Die Bismarckschule ist ein Gymnasium in Hannover. Sie liegt im Stadtteil Südstadt, in unmittelbarer Nähe des Maschsees. Sie ist benannt nach dem deutschen Staatsmann und Gründer des Deutschen Reiches Otto von Bismarck.

Geschichte Die Bismarckschule wurde im Jahre 1906 als ReformrealgymnasiumHans Kammel: Bismarckschule. In: Stadtlexikon Hannover, S. 68, also als naturwissenschaftliches Realgymnasium für Jungen gegründet.

Nachdem anfangs das vormalige Gebäude der Provinzial-Hebammenlehranstalt im (heutigen) Stadtteil Nordstadt, Herrenhäuser Kirchweg 5,Rainer Kasties: Entbindungs- und Hebammenlehranstalt. In: Stadtlexikon Hannover, S. 161 genutzt wurde, konnten fünf Jahre später Schüler und Lehrer das neue Gebäude beziehen, in dem sich die Bismarckschule bis heute befindet. Architekt des von 1909 bis 1911 im späten Historismus mit Elementen des Neobarock und des Jugendstils erbauten Gebäudes war der städtische Baubeamte Johann de Jonge.

Im Zweiten Weltkrieg war in der Bismarckschule einer von mehreren öffentlichen Luftschutzkellern in der Südstadt eingerichtet worden, um die in der Stadt verbliebenen Menschen vor den Fliegerbomben während der Luftangriffe auf Hannover zu schützen.„Wenn es uns getroffen hätte …“ In: Hans Joachim Toll: Die Nacht vor dem Tag ohne Sonne. Ein Dokumentarbericht von Leben und Tod der Stadt Hannover. (Sonderdruck des Dokumentarberichts, erschienen in der Hannoverschen Presse) Hannoversche Druck- und Verlagsgesellschaft, Hannover o. J. (1953), S. 6 f.

Seit 1953 ist die Bismarckschule eine UNESCO-Projektschule. Im Jahr 2005 wurde der Antrag auf die Einrichtung einer Ganztagsschule genehmigt.

Die heutige Bismarckschule miniatur|hochkant=0.8|Nordost-Ansicht Insgesamt besuchen im Schuljahr 2020/21 1116 Schülerinnen und Schüler die Bismarckschule, die von 86 Lehrerinnen und Lehrern und fünf Referendarinnen und Referendaren in den Klassenstufen 5 bis 13 unterrichtet werden.

Am 24. September 2009 wurde der Grundstein für ein neues dreistöckiges Gebäude gelegt, das neben zehn Klassen- und zwei Gruppenräumen auch einer Mensa und einer Cafeteria Platz bietet. Der Neubau, in den rund 4,75 Mio. Euro investiert wurden, wurde am 18. August 2010 von Oberbürgermeister Stephan Weil eingeweiht. Während der Bauzeit befanden sich die meisten Klassenräume in einem vierteiligen Containerbau auf dem Schulhof. Hier hatte man auch eine „Aula“ eingerichtet, in der die schriftlichen Abiturprüfungen abgelegt wurden.

Für weitere 8,25 Mio. Euro wurde auch das historische Hauptgebäude bis zur 100-Jahr-Feier 2011 modernisiert. Die Arbeiten wurden von der Stadt Hannover als Öffentlich-private Partnerschaft ausgeschrieben und vergeben.Bärbel Hilbig: Gymnasium bekommt Anbau. Start an der Bismarckschule. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25. September 2009, Seite 14.

Ein zusätzlicher dreigeschossiger Anbau wurde im Zeitraum 2021–2024 errichtet. Im neuen Gebäudeteil befinden sich größtenteils Funktionsräume für den Informatik-, Biologie- und Musikunterricht sowie einzelne Klassenräume. Der alte Gebäudeteil ist durch einen Verbindungsgang mit dem Anbau verbunden.

Profil Schwerpunkte der schulischen Ausrichtung sind das mathematisch-naturwissenschaftliche Profil mit der Einrichtung entsprechender Schwerpunktklassen ab dem fünften Jahrgang, die Einrichtung von „Bläserklassen“ in den Jahrgängen 5 und 6, die Teilnahme am UNESCO-Schulprojekt sowie das Medienprofil der Schule.

In der fünften und sechsten Klasse haben die Schüler in der „Bläserklasse“ die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen. Die Mitwirkung ist auf zwei Jahre beschränkt. Die Schüler haben die Wahlmöglichkeit unter verschiedenen Instrumenten (Querflöte, Klarinette, Alt-Saxophon, Tenor-Saxophon, Trompete, Posaune, E-Bass, Schlagzeug, ehemals auch Tuba und Euphonium). Das Erlernen der jeweiligen Instrumente erfolgt innerhalb der verschiedenen Instrumentengruppen durch einzelne Fachkräfte, sodass der Musikunterricht auf den Kenntnissen der Schüler aufbauen kann. Dieser erfolgt nicht im herkömmlichen Sinne, sondern durch „Klassen-Proben“.

Nach der sechsten Klasse ist die „Bläserklasse“ als Profil an sich beendet, die Klasse kann jedoch entscheiden, ob sie als „Klassenorchester“ noch in der siebten Klasse weiter musizieren möchte. In der siebten Klasse können sich die Schüler dann aussuchen, ob sie in einer Arbeitsgemeinschaft (AG) ihr Instrument weiter spielen, ob sie Einzel- oder Kleingruppenunterricht bei den jeweiligen Instrumentallehrern nehmen oder ob sie mit dem Spielen ihres Instruments ganz aufhören.

Projekte An der Bismarckschule gibt es auch Projekte, wie die jährliche Afrikawoche der fünften Klassen. Seit 2012 richtet der jeweilige Abiturjahrgang eine Harry-Potter-Nacht für die fünften und sechsten Klassen aus.

Fremdsprachenangebot An der Bismarckschule wird Englisch ab der fünften Klasse unterrichtet. Ab Klasse 6 wird als Wahlpflichtfach Französisch, Spanisch oder Latein angeboten. Zusätzlich kann ab der elften Klasse Italienisch gewählt werden.

Arbeitsgemeinschaften und Sportverein Es werden verschiedene Arbeitsgemeinschaften angeboten, unter anderem die Band 'n' Brass-, BigBand-, Streicher-, Hockey-, Nachwuchsforscher-, Jugend forscht-, Planetarium-, Medienscouts- und Theater-AG.

Zu der Schule gehört der Ruderverein Bismarckschule Hannover e. V., der mit seiner Schülerabteilung ein Rudertraining für die Schüler der Bismarckschule am Schülerbootshaus der Stadt Hannover auf dem Maschsee anbietet.

Planetarium Das Gebäude der Bismarckschule beherbergt ein Planetarium mit einem Zeiss-ZKP-1-Projektor sowie eine Sternwarte mit einem Zeiss-150-mm-Fernrohr und einem Celestron-C8-Teleskop in seinem Südturm.

Kooperationspartner Die Bismarckschule kooperiert in der Oberstufe mit der Tellkampfschule, um ein breites Spektrum an Schwerpunktwahlfächern zu ermöglichen. Außerdem unterstützt sie eine Partnerschule in Tansania.

Schülerzeitung Die Schülerzeitung der Bismarckschule (früher „BisZ“, dann „fussnote“, dann „Neuer BisZ“) wurde von Schülern erstellt. Im Jahr 2025 wurde die analoge Schülerzeitung abgeschafft und durch ein modernisiertes, digitales Format ersetzt.

Persönlichkeiten Lehrer Richard Tronnier (1878–1947), Lehrer ab 1909, Musikschriftsteller und Komponist Ernst August Büttner (1881–1955), Lehrer 1913–1928, Heimatforscher und LandeshistorikerVergleiche den Nachruf: Ernst Büttner †. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 28: Hildesheim: Lax, 1956, S. 343; Vorschau über Google-Bücher Albrecht Büsing (1884–1952), Lehrer und Politiker (DVP), Abgeordneter des Schaumburg-Lippischen Landtages Rudolf Wilckens (1884–1936), Geologe und Paläontologe, Verfasser von Geografie-Schulbüchern Albert Herrmann (1886–1945), Geografiehistoriker Kurt Felgner (1912–2002), Musikpädagoge und Chorleiter Erich Grün (1915–2009), Maler und Grafiker, von 1957 bis 1981 Kunstlehrer Bernhard Ehlen (* 1939), Jesuit und Gründer von German Doctors Finja Schaake (* 1992), Basketballspielerin

Schüler Ferdinand Wilhelm Fricke (1863–1927), „Vater und Schöpfer des hannoverschen Rasensports“Dirk Böttcher: Fricke, (1) Wilhelm. In: Stadtlexikon Hannover, S. 191f. Walter Krippendorff (1886–1983), Unternehmer Sigmund Meyer (1873–1935), Ingenieur und Elektroautomobil-Pionier, erster Industrieller in der Bremischen Bürgerschaft Otto Haase (1893–1961), Reformpädagoge Otto Flachsbart (1898–1957), Ingenieur, Baubeamter bei der Wasserstraßendirektion Hannover, Hochschullehrer für Mechanik, Rektor der Technischen Hochschule Hannover und Staatssekretär am Niedersächsischen Kultusministerium Pascual Jordan (1902–1980), theoretischer Physiker und Politiker (NSDAP, CDU), Bundestagsabgeordneter Heinrich Lindenberg (1902–1982), Abitur 1923, Politiker (CDU), Bundestagsabgeordneter, Mitglied des Europaparlamentes Richard Leinert (1903–1962), Abitur 1923, Politiker (SPD), Mitglied des Niedersächsischen Landtages Enrique Beck (eigentlich Heinrich Beck; 1904–1974), Lyriker und Übersetzer Carl Bauer (1909–1999), Architekt Kurt Julius (1909–1986), Fotograf Nicholas Kemmer (1911–1998), britischer theoretischer Physiker (Kernphysik) Gustav Wagner (1918–2006), Mediziner (Dermatologe), Medizinhistoriker, Herausgeber und Medizininformatiker Horst Langemann (1928–2011), Chemiker Frank Wien (1930–1998), Jurist und Politiker (FDP), niedersächsischer Staatssekretär Peter Grossmann (1933–2021), Bauforscher Peter Glotz (1939–2005), Politiker (SPD), Bundestagsabgeordneter, Publizist und Kommunikationswissenschaftler Reinhard Hauff (* 1939), Regisseur und Direktor der Film- und Fernsehakademie, Berlin Jörn Köhnke (* 1940), Architekt Eberhard Neumann-Redlin von Meding (* 1941), Frauenarzt, Königsberg-Historiker und Musiker Lutz Bandekow (* 1948), Generalarzt, erster Kommandeur des Sanitätskommandos III des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Carl-Hans Hauptmeyer (* 1948), Historiker Matthias Sesselmann (* 1953), Autor und Autobiograph Jörg Ranau (* 1955), Diplomat Cornelius Hasselblatt (* 1960), Finnougrist und Übersetzer Michael Hampe (* 1961), Philosoph Tobias Kühne (* 1977), Ruderer Alicja Kwade (* 1979), Künstlerin

Literatur Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Bismarckschule Hannover. Hannover 2006. Wolfgang Neß: Bismarckschule. In: Hans-Herbert Möller (Hrsg.): Stadt Hannover, Teil 1. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 10.1.) Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1983, ISBN 3-528-06202-9, S. 119; sowie Anlage Südstadt. In: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, S. 7 ff. Hans Kammel: Bismarckschule. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 68.

Siehe auch Liste der Schulen in Niedersachsen

Weblinks

Website der Bismarckschule Bismarckschule im Denkmalatlas Niedersachsen

Einzelnachweise

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