Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) ist ein 1893 unter dem Namen Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) gegründeter technisch-wissenschaftlicher Verband in Deutschland. Die Kernthemen des Verbandes sind Prüfung, Standardisierung, Zertifizierung und Anwendungsberatung im Fachbereich Elektrotechnik.
Geschichte mini|Gedenktafel für die ersten deutschen Sicherheitsvorschriften elektrischer Stromanlagen, Eisenach, Karlsplatz
Die schnelle Entwicklung der Technik auf Basis der Elektroenergie ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (ab 1880 Starkstromtechnik)Klaus-Peter Hoepke, Zur Entstehungsgeschichte der Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe (TH) (PDF, 192 kB). führte zur Herausbildung eines eigenen Technikzweiges, der Elektrotechnik. In den 1870er Jahren erkannte Werner Siemens die immense Bedeutung und das Potenzial der neuen Technikrichtung und wandte sich an den Generalpostmeister Heinrich von Stephan mit diesen Überlegungen: Stephan genehmigte daraufhin die Gründung eines Vereins, der die ordnende Funktion übernehmen sollte. Im Januar 1879 erfolgte die Gründung des ersten Berliner Elektrotechnik-Vereins, der sich zunächst um die Sicherheit der elektrotechnischen Anlagen, die Klärung der Verwendung von Gleich- oder Wechselstrom und den Austausch zwischen den Betreibern von Schwachstrom- und Starkstrom-Anlagen kümmerte. Doch die Probleme nahmen weiter zu, so dass ein nationaler Verband notwendig erschien. Der größte Befürworter einer solchen Einrichtung war Adolf Slaby, in den 1880er Jahren Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Er forderte die Elektrotechnischen Vereine in einem 1892 versendeten Rundschreiben auf Der Einladung folgten zahlreiche Ingenieure und Wissenschaftler; die Gründungsversammlung verschob sich allerdings durch den Tod von Siemens (6. Dezember) auf das folgende Jahr.
Als sich am 21. Januar 1893 im Gelben Saal des Hotels Kaiserhof 37 Vertreter aus dem Gebiet Elektrotechnik getroffen hatten, klärten sie die notwendigen Organisationsfragen. Am folgenden Tag erfolgte bei einem von Emil Rathenau veranstalteten Festessen in seinem Haus die feierliche Gründung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker. Als erste vorläufige Vorstandsmitglieder wurden Adolf Slaby und Georg Wilhelm von Siemens gewählt. Mitunterzeichner der Gründungsurkunde war u. a. auch Emil Arnold Budde.Maria Curter: Der Verband Deutscher Elektrotechniker wird gegründet. In: Berlin Kalender, 1998. Verlag Haude und Spener, Edition Luisenstadt, 1998, ISBN 3-7759-0417-4, S. 38/39.
In den folgenden Jahrzehnten passten die Verbandsmitglieder sowohl den Namen als auch die Aufgaben des Verbandes den jeweils aktuellen technischen Erfordernissen an. 1937 wurde der Verband gleichgeschaltet und dem NS-Bund Deutscher Technik eingegliedert. Dieser unterstand dem Hauptamt für Technik in der NSDAP. Nach der „Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen“ mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 setzte der britische Sektor Berlins einen Treuhänder ein, damit unter anderem die Normungsarbeit des VDE fortgesetzt werden konnte. 1946 gründeten sich regionale Organisationen des VDE neu, und am 23. März 1950 wurde der Verband in Frankfurt am Main wiedergegründet, wo er bis heute seinen juristischen Sitz hat.
Anlässlich der Hundertjahrfeier 1993 brachte die Deutsche Bundespost die Sondermarke „100 Jahre Verband Deutscher Elektrotechniker“ heraus. Seit 1998 firmiert der VDE als VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik.
+ Die VDE-Generalsekretäre von 1894 bis 2002 Jahr Name 1894–1905 Gisbert Kapp 1905–1920 Georg Dettmar 1921–1934 Peter Schirp 1934–1940 Heinrich Blendermann 1940–1943 Kurt Hesse 1947–1950 Paul Gerhard Kulp 1950–1964 Franz Lauster 1964–1978 Horst Fleischer 1978–1989 Paul Dietrich 1989–2001 Friedrich Dankward Althoff 2001–2002 Enno Liess
+ Die VDE-Vorstandsvorsitzenden ab 2003 Jahr Name 2003–2006 Enno Liess 2007–04.2016 Hans Heinz Zimmer ab April 2016 Ansgar Hinz
Der Verband heute mini|VDE Standorte weltweit
Organisation Der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.), eine der größten Technologie-Organisationen Europas, vereint Wissenschaft, Standardisierung, Prüfung, Zertifizierung und Anwendungsberatung unter einem Dach. Er setzt sich auch für die Forschungs- und Nachwuchsförderung sowie den Verbraucherschutz ein.
Der VDE in Zahlen 3500 Normen und Standards 2000 Mitarbeiter 100.000 Ehrenamtliche und Mitglieder, davon 1500 Unternehmen 1600 Veranstaltungen pro Jahr mit über 70.000 Teilnehmern 60 Standorte weltweit 175 Forschungs- und Förderprojekte 100 Preise und Ehrungen 100.000 Prüfungen pro Jahr
Gliederung Sitz des VDE ist Frankfurt am Main. Weitere Repräsentanzen hat der Verband in Berlin und Brüssel. Außerdem gibt es bundesweit Landesvertretungen und 29 Bezirksvereine. In Nordamerika und Asien ist der VDE mit Niederlassungen der VDE Global Services GmbH vertreten. In Europa ist der VDE in Italien, Bulgarien, Belgien, Schweden, Frankreich, Polen, Türkei und Spanien präsent.
Fachgesellschaften In den folgenden fünf Fachgesellschaften des VDE beschäftigen sich Experten aus Wissenschaft und Industrie mit Themen rund um Elektro-/Informationstechnik und ihren Anwendungen: ITG Informationstechnische Gesellschaft: Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (VDE ITG) ist die nationale Vereinigung aller auf dem Gebiet der Informationstechnik Tätigen in Wirtschaft, Verwaltung, Lehre und Forschung und Wissenschaft. Ihre Ziele sind die Förderung der wissenschaftlichen und technischen Weiterentwicklung und Bewertung der Informationstechnik in Theorie und Praxis. 1954 als Nachrichtentechnische Gesellschaft gegründet, ist sie die älteste Fachgesellschaft im VDE. Die neun Fachbereiche, denen über 80 Fachgremien zugeordnet sind, decken das gesamte Spektrum der Informationstechnik ab. Etwa 10.000 VDE-Mitglieder haben sich der ITG zugeordnet und über 1000 Experten arbeiten ehrenamtlich in den Gremien mit.
ETG Energietechnische Gesellschaft: Die Energietechnische Gesellschaft im VDE (VDE ETG) bündelt mit über 12.000 Mitgliedern die Fachkompetenz der Energietechnik von der Erzeugung, Übertragung, Verteilung bis hin zu den vielfältigen Anwendungsfeldern. Das umfangreiche Expertenwissen der rund 300 ehrenamtlichen Mitarbeiter aus Industrie, Forschung, Versorgungsunternehmen, Hochschulen und Behörden, die in Fachbereichen, Fachausschüssen und Arbeitskreisen mitwirken, bildet die technisch-wissenschaftliche Basis für Veranstaltungen und Publikationen der Energietechnischen Gesellschaft im VDE.
DGBMT Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik: Die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) ist die wissenschaftlich-technische Fachgesellschaft für Medizintechnik in Deutschland. Sie wurde 1961 in Frankfurt am Main gegründet.
Die DGBMT im VDE vernetzt Fachleute aus allen Bereichen der Technikanwendungen in der Medizin und bearbeitet das gesamte Themenspektrum der Biomedizinischen Technik. Sie veranstaltet Tagungen und Workshops für Fachpublikum und ist Träger von zwei internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften: Biomedical Engineering und Current Directions in Biomedical Engineering des Verlags Walter de Gruyter. Positionspapiere, Stellungnahmen und Expertenbeiträge beleuchten unabhängig und neutral aktuelle Themen. Außerdem verleiht die DGBMT Förderpreise für wissenschaftlichen Nachwuchs, für wissenschaftliche Exzellenz und Innovationen und für Patientensicherheit in der Biomedizintechnik. Sie vertritt die deutsche Biomedizinische Technik in internationalen Gremien.
GMM Gesellschaft Mikroelektronik Mikrosystem und Feinwerktechnik Die VDE/VDI Gesellschaft Mikroelektronik, Mikrosystem- und Feinwerktechnik (VDE VDI GMM) mit ihren über 9500 Mitgliedern gliedert sich derzeit in sieben Fachbereiche und etwa 45 Fachausschüsse. Sie unterstützen die Organisation von Fachtagungen und Workshops und leisten fachliche Arbeit in den Fachausschüssen. Darüber hinaus sorgen sie für Kontakte zu anderen Fachgesellschaften innerhalb und außerhalb des VDE und VDI. In den Bezirksvereinen von VDE und VDI werden die fachlichen Aktivitäten der GMM auch durch regionale Arbeitskreise getragen.
GMA Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik: In der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik, kurz VDI/VDE GMA, bündeln der Verein Deutscher Ingenieure e. V. (VDI) und der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) die gemeinsamen Aktivitäten im Bereich Mess- und Automatisierungstechnik. Rund 1500 Mitarbeiter arbeiten in acht Fachbereichen mit rund 80 Fachausschüssen. An der Schwelle zwischen Forschung und Einführung in die Praxis ist die GMA Partner für Anwender, Hersteller und Wissenschaftler.
Ausschüsse, Kooperationen und Geschäftsstellen
Normung und Standardisierung
Die vom VDE getragene DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE) ist die Plattform für rund 9000 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zur Erarbeitung von Normen, Standards und Sicherheitsbestimmungen für die Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Normen unterstützen den weltweiten Handel und dienen u. a. der Sicherheit, Interoperabilität und Funktionalität von Produkten und Anlagen. Als Kompetenzzentrum für elektrotechnische Normung vertritt die DKE die Interessen der deutschen Wirtschaft in europäischen (CENELEC, ETSI) und internationalen Normenorganisationen (IEC). Darüber hinaus erbringt die DKE umfangreiche Dienstleistungen rund um die Normung und das VDE Vorschriftenwerk.
Die VDE-Normen und andere Standardisierungen stellen essentielle Regelungen für viele Themengebiete der Elektrotechnik dar. Beispielsweise formulieren Verteilnetzbetreiber ihre Technischen Anschlussbedingungen nicht selbst, sondern verweisen auf die geltende VDE AR N 4100 und ergänzen diese gegebenenfalls. Die VDE-Normen sind nicht frei zugänglich und müssen, auch für die akademische Nutzung, käuflich erworben werden.
Netztechnik und -betrieb
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) entwickelt die Stromnetze vorausschauend weiter. Ziel ist der jederzeit sichere Systembetrieb mit 80 Prozent erneuerbaren Energien. VDE FNN macht innovative Technologien praxistauglich und gibt Antworten auf netztechnische Herausforderungen von morgen. Hier arbeiten verschiedene Fachkreise mit unterschiedlichen Interessen gemeinsam an Lösungen. Mitglieder sind über 470 Hersteller, Netzbetreiber, Versorger, Anlagenbetreiber, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen.
mini|Prüfzeichen des VDE
VDE Institut Seit über 100 Jahren gilt das VDE-Zeichen als Synonym für Sicherheit und Qualität von elektrotechnischen Geräten, Komponenten und Systemen. Das VDE Institut, eine Tochter der VDE-Gruppe, ist weltweiter Partner für Industriekunden, den Handel, Behörden, das Elektrohandwerk und Verbraucher. Mehr als 100.000 Geräte pro Jahr unterziehen die unabhängigen Fachprüfer des VDE Instituts Produkt-, Qualitäts- und Sicherheitstests, bevor sie das VDE-Zeichen erhalten. Die gemeinnützige VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH beschäftigt in Offenbach am Main mehr als 500 Mitarbeiter.
VDE RETC Renewable Energy Test Center (RETC, LLC) ist seit 2009 ein unabhängiges Prüflabor für Photovoltaik- und Batterieprodukte. RETC hat seinen Hauptsitz in Fremont (Kalifornien) und bietet sowohl in den USA als auch weltweit Engineering-, Test- und Zertifizierungsdienstleistungen für Photovoltaik (PV) und erneuerbare Energieprodukte an. Insbesondere für das Solarsegment überprüft es die Sicherheit von PV-Modulen und bietet Bankability-Dienstleistungen an, um die Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Module zu bewerten. In Zusammenarbeit mit internationalen VDE PrimeLabs in Europa und Asien baut RETC auch sein Angebot im Bereich Energiespeichersysteme aus.
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