mini|hochkant=1.45|Das umgebaute Wien Museum vom Karlsplatz aus gesehen mini|hochkant=1.45|Der Blick von der Terrasse des Wien Museums rüber zur Karlskirche
Das Wien Museum ist eine wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit, unter der mehrere Museen der Stadt Wien zu den Museen der Stadt Wien zusammengefasst sind.
Das Haupthaus am Karlsplatz wurde als erster österreichischer Museumsneubau nach dem Zweiten Weltkrieg nach Plänen von Oswald Haerdtl gebaut und am 23. April 1959 eröffnet. Im Jahr 2019 schloss das Haus für eine Generalsanierung und aufwändige Erweiterung. Das neue Wien Museum, geplant von Ferdinand Čertov und Winkler + Ruck Architekten wurde am 6. Dezember 2023 wiedereröffnet.
Die Dauerausstellung des neuen Wien Museums am Karlsplatz ist seit der Wiedereröffnung kostenlos zu besuchen.Gratis in Wien-Museum-Dauerausstellung. Meldung auf wien.orf.at vom 16. Oktober 2023. Seit Februar 2024 finden im neuen Obergeschoß über dem Fugengeschoß die Sonderausstellungen des Wien Museums statt.
Die ständige Kunstsammlung und die historische Sammlung zur Geschichte Wiens weisen Exponate von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart auf. Die Anzahl der Objekte liegt bei über einer Million. Die Kunstsammlung umfasst unter anderem Werke von Gustav Klimt, Egon Schiele und Ferdinand Georg Waldmüller.
Neben dem Haupthaus am Karlsplatz, der Kirche am Steinhof und der Hermesvilla, einem ehemals kaiserlichen Schloss, bestehen zahlreiche Außenstellen in Form von Spezialmuseen, Musikerwohnungen und Ausgrabungsstätten.
Geschichte, Trägerschaft Städtische Sammlungen mini|hochkant=1.5|Studie Otto Wagners zur Gestaltung des Karlsplatzes, links das Kaiser Franz Joseph Stadtmuseum (um 1900) Das 1887 gegründete Historische Museum der Stadt Wien und das Städtische Waffenmuseum wurden seit 1888 in Lehmann's allgemeinem Wohnungs-Anzeiger unter diesen Namen geführt.Lehmann's allgemeiner Wohnungs-Anzeiger: (Behördenverzeichnis) 2. Nachweis. Behörden, öffentliche und Privat-Institute, Unterrichts-Anstalten und Vereine, 1888, S. 103 f. Bis 2002 waren die späteren Museen der Stadt Wien Teil des Magistrats der Stadt Wien, der seit 1883 seinen Hauptsitz im damaligen Neuen Rathaus hat. Dort wurden unter gemeinsamer Leitung auch die Städtischen Sammlungen (Archiv, Bibliothek, Museales) untergebracht, die Schauräume im 1. Stock, dem Repräsentationsgeschoß. 1889 wurde das heutige Wiener Stadt- und Landesarchiv von den anderen städtischen Sammlungen getrennt, 1939 auch die heutige Wienbibliothek im Rathaus.
Seit 1939 bildeten die Städtischen Sammlungen eine Abteilung der Gemeindeverwaltung des Reichsgaues Wien. Neben dem Historischen Museum und der Waffensammlung im Neuen Rathaus wurde im 4., Rainergasse 18, ein Römisches Museum betrieben, auf dem Klosterneuburger Hauptplatz (26. Bezirk) ein städtisches Weinmuseum. Am ehemaligen Wohnort des Malers Rudolf von Alt, 8., Skodagasse 11, befand sich eine Alt-Gedenkstätte. Damals zählten auch die Heimatmuseen von Meidling, Ottakring, Hernals, Floridsdorf und Mödling (bis 1954 24. Bezirk) und das Ortsmuseum Klosterneuburg zu den Städtischen Sammlungen.Lehmann's allgemeiner Wohnungs-Anzeiger: 5. Behörden. NSDAP, Ämter, Kirchen, Öffentliche Einrichtungen, Vereine, Presse, Sachverständige, 1942, Band 2, Kapitel V, Abschnitt 7, S. 1570.
Museen der Stadt Wien Nach 1945 waren die städtischen Museen jahrzehntelang als MA 10 (Magistratsabteilung 10) bekannt. Sie ressortierten zur Geschäftsgruppe Kultur, die von einem amtsführenden Stadtrat geleitet wird. Seit 1974 führte Robert Waissenberger das Haus, nach seinem Tod am 28. März 1987 bis Ende März 2003 sein früherer Mitarbeiter Günter Düriegl (geb. 9. November 1940).
Ausgliederung aus der Stadtverwaltung 1998 und 2002 wurde für die Bundesmuseen mit dem Bundesmuseen-Gesetz 2002 die Möglichkeit geschaffen, deren Betrieb aus dem Staatseigentum formal in eigenständige Rechtsträger, genannt wissenschaftliche Anstalten, auszugliedern. Damit sollte die stärker an privatwirtschaftlicher Gestion orientierte Führung des Museumsbetriebs erleichtert werden. 1999 und 2000 wurden die ersten großen staatlichen Museen mit Vollrechtsfähigkeit ausgegliedert.
Das Land Wien übernahm dieses Modell 2001 im Wiener Museumsgesetz (Wr. MuG).Gesetz, mit dem die Museen der Stadt Wien als Anstalt öffentlichen Rechts eingerichtet und deren Organisation, Betrieb und Erhaltung geregelt werden (Wiener Museumsgesetz – Wr. MuG) vom 12. November 2001, LGBl. für Wien Nr. 95 / 2001, mit Novellen LGBl. Nr. 30 / 2002 und Nr. 11 / 2008
Die MA 10 – Museen der Stadt Wien wurde auf Grund dieses Gesetzes 2002 als vollrechtsfähige, d. h. uneingeschränkt eine eigene Rechtspersönlichkeit darstellende wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts namens Museen der Stadt Wien konstituiert (§ 3 Wr. MuG). Die bis dahin erworbenen Sammlungsbestände wurden der Anstalt nicht ins Eigentum übertragen, sondern laut Gesetz als Leihgabe (§ 8 Wr. MuG) anvertraut. Die Museumsordnung war von der Wiener Landesregierung als Verordnung zu erlassen,Museumsordnung vom 10. Dezember 2011, LGBl. Nr. 105 / 2001 der Direktor (Geschäftsführer) von der Landesregierung auf Vorschlag des Kulturstadtrates zu bestellen. Als Aufsichtsrat fungiert ein von der Landesregierung bestelltes achtköpfiges Kuratorium. Die Anstalt unterliegt weiters der Aufsicht durch die Landesregierung und der Kontrolle durch den Stadtrechnungshof, bis 2013 als Kontrollamt der Stadt Wien bezeichnet.
Die Anstalt führt, seit Wolfgang Kos 2003 die Direktion übertragen wurde, in der Öffentlichkeit den Namen Wien Museum. Seit 2015 ist Matti Bunzl Direktor.
Direktoren 1949–1968: Franz Glück 1968–1974: Alfred May 1974–1987: Robert Waissenberger 1987–2003: Günter Düriegl 2003–2015: Wolfgang KosBarbara Mader: Der glückliche Museumsmensch. Wolfgang Kos über seine letzte Saison als Direktor und die Zeit danach. In: Kurier, Wien, 27. Dezember 2014, S. 27. seit 1. Oktober 2015 Matti Bunzl
Wien Museum Karlsplatz Beschreibung Das Historische Museum der Stadt Wien besteht seit 1887 und war bis 1959 im Wiener Rathaus untergebracht. Die ersten Pläne für ein Wiener Stadtmuseum am Karlsplatz wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts entworfen: Von Otto Wagner liegt ein besonders attraktives Projekt vor. Die Realisierung des Museumsbaus verschob sich jedoch – vor allem wegen der zwei Weltkriege – um Jahrzehnte.
1953 fasste der Wiener Gemeinderat anlässlich des 80. Geburtstags des Bundespräsidenten und ehemaligen Wiener Bürgermeisters Theodor Körner den Beschluss, ihm zu Ehren den Bau des Museums zu verwirklichen. Es wurde ein Wettbewerb ausgelobt, zu dem dreizehn Architekten namentlich eingeladen wurden (beispielsweise Clemens Holzmeister, Erich Boltenstern und Karl Schwanzer), der darüber hinaus aber offen war. Die Entwürfe wurden von einer Jury beurteilt, die aus dem Vorsitzenden Franz Schuster, den Architekten Max Fellerer und Roland Rainer, dem Stadtbaudirektor von Wien, dem Direktor der Städtischen Sammlungen Franz Glück, dem Leiter der Abteilung Stadtregulierung und dem Leiter der Abteilung Architektur bestand.
Von den 80 Teilnehmern wurden insgesamt 96 Entwürfe eingereicht; Oswald Haerdtl wurde von der Jury der vierte Platz zugesprochen. Hierauf wurde Haerdtl „freihändig“ beauftragt und realisierte den Bau im zurückhaltend modernen Stil der damaligen Zeit. Haerdtl entwarf auch die Inneneinrichtung bis zur Möblierung des Direktionszimmers. Die Grundsteinlegung fand am 2. Oktober 1954 statt. Am 23. April 1959 wurde das Museum am Karlsplatz als erster und für Jahrzehnte einziger Museumsneubau der Zweiten Republik eröffnet.
Das Historische Museum der Stadt Wien trat immer wieder mit Sonderausstellungen hervor. Unter Direktor Robert Waissenberger veranstaltete das Haus 1985 im auf dem Karlsplatz gegenüberliegenden Künstlerhaus Wien die Jugendstilausstellung „Traum und Wirklichkeit“, mit über 600.000 Besuchern eine der erfolgreichsten jemals in Wien abgehaltenen Ausstellungen.
Im Jahr 2000 wurde der Innenhof überdacht. 2003, als unter der Direktion von Wolfgang Kos die Museen der Stadt Wien zu der neuen Dachmarke „Wien Museum“ zusammengeführt wurden, erfolgte die Umbenennung in „Wien Museum Karlsplatz“. Anfang 2006 erfolgte eine Umgestaltung des Foyers, außerdem wurden im Bereich eines ehemaligen Depots neue Ausstellungsflächen freigemacht.
Präsentiert als Mischung aus historischer Sammlung und Kunstsammlung, sollte dem Besucher ein Querschnitt der Entwicklung Wiens, von den jungsteinzeitlichen Anfängen über das römische Legionslager Vindobona bis zum 20. Jahrhundert, vermittelt werden. Neben der Dauerausstellung werden regelmäßig Sonderausstellungen gezeigt.
Museumserweiterung, Um- bzw. Ausbau mini|Das alte Wien Museum bis zum Jahr 2021 Bevor der Karlsplatz als „der logische Ort“ (zit. Max Hollein) für das unter eklatanter Platznot leidende Wien Museum bestimmt wurde, war noch ein zweiter Standort in der Diskussion. „Soll das Museum am Karlsplatz bleiben und einen (wie auch immer gearteten) Zubau erhalten? Oder soll es an den Hauptbahnhof übersiedeln – auf ein von Bürotürmen umzingeltes Grundstück der Ersten Bank“, lautete die Fragestellung. Die im Jahr 2012 einberufene Enquete „Wien Museum Neu“ brachte allerdings ein eindeutiges Ergebnis hervor: Mehr als zwei Drittel der Fachleute sprachen sich für den Karlsplatz aus. „Einen besseren Ort als jenen, an dem die ‚Verwerfungslinien aus der Geschichte dieser Stadt zusammentreffen‘, könnte man kaum finden – noch dazu an der Wien, wie die Landschaftsarchitektin Maria Auböck ergänzte.“Thomas Trenkler: Karlsplatz – „der logische Ort“ fürs Wien Museum., In: Der Standard, 30. Dezember 2012, abgerufen am 14. November 2023.
2015 wurde dann ein internationaler Architekturwettbewerb für „das wichtigste Museumsbauvorhaben der Stadt Wien seit vielen Jahrzehnten“ (Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny) ausgeschriebenWien Museum NEU, am Karlsplatz., Webseite Wettbewerbe Aktuell, abgerufen am 2. November 2023., den bei 274 Einreichungen, aus 26 Ländern, das österreichische Architektenteam Čertov, Winkler+Ruck gewann. Wien Museum Neu – Ergebnis Architekturwettbewerb, Präsentation Siegerprojekt., In: Pressekonferenz vom 20. November 2015, Wien Museum, abgerufen am 31. Oktober 2023. „Die Erweiterung für das Museum, die aufs Dach kommt“ (zit. Jurybegründung) basiert auf folgender Idee: „Der denkmalgeschützte Haerdtl-Bau bildet den Grundstein für die schwebende Konstruktion eines lichten Stirnteils, der den bestehenden Solitär um ein zusätzliches Geschoss ergänzt. Im Fugengeschoss wird ein sogenannter Wien-Raum Platz finden. Dank umlaufender Balkonfläche überblickt dieser den gesamten Karlsplatz.“ Zusätzlich zum zweigeschoßigen Dachaufbau (Veranstaltungsraum, unten und Sonderausstellungsfläche, oben) wird ein gläserner Riegel als Foyer senkrecht vor den Bestandsbau gesetzt.WIEN MUSEUM NEU., Webseite „GAT GrazArchitekturTäglich“, 20. November 2015, abgerufen am 14. November 2023.