mini|Blick auf Gröden von Nordwesten mini|Nordansicht im Winter mini|Gehöft in Wolkenstein (im Hintergrund die Stevia und der Mont de Seura), Gemälde von Gustav Jahn

Gröden, auch Grödental, Gröd(e)ner Tal oder Gröd(e)nertal genannt (ladinisch: ; italienisch: Val Gardena), ist ein Dolomitental in Südtirol (Italien). Das Talinnere gehört zusammen mit dem Gader- und dem Fassatal, Buchensteintal (Fodom) und Cortina d’Ampezzo (Anpezo) zum ladinischen Sprachgebiet und wird dementsprechend zu Ladinien gezählt.

Geographie mini|„Kleine Liebesszene“ – Motiv aus dem Grödner Tal, um 1895 Allgemeines Das 25 km lange Seitental zweigt vom mittleren Eisacktal ab und führt nach Osten hinauf bis zum Sellastock bzw. zu den Pässen Sella- und Grödner Joch, welche am Sellastock an der südlichen bzw. östlichen Seite anschließen. Durchflossen wird Gröden vom Grödner Bach (oder Derjon bzw. Dirschingbach), der mit einer Länge von etwa 26 km und einem Einzugsgebiet von 199 km² einen der wichtigsten Zuflüsse des Eisacks darstellt.

Das untere Grödner Tal ist mehrheitlich deutschsprachig und gehört auf seiner orographisch rechten Seite zur Gemeinde Lajen, auf seiner orographisch linken im Taleingangsbereich zu Waidbruck und anschließend zu Kastelruth. Das mehrheitlich ladinischsprachige Gröden beginnt ca. 9 km taleinwärts nach der Talenge von Pontives, auch Porta Ladina genannt. Es verteilt sich auf die Gemeinden St. Ulrich (ladinisch Urtijëi), St. Christina (Santa Cristina) und Wolkenstein (Sëlva) sowie ebenfalls Kastelruth (Ćiastel).

Teile der nordseitigen Talflanken sind im Naturpark Puez-Geisler unter Schutz gestellt.

Ortschaften Die zu Lajen gehörenden Ortschaften im unteren, überwiegend deutschsprachigen Teil des Grödner Tals sind Tschöfas, Tanirz und St. Peter, auf der gegenüberliegenden Seite im Schlerngebiet liegen die Kastelruther Fraktionen Tagusens und St. Michael.

Die drei ladinischsprachigen Gemeinden im Talinneren haben ca. 10.000 Einwohner, verteilt auf St. Ulrich (Urtijëi), St. Christina (S. Cristina) und Wolkenstein (Sëlva). Fraktionen oder Weiler sind St. Jakob (Sacun) bei St. Ulrich, Soplajes bei St. Christina, Pozza (La Poza) und Plan bei Wolkenstein. Die linke Seite des Talinneren von Pontives bis zum Jenderbach gehört ebenfalls zur Gemeinde Kastelruth (Ćiastel): Zu ihr zählen die mehrheitlich ladinischsprachigen Fraktionen Pufels (Bula), Runggaditsch (Runcadic) und Überwasser (Sureghes).

Berge

Gröden ist von einer Vielzahl von Almen und Bergen umgeben. Die Grödner Dolomiten sind die Geislergruppe, die Puezgruppe, die Sellagruppe, die Langkofelgruppe und die Schlerngruppe. „Diese [...] Gruppen können als die abwechslungsreichsten, malerischesten der gesamten Dolomiten bezeichnet werden. Mit Ausnahme des Langkofels und der Boèspitze an Wucht hinter den Sextner Dolomiten, der Marmolata und Palagruppe zurückstehend, übertreffen sie aber diese an Zerrissenheit, Vieltürmigkeit und kühnen Felsgestalten und sind beliebte Ziele der Dolomitenkletterer.“Julius Gallhuber (Bearbeiter): Dolomiten. Ein Führer durch die Täler, Orte und Berge der gesamten Dolomiten. III. Band: Westliche Dolomiten. Artaria, Wien 1929. S. 17.

Gipfel im Norden des Tals sind die Raschötz () und Seceda (), der Pitschberg (), die Geislerspitzen (), die Stevia (), der Col dala Pieres () und die Puezspitzen ().

Im Osten befinden sich die Cirspitzen (), das Grödner Joch, die Gipfel der Sellagruppe mit der Boèspitze () und das Sellajoch.

Im Süden liegen die weitläufigen Almböden der Ciampinoialm, des Monte Pana und der Seiser Alm mit Puflatsch. Dahinter erheben sich die Langkofelgruppe (höchster Gipfel der Langkofel mit ) und die Schlerngruppe mit den Rosszähnen (), der Roterdspitze () und dem Schlern (). Über dem Talausgang liegt die Mittelgebirgslandschaft des Schlerngebiets.

Geologie Grödens

Grödens Gebirge ist ein Teil der Südlichen Kalkalpen. Der Aufbau ähnelt der Geologie des Bletterbaches. Gianluca Cotz: Geologische und geotechnische Verhältnisse der Massenbewegungen bei Pontives (Grödnertal, Südtirol). Universität Wien Diplomarbeit 2009 (PDF; 11,0 MB).Maria Ogilvie Gordon, Julius von Pia: Zur Geologie der Langkofelgruppe in den Südtiroler Dolomiten. In: Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. Band 32, 1939, S. 1–118 ().Georg Mutschlechner; Geologie der Langkofelgruppe. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt 1935. (PDF; 2,3 MB)

Geologische Periode Karbon Quarzphyllit St. Peter Geologische Periode Perm Waidbrucker Konglomerat, fraglich ob in Gröden vorhanden. Etschtaler Vulkanit-Gruppe, früher auch Bozener Quarzporphyr genannt, darin die Auer-Formation am Raschötzerberg Gröden-Formation (Cuecenes) Bellerophon-Formation Geologische Periode Trias Werfen-Formation (unterster) Alpiner Muschelkalk Sarl-Dolomit: unterster Dolomitfels, der in typischer Weise in St. Ulrich auf den Höhen zwischen 1700 und 2200 m erscheint (Pedrotsch, Sass Rigais, Seceda) Buchenstein-Formation mini|Der sagenumwobene Gletschersee Lech dl Dragon auf dem Meisulesplateau im Sellamassiv Wengen-Formation, Fossil Daonella Lommeli Sankt-Cassian-Formation Schlerndolomit Raibler Schichten, mit der Pordoi-Formation wird die Sellagruppe, wie besonders gut aus Gröden ersichtlich, in zwei Stöcke aufgeteilt. Dolomia Principale (Hauptdolomit), Fossilien Megalodonten Geologische Periode Jura Jura, Leitfossil des Jura Ammoniten Geologische Periode Kreide Kreide-Gestein, Ammonitenfunde in der Puezgruppe.

Seen

In Gröden liegen einige kleine Bergseen, die meisten auf einer Meereshöhe über 2000 m. Der Lech dl Dragon (2680 m) auf dem Sellastock, der See Lech de Crespëina (2380 m) im Puezgebiet, die Seen Lech Sant (2096 m), Lech da Iman (2208 m), Lech da Rijeda (2135 m) und Lech dla Scaies (2050) auf der Mastlè Alm, und Lech Lagustel (1826 m) unter dem Pitschberg.C. M. (Christian Moroder): Nosc lec. Calënder de Gherdëina 1978, Union di Ladins de Gherdëina, St. Ulrich 1977, S. 93.

Waldbestand Der Grödner Wald besteht fast nur aus Nadelbäumen. An den Südhängen des Tales wachsen hauptsächlich Fichten und Lärchen, über der Raschötzer Porphyrplatte Föhren als Pionierpflanzen und in den Höhenlagen über 1700 m fast ausschließlich Zirbelkiefer und Latschenkiefer.

Geschichte

Urgeschichte Über die Vorzeit im Dolomitengebiet ist nicht viel bekannt. Manche Funde bekunden zwar eine frühe Besiedlung des Landstriches, doch im Allgemeinen kann man über die genaueren Lebensformen nur Vermutungen anstellen. Ein Fund in Gröden ließ vor Jahren die Archäologen aufhorchen: Am Abri Plan de Frea wurden bei Ausgrabungen vorgeschichtliche Artefakte entdeckt. Archäologen datierten diese Funde auf 6000 Jahre vor Christi Geburt. Bei den Pfeilspitzen, Nadeln und übrigen Geräten handelt es sich um die erwiesenermaßen ältesten prähistorischen Funde im gesamten Dolomitengebiet. Wahrscheinlich trifft die Vermutung zu, dass Jäger auf ihren Streifzügen unter dem riesigen Felsblock am Plan de Frea (unterhalb des Grödner Joches) eine provisorische Unterkunft – zumindest in den Sommermonaten – suchten. Eine fixe Besiedlung des Ortes in den Wintermonaten gab wohl nicht. Die zweitältesten Funde stammen aus der La-Tène-Zeit. Am Col de Flam bei St. Ulrich wurden bronzene Fibeln, Schmuckstücke, eiserne Äxte, gallische Langschwerte und primitive Bauerngeräte gefunden. 400 v. Ch. soll es solche Gegenstände gegeben haben.Reimo Lunz: Archäologische Streifzüge durch Südtirol. Bozen: Athesia 2004, ISBN 88-8266-258-6, S. 330.

Die erste Urkunde über Gröden stammt aus den Jahren 993/94–1005: In einer Traditionsnotiz des Hochstifts Freising übertrug der bayerische Graf Otto aus dem Geschlecht der Rapotonen dem Bischof Gottschalk von Freising unter anderem ad Gredine forestum (Waldgebiet in Gröden).

Kirchengeschichte 1027 gelangte Gröden unter die Herrschaft des Bischofs von Brixen bzw. von dessen Vögten, zunächst den Grafen von Andechs und dann den Grafen von Tirol. Ursprünglich wurde Gröden kirchlich von Albeins aus betreut, im 12. Jahrhundert ging die Betreuung an die Pfarre Lajen über. 1342 wurde ein Ulrichskirchlein urkundlich genannt. 1418 entstand die erste Kuratie in Gröden in St. Christina und hatte ihren ersten Seelsorger. 1655 wurde in St. Ulrich eine Kuratie eingerichtet und 1735 entstand in Wolkenstein ein Benefizium. Die linke Talseite war seelsorgerisch von Kastelruth abhängig, bis 1637 in Pufels eine Kuratie errichtet wurde. 1778 wurde die Fraktion Überwasser der Kuratie St. Ulrich zugeordnet. Erst 1902 wurde St. Ulrich zur Pfarre erhoben, wodurch Gröden nicht mehr von Lajen abhängig war.Karl Wolfsgruber: Die Seelsorge in den ladinischen Tälern. In: Ladinien. Land und Volk in den Dolomiten. Südtiroler Kulturinstitut, Bozen 1963/1964 S. 440–467.

Tirol 1809 mini|Grödner Trachten in einer Skizze von Josef Moroder Lusenberg Im Zuge der Tiroler Revolte von 1809 zogen an die 1200 Mann unter der Führung des napoleonischen Generals Luis Peyri zwischen 2. und 4. November 1809 durch Gröden. Die französischen Bataillone waren zunächst in Plan bei Wolkenstein und anschließend am Antoniboden in St. Ulrich stationiert, wo sie laut Josef Moroder-Lusenberg einen geschlachteten Stier am Lagerfeuer verzehrten. Demselben Bericht zufolge ritt Andreas Moroder, Vorsteher von St. Ulrich, Sturmkommandant der Grödner Schützen, Kaufmann und Großvater des Malers, den Soldaten in Wolkenstein entgegen. Mit einem eleganten spanischen Anzug bekleidet und eine weiße Fahne mit sich führend wollte er die Franzosen besänftigen, indem er ihnen freies Geleit durch das Tal zusicherte. Er wurde jedoch gefangen genommen und als Geisel nach Mühlbach in das Pustertal verbracht. In der Folge überlebte er die Schlacht, die am 4. November 1809 zwischen dem Lajener Ried und der Starzerbrücke bei Waidbruck stattfand und bei der etwa 400 französische Soldaten von den Tiroler Freiheitskämpfern getötet wurden.

Die Grödner Schützen beteiligten sich 1809 an zahlreichen Kämpfen, doch ist aufgrund der geringen Zahl an Grödner Gefallenen anzunehmen, dass die Abordnungen des Tales über keine großen Mannschaftsstärken verfügten, da viele junge Grödner im Ausland (Italien, Frankreich und Spanien) in den über 300 Handelsstationen Grödens tätig waren.Josef Steiner: Der Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol. Innsbruck: Wagner 1807 - abgerufen am 10. Januar 2011. Auch in Gröden selbst mussten die französischen Soldaten bei ihrem Durchzug keinen nennenswerten Widerstand gewärtigen.

Ende 1809 äußerte das Gericht Wolkenstein in einer Resolution den Wunsch, mit Deutschtirol, also dem damaligen Königreich Bayern, vereinigt zu bleiben.Edgar Moroder: Tirol 1809 in Ladinien, insbesondere in Gröden. Ein Beitrag zum Tiroler Gedenkjahr 2009 aus Ladinien. St. Ulrich in Gröden: Eigenverlag 2009. Im Vertrag am 7. Juli 1810 wurde der südliche Teil Tirols an Italien und Illyrien abgetreten. Die Grenze verlief an den Hauptkämmen der Langkofel- und Schlerngruppe.Kalender Ladin per l ann 1915. Liber per la familia ladina. Innsbruck: Kinderfreund 1915

Die Überschwemmungen in Gröden