mini|hochkant=1.5|Verschiedene Aufkleber für das „Telefonieren ohne Münzen“ Telefonkarten, wie man sie in Deutschland kannte, gibt es seit der Testphase von 1983. Bundesweit wurden diese aber erst 1990 nach Abschluss der Testphase eingeführt. Die Telefonkarte ist von der TeleKarte, die ebenfalls von der Bundespost herausgegeben wurde, zu unterscheiden. Rechtlich ist die Telefonkarte ein so genanntes „kleines Inhaberpapier“ nach BGB.
Seit der weiten Verbreitung von Mobiltelefonen werden Telefonzellen und Telefonkarten immer seltener genutzt. Das führte zu einem Abbau von Telefonzellen und zur Einstellung fast aller Telefonkartenserien. Die Deutsche Telekom hat zum 31. Dezember 2023 sämtliche Telefonkartendienste eingestellt.Die Telefonkarte Comfort wurde zum 31.12.2023 eingestellt. Über vierzig Jahre nach den ersten Feldexperimenten endete damit die Telefonkarte in Deutschland.
Vorläufer mini|hochkant=2|Das Telephon-Billet von 1891 gilt als einer der ersten Vorläufer der späteren Telefonkarten Zur Abwicklung des Telefonverkehrs von öffentlichen Sprechstellen aus bediente man sich im Deutschen Reich ab 1881 bis 1891 der Fernsprechscheine.MICHEL Ganzsachen-Katalog Deutschland; 1999; S. 9 und 166.
Am 5. November 1883 wurden im Königreich Bayern zuerst in München, später in einigen anderen Orten Bayerns nummerierte Telephon-Billets „zur Benützung einer öffentlichen Telephonstation auf die Dauer von 5 Minuten“ ausgegeben. In den vier Ecken befindet sich die Wertangabe (10, 25, 50 Pfennig bzw. eine Mark), am Kopf der Ortsname über der Bezeichnung „Telephon-Anlage“. Diese Fernsprechscheine wurden 1908 außer Kurs gesetzt.MICHEL Ganzsachen-Katalog Deutschland; 1999; S. 9 und 47.
Beides waren Gebührenquittungen.MICHEL Ganzsachen-Katalog Deutschland; 1999; S. 9.
Einführung Regionale Feldversuche Im Juni 1983 fanden die ersten Feldexperimente mit vorausbezahlten Telefonkarten für öffentliche Telefone statt. Diese Wertkartentelefone sollten die vorhandenen Münztelefone nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie eigneten sich, laut der Bundespost, vor allem für häufige Benutzer von Telefonzellen, die deshalb bisher immer viel Kleingeld mit sich führen mussten. Weiterhin wurde erwartet, dass die Kartentelefone weniger beschädigt würden, weil sie kein Bargeld enthielten.„Telefonieren mit Karte – ein neuer Post-Service“; Blatt 2. Zudem waren Geräte mit Münzeinwurf mechanisch verhältnismäßig aufwendig und wartungsbedürftig, man ging davon aus, dass Kartengeräte weniger zu Störungen neigen würden, vor allem entfiel bei ihnen das regelmäßige Leeren der Münzbehälter.
Bei der Vorstellung der Testphase im Oktober 1982 gab es bei der Deutschen Bundespost Überlegungen, ob die Karten für verschiedene Dienstleistungen, zum Beispiel Telefonieren und den Kauf von Automatenbriefmarken nutzbar sein sollten, die Verwendung allein zum Telefonieren gedachter Kreditkarten, wie bereits in den Vereinigten Staaten üblich, wurde als nicht zweckmäßig angesehen.„Telefonieren mit Karte – ein neuer Post-Service“; Blatt 3.
Getestet wurden Hologrammkarten, Chipkarten, Magnetkarten und Lochkarten. Die Entscheidung fiel 1986: Das im Gebiet Bonn und Aachen getestete Chipkartensystem wurde nach einem weiteren überregionalen Betriebsversuch bundesweit eingeführt. Grund war dessen zum damaligen Zeitpunkt überlegene Fälschungssicherheit.
Frankfurt am Main Der erste regional begrenzte Betriebsversuch mit jeweils ca. 30 Karten-Telefonen zur ausschließlichen Benutzung mit vorausbezahlten „Telefon-Karten“, so die damalige Bezeichnung, wurde in Frankfurt am Main durchgeführt. Begonnen wurde am 20. Juni 1983 in der Innenstadt sowie auf dem Messegelände mit einem System auf Hologramm-Basis (optisches Kartensystem). Dieser Betriebsversuch sollte anfangs 18 Monate dauern. Die Gebühreneinheiten waren im Funktionsteil der Telefonkarte auf der Basis eines Hologramms in Form einer optischen Mikrostruktur im Trägermaterial eingebettet. Für den Betriebsversuch wurden Karten mit 45 bzw. 92 Einheiten zum Preis von 10 bzw. 20 DM bei den Postämtern 1 und 11 sowie auf dem Messegelände verkauft.Vfg. 405/1983: Öffentliche Sprechstellen; Betriebsversuch mit öffentlichen Karten-Telefonen in Frankfurt am Main (Amtsbl. 73, 26. Mai 1983, S. 854) Alle Karten waren auf der Vorderseite rot, die Rückseite war bei allen Karten schwarz. Die Karten wurden von dem Schweizer Unternehmen Landis & Gyr hergestellt und mussten mit der längeren Seite in das Kartentelefon eingeführt werden. Der Betriebsversuch wurde am 10. Dezember 1986 beendet, da am 16. Dezember des gleichen Jahres ein bundesweiter Test begann. Ein Kartentelefon, das sich in Ramstein in der Pfalz befand, blieb bis 1989 in Betrieb. Es gab insgesamt 10 verschiedene Telefon-Karten.MICHEL Telefonkarten-Katalog Deutschland 2005; S. 20–21.
Bonn und Raum Aachen Am 9. Oktober 1984 begann ein weiterer Einsatz von Kartentelefonen in der Stadt Bonn und am 23. November 1984 im Raum Aachen. Es wurden 30 Kartentelefone für Karten mit elektronischem Speicher (Chip-Kartensystem) getestet. Der Wert war im Funktionsteil der in Grün gehaltenen Karten elektronisch gespeichert. Für diesen Einsatz wurden Telefonkarten mit 40 und 80 Einheiten zum Preis von 12 bzw. 24 DM bei den folgenden Annahmestellen verkauft:Vfg.: 762/1984: Öffentliche Sprechstellen; Einsatz von öffentlichen Kartentelefonen in der Stadt Bonn und im Raum Aachen. S. 1215. Postamt (V) 5300 Bonn 1 (Innenstadt) Postamt Bonn 2 (Bad Godesberg) Postamt Bonn 111 (Bundesbahnhof) Postamt (V) 5100 Aachen 1 (Innenstadt) Postämter 5100 Aachen 13, 22 und 23 (Innenstadt) Postamt 5140 Erkelenz 1 Postamt (V) 5130 Geilenkirchen 1 (Innenstadt) Poststelle I 5130 Geilenkirchen 11 (Flugplatz Teveren) Eine weitere Abgabestelle befand sich im Bundespressehaus.
Getestet wurde ein Chipsystem von Siemens und GAO. Der Betriebsversuch in Bonn wurde am 10. Dezember 1986 beendet, da am 16. Dezember des gleichen Jahres mit einem bundesweiten Test begonnen wurde. In Aachen wurde der Feldversuch bis 1989 fortgeführt. Es gab mindestens acht verschiedene Karten.MICHEL Telefonkarten-Katalog Deutschland 2005; S. 22–23.
Goslar Am 23. Oktober 1984 begann ein weiterer Einsatz von Kartentelefonen im Raum Goslar im Harz. Es wurden 30 Kartentelefone für Karten mit Magnetspur getestet. Der Wert war im Funktionsteil der weiß-orangen Telefonkarte magnetisch gespeichert. Für diesen Einsatz wurden Telefonkarten mit 40 und 80 Einheiten zum Preis von 12 bzw. 24 DM bei folgenden Annahmestellen abgegeben:Vfg. 763/1984: Öffentliche Sprechstellen; Einsatz von öffentlichen Kartentelefonen im Raum Goslar/Harz; S. 1215–1216. Postamt (V) 3380 Goslar 1 Postamt 3380 Goslar 2 (Hahnenklee-Bockswiese) Postamt 3388 Bad Harzburg 1 Postamt 3396 Altenau Poststelle I 3396 Schulenberg Postämter 3392 Clausthal-Zellerfeld 1 (Clausthal) und 2 (Zellerfeld)
Der Test wurde im April 1989 beendet. Beispielsweise stand eine der entsprechenden Telefonzellen in Altenau am ehemaligen Wellenbad. Die Magnetstreifenkartensystem stammten von Autelca aus Gümligen in der Schweiz. Es gab fünf verschiedene Karten.MICHEL Telefonkarten-Katalog Deutschland 2005; S. 24.
Bamberg Am 12. Februar 1985 begann ein weiterer Einsatz von Kartentelefonen in der Stadt Bamberg. Es wurden 30 Kartentelefone für Karten mit Magnetspur auf einem Lochkartensystem von Copytex getestet. Der Wert war im Funktionsteil der aus Kartonpapier bestehenden Karte magnetisch gespeichert. Für diesen Einsatz wurden Telefonkarten mit 40 und 80 Einheiten zum Preis von 12 bzw. 24 DM bei allen Postämtern in Bamberg abgegeben.Vfg.: 81/1985 Öffentliche Sprechstellen; Einsatz von öffentlichen Kartentelefonen im (sic!) Bamberg. S. 214. Es waren die Postämter: Postamt 1, Hauptpostamt am Bahnhof Postamt 11, Promenade Postamt 12, Schranne 3 Postamt 14, Gaustadter Hauptstraße 46 Postamt 15, Hallstadter Straße 40 Postamt 16, Seehofstraße 26 Postamt 17, Dürrwächterstraße 9 Postamt 19, Kunigundendamm 166 sowie im gerade neu errichteten Klinikum in einem Selbstbedienungsladen in der Eingangshalle. Der Test wurde Anfang 1989 beendet. Es gab acht verschiedene Karten.MICHEL Telefonkarten-Katalog Deutschland 2005; S. 25–26.
ICE-Testkarten Zwischen 1985 und 1988 waren im InterCityExperimental der Deutschen Bundesbahn an den Plätzen der 1. Klasse spezielle Kartentelefone eingebaut. Die Geräte arbeiteten mit einem Magnetstreifensystem mit Führungslöchern, ähnlich dem, das in Bamberg getestet wurde. Die Karten wurden ebenfalls von Copytex hergestellt und bei Repräsentations- und Demonstrationsfahrten vom Zugpersonal an die Fahrgäste, meist Journalisten, verschenkt oder verkauft. Es gab drei verschiedene Wertstufen zu 5, 10 und 50 DM. Die späteren Intercity-Express-Serienzüge wurden mit den normalen Kartentelefon ausgerüstet, eine spezielle Telefonkarte für die Züge entfiel damit und es konnten mit der normalen Telefonkarte Gespräche geführt werden.MICHEL Telefonkarten-Katalog Deutschland 2005; S. 27.
Bundesweiter Betriebsversuch und Übergang in den Regelbetrieb mini|Feldversuchsorte (1984–1989) sowie bundesweiter Betriebsversuch (ab 1986) mini|Links im Bild ein Kartentelefon 1988 in Bonn Ende 1984 waren mehr als 60 Unternehmen aus dem In- und Ausland zur Abgabe eines Angebotes für ein Kartentelefonsystem gebeten worden. Zum Einsatz kamen dann die Kartentelefonsysteme der Hersteller Siemens und Telenorma. Nachdem diese beiden Hersteller ihr technisches Konzept so modifiziert hatten, dass mit den Karten die Kartentelefone beider Systeme bedient werden konnten, war der Weg frei für einen bundesweiten Betriebsversuch. 400 Kartentelefone wurden installiert:Reinhard Westphal: Das Kartentelefonsystem der Deutschen Bundespost TELEKOM; S. 255. 200 in 16 Großstädten, die über einen Intercity-Bahnhof oder über einen Flughafen verfügten, sowie 200 im Großraum Stuttgart.Vfg.: 1015/1986; S. 2471. Zu den 16 Städten zählten: Berlin (Bahnhof Zoo, Flughafen Berlin (Tegel oder Tempelhof), Innenstadt) Bonn (Hbf, Innenstadt) Bremen (Hbf, Flughafen Bremen) Dortmund (Hbf) Duisburg (Hbf) Düsseldorf (Hbf und Flughafen Düsseldorf) Essen (Hbf) Frankfurt (Hbf, Flughafen Frankfurt Main, Innenstadt) Hamburg (Hbf, Flughafen Hamburg) Hannover (Hbf, Flughafen Hannover) Karlsruhe (Hbf) Köln (Hbf, Flughafen Köln) Mannheim (Hbf) München (Hbf, Flughafen München) Nürnberg (Hbf, Flughafen Nürnberg) Saarbrücken (Hbf)
Am 16. Dezember 1986 wurden in Bremen die Kartentelefone der Öffentlichkeit offiziell übergeben. Beide Versuchssysteme wiesen bereits eine ähnliche, wenn auch einfachere Systemstruktur auf wie das spätere Seriensystem. Der Betriebsversuch war so angelegt, dass er Aussagen über die Akzeptanz des Kartentelefons bei Reisenden und Geschäftsleuten einerseits und bei einem breiten Bevölkerungsquerschnitt andererseits lieferte.Reinhard Westphal: Das Kartentelefonsystem der Deutschen Bundespost TELEKOM; S. 255.
Die Telefonkarten mit Guthaben zum Preis von 12 DM (40 Einheiten) bzw. 50 DM (200 Einheiten) wurden bei fast allen Postämtern in der Nähe der Kartentelefon-Standorte verkauft.