rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Mutter Teresa Mutter Teresa (Heilige Teresa von Kalkutta, Teresa von Kolkata; * 26. August 1910 als Agnes bzw. Anjezë Gonxhe BojaxhiuChristiane Jaenicke: Mutter Teresa – albanische Nationalheldin oder Heilige? in: Nationalhelden - Mythos und Missbrauch, OST-WEST. Europäische Perspektiven, Heft 3, 2020, herausgegeben vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken Renovabis e. V., Verlag Friedrich Pustet, ISBN 978-3-7917-3166-7 [] in Üsküb, Osmanisches Reich [heute Skopje, Nordmazedonien]; † 5. September 1997 in Kalkutta, Indien) war eine indische römisch-katholische Ordensschwester und Missionarin albanischer Herkunft. Sie gründete den Orden Missionarinnen der Nächstenliebe. Weltweit bekannt wurde sie durch ihre Arbeit mit Armen, Obdachlosen, Kranken und Sterbenden, für die sie 1979 den Friedensnobelpreis erhielt. In der römisch-katholischen Kirche wird Mutter Teresa als Heilige verehrt und gilt als Sinnbild für Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Inzwischen sind aber sowohl ihre Arbeit als auch ihre Person umstritten.
Leben und Werk Frühe Jahre und Ausbildung mini|Nikollë Bojaxhiu, Vater von Anjezë Gonxha Bojaxhiu Teresa wurde am 26. August 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Üsküp (heute Skopje, albanisch Shkup) im Osmanischen Reich als Kind einer wohlhabenden katholischen albanischen Familie geboren. Sie wuchs zusammen mit ihrer Schwester Age und ihrem Bruder Lazër auf. Ihr Vater Nikollë Bojaxhiu, ein Kaufmann, stammte aus der Mirdita,Lolja, Saimir (2004). Nënë Tereza, një vit më pas: In memoriam. Panorama Nr. 739, pp. 1–8. einer Region im Norden Albaniens, und lebte viele Jahre in Prizren. Ihre Mutter Drane (geb. Barnaj) stammte aus Novosella, einem Dorf in der Umgebung Gjakovas im Kosovo. Ihre Schulausbildung erhielt Gonxha an einer katholischen Mädchenschule in Shkodra. Als sie acht Jahre alt war, starb ihr Vater überraschend; sie widmete sich daraufhin noch mehr dem Glauben. Schon im Alter von zwölf Jahren entschied sie sich für ein Leben als Ordensfrau und bat im Alter von 18 Jahren um die Aufnahme ins Noviziat der Loretoschwestern. Die Sisters of the Blessed Virgin Mary, ein irischer Zweig der Englischen Fräulein (IBMV),Die verschiedenen Loreto-Schwestern nach www.orden-online.de engagierten sich damals besonders im Unterrichtswesen in Bengalen. Nach einem zweimonatigen Aufenthalt im Mutterhaus der Loretoschwestern in Irland wurde sie nach Bengalen gesandt.
Ihr Noviziat fand seit 1929 in der Stadt Darjeeling statt. Bei der Einkleidung nahm sie mit Bezug auf die hl. Therese von Lisieux den Ordensnamen Teresa an. In der Krankenschwesternschule von Patna war sie eine Schülerin der von Anna Dengel gegründeten Missionsärztlichen Schwestern.
In Kalkutta legte sie die Profess ab und war dort siebzehn Jahre in der St. Mary’s School tätig, wo sie zuerst als Lehrerin, später als Schulleiterin wirkte.
Arbeit in Indien Auf einer Fahrt durch Kalkutta verspürte sie am 10. September 1946 beim Anblick eines Kruzifixes die Berufung, den Armen zu helfen. In ihrem Tagebuch schilderte sie dieses Erlebnis als mystische Begegnung mit Jesus, der sie mit den Worten „Mich dürstet“ dazu aufgefordert habe, ihm in den Ärmsten der Armen zu dienen.Jan Roß: Tagebuch: Keine Liebe, kein Glaube. In: Die Zeit, Nr. 38/2007, S. 57. Sie suchte um Erlaubnis an, die Klausur der Loretoschwestern für dieses Apostolat einstweilig zu verlassen, erhielt diese aber erst zwei Jahre später. Mutter Teresa wurde zunächst exklaustriert, d. h., sie durfte die Klausur verlassen, blieb aber Ordensfrau. Fortan lebte Mutter Teresa in Kalkutta, wo sie zunächst allein wirkte, bis sich ihr einige frühere Schülerinnen anschlossen. Ein bekannt gewordenes Porträt der Zeitschrift Life brachte ihr den Beinamen „Heilige der Gosse“ ein.
Mutter Teresa hatte 1947, kurz nach der Unabhängigkeit Indiens, die indische Staatsbürgerschaft angenommen. Sie sprach damals schon fließend Bengali.Navin Chawla: Mutter Teresa. Die autorisierte Biographie, Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12488-3, S. 14 1950 gründete sie die Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe, die nach den evangelischen Räten lebten. Später erhielt die Ordensgemeinschaft die päpstliche Approbation. Die Ordensgemeinschaft kümmert sich um Sterbende, Waisen, Obdachlose und Kranke, ihr besonderes Engagement liegt jedoch in der Betreuung von Leprakranken. Heute gehören den Missionaren der Nächstenliebe über 3.000 Ordensschwestern und mehr als 500 Ordensbrüder in 710 Häusern in 133 Ländern der Erde an. Für ihr Wirken erhielt Mutter Teresa zahlreiche Preise. Die bedeutendsten waren 1978 der Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern und 1979 der Friedensnobelpreis.
In ihrer Rede bei der Verleihung des Friedensnobelpreises bezeichnete Mutter Teresa die Abtreibung als „größte(n) Zerstörer des Friedens“:Sieberer, Christian: Mutter Teresa und Frère Roger, Kapitel XIII. Abgerufen am 29. Oktober 2012, http://www.mutter-teresa.beichten.info/Kapitel/XIII.Mitten_in_der_Welt.htmRede bei der Verleihung des Friedensnobelpreises: 10. Dezember 1979, Oslo, Norwegen.
Auf Vorwürfe, ihren Mitarbeitern mangele es oftmals an medizinischer Ausbildung, entgegnete Mutter Teresa: „Nicht der Erfolg, sondern die Treue im Glauben ist wichtig.“
Die im Jahr 2007 von Brian Kolodiejchuk, dem Postulator ihres Seligsprechungsverfahrens, in Buchform herausgegebenen Tagebuchnotizen und Briefe von Mutter Teresa belegen, dass sie sich über Jahrzehnte hinweg in einer Glaubenskrise befand. Ihre Zweifel an der Existenz Gottes setzten schon bald nach Gründung ihrer Ordensgemeinschaft ein und haben sie bis zu ihrem Tod nicht mehr verlassen. So schreibt sie: „In meinem Innern ist es eiskalt“ oder „Die Seelen ziehen mich nicht mehr an – der Himmel bedeutet nichts mehr – für mich schaut er wie ein leerer Platz aus.“ Glaubensschwierigkeiten („dunkle Nacht der Seele“) tauchen jedoch auch bei anderen Heiligen auf.David van Biema: Mother Teresa’s Crisis of Faith. auf: time.com.
Besuche in Albanien Mutter Teresa reiste im August 1989 auf Einladung des Staatschefs Ramiz Alia erstmals nach Albanien. Dabei besuchte sie auch die Gräber ihrer Mutter und ihrer Schwester sowie das des Diktators Enver Hoxha. Bis zu ihrem Tod besuchte sie noch mehrmals Albanien und gründete dort mehrere Wohltätigkeitsmissionen.Wie Gjekë Gjonlekaj sich an den 30. Jahrestag von Mutter Teresas erstem Besuch in Albanien erinnert. In: koha.net, 15. August 2019.
Tod mini|Ölbild von Żaba für das Haus Betlehem der Missionarinnen der Nächstenliebe in Hamburg-St. Pauli (Żaba 2010) Teresa starb am 5. September 1997; am 13. September 1997 wurde sie in Kalkutta mit einem Staatsbegräbnis beerdigt und auf ihren Wunsch hin unter großer Anteilnahme der Weltöffentlichkeit in dem von ihr gegründeten Kloster beigesetzt.taz vom 15. September 1997: Die letzte Reise der Mutter Teresa, von Rainer Hörig, abgerufen am 20. Mai 2025
Verehrung in der katholischen Kirche Der Seligsprechungsprozess begann im Juni 1999 mit besonderer Erlaubnis von Papst Johannes Paul II., da ein solches Verfahren üblicherweise frühestens nach fünf Jahren eingeleitet wird. Das bis dahin kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit endete mit der Seligsprechung Mutter Teresas am 19. Oktober 2003.
2002 erkannte Papst Johannes Paul II. die Heilung einer Inderin von einem großen Tumor am Magen als ein Wunder an. Manche Ärzte hatten keine medizinische Erklärung für die Heilung der Frau, der ein Bild von Mutter Teresa auf den Bauch gelegt worden war.Miracle puts Mother Teresa on saintly path in: The Guardian, 21. Dezember 2002, abgerufen am 18. Dezember 2015. Nach Aussage von Serge Larivée, dem Leiter einer Studie, die sich 2013 kritisch mit Mutter Teresa auseinandersetzte, seien die behandelnden Ärzte allerdings zu einem anderen Ergebnis gekommen: Danach habe Besra nicht an Krebs, sondern an einer Unterleibszyste in Verbindung mit Tuberkulose gelitten, die erfolgreich medikamentös behandelt worden sei.Michael Remke: Die dunkle Seite von Mutter Teresa in: Die Welt, 7. März 2013, abgerufen am 5. September 2016.Die Welt: Mutter Teresa fehlt noch ein Wunder zur Heiligkeit, vom 25. August 2010. Im Dezember 2015 wurde die Heilung eines Brasilianers von mehreren Hirntumoren im Jahr 2008 von einer kirchlichen Expertenkommission als Wunder eingestuft und von Papst Franziskus als solches offiziell anerkannt. Die Angehörigen des Mannes hatten demnach Mutter Teresa um Hilfe gebeten und eine medizinische Expertenkommission hatte die Heilung als wissenschaftlich nicht erklärbar bezeichnet. Mit diesem zweiten durch die Kirche anerkannten Wunder hat sie die Kriterien zur Heiligsprechung erfüllt.Mother Teresa to become saint after Pope recognises 'miracle' – report in: The Guardian, 18. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015.Mutter Teresa wird heiliggesprochen in: Die Zeit, 18. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015. Die Heiligsprechung wurde am Vortag ihres liturgischen Gedenktages von Papst Franziskus am 4. September 2016 auf dem Petersplatz in Rom proklamiert und galt als einer der Höhepunkte des ausgerufenen heiligen Jahres der Barmherzigkeit.Papst spricht Mutter Teresa heilig auf Tagesschau online, 4. September 2016, abgerufen am 4. September 2016.Mutter Teresa wird im September heiliggesprochen auf Tagesschau online, 15. März 2016, abgerufen am 15. März 2016.
Ihr Gedenktag in der Liturgie der römisch-katholischen Kirche ist der 5. September. Seit 2025 ist der Gedenktag im Römischen Generalkalender als nichtgebotener Gedenktag aufgeführt.
Kritik Die Arbeit der Teresa von Kalkutta ist aus mehreren Gründen umstritten. Als Hauptkritikpunkte werden zunächst die sozialen Zustände in den Sterbehäusern genannt. Die Kranken litten den Kritikern zufolge unter den dortigen hygienischen Zuständen und waren unzureichend medizinisch versorgt, weshalb viele gestorben seien, die hätten gerettet werden können.Hellmuth Vensky: Mutter Teresa – Heilige oder Todesengel? Die Zeit, 26. August 2010 Ein weiterer Hauptvorwurf thematisiert die Motivation Mutter Teresas, die nach eigenen Aussagen der Missionierung den Vorrang vor der humanitären Hilfe einräumte.Volker Pabst: Heiligsprechung von Mutter Teresa: Die Makellosigkeit der Heiligen In: Neue Zürcher Zeitung vom 1. September 2016
Soziale Zustände in den Sterbehäusern Laut Robin Fox und Dave Hunt seien die Patienten im Sterbehaus vielfach auf primitiven Feldbetten in großer Zahl auf engstem Raum untergebracht und die Nahrungsversorgung sei nicht immer im nötigen Umfang gewährleistet gewesen. Etliche der dem Orden gespendeten Häuser waren ursprünglich gut ausgestattet, wurden aber auf Anordnung Mutter Teresas in Bezug auf äußerste Schlichtheit und Armut umgestaltet (unter anderem wurden vorhandene neuwertige Matratzen entsorgt). Auch sei nicht oder kaum geheizt worden.Robin Fox: Mother Theresa’s care for the dying, in: The Lancet, 17. September 1994; 344(8925), S. 807–808, PMID 7818649.Dave Hunt: Die Tragödie von Mutter Teresa, CLV 1999 (Auszug mit Quellen) Hunt wirft ihr zudem fehlende Transparenz im Umgang mit den Medien, bei den Angaben über die Verwendung von Spendengeldern sowie die Verweigerung der Rückgabe illegaler Spenden vor. Außerdem seien Sterbende oft ohne deren Einverständnis getauft worden.