mini|Titel des Werkes Anti-Dühring 1878 mini|Erster Artikel des Anti-Dühring im Vorwärts vom 3. Januar 1877 Die Schrift Herrn Eugen Dühring’s Umwälzung der Wissenschaft, oder kurz Anti-Dühring genannt, ist eine von Friedrich Engels zuerst 1877 fortsetzungsweise im Vorwärts veröffentlichte Streitschrift gegen den Philosophen und Nationalökonom Eugen Dühring unter Mitarbeit von Karl Marx.„Da die hier entwickelte Anschauungsweise zum weitaus größern Teil von Marx begründet und entwickelt worden, und nur zum geringsten Teil von mir, so verstand es sich unter uns von selbst, daß diese meine Darstellung nicht ohne seine Kenntnis erfolgte. Ich habe ihm das ganze Manuskript vor dem Druck vorgelesen, und das zehnte Kapitel des Abschnitts über Ökonomie (»Aus der ›Kritischen Geschichte‹«) ist von Marx geschrieben und mußte nur, äußerlicher Rücksichten halber, von mir leider etwas verkürzt werden. Es war eben von jeher unser Brauch, uns in Spezialfächern gegenseitig auszuhelfen.“ Friedrich Engels: Vorwort zu Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft ('Anti-Dühring'), in: Marx-Engels-Werke Band 20, S. 9.Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27, Berlin 1988, S. 129–216 und S. 831–1036. Es gibt drei große Abschnitte, Philosophie, Politische Ökonomie und Sozialismus, in denen unter anderem Probleme wie Zeit und Raum, Moral und Recht, Freiheit und Notwendigkeit, Kapital und Mehrwert sowie Produktion und Verteilung, Staat, Familie, Erziehung behandelt werden.https://mega.bbaw.de/de/mega-baende/i-abteilung/mega-marx-engels-gesamtausgabe-inhaltsverzeichnis-i/27 Der Anti-Dühring wird zu den einflussreichsten Texten des Marxismus gerechnet.
Überblick Die Schrift wurde verfasst von September 1876 bis Juni 1878 und Artikelweise veröffentlicht im Vorwärts vom 3. Januar 1877 bis 7. Juli 1878. Die erste Buchausgabe erschien 1877 sowie 1878 in Leipzig,Siehe Widmungsexemplare von Friedrich Engels an Karl Marx 1. November 1877 und 13. Juli 1878 an Karl Marx. Die erste Widmung ist als Faksimile bei Helmut Hirsch, Friedrich Engels, 1968, S. 85 und die zweite Widmung im Auktionskatalog J. A. Stargardt 5. und 6. Juni 2012 gedruckt. die zweite Auflage 1886 in ZürichMarx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27, Berlin 1988, S. 1072–1077. und die dritte durchgesehene und vermehrte Auflage 1894 in Stuttgart.Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27, Berlin 1988, S. 1078–1079.
Ursprünglich auf Bitten Wilhelm Liebknechts verfasst, um den Einfluss Eugen Dührings zu schmälern, entwickelte sich der in polemischem Stil abgefasste Anti-Dühring neben der Kurzfassung Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft zum meistgelesenen Werk von Marx und Engels. Die Bedeutung des Anti-Dühring liegt nicht in seiner Auseinandersetzung mit Dühring, sondern in der Darlegung der „kommunistischen Weltanschauung“ (Vorwort zur 2. Auflage)Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27, Berlin 1988, S. 1072–1077.. Nicht nur die Grundzüge des Marxismus werden dargestellt, es werden auch Themengebiete behandelt, die bisher unberührt blieben.Theo Stammen, Gisela Riescher, Wilhelm Hofmann (Hrsg.): Hauptwerke der politischen Theorie (= Kröners Taschenausgabe. Band 379). Kröner, Stuttgart 1997, ISBN 3-520-37901-5, S. 137–140.
Wirkung Der Anti-Dühring nimmt eine bedeutende Rolle für die Entwicklung des Marxismus ein. Lenin bezeichnete den Anti-Dühring zusammen mit dem Kommunistischen Manifest und dem Werk Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie als "Handbücher jedes klassenbewussten Arbeiters".http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1913/03/quellen.htm „Am klarsten und ausführlichsten sind ihre Anschauungen in Engels-Werken Ludwig Feuerbach und Anti-Dühring niedergelegt, die – wie das Kommunistische Manifest – Handbücher jedes klassenbewußten Arbeiters sind.“ Für den Marxismus-Leninismus wurde im Anti-Dühring der philosophische Materialismus streitbar niedergelegt. Marx verfasste selbst ein Kapitel dieser Schrift. Dennoch ist innerhalb des westlichen Marxismus umstritten, ob die Schrift eine authentische Darstellung des marxschen Denkens bildet. Dabei wird einerseits eine unterschiedliche Gewichtung im Werk Marx und Engels diskutiert, andererseits auf die Intention der Schrift und den sich daraus ergebenden Charakter verwiesen.
Im Vorwort zur zweiten Auflage schrieb Engels (London, 23. September 1885): „Das hier kritisierte »System« des Herrn Dühring verbreitet sich über ein sehr ausgedehntes theoretisches Gebiet; ich war genötigt, ihm überallhin zu folgen und seinen Auffassungen die meinigen entgegenzusetzen. Die negative Kritik wurde damit positiv; die Polemik schlug um in eine mehr oder minder zusammenhängende Darstellung der von Marx und mir vertretenen dialektischen Methode und kommunistischen Weltanschauung, und dies auf einer ziemlich umfassenden Reihe von Gebieten.“Marx-Engels-Werke Band 20, 11., überarbeitete Aufl. (1. Aufl. als Paperback) Berlin 2025 S. 8 bzw. Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27 Text Vorworte zu den drei Auflagen, Berlin 1988, S. 492 Zeile 20–27
Bekannte Zitate
„Für den Metaphysiker sind die Dinge und ihre Gedankenabbilder, die Begriffe, vereinzelte, eins nach dem andern und ohne das andre zu betrachtende, feste, starre, ein für allemal gegebne Gegenstände der Untersuchung. Er denkt in lauter unvermittelten Gegensätzen: seine Rede ist ja, ja, nein, nein, was darüber ist, ist vom Übel. Für ihn existiert ein Ding entweder, oder es existiert nicht: ein Ding kann ebensowenig zugleich es selbst und ein andres sein. Positiv und negativ schließen einander absolut aus; Ursache und Wirkung stehn ebenso in starrem Gegensatz zueinander. Diese Denkweise erscheint uns auf den ersten Blick deswegen äußerst plausibel, weil sie diejenige des sogenannten gesunden Menschenverstandes ist.“Marx-Engels-Werke Band 20, 11., überarbeitete Aufl. (1. Aufl. als Paperback) Berlin 2025 S. 20 bis 21 bzw. Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27 Text Einleitung I. Allgemeines, Berlin 1988, S. 232 Zeile 23–32 und Band 27 Apparat Seite 1119 oben
„[…], und da zeigte sich, daß alle bisherige Geschichte die Geschichte von Klassenkämpfen war, daß diese einander bekämpfenden Klassen der Gesellschaft jedes mal Erzeugnisse sind der Produktions- und Verkehrsverhältnisse, mit Einem Wort der ökonomischen Verhältnisse ihrer Epoche; …“Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27 Einleitung I.Allgemeines, Berlin 1988, S. 236 Zeile 23–27
„Eine über den Klassengegensätzen und über der Erinnerung an sie stehende, wirklich menschliche Moral wird erst möglich auf einer Gesellschaftsstufe, die den Klassengegensatz nicht nur überwunden, sondern auch für die Praxis des Lebens vergessen hat.“Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27 Erster Abschnitt Philosophie IX. Moral und Recht. Ewige Wahrheiten Berlin 1988, S. 295 Zeile 12–15
„Nicht in der geträumten Unabhängigkeit von den Naturgesetzen liegt die Freiheit, sondern in der Erkenntnis dieser Gesetze, und in der damit gegebnen Möglichkeit, sie planmäßig zu bestimmten Zwecken wirken zu lassen. […] Freiheit des Willens heißt daher nichts andres als die Fähigkeit, mit Sachkenntnis entscheiden zu können.“Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27 Erster Abschnitt Philosophie XI. Moral und Recht. Freiheit und Notwendigkeit., Berlin 1988, S. 312 Zeile 24–27 und Zeile 31–32
„Die Vorstellung, als wären die politischen Haupt- und Staatsaktionen das Entscheidende in der Geschichte, ist so alt wie die Geschichtsschreibung selbst, und ist die Hauptursache davon, daß uns so wenig aufbewahrt worden ist über die sich im Hintergrund dieser lärmenden Auftritte still vollziehende und wirklich vorantreibende Entwicklung der Völker.“Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung I, Band 27 Zweiter Abschnitt. Politische Ökonomie. II. Gewaltstheorie., Berlin 1988, S. 351 Zeile 26–31
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Kategorie:Schrift von Karl Marx und Friedrich Engels Kategorie:Philosophisches Werk Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch)