Als Trienio Liberal (liberales Triennium) oder Trienio Constitucional (verfassungsmäßiges Triennium) werden in Spanien die liberal regierten Jahre von 1820 bis 1823 bezeichnet. Es handelte sich dabei um eine konstitutionelle Monarchie, im Gegensatz zur absolutistischen Monarchie in den vorherigen und darauf folgenden Jahren. Die Bezeichnung ergibt sich daraus, dass während dieser Zeit der Herrschaft Ferdinands VII. Freiheiten auf der Grundlage der Verfassung von Cádiz die spanische Politik bestimmten.
Vorgeschichte
Verfassung von Cádiz mini|Vereidigung der Abgeordneten der Cortes, Cadiz 1810 Nachdem Ferdinand VII. im Mai 1808 unter dem Druck Napoleons zurückgetreten war und auf dem Schloss Valençay in Frankreich gelebt hatte, trat in Aranjuez die Junta Suprema Central zusammen, die ihre Aufgabe darin sah, die Macht im Staat während der Abwesenheit des Königs zu übernehmen. Diese Versammlung erkannte die Herrschaft König Josephs nicht an und handelte im Namen, aber ohne Auftrag König Ferdinands. Diese Junta berief mit Datum vom 1. Januar 1810 eine Verfassunggebende Versammlung ein. Dieses als Cortes generales y extraordinarias bezeichnete Parlament trat in Cádiz zusammen und schuf zwischen September 1810 und März 1812 eine Verfassung, die am 19. März 1812Text der Verfassung von Cádiz auf Wikisource (spanisch) verkündet wurde. Die Junta Suprema Central und der später an ihre Stelle getretene Consejo de Regencia und die Cortes von Cádiz schufen nicht nur die Verfassung, sondern auch eine große Zahl von Dekreten, Gesetzen und Erlassen, die in den Gebieten, auf die sich die Herrschaft Josephs praktisch nicht erstreckte, auch angewendet wurden. Die bemerkenswertesten Neuerungen waren sicher, dass in der Verfassung von der Souveränität der Nation ausgegangen wurde, dass liberale Wirtschaftsgesetze erlassen wurden und der Zunftzwang und eine große Zahl von Zöllen wegfielen. Der katholische Glaube war immer noch Staatsreligion und die Praktizierung jeder anderen Religion war verboten, aber die Inquisition wurde abgeschafft. Klöster unter einer bestimmten Größe sollten aufgelöst werden und die Feudalgerichtsbarkeit wurde abgeschafft. Diese neu geschaffene Rechtslage brachte den Cortes viele Gegner im Volk wie auch in der höchsten Kirchenebene ein. Das Volk war damals der Überzeugung, dass die Inquisition ein unverzichtbarer Bestand des katholischen Glaubens sei, die Kirchenhierarchie fürchtete um ihre Macht.
Sexenio Absolutista (Die absolutistischen sechs Jahre zwischen 1814 und 1820) mini|Ferdinand VII. Alle Regelungen, welche die Cortes von Cádiz und die Junta Suprema Central in seinem Namen erlassen hatte, erklärte Ferdinand VII. bei seiner Rückkehr aus Frankreich im Manifest von ValenciaManifesto del Rey (DOC-Datei; 64 kB) vom 4. Mai 1814, auf cchs.csic.es, gesehen am 4. August 2010 (spanisch, Word-Dokument) für von vornherein ungültig. Der König löste die Cortes auf, berief keine neuen Cortes ein und regierte absolutistisch. Viele liberale Politiker flüchteten vor der Reaktion ins Ausland.
Die spanische Wirtschaft war durch die Kriege auf einem Tiefpunkt angelangt. Während der Zeit der Abwesenheit des Königs hatten verschiedene Kolonien ihre Verbindungen zu Spanien gelockert und sich für unabhängig erklärt. Das führte zu einem Ausfall nahezu der gesamten Einnahmen aus den Kolonien, die früher in den Staatshaushalt geflossen waren. In diesen sechs Jahren betrieb Ferdinand eine Wirtschaftspolitik, die keine der nötigen Reformen wirklich konsequent anfasste. Der Finanzminister Martín de Garay legte 1817 den Plan für eine Steuerreform und für die Reform der Staatsschulden vor. Der Minister wurde 1818 abgelöst. Während dieser Zeit wurden verschieden liberale Pronunciamientos versucht, die jedoch alle scheiterten.
Das Pronunciamiento von Cabezas de San Juan mini|Rafael del Riego Am 1. Januar 1820 erhob sich in dem Ort Cabezas de San Juan in der Provinz Sevilla ein Bataillon des Expeditionscorps gegen die absolutistische Herrschaft Ferdinands VII. Die Truppen sollten in die amerikanischen Kolonien aufbrechen, um dort die Aufstände niederzuschlagen. Der Kommandant des Bataillons, der Oberstleutnant Rafael del Riego, rief dazu auf die Verfassung von Cádiz wieder in Kraft zu setzen. Andere Militärs schlossen sich dem Aufruf und den Meutereien an. Die Soldaten marschierten nach Arcos de la Frontera und nahmen dort den Generalkapitän von Andalusien und Oberkommandierenden des spanischen Expeditionscorps Félix María Calleja del Rey, Graf de Calderon fest. Anschließend versorgten sie sich im Arsenal in Cádiz und zogen nach Algeciras, Málaga, Córdoba und Antequera. In diesen Städten wurde das Ende des Absolutismus und die Rückkehr zu den Grundlagen der Verfassung von Cádiz verkündet. Gleichzeitig gab es eine revolutionäre Bewegung in Galicien, die sich auf das übrige Spanien ausbreitete.
Am 6. März erließ Ferdinand ein DekretDekret vom 6. März 1820, in welchem die Cortes nach den alten Gesetzen einberufen werden. In Documentos Tomo I. S. 87. die Cortes einzuberufen. Die Einberufung sollte nach altem Recht als Ständeversammlung stattfinden, also nach dem vor 1810 angewendeten Verfahren.
Schwur auf die Verfassung mini|Kardinal Luis María de Borbón y Vallabriga, Vorsitzender der Junta Provisional Gubernativa Am 7. März 1820 versammelte sich vor dem Königlichen Palast in Madrid ein großer Menschenauflauf. General Francisco Ballesteros, der für die Sicherheit verantwortlich war, weigerte sich, gegen die Menschenmenge mit Waffengewalt vorzugehen. Daraufhin sah sich der König genötigt, durch ein neues DekretDekret vom 7. März 1820, in welchem der König ankündigt, einen Eid auf die Verfassung abzulegen. In Documentos Tomo I. S. 88 seinen Ministern anzukündigen, dass er gedenke, auf die Verfassung von Cádiz zu schwören und dass die neuen Cortes entsprechend den Wahlbestimmungen dieser Verfassung einzuberufen seien.
Den Generalkapitänen der Provinzen befahl der König am 8. März 1820,Dekret vom 8. März 1820, in welchem angeordnet wird, alle, die wegen ihrer politischen Meinung in Gefangenschaft sind, freizulassen. In Documentos Tomo I. S. 92. unverzüglich alle politischen Gefangenen freizulassen. Ein Gesetz, das eine allgemeine Amnestie verkündete, wurde am 23. April erlassen. Das ermöglichte vielen Politikern, aus dem Exil zurückzukehren.
Am 9. März 1820 berief der König in Madrid eine Junta Provisional GubernativaDekret vom 9. März 1820, in welchem der König erklärt, eine Junta Provisional ausgewählt zu haben. In Documentos Tomo I. S. 93, die in einer Übergangszeit die Aufgaben und Rechte der Cortes wahrnehmen sollte.
Ein DekretDekret vom 9. März 1820, das die Inquisition auflöst. In Documentos Tomo I. S. 93 vom 9. März 1820 schaffte die Inquisition ab, mit ausdrücklichem Bezug auf ein Gesetz, das die Cortes von Cádiz am 22. Februar 1813 erlassen hatten. Wer aus religiösen Gründen in Gefangenschaft war, sollte den örtlichen Bischöfen überstellt werden, um entsprechend den Vorschriften der Gesetze der Cortes behandelt zu werden.
Die bedeutendste Wendung in der Politik des Königs stellt der AufrufAufruf des Königs vom 10. März 1820 an die spanische Nation In Documentos Tomo I. S. 91 dar, den er am 10. März an die spanische Nation richtete. Darin äußerte er die Einsicht, dass neue Ideen Eingang in die politischen Institutionen finden müssten und eine Harmonie zwischen den Menschen und den Gesetzen Stabilität und sozialen Frieden schaffen könnten. Er rief die Nation auf, aufrichtig den Weg der Verfassung zu beschreiten, wobei er als der Erste vorangehen wolle.
Regierung der Moderados mini|Cortes während des Trienio Liberal Am 18. März 1820 ernannte Ferdinand VII. auf Drängen der Junta Provisional Gubernativa ein neues Kabinett. auf cchs.csic.es, gesehen am 5. August 2010 (spanisch) Von den sieben Ministern waren nur zwei, der Marineminister und der Kriegsminister, nicht Mitglieder der Cortes von Cádiz gewesen. Die fehlende Zusammenarbeit zwischen dem König und dem Kabinett war eine der großen Schwierigkeiten, welche die Regierungs- und Verwaltungstätigkeit des Landes lähmten.
Im DekretDekret vom 22. März 1820 in welchem die normalen Cortes für die Jahre 1820 und 1821 einberufen werden In Documentos Tomo I. S. 94 vom 22. März 1820 berief der König dann die Cortes für die Jahre 1820 und 1821 ein. An der Eröffnungssitzung der Cortes vom 9. Juli 1820 ergab sich eine eindeutige Mehrheit von Abgeordneten, die dem gemäßigten Flügel der Liberalen (Moderados) zuzurechnen waren. Bei den liberalen Politikern gab es zwei Strömungen. Von Parteien konnte man zu jener Zeit eigentlich noch nicht sprechen, da noch kein organisatorischer Zusammenhang bestand. Die Doceañistas (von doce zwölf, 1812, dem Jahr der Verabschiedung der Verfassung von Cádiz) waren meist Teilnehmer der Cortes von Cádiz. Die Politiker dieses politischen Flügels sahen durch die Inkraftsetzung der Verfassung ihre Ziele im Wesentlichen als erreicht an. Wichtige Repräsentanten dieser Gruppe, die auch als Moderados bezeichnet wurden, waren Agustín Argüelles und Francisco Martínez de la Rosa. Sie waren grundsätzlich zu Kompromissen und zur Zusammenarbeit mit der Krone bereit, um einen weiteren Reformprozess in Gang zu setzen. Für die Politiker des anderen Flügels, die Veinteañistas (von veinte zwanzig, 1820) war das Ziel der politischen Veränderungen durch die Inkraftsetzung der Verfassung noch nicht erreicht. Ihre Forderungen nach weitergehenden Veränderungen wurden von den Moderados als übertrieben bezeichnet. Daher kommt die Bezeichnung Exaltados. Die Gruppe, die sich auch weiterhin für Fortschritte bei der Reform der Gesellschaft einsetzte, wurde später unter dem Namen Progresistas bekannt.
Die 1820 gewählten Cortes gingen daran, die angefangenen Reformen der Cortes von Cádiz fortzuführen, konnten aber keineswegs unmittelbar daran anknüpfen. Die Gesetze, die in der Zeit von 1810 bis 1814 erarbeitet worden waren, mussten an die inzwischen veränderten Bedingungen angepasst werden. Das betraf Gesetze über die Abschaffung von Eigentumsbindungen wie z. B. der Majorate, das Verbot von Grundstückserwerb durch die Kirche, die Ausweisung der Jesuiten und die Reform der christlichen Orden. Die Verfassung gestand dem König ein Vetorecht zu. Er konnte die Unterschrift unter ein Gesetz zweimal ablehnen und es an die Cortes zurückverweisen. Erst bei der dritten Vorlage war der König gezwungen, das Gesetz zu verkünden. Der König machte von diesem Recht durchaus Gebrauch, z. B. bei einem Gesetz, das die Desamortisation einer großen Zahl von Klöstern vorsah. Das führte zu weiteren Zusammenstößen mit dem Kabinett. Nach der Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode der Cortes am 1. März 1821 entließ der König die Minister. Das neue Kabinett bestand aber wieder eindeutig aus liberalen Politikern des moderaten Flügels. Der Haushalt, den dieses Kabinett vorlegte, wies ein Defizit von 550 Millionen Reales auf, das durch eine Kreditaufnahme im Ausland und durch eine nationale Anleihe gedeckt werden sollte. Die Cortes führten zwei wichtige Verwaltungsreformen durch, die beide einer Stärkung der zentralistischen Verwaltung dienten. Einerseits wurde das Land in 49 Provinzen mit entsprechenden Steuerbehörden aufgeteilt, um eine einfachere und sicherere Steuererhebung zu ermöglichen. Andererseits wurde das Bildungssystem durch das Gesetz zur Öffentlichen Bildung in eine Grund-, Mittlere und Höhere Bildung unterteilt. Die Anzahl der Universitäten wurde auf zehn festgelegt und die Autonomie der Universitäten durch die Einführung eines landesweiten Studienplans eingeschränkt.
Regierung der Exaltados