mini|hochkant|Rafael Correa (2013) Rafael Vicente Correa Delgado (* 6. April 1963 in Guayaquil) ist ein ecuadorianischer Wirtschaftswissenschaftler und Politiker. Vom 15. Januar 2007 bis zum 24. Mai 2017 war er Präsident des Landes.

Die „Revolution der Bürger“, wie der linksorientierte Präsident Correa seine Regierung nannte, brachte Ecuador eine bis dahin unbekannte politische Stabilität, institutionelle Fortschritte und soziale Erfolge.Ecuador: Endet die Revolution der Bürger?, Deutsche Welle, 18. Februar 2017. Correas politisches Vermächtnis ist unter anderem die erfolgreiche Bekämpfung der Armut, sie sank zwischen 2007 und 2014 um 38 Prozent und die extreme Armut um 47 Prozent.Mark Weisbrot: Ecuador’s Left-Wing Success Story, The Nation, 14. Februar 2017. Kritisiert wurden an Correa hingegen ein autoritärer Politikstil und Beschränkungen der Pressefreiheit. Der zwischen 2017 und 2021 im Amt befindliche Nachfolger von Correa im Präsidentenamt, Lenin Moreno, vollführte innen- und außenpolitisch nach seiner Wahl eine rechte Kehrtwende der Politik und warf Correa vor, für die Proteste gegen die Regierung Morenos verantwortlich zu sein. Seit 2018 laufen in Ecuador mehrere juristische Verfahren gegen Correa. Im Juli 2018 wurde gegen Correa wegen des Vorwurfs einer Entführung von einem ecuadorianischen Gericht ein internationaler Haftbefehl erlassen. Dieser wurde von Interpol jedoch nach Prüfung wegen des politischen Charakters des Verfahrens zurückgewiesen. Am 7. April 2020 wurde Correa in Abwesenheit durch ein ecuadorianisches Gericht wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit zu acht Jahren Haft verurteilt.

Person und Ausbildung Correa studierte zunächst an der Katholischen Universität Guayaquil Wirtschaftswissenschaften und schloss sein Studium 1987 ab. Während seines Studiums stand er verschiedenen Studentenausschüssen vor. Anschließend arbeitete er ein Jahr lang als Freiwilliger in einer Missions- und Sozialstation der Salesianer Don Boscos in Zumbahua in der Provinz Cotopaxi, wo er auch Grundkenntnisse des Kichwa erwarb. Er absolvierte anschließend vertiefende Master-Studiengänge an der Université catholique de Louvain in Louvain-la-Neuve (abgeschlossen 1991) und an der University of Illinois at Urbana-Champaign (abgeschlossen 1999). Im Oktober 2001 wurde er an der University of Illinois zum PhD promoviert. Gleichzeitig und zwischenzeitlich war er als Dozent an der Universität Guayaquil, der Universität San Francisco in Quito und der University of Illinois tätig. Nach dem Erwerb des Doktorgrades lehrte er an verschiedenen Universitäten in Ecuador und war bis 2005 Professor und Direktor der Abteilung für Wirtschaftswissenschaften an der Universidad San Francisco. In dieser Funktion war er auch Berater für verschiedene wirtschaftspolitische Projekte, unter anderem des damaligen Vizepräsidenten Alfredo Palacio.

Correa ist mit der Belgierin Anne Malherbe verheiratet.Analizan si extender seguridad para expresidente Rafael Correa, El Universo, 14. Mai 2018, abgerufen am 28. Juni 2018. Er hat drei Kinder (zwei Töchter und einen Sohn) und lebt in Brüssel.

Wirtschafts- und Finanzminister (2005) Nach dem Sturz von Präsident Lucio Gutiérrez berief ihn dessen Nachfolger, der bisherige Vizepräsident Alfredo Palacio, im April 2005 in das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers von Ecuador. Correa versuchte, einen politischen Kurs der weniger entschiedenen Bedienung von Auslandsschulden und dementsprechend der stärkeren Opposition gegen Weltbank und Internationalen Währungsfonds durchzusetzen. Stattdessen strebte er eine stärkere Annäherung an Venezuela an und eine stärkere Beteiligung des Staates an den Einnahmen des in Ecuador geförderten Erdöls. Da er diesen Kurs nicht durchsetzen konnte, trat er bereits im August 2005 von seinem Amt zurück. Anschließend arbeitete er als freier Berater.

Präsidentschaftskandidatur mini|hochkant|Rafael Correa (2006) Bereits kurz nach seinem Rücktritt als Wirtschafts- und Finanzminister wurde Correa als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2006 gehandelt und zunächst mit der Indigena-Partei Pachakutik in Verbindung gebracht. Schließlich kandidierte er für die von ihm gegründete Partei Movimiento PAÍS und die Sozialistische Partei Ecuadors.

Ab Anfang September 2006 schnitt er in Umfragen immer besser ab und belegte in den letzten Umfragen drei Wochen vor der Wahl den ersten Platz vor dem sozialdemokratischen Kandidaten León Roldós. Schließlich belegte er, wohl vor allem aufgrund des Stimmenzulaufs für den von den Umfrageinstituten völlig unterbewerteten Gilmar Gutiérrez, Bruder des gestürzten Präsidenten Lucio Gutiérrez, in ländlichen und städtischen Marginalgebieten, den zweiten Platz hinter dem ebenfalls bei Umfragen schlechter platzierten konservativen Unternehmer Álvaro Noboa (PRIAN). Correa kritisierte daraufhin vor allem die Umfrageinstitute und die nationalen Fernsehsender, die sich mehrheitlich im Besitz Noboa-freundlicher Banken befinden.

Nach der Stichwahl am 26. November wiesen ihn erste Wahlprognosen nach Schließung der Urnen als Wahlsieger aus, was sich bei der Stimmauszählung bestätigte: Nach dem am 4. Dezember bekanntgegebenen Endergebnis erhielt Correa 56,67 Prozent der Stimmen und lag damit deutlich vor Noboa (43,33 %).Correa gewinnt Stichwahl, n-tv vom 27. November 2006

Politisches Programm Correa ist ein linksgerichteter Politiker, der von Teilen der Medien gerne mit dem negativen Attribut populistisch belegt wird. Seine politische Überzeugung wird als „linksnationalistisch“ umschrieben, was im ecuadorianischen Kontext bedeutet, einerseits eine Politik der Partizipation breiter Bevölkerungsschichten an Entscheidungsfindung und Reichtum im Land zu realisieren und dem Einfluss wirtschaftlich-politischer Eliten auf allen Ebenen der Gesellschaft und des Staatsapparats entgegenzutreten, andererseits „ausländische Einflüsse in Politik und Wirtschaft (in Form der Einflussnahme insbesondere durch internationale Organisationen wie Weltbank und IWF und die USA)“ zu beschneiden und heimische Kräfte für eine „wirtschaftlich-soziale Wiederbelebung“ zu stärken und zu gewinnen. Der „Nationalismus“ ist in diesem Sinne nicht auf Ecuador beschränkt, Correa sieht sich als Vorkämpfer für eine südamerikanische Nation. Seine Regierung bezeichnete er in seiner Antrittsrede als „bolivarianisch“ und „alfaristisch“, worin die Ablehnung von Fremdeinmischung und die lateinamerikanische Solidarität ebenso zum Ausdruck kommen wie eine deutliche Umorientierung der Politik gegen konservative bisherige Eliten.

In seinen Wahlkampfspots trat Correa zudem entschieden gegen die von ihm „Partidokratie“ genannte bestehende Parteienlandschaft Ecuadors auf. Er kündigte an, den Nationalkongress abzuschaffen, der in der Bevölkerung im Allgemeinen kein großes Ansehen genießt, und stattdessen eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Die Auflösung des Kongresses hat er nach seinem Wahlsieg wieder zurückgenommen, nicht aber die Einberufung der verfassungsgebenden Versammlung, die weitgehende gesetzgebende Kompetenzen erhielt. Sein meistverwendeter Wahlkampfspruch Dale Correa (deutsch etwa: „Gib’s ihm mit dem Gürtel“) ist ein Wortspiel mit Correas Nachnamen und deutet seinen Willen an, die Macht der Parteipolitiker zu beschränken., El Universo (Guayaquil), 30. Oktober 2006

In der zweiten Wahlkampfphase bezeichnete er sich – auch angesichts seines als fundamentalchristlich auftretenden Gegenkandidaten Álvaro Noboa, der in Anspielung auf Correa vor dem „Kommunismus“ gewarnt hatte – als „Humanisten“ und „linksorientierten Christen“. Die politische Ausrichtung Correas, soweit bisher erkennbar, weist ähnlich wie bei seinem bolivianischen Amtskollegen Evo Morales starke propagandistische Nähe zu den bolivarianischen Ideen seines politischen Freundes Hugo Chávez auf, von dessen Popularität in Lateinamerika er offensichtlich zu partizipieren versucht. So bekannte er sich in einer Rede, die er kurz nach seiner Amtseinführung bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit Chávez im Präsidentenpalast hielt, sehr deutlich zu einem von Chávez immer wieder propagierten „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ und sprach sich für eine Mitgliedschaft Ecuadors in der ALBA aus. Andererseits kann von tatsächlich sozialistischen oder revolutionären politischen Maßnahmen bisher keine Rede sein. Analysten vermuteten eine Nähe zur christlichen Soziallehre in der Ausprägung der Befreiungstheologie und einer neokeynesianischen Wirtschaftspolitik.

Zu seinen politischen Positionen gehören unter anderem die Ablehnung eines Handelsabkommens mit den USA (und der Free Trade Area of the Americas) mit Hinweis auf die „Zerstörung Tausender Arbeitsplätze“ in der Landwirtschaft und Kritik am US-Dollar als Landeswährung in Ecuador. Er zeigt sich als Befürworter einer beschränkten Bedienung der Auslandsschulden, sofern diese die produktive Entwicklung des Landes behindern. Unter anderem durch eine Neuverhandlung der Verträge mit den Energiekonzernen erreichte die Regierung Correas eine stärkere Beteiligung des Staates an den Erdöleinnahmen. Sozialprogramme wie eine monatliche Unterstützung von 30 US-Dollar für die Ärmsten, ein „Haus-Bonus“ für den Kauf oder Bau von Wohnraum und die kostenlose Verteilung von Medikamenten sollen helfen, die Armutsquote in Ecuador weiter zu verringern.

Um das „Meinungsmonopol“ der privaten Medien zu brechen, wurden 2008 mit dem Fernsehsender Ecuador TV, dem Rundfunkkanal RPE und mehreren Tageszeitungen erstmals öffentlich-rechtliche Medien geschaffen. Sein Vorgehen gegen private Medien wird jedoch vielfach kritisiert. Im Jahr 2012 wurden 17 private Rundfunksender aufgrund angeblich nicht gezahlter Lizenzgebühren eingestellt. Internationale Aufmerksamkeit erhielt ein Urteil des Nationalen Gerichtshofes vom 15. Februar 2012, in dem ein Journalist der oppositionellen Zeitung El Universo, Emilio Palacio, zu 3 Jahren Haft und einer Geldstrafe von 42 Millionen US-Dollar verurteilt wurde. Sie hatten im Zuge der Berichterstattung die Ereignisse am 30. September 2010 (s. u.) berichtet, Correa habe der Armee befohlen, das Krankenhaus anzugreifen, in dem er von aufständischen Polizisten einige Stunden lang belagert wurde. Das oberste Gericht sah keine Beweise für diese Behauptung und verurteilte den Journalisten wegen Verleumdung. Allerdings wurde Palacio nach Urteilsverkündung im Sinne Correas begnadigt. Seit Correas Amtsantritt im Januar 2007 fiel Ecuador in der Rangliste der Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen von Rang 74 von 173 auf aktuell Rang 119 von 179. Die Neue Zürcher Zeitung kritisierte Correas Medien- und Informationspolitik als autoritär: „Das ist Correas grosser Schwachpunkt: Auf Kritik reagiert er allergisch. Er ist völlig überzeugt, das einzig richtige Konzept für sein Land zu besitzen. Dabei müsste er wissen, dass es kein Wahrheitsmonopol geben kann. Wo die freie Diskussion unter Bürgern verhindert wird, gerät die Revolution in Erstarrung.“"Bürgerrevolution" und Wahrheit Neue Zürcher Zeitung, 19. Februar 2013

Präsidentschaft mini|Rafael Correa mit der Amtsschärpe bei seinem Amtsantritt als Präsident Erste Amtszeit Ereignisse Correa wurde am 15. Januar 2007 vom Parlamentspräsidenten Ecuadors, Jorge Cevallos (PRIAN), in einer feierlichen Zeremonie vereidigt und erhielt von seinem Vorgänger Alfredo Palacio die Amtsschärpe. Bereits am Tag zuvor hatten Vertreter der indigenen Bevölkerung in Zumbahua in einer symbolischen Zeremonie in Anwesenheit der Präsidenten Venezuelas und Boliviens einen Stab der Weisheit und einen Poncho als Autoritätsinsignien an Correa überreicht. Im ersten Dekret nach der Amtsübernahme verkündete Correa eine Volksbefragung über die Einrichtung einer verfassunggebenden Versammlung. Sein Vizepräsident wurde Lenín Moreno.