Hans Ticha (* 2. September 1940 in Bodenbach an der Elbe) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Buchillustrator.

Leben und Schaffen Allgemeines In der Folge des Zweiten Weltkrieges war Ticha 1945/1946 in der Tschechoslowakei mit seiner Mutter und seiner Schwester in einem Lager interniert, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Sie wurden dann vertrieben und kamen in die Sowjetische Besatzungszone.

Von 1946 bis 1958 besuchte Ticha bis zum Abitur die Schule in Schkeuditz. Von 1958 bis 1962 studierte er Pädagogik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Von 1962 bis 1964 arbeitete Ticha als Lehrer für Kunsterziehung und Geschichte in Lindenthal bei Leipzig. Von 1965 bis 1970 studierte er zunächst Malerei und dann Gebrauchsgrafik an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, dies u. a. bei Kurt Robbel, Werner Klemke, Arno Mohr und Klaus Wittkugel.

Nach seinem Studienabschluss war er von 1970 bis 1990 als freischaffender Maler und Buchillustrator in Ost-Berlin tätig. In dieser Zeit gehörte er, wohnhaft in einem zerbombten Hinterhaus in der Rykestraße 28 im Prenzlauer Berg, zum kulturellen Sammelfeld des Kollwitzplatzes in Berlin. In der DDR wurde Ticha durch einen IM der Stasi bespitzelt.Wer hat Angst vor rot, gelb und lila? In: Weltkunst. Nr. 175, 1. Oktober 2020, abgerufen am 27. Januar 2022. Seine staatskritischen Ölbilder lagerte Ticha in seinem Atelier mit der Vorderseite zur Wand, mit dazwischengeklemmten Papierstreifen. Wären diese in seiner Abwesenheit zu Boden gefallen, hätte Ticha zumindest gewusst, dass die Stasi um die Bilder wüsste. Dazu kam es jedoch nie. Ticha war von 1973 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.

Ticha lebte von 1990 bis 1993 als freiberuflicher Künstler in Mainz, seit 1993 lebt er in Maintal. Seines Malstils wegen gilt er auch als „Warhol des Ostens“.Tobias Timm: Nie war die DDR bunter als bei ihm. Vielen gilt er als Warhol des Ostens, er selbst nennt seinen Stil Agitpop: Ein Besuch bei dem immer noch unterschätzten Maler Hans Ticha. In: Die Zeit. Nr. 39/2025. Aktualisiert am 10. Dezember 2025, abgerufen am 9. August 2026 (Artikelanfang frei abrufbar).

Fotografische Darstellung Tichas

Christian Borchert: Hans Ticha (1957)

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Tichas (unvollständig)

Ahrenshoop: Kunstmuseum Ahrenshoop Berlin: Neue Nationalgalerie Berlin: Berlinische Galerie Berlin: Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank Berlin: Deutsches Historisches Museum Bonn: Haus der Geschichte Dresden: Kupferstichkabinett Dresden: Galerie Neue Meister Dresden: Militärhistorisches Museum Frankfurt (Main): Städelsches Kunstinstitut Frankfurt (Oder): Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst Halle/Saale: Kunstmuseum Moritzburg In: kunstmuseum-moritzburg.de, 2017. Leipzig: Sportmuseum Leipzig Leipzig: Deutschen Buch- und Schriftmuseum Nürnberg: Germanisches Nationalmuseum Schwerin: Staatliches Museum Schwerin Weimar: Neues Museum Weimar

Werk Tichas künstlerisches Werk umfasst Plakate, Druckgrafiken, Bilder, Objekte und Zeichnungen. Er illustrierte außerdem nicht nur Buchtexte, sondern auch zahlreiche Schutzumschläge und Einbände von Büchern. Zu den von Ticha illustrierten Büchern gehören unter anderem solche von Bertolt Brecht, Karel Čapek, Maxim Gorki, Heinrich Heine, E. T. A. Hoffmann, Bohumil Hrabal, Ernst Jandl, Erich Kästner, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, William Makepeace Thackeray und Kurt Tucholsky. Sein erstes Buch, Das Schildbürgerbuch, erschien 1959 im Eigenverlag.

Ticha arbeitete für viele wichtige Verlage der DDR, darunter der Mitteldeutsche Verlag, der Verlag Junge Welt, der Verlag der Nation, der Aufbau Verlag und Kinderbuchverlag Berlin. Nach der Deutschen Wiedervereinigung erschienen seine Bücher auch bei westdeutschen Verlagen, vor allem bei der Büchergilde Gutenberg, für die er „einige seiner schönsten und aufwendigsten Arbeiten geschaffen“ habe (Florian Balke, FAZ, 2004).Florian Balke: In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. September 2004, Nr. 213, S. 44, abgerufen am 3. Februar 2022. Insgesamt gestaltete er mehr als 100 Bücher, für die er mehrfach die Auszeichnung Schönste Bücher der DDR erhielt sowie ebenfalls mehrfach von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet wurde.

Seinen Vorlass hat Ticha dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum Leipzig vermacht.

2026 erzielte Tichas Ölgemälde Strandburg II bei einer Auktion 179.200 € (inkl. Aufgeld).

Der Krieg mit den Molchen Als bedeutendstes von Ticha illustriertes Buch gilt Der Krieg mit den Molchen (1987), ein erstmalig 1936 in der Tschechoslowakei erschienener Science-Fiction-Roman von Karel Čapek. Erste Ideen Tichas zur Illustration gehen bereits auf 1974 zurück. Doch erst 1987 erschien das Buch mit Tichas Bildern beim Aufbau-Verlag und wurde im selben Jahr als eins der „Schönsten Bücher der DDR“ ausgezeichnet. Eine Neuausgabe des Buches erschien 2016 bei der Büchergilde Gutenberg.

Laut Ticha habe er von dem Buch bereits „als 15-Jähriger erfahren“, als das Buch in seiner ersten DDR-Ausgabe 1956 im Aufbau-Verlag erschien. 1974 erstellte Ticha „unter großem technischem Aufwand“ Probeillustrationen sowie typografische Vorschläge, die jedoch unbeachtet im Verlag liegenblieben. Ende der 1970er Jahre „kündigte der künstlerische Leiter an, dass wir den Titel umsetzen werden“, sodass Ticha über „100 Illustrationen, verschiedene Vorlagen in unterschiedlichen Größen“ 1980 beim Verlag ablieferte. Dennoch wurde das Buch erst „knapp vor Torschluss der DDR produziert“. Wegen des damaligen drucktechnischen Aufwands hätte sich das Buch mit Tichas Illustrationen „ein westdeutscher Verlag gar nicht leisten können“.Ein Kultbuch ist zurück. Interview mit Hans Ticha, Büchergilde Gutenberg, abgerufen am 3. Februar 2022.

Für Florian Balke (FAZ, 2004) ist das Buch in „virtuoser Typographie, mit kompliziertestem Umbruch und mit einem Feuerwerk von Illustrationen unterschiedlichster Stile eines der schönsten Bücher der deutschen Buchgeschichte, das dem polyphonen Anspielungsreichtum des Romans kongenial entspricht.“Kongenialer Krieg mit den Molchen: Hans Tichas Buchillustrationen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. September 2004, Nr. 213, S. 44, abgerufen am 3. Februar 2022.

Für Julia Blume (2006) ist das Buch ein „Höhepunkt in Tichas Arbeit als Buchgrafiker“ und ermögliche eine „unmittelbare Teilhabe des Lesers an der Illustrationslust Tichas“.Hans Tichas Bücherbilder. In: Hans Ticha. Buch & Grafik. 1970–2006. Katalog zur Ausstellung. Deutsche Nationalbibliothek. Deutsches Buch- und Schriftmuseum. 15. März bis 8. September 2007. Deutsche Nationalbibliothek, 2007, abgerufen am 3. Februar 2022. Das Werk sei „auf allen Ebenen durchgestaltet“ und spiele „mit dem formalen Erscheinungsbild der Texte“. Der Leser tauche „nahezu in ein Spektakel ein“ und werde verführt, sich der „virtuosen Inszenierung des Regisseurs des Textes hinzugeben“. Es gebe nicht viele Bücher, „die so reich ausgestattet sind und für den Leser und Betrachter so zur ereignisreichen Bühne werden“. Selbst innerhalb Tichas Gesamtwerk bleibe „eine Buchgestaltung wie in diesem Titel von Čapek singulär“.

Jochen Kürten (Deutsche Welle, 2017) sieht das Buch als ein „wahres Buchkunstwerk mit Zeichnungen, Bildern, Drucken, verschiedenen Schriftarten“.Fünf literarische Klassiker zum neuen Jahr. Deutsche Welle, 1. Januar 2017, abgerufen am 3. Februar 2022.

Ausstellungen Seit 1976 wird Tichas Werk in Einzel- oder Sammelausstellungen gezeigt. In der DDR war er auf einer Anzahl wichtiger Ausstellungen vertreten, u. a. 1977/1978 und 1982/1983 auf der VIII. und IX. Kunstausstellung der DDR. 1990 war er an der Ausstellung Ambiente Berlin auf der Biennale di Venezia beteiligt.

Einzelausstellungen (unvollständig) 1983: Berlin, Kleine Humboldtgalerie (Zeichnungen und Druckgrafik) 1993: Frankfurt a. M., Büchergilde Buchhandlung & Galerie 2007: Leipzig, Deutsches Buch- und Schriftmuseum (Buch und Grafik 1970 – 2006)Deutsche Nationalbibliothek, Deutsches Buch- und Schriftmuseum (Hrsg.): Hans Ticha. Buch und Grafik 1970 – 2006. Katalog zur Ausstellung, Projektleitung, Katalogbearbeitung, Redaktion: Hannelore Schneiderheinze. Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig / Frankfurt am Main / Berlin 2007, ISBN 978-3-933641-81-6. 2008: Galleri Heike Arndt DK Berlin Soloausstellung 2009: Galleri Heike Arndt DK Kettinge Soloausstellung, Dänemark 2013: Kopenhagen, Arbeiter Museum Soloausstellung 2013: Born a. Darß und Berlin, Galerie Läkemaker 2014: Galleri Heike Arndt DK Berlin Soloausstellung "Selection" 2014: Hamburg, Büchergilde Hamburg (Grafik, illustrierte Bücher Zeichnungen) 2015: Born a. Darß, Galerie Läkemaker 2016: Jena, Kunstsammlung der Städtischen Museen Jena (Bilder, Zeichnungen, Objekte) 2016: Libnow, Galerie Läkemaker im Herrenhaus Libnow 2017: Born a. Darß und Berlin, Galerie Läkemaker 2019: Frankfurt a. M., Galerie Hanna Bekker vom Rath 2019: Ostseebad Wustrow, und Berlin, Galerie Läkemaker 2020: Rheinsberg, Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum 2020: Schwerin, Schleswig-Holstein-Haus (Ausstellung zum 80. Geburtstag) 2020: Frankfurt a. M., Büchergilde Buchhandlung & Galerie (Zeichnungen zu Gedichten von Mascha Kaleko) 2021: Ostseebad Wustrow, Galerie Läkemaker (Hans Ticha Neue Bilder) 2022: Ostseebad Wustrow, Galerie Läkemaker (Ticha Werke auf Papier) 2023: Ostseebad Wustrow, Galerie Läkemaker (Ticha Materei Zeichnung Graphik) 2024: Leipzig, Museum für Druckkunst (Hans Ticha – Druckgrafiken 1966–2017) 2024: Frankfurt a. M., Galerie Hanna Bekker vom Rath (Auf Papier) 2025: Quedlinburg, Museum Lyonel Feininger (Ticha | Kugel · Kegel · Körperkult)Ausstellung zum 85. Geburtstag von Hans Ticha | Kugel · Kegel · Körperkult im Museum Lyonel Feininger. In: harz-news. 12. April 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025 2025: Berlin-Altglienicke, Galerie der Berliner Graphikpresse (Hans Ticha: Graphik & Plakate) 2025/26: Rostock, Kunsthalle Rostock (Hans Ticha Retrospektive)Hans Ticha Retrospektive: vom 14. Dezember 2025 bis 15. März 2026. In: kunsthallerostock.de, abgerufen am 14. Dezember 2025.Der „Warhol des Ostens“ – Ausstellung zum 85. Geburtstag von Hans Ticha. In: ARD Mediathek, erschienen und abgerufen am 14. Dezember 2025. 2026: Ostseebad Wustrow, Galerie Läkemaker (Ticha Bilder Aquarelle Zeichnungen) 2026: Nürnberg, Neues Museum Nürnberg (Ticha, Retrospektive)TICHA Retrospektive. Erstmals wird im Westen der Republik das Werk von Hans Ticha (* 1940) in einer Retrospektive vorgestellt. In: nmn.de, Neues Museum Nürnberg, abgerufen am 1. April 2026.

Kinderliterarisches Schaffen Allgemeines Hans Ticha ist nicht nur im Bereich der Belletristik, sondern auch im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur künstlerisch tätig. Im Zeitraum von 1973 bis 2007 illustrierte er 35 Bücher, die sich vor allem an junge Leser richten: zwanzig Bilderbücher, acht Kinderbücher, vier Jugendbücher und drei Lehr- bzw. Sachbücher. Außerdem steuerte Ticha jeweils eine Illustration zu drei Sammlungen mit Erzählungen bei, die jeweils von verschiedenen Künstlern – darunter auch Klaus Ensikat, Volker Pfüller und Elizabeth Shaw – bebildert wurden. Bis 1977 illustrierte er ausschließlich Kinder- bzw. Jugendbücher, während ab 1978 vor allem das Bilderbuch im Zentrum seines kinderliterarischen Schaffens stand.