Die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst (Name der Gesamtabteilung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst) ist eine Spezialsammlung der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und beherbergt im Bode-Museum einen der weltweit bedeutendsten Bestände an Bildwerken von der Spätantike bis zum beginnenden 19. Jahrhundert.
Geschichte Wie die meisten Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin geht die Skulpturensammlung in ihrem Grundbestand auf den Kunstbesitz der brandenburgisch-preußischen Herrscher zurück. 1828 wurde für das in Gründung befindliche Museum die römische Sammlung des Königlich-Preußischen Generalkonsuls Jakob Ludwig Salomon Bartholdy angekauft. Diese enthielt neben einem bemerkenswerten Bestand antiker Kleinkunst auch eine Reihe von Majoliken und Skulpturen der italienischen Frührenaissance. All diese Bestände waren bei der Eröffnung des Museums der Antikenabteilung angeschlossen und bildeten noch keine eigenständige Sammlung.
Erst als der italienische Maler Cesare Mussini dem Museum 1839 zwei italienische Quattrocento-Büsten schenkte, wollte man den Bestand ausbauen und ergänzen. Eine hervorragende Möglichkeit dafür ergab sich 1841/1842, als Gustav Friedrich Waagen, der sich auf einer Einkaufsreise für die Gemäldegalerie in Italien befand, in Venedig rund 80 Bildwerke aus der Sammlung des venezianischen Antiquars Francesco Pajaro angeboten wurden, die dieser für 13.260 Franc erwarb. Diese Sammlung enthielt Sarkophage aus der Langobardenzeit, byzantinische Architekturelemente, venezianische Dekorationselemente und Reliefs, vier Büsten von Alessandro Vittoria, eine Altartafel von Jacopo Sansovino und die beiden berühmten Schildhalter des Tullio Lombardo, die dieser für das Grabmal des Dogen Andrea Vendramin geschaffen hatte. In Berlin war man von dieser Erwerbung begeistert und ermächtigte Waagen, neben Gemälden auch weitere Bildwerke anzukaufen, so dass er auf seiner Italienreise noch etwa 25 weitere Werke der italienischen Frührenaissance erwarb, darunter ein Mädchenkopf von Mino da Fiesole und die berühmte Büste der Marietta Strozzi von Desiderio da Settignano. 1844 erwarb der preußische Gesandte Alexander von Minutoli das Apsismosaik aus der Kirche San Michele in Affrisco in Ravenna.
mini|Ravensburger Schutzmantelmadonna, um 1480 Mit dem Erwerb bedeutender nordalpiner Bildwerke für die später an das Berliner Museum überführte Kunstkammer, darunter die 1850 gezielt angekaufte spätgotische Ravensburger Schutzmantelmadonna, wurde bereits der Grundstein für den späteren Ausbau der Skulpturenabteilung als gesamteuropäische Sammlung gelegt. 1859 wurden die Skulpturen aus dem Alten Museum in das Neue Museum überführt.
Nach diesen Ansätzen stagnierte der weitere Aufbau der Sammlung, da man allgemein die irrige Meinung vertrat, dass keine bedeutenden Originalwerke mehr zum Verkauf stünden. Zwar war der Generaldirektor der Königlichen Museen Ignaz von Olfers ein bekennender Liebhaber italienischer Skulpturen, doch wollte er diese vornehmlich durch Gipsabgüsse präsentieren. So gelangten in den Folgejahren nur wenige weitere Werke in die Sammlung, darunter das Modell eines Flussgottes von Giovanni Bologna und die große Büste Papst Alexander VI. die lange Zeit als Werk von Pasquale da Caravaggio galt. Dies änderte sich erst, als 1872 Wilhelm Bode zum Assistenten von Julius Meyer, dem neuen Direktor der Gemäldegalerie, berufen wurde und er damit für die Renaissance-Abteilung der Skulpturen verantwortlich war. Bode begleitete Meyer 1872/1873 auf seiner Einkaufstour für das Berliner Museum nach Italien und war dabei für den Erwerb der Büste des Malers Carlo Maratta von Francesco Maratti Padovano und einem Kopf Benedikt XIV. von Pietro Bracci verantwortlich, der den Skulpturenbestand zeitlich bis ins 18. Jahrhundert ausdehnte und damit bereits andeutete, welcher Umfang dem jungen Museumsmann für eine Skulpturensammlung vorschwebte.
In den Folgejahren erwarb Bode in schneller Reihenfolge mit der Marmorbüste des Niccolò Strozzi von Mino da Fiesole, der aus Ton gebrannten Büste des Filippo Strozzi von Benedetto da Maiano, der Büste einer Prinzessin von Neapel von Francesco Laurana und der Bronzestatuette Johannes des Täufers von Donatello einige der bekanntesten italienischen Werke für die Skulpturensammlung. 1875 gelangten mit der endgültigen Auflösung der königlichen Kunstkammer zahlreiche weitere Objekte an die Museen. Parallel dazu wurden eine Reihe weiterer Werke aus den königlichen Schlössern in Museumsbesitz überführt. So gelangten zahlreiche Arbeiten aus Elfenbein und Werke von Tilman Riemenschneider, Conrat Meit, niederländische Bildwerke und auch wieder eine Reihe italienischer Arbeiten in die öffentlichen Berliner Sammlungen. 1879 gelang Bode der Ankauf der berühmten Marmorstatue des jugendlichen Johannes (Kriegsverlust), den er für den berühmten Giovannino von Michelangelo Buonarotti hielt, dessen Autorenschaft aber immer umstritten blieb, bis das Werk endgültig als Arbeit eines Florentiner Nachfolgers anerkannt wurde.
Ab 1885 war Bode alleiniger Leiter der Skulpturenabteilung. Er bemühte sich verstärkt darum, die nachantiken Bildwerke und die auf verschiedene Abteilungen verteilten Kunstwerke der frühchristlich-byzantinischen Epoche in einer neuen, eigenständigen Sammlung, der Abteilung der Bildwerke der christlichen Epochen, zu vereinigen. Gleichzeitig forcierte er den Erwerb weiterer Werke, zu denen neben weiteren italienischen Arbeiten auch verstärkt deutsche Arbeiten der Gotik und Renaissance gehörten. Ab den 1890er Jahren verfolgte Bode das Anliegen, die qualitativ und quantitativ bestehende Lücke zwischen Antike und Mittelalter zu schließen und auch die Abteilung spätantiker und byzantinischer Kunst in den Berliner Museen auf einen höheren Stand zu heben. In der Folge erfolgten zahlreiche gezielte Ankäufe in Konstantinopel, Ägypten und auch Rom. Dabei bediente er sich der Kennerschaft von Gelehrten wie Josef Strzygowski und Oskar Wulff. Des Weiteren wurden die Berliner Ausgräber in Kleinasien angewiesen, bei ihren Funden verstärkt nach passenden Objekten Ausschau zu halten und diese für Berlin zu sichern.
Daneben engagierte sich Bode auch verstärkt beim Ausbau der reichen Berliner Privatsammlungen, aus denen die Berliner Sammlung später zahlreiche Schenkungen erhielt. Zu den namhaftesten Gönnern der Sammlung gehörten vor allem Eduard und James Simon, Adolf von Beckerath, August Karl Graf von Dönhoff-Friedrichstein, Alfred Beit, Richard von Kaufmann, August Freiherr von der Heydt und Alfred Thiem. Ab 1897 wuchs die Sammlung erheblich durch die finanzielle Unterstützung des von Bode gegründeten Kaiser Friedrich Museumsvereins.
mini|Vitrine mit im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten italienischen Skulpturen Mit der Eröffnung des Gebäudes des Kaiser-Friedrich-Museums (heute Bode-Museum) im Jahr 1904 bezog die Sammlung erstmals ein eigenes Haus und wurde, vor allem im Bereich der italienischen Frührenaissance in sogenannten Stilräumen, zusammen mit Bildern der Gemäldegalerie, sowie Möbeln, originalen oder nachempfundenen Architekturelementen, Böden, Decken und Gobelins gezeigt.
1906 initiierte Bode dann den Neubau eines Museums für ältere deutsche Kunst(i. e. das Deutsche Museum) als Teil des heutigen Pergamonmuseums, das 1930 eröffnet wurde. Die deutschen, altniederländischen und vorbarocken französischen Bildwerke wurden in das neu entstandene Deutsche Museum überführt, wo sie bis 1939 verblieben. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Sammlung geschlossen und das bewegliche Inventar erst in den Museumskellern und später teilweise in die Flaktürme Zoo und Friedrichshain verbracht. Von dort wurden in den letzten Kriegstagen zahlreiche Kunstwerke, vor allem Kleinplastik, sämtliche Arbeiten aus Elfenbein und spätantiker Schmuck, in die Kalibergwerke Merkers und Grasleben ausgelagert, wo sie den amerikanischen Truppen in die Hände fielen und später nach Wiesbaden verbracht wurden. Die im Flakturm Friedrichshain verbliebenen Kunstwerke fielen nach Kriegsende wahrscheinlich zu einem großen Teil einem verheerenden Brand zum Opfer. Zu den verlorenen oder nur noch in Fragmenten erhaltenen Skulpturen gehören Werke aus den Werkstätten von Erasmus Grasser, Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, von Paul Egell, Gregor Erhard, Peter Flötner, Jörg Lederer, Hans Leinberger, Benedetto da Maiano, Giovanni Bologna, Desiderio da Settignano, Donatello, Mino da Fiesole, Lorenzo Ghiberti, Francesco Laurana, Giovanni Pisano, Nicola Pisano, Andrea Della Robbia, Luca della Robbia, Antonio Rossellino, Andrea del Verrocchio und Alessandro Vittoria. Viele weitere, heute ausgestellte Werke, zeigen kriegsbedingte kleinere Schäden. Die Abteilung spätantiker und byzantinischer Kunst verlor etwa ein Drittel ihres Bestandes, die Skulpturensammlung rund 1400 Bildwerke.Siehe Lothar Lambacher, Rainer Michaelis, Lothar Brauner, Caren Dreyer, Michael Knuth: Dokumentation der Verluste. Skulpturensammlung. Band VII. Skulpturen. Möbel. Berlin 2006, ISBN 3-88609-562-2.
Wie viele Kunstwerke sich als Beutekunst in Russland oder in Sammlungen an anderen Orten befinden, ist unbekannt. Fest steht nur, dass 39 nach Kriegsende beschlagnahmte Skulpturen von der Sowjetunion nicht zurückgegeben wurden. Darüber hinaus ist eine Objektliste des Puschkin-Museums aus dem Jahr 1955 bekannt, die weitere, ehemals im Flakturm Friedrichshain ausgelagerte Werke nennt, die sich dort vermutlich noch immer befinden. Darunter sind nach neueren Recherchen, die im Rahmen der Erstellung eines Verlustkatalogs vorgenommen wurden, Werke von Donatello (Johannes der Täufer; Die Geißelung Christi), zwei weitere ihm zugeschriebene Werke (Madonna; Amor), von Lorenzo Ghiberti (Karyatide), von Giovanni Pisano (die beiden Sibyllen) von Nicolo Pisano (Erhöhung eines Bischofs), von Mino da Fiesole (Bildnisbüste eines Mädchens), von Luca della Robbia (Madonna Friedrichstein; Genueser Madonna) und von Andrea del Verrocchio (Die Grablegung Christi). Über ihren Zustand ist nichts bekannt. Weitere Kunstwerke, vor allem Kleinplastiken, gingen an den Auslagerungsstätten Salzbergwerk Kaiseroda-Merkers und Salzbergwerk Grasleben verloren. Einige dieser vermissten Werke tauchten nach 1945 im internationalen Kunsthandel auf und konnten teilweise zurückgeführt werden.
Bald nach Kriegsende begann man mit der Bergung und dem Wiederaufbau der Berliner Museen. Eine erste Sichtung der auf der Museumsinsel verbliebenen Kunstgegenstände ergab, dass unter anderem noch 583 Skulpturen vorhanden waren. Dazu kamen weitere 32 Kunstwerke aus der privaten Kunstsammlung Gerhart Bollert und 3 Objekte aus anderen Privatsammlungen, die aus Angst vor Kriegsschäden bei den Staatlichen Museen eingelagert worden waren. In den Jahren 1950 bis 1952 erfolgte, unter Leitung des Kustos Klaus Wessel, die Sichtung der verbliebenen Sammlungsbestände. Im Zentrum dieser Arbeiten stand das weltberühmte Apsismosaik, dass weitgehend in seine Einzelteile zerfallen war. Trotzdem gelang es, das Werk wiederherzustellen. 1952 wurden die spätantiken und byzantinischen Bestände aus dem Verbund mit der Skulpturensammlung ausgegliedert und erhielt den neuen Namen Frühchristlich-byzantinische Sammlung. 1953 konnten Teile der nun zwei Sammlungen erstmals nach Kriegsende wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 1958 kehrte ein Teil der in die Sowjetunion verbrachten Kunstwerke auf die Museumsinsel zurück, darunter große Teile der spätantiken Arbeiten und rund 450 Bildwerke aus der Skulpturensammlung. Am 4. Oktober 1959 wurde die erste neue Dauerausstellung der Kunstwerke im Bode-Museum eröffnet.
mini|Antonio Canova: Tänzerin, um 1809–1812; erworben 1981.