Bremen war seit 787/88 Sitz eines unter Karl dem Großen gegründeten Missionsbistums und Zentrum der Missionstätigkeiten des angelsächsischen Bischofs Willehad. Nach dem letzten Sachsenaufstand zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Bremen unter Bischof Willerich dann zum regulären Bistum. Nach der Vertreibung Ansgars durch die dänischen Wikinger aus Hamburg wurde Bremen zum Sitz eines Missionserzbistums mit der Aufgabe, Skandinavien zu missionieren. Durch die Reformation wurde die Stadt mehrheitlich protestantisch, zunächst lutherisch, in der „Zweiten Reformation“ dann calvinistisch-reformiert. Jedoch fanden seit 1538/39 im Dom wieder Gottesdienste einer wachsenden lutherischen Gemeinde statt. Seit Ende des Dreißigjährigen Krieges wurden im Schutze des kaiserlichen Kommissars und späteren kaiserlichen Residenten auch katholische Messen gefeiert, zunächst in einer alten Domkurie oder dem gemieteten Haus des kaiserlichen Residenten, erst im 19. Jahrhundert wieder in einer Kirche.
Missionskirche und Erzbistum Anfänge mini|hochkant|Stifterrelief von 1512 mit Karl dem Großen und Bischof Willehad, heute Orgelempore des Bremer Doms
Zur Gründung des Bistums Bremen gibt es zwei verschiedene Urkunden, die sie mit weitgehend gleicher Ausdehnung des Sprengels einmal auf das Jahr 787 und einmal auf 788 datieren.Urkunden zum 13. Juli 787 = RI I n. 290d, in: Regesta Imperii Online, (Abgerufen am 1. März 2015).Urkunden zum 14. Juli 788 = RI I n. 295, in: Regesta Imperii Online,(Abgerufen am 1. März 2015). Zunächst war es dem Erzbistum Köln unterstellt. Schon am 8. November 789 starb Wilhad und 792 zerstörte der letzte Aufstand der Sachsen Willehads Missionswerk.
Immer noch unter Karl dem Großen wurde das Bistum mit Bischof Willerich 805 wieder eingerichtet, der die erste steinerne Kirche Bremens erbaute. Sein Nachfolger Leuderich verstarb am 23. August 845. Im selben Jahr zerstörten Wikinger die Hammaburg, Sitz eines von Ludwig dem Frommen gegründeten und 831 von Papst Gregor IV. betätigten Missions-Erzbistums, Vorgänger des heutigen Erzbistum Hamburgs.
Personalunion mit dem Erzbistum Hamburg 848 beschloss die Synode von Mainz, das vakante Bistum Bremen an den geflohenen Hamburger Erzbischof Ansgar zu vergeben. Diese Einsetzung löste heftige Proteste des Erzbischofs Hilduin von Köln aus. Auch dessen Nachfolger Gunthar von Köln wehrte sich dagegen, das Bistum an die Kirchenprovinz Hamburg abzutreten. Erst 870 bestimmte Papst Nikolaus I., dass das Bistum Bremen dem Erzbistum Hamburg zuzuführen sei. Rimbert, Ansgars Nachfolger seit 865, bezeichnete sich nun als Erzbischof von Bremen. Ab wann es wirklich ein Erzbistum war (und nicht nur ein exemptes Bistum), ist nicht unumstritten.https://geschichtsbuch.hamburg.de/epochen/fruehes-mittelalter-2/erzbischof-ansgar/ Trotzdem war Bremen dann der erste Erzbischofssitz außerhalb des antiken Römerreiches, da das Erzbistum Armagh in Irland erst 1103 gegründet wurde und der ranghöchste Bischof Schottlands (in St. Andrews) erst 1472 zum Erzbischof erhoben wurde; vorher hatten die schottischen Bistümer teils York, teils Nidaros unterstanden, in dessen Vorgeschichte zeitweise auch Hamburg-Bremen. Die nächsten Erzbischofssitze in vormaligem Barbarenland waren ab 968 Magdeburg und ab 1000 Gran/Esztergom und Gnesen.
Erzbistum Hamburg-Bremen Erzbischof Adalgar erlangte 905 von Papst Sergius III. nochmals eine Bestätigung der Zusammenlegung, allerdings unter der Vorgabe, dass das Erzbistum keine Suffragane erhalte.„Bremensem ecclesiam et ipsam Hamburgensem ecclesiam non duas, sed unam esse ecclesiam“, zitiert nach: Josef Dolle: Papsturkunden in Niedersachsen und Bremen bis 1198 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Bd. 306). Wallstein Verlag, Göttingen 2019, ISBN 978-3-8353-3581-3, Urkunde 18 S. 99–101 (Inhaltsangabe Dolle: „Papst Sergius III . widerruft die von Papst Formosus und König Arnulf erlassenen Bestimmungen über die Rückkehr des Bremer Bistums in den Kölner Metropolitanverband und bestätigt die erzbischöfliche Hoheit über die Dänen, Norweger, Schweden und die übrigen Völker des Nordens sowie die Vereinigung des Erzbistums Hamburg mit dem Bistum Bremen, suspendiert die Erzbischöfe Hermann von Köln und Hatto von Mainz und fordert die Bischöfe von Verden, Minden, Halberstadt, Osnabrück und Paderborn zur Unterstützung des Erzbischofs Adalgar auf“); Dolle zum Text: „Bei der verloren gegangenen Ausfertigung handelte es sich offenbar um ein Scheinoriginal “siehe auch Digitalisat Corpus Corporum: „Bremensem Ecclesiam, et ipsam Hamburgensem Ecclesiam non duas, sed unam esse Ecclesiam,“ dort nach PL 131 0974D: IV. EPISTOLA SERGII III AD ADALGARIUM HAMBURGENSEM. (Anno 905.) Papst Leo IX. dehnte jedoch 1053 die Erzdiözese bis zum Eismeer aus.Dieter Strauch Mittelalterliches Nordisches Recht bis 1500: eine Quellenkunde, Verl. Walter de Gruyter, 2011 (Googlebuchsuche) Darin: Adam III, 78 (Werner Trillnich S. 430f.; Philipp Jaffe Nr. 4290, Cu, nr. 23, S. 49 ff.) vom 6. Jan. 1053 (Vgl. Otto May Nr. 241) Aber 1104 verlor Bremen-Hamburg die meisten seiner Suffragane mit der Schaffung einer eigenständigen Kirchenprovinz Lund. Noch im selben Jahrhundert wurde das Erzbistum Lund geteilt: 1158 entstand das Erzbistum Nidaros für Norwegen einschließlich der nordatlantischen Inseln. Schweden bekam 1164 ein eigenes Erzbistum, das 1179 seinen Sitz in Uppsala nahm.
Erzbistum Bremen
mini|hochkant|Siegel des Bremer Domkapitels im 14. Jh.
Nach der Entmachtung Heinrichs des Löwen durch Friedrich Barbarossa in der Gelnhäuser Urkunde von 1180 gewann Dänemark unter Waldemar II. 1201 die Kontrolle über Hamburg. Das schwächte die Position des Hamburger Domkapitels, so dass die Bischofswahlen 1210 (Gerhard I.) und 1219 (Gerhard II.) unter dessen Ausschluss allein vom Bremer Domkapitel vollzogen wurden. Weihnachten 1223 beendigte Papst Honorius III. den Kapitelstreit. Bremen wurde alleiniger Erzbischofssitz. Das Hamburger Domkapitel akzeptierte dies und sollte fortan zur Bischofswahl den Propst, den Dekan und den Scholaster nach Bremen entsenden.
Soziale Herkunft der Erzbischöfe Die meisten Bremer Erzbischöfe des Hoch- und Spätmittelalters gehörten dem nordwestdeutschen Hochadel an. Zwei jedoch kamen aus Bürgerfamilien der Stadt Bremen: Burchard Grelle amtierte von 1327 bis 1344, Johann III. Rode von Wale von 1497 bis 1511.
Pfarreien Nach der Errichtung der St. Veits-, heute Liebfrauenkirche durch Erzbischof Unwan wurde diese alsbald zur Pfarrkirche für die neben der Domburg wachsende Marktsiedlung.
Erzbischof Adalbert II. verlegte 1139 das Wilhadistift auf den (möglicherweise nicht mehr von einer Kongregation besetzten) Stephaniberg und erteilte der Kirche, die dort zu bauen Bremer Bürger versprochen hatten, die Pfarrrechte für die dort ansässigen Bremer Bürger und für die Dörfer Utbremen und Walle.Bremer Urkundenbuch 27. August 1139: Erzbischof Adalbero (II.) verlegt das Wilhadikapitel auf den Stephaniberg und erteilt der Kirche, die die Bremer Bürger dort zu bauen versprochen haben, das Pfarrrecht innerhalb der Stadt für alle Bürger, die vom Haus Elverici bis zum Stephaniberg wohnen, sowie für die Dörfer Utbremen und Walle.
Auf Bitten der Bürger und Veranlassung von Papst Gregor IX. kam es 1229 durch den Bremer Erzbischof Gerhard II. zur Neufestsetzung der Kirchspielgrenzen, wodurch neben der Liebfrauenpfarrei die neuen Sprengel St. Ansgarii und St. Martini entstanden. Von den neuen Pfarrkirchen, St. Ansgarii dabei als Stiftskirche, standen zu dieser Zeit erst wenige Mauern.
Im 14. Jahrhundert wurde die südwestlich des Doms (heute etwa Südecke der Bürgerschaft) gelegene St.-Wilhadi-Kirche zur Pfarrkirche für die in der Domfreiheit wohnenden Laien.
Klöster Stadtgebiet und stadtbremischer Landbesitz Erzbischof Adalbert I. stiftete um 1050 Adam von Bremen zufolge drei Propsteien, also Klöster: St. Wilhadi besaß zunächst eine Kapelle nahe beim Dom. Das Stift zog 1139 auf den Stephanihügel um und wurde zum geistlichen Träger der dort dann errichteten Pfarrkirche St. Stephani. Sein erster Sitz wurde 1187 zunächst dem Ansgaristift übertragenBremisches Urkundenbuch Bd. I.1: Nr. 66 (S. 73 ff.): Gründungsurkunde des Ansgarikapitels vom 1. Mai 1187 (lateinisch) Nr. 67 (S. 77): Einkünfte und Nutznießer der 12 vom seligen Ansgarius gestifteten Präbenden (Pfründen), ohne Datum (lateinisch) und kam erst 1221 in die Obhut des Domkapitels.Bremisches Urkundenbuch Bd. I.2: Schlichtung zwischen Ansgarikapitel und Dompropst von 1221 (mit deutscher Inhaltsangabe) St. Stephani auf dem dann nach ihm benannten Dünenhügel nordwestlich der Marktsiedlung Bremen wurde 1139 nicht mehr als Kongregation erwähnt. Die erste St.-Pauli-Propstei, die allerdings wohl keinen langen Bestand hatte, denn Anfang 1139 wurde bei der noch bestehenden St.-Pauls-Kapelle auf einem Dünenhügel südöstlich der Domdüne erneut ein Kloster gegründet.Bremisches Urkundenbuch Bd. I.1 Nr. 30 (S. 33–35): Erzbischof Albero bestätigt die Gründung des Paulsklosters durch die Stiftung seines unlängst verstorbenen Verwandten Thrubertus. (mit deutscher Zusammenfassung) Das neue Paulskloster wurde mit Benediktinern besetzt und zum wirtschaftlichen Zentrum der nach ihm benannten St.-Pauli-Vorstadt, des heutigen Ostertorviertels. Die Klostergebäude wurden schon 1523 abgerissen, im Einvernehmen zwischen dem Abt, der im Schutz der Stadtbefestigung leben wollte, und der Stadt, die etwaigen Belagerern die Möglichkeit nehmen wollte, sich in dem Gemäuer zu verschanzen. Befürchtet wurde eine militärische Aktion des Erzbischofs wegen der Aufgeschlossenheit der Stadt für die Reformation.Peter Schomburg: Die Bremer Ostertorvorstadt in ihrer historisch-topographischen Entwicklung in: Bremisches Jahrbuch › 46. Band (1959), S. 255 ff. Organisatorisch bestand das Paulskloster bis zum Tod seines letzten Abtes fort. Ein Nonnenkonvent nutzte im 12. Jahrhundert die Michaeliskapelle vor dem Ansgaritor, siedelte aber später nach Bergedorf bei Ganderkesee um. Die Ordenszugehörigkeit ist unbekannt.Thomas Hill: Die Stadt und ihr Rand, Reihe Städteforchsung, Böhlau-Verlag 2008, ISBN 978-3-412-24105-6, Adolf E. Hofmeister/Ulrich Faust, Die Frauenklöster Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Bremens, Germania Benedictina XI, St. Ottilien 1984, S. 62 ff. Bergedorf (Wahrscheinlich waren sie Prämonstratenserinnen.) Um 1225 ließen sich sowohl Dominikaner als auch Franziskaner in Bremen nieder. Die Franziskaner errichteten ab 1258 das St.-Johannis-Kloster im heutigen Schnoorviertel. Eine erste Kirche der Dominikaner fand 1253 Erwähnung. Im selben Jahr erhielten sie einen Bauplatz für das St.-Katharinen-Kloster, dessen Kirche 1284 geweiht wurde. Der Deutsche Orden gründete 1230 seine Komturei in Bremen. Mit Unterstützung des Rates wurde ihm 1248 der Betrieb des Heiliggeistspitals übertragen.Bremisches Jahrbuch › 2. Band (1866) › V. Zur Geschichte der Ritter Deutschen Ordens › 2) Die Deutschherren-Commende zu Bremen › S. 189
Erzstift Bremen – außerhalb des städtischen Bereichs – in Auswahl – Das Zisterzienserinnenkloster Lilienthal wurde 1232 gegründet und machte sich um die Erschließung der Wümmeniederung verdient. 1552 schlossen sich die Nonnen der Reformation an. 1646 wurde das Kloster von der schwedischen Administration des Erzbistums aufgelöst. Das Marienkloster Osterholz war von seiner Gründung 1181 bis 1202 wohl ein Doppelkloster für Benediktiner und Benediktinerinnen, danach ein reines Nonnenkloster. Sein Landbesitz lag vor allem auf der Geest. Von etwa 1538 bis 1550 bekannte sich ein Teil der Nonnen zur Reformation, ein anderer noch zur römischen Kirche. Anschließend war es rein protestantisch, von 1630 bis 1633 katholisch und dann bis zu seiner Auflösung 1650 wieder evangelisch.