Joanneums und vermittelt die Atmosphäre einer originalen Rüstkammer des 17. Jahrhunderts. 32.000 Exponate sind erhalten, darunter Harnische, Panzerhemden, Helme, Waffen und andere Kriegsgeräte.
Joanneumsviertel mini|Zugang in der neuen Passage in Tieflage zwischen altem und neuem Joanneum Neue Galerie Graz Die Neue Galerie Graz entstand 1941 durch die Teilung der 1811 gegründeten Landesbildergalerie des Joanneums in eine Alte und Neue Galerie, wobei Letztere die Bestände des 19. und 20. Jahrhunderts als neue Museumsabteilung übernahm. Die Sammlung umfasst bedeutende Bestände bildender Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Gegenwart. Weiters verfügt die Neue Galerie über eine Grafiksammlung mit rund 40.000 Werken, eine Fotosammlung und eine Film- und Videosammlung. Regelmäßige Sonderausstellungen zeigen internationale und österreichische Gegenwartskunst sowie Werke des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit 2011 befindet sich die Neue Galerie in den Räumlichkeiten des Neuen Joanneums im neu gestalteten Joanneumsviertel. Neben einer Dauerausstellung sind Sonderausstellungen und das sogenannte Bruseum mit Werken von Günter Brus zu besichtigen. 2017 wurde die schon von den 1990er-Jahren bis 2010 aufgebaute studio-Reihe der Neuen Galerie Graz wieder aufgenommen. Das Studio dient als Plattform für junge Künstler, die noch nicht voll im Kunstbetrieb etabliert sind oder am Anfang ihrer Karriere stehen, sowie als Instrument zur Förderung und Dokumentation junger Kunst.
Naturkundemuseum