Der Welthunger-Index (WHI) ist ein Instrument, mit dem die Hungersituation auf globaler, regionaler und nationaler Ebene erfasst und verfolgt wird. Der jährlich im Oktober erscheinende Bericht beschreibt die Verbreitung von Hunger und Unterernährung in einzelnen Ländern und misst sowohl Fortschritte als auch Misserfolge im globalen Kampf gegen den Hunger. Anhand der WHI-Werte lässt sich eine Rangfolge von Ländern erstellen. Zudem können aktuelle mit vergangenen Ergebnissen verglichen werden. Eine interaktive Karte2021 Global Hunger Index by Severity, auf globalhungerindex.org ermöglicht es Nutzern, die Daten verschiedener Jahre zu visualisieren und in bestimmte Regionen oder Länder zu zoomen.

Der Index wurde ursprünglich vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik (IFPRI) in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe, einer deutschen Hilfsorganisation, entwickelt und 2006 das erste Mal veröffentlicht. Im Jahr 2007 schloss sich die irische Nichtregierungsorganisation (NGO) Concern Worldwide als Mitherausgeber an. IFPRI übergab 2018 das Projekt an seine langjährigen Partner Welthungerhilfe und Concern Worldwide, die den WHI seitdem als gemeinsames Projekt fortführen. Im Jahr 2024 trat das Institut für Friedenssicherungsrecht und humanitäres Volkerrecht (IFHV) dem Projekt als akademischer Partner bei.

Der Welthunger-Index 2025 bilanziert zum Jubiläum zwei Jahrzehnte evidenzbasierte Empfehlungen: von produktivitätsorientierter Landwirtschaft hin zu rechtsbasierten, inklusiven und resilienzorientierten Ansätzen. Prioritäten sind u. a. stärkere Governance und Rechenschaftspflicht, klimaangepasste und transformierte Ernährungssysteme, Chancengleichheit, Förderung ländlicher Lebensgrundlagen, sektorübergreifende Strategien sowie koordinierte und verantwortungsvolle Entwicklungsfinanzierung. Betont werden die Bedeutung verlässlicher Daten, vorausschauenden Risikomanagements und lokalen Empowerments – insbesondere von Frauen und marginalisierten Gruppen.

Im Jahr 2008 wurde neben dem jährlichen WHI zusätzlich der Hunger-Index für Indien (ISHI) herausgegeben. Für Äthiopien erschien 2009 ein subnationaler Hunger-Index.

In den vergangenen Jahren wurden folgende Themen fokussiert:

2010: Die Chance der ersten 1.000 Tage 2011: Wie steigende und schwankende Nahrungsmittelpreise den Hunger verschärfen 2012: Ernährung sichern, wenn Land, Wasser und Energie knapp werden 2013: Widerstandsfähigkeit stärken, Ernährung sichern 2014: Herausforderung verborgener Hunger 2015: Hunger und bewaffnete Konflikte 2016: Die Verpflichtung, den Hunger zu beenden 2017: Wie Ungleichheit Hunger schafft 2018: Flucht, Vertreibung und Hunger 2019: Wie der Klimawandel den Hunger verschärft 2020: Kein Hunger bis 2030: Gesundheit und nachhaltige Ernährungssysteme zusammen denken 2021: Hunger und Konflikte: Ernährungssysteme ändern, Frieden fördern 2022: Transformation der Ernährungssysteme und lokale Governance 2023: Jugend als treibende Kraft für nachhaltige Ernährungssysteme 2024: Mit Gendergerechtigkeit zu mehr Klimaresilienz und Zero Hunger 2025: 20 Jahre Fortschritt im Blick: Zeit für ein neues Bekenntnis zu Zero Hunger

Berechnung des Index Der WHI-Wert eines jeden Landes wird auf der Grundlage einer Formel berechnet, die vier Indikatoren kombiniert, die zusammen den multidimensionalen Charakter des Hungers erfassen:

1. Unterernährung: der Anteil der Bevölkerung, dessen Bedarf an Nahrungsenergie nicht gedeckt ist;

2. Wachstumsverzögerung bei Kindern: der Anteil von Kindern unter fünf Jahren mit einer zu geringen Größe in Bezug auf das jeweilige Alter, ein Beleg für chronische Unterernährung;

3. Auszehrung bei Kindern: der Anteil von Kindern unter fünf Jahren mit einem zu niedrigen Gewicht in Bezug auf die jeweilige Größe, ein Beleg für akute Unterernährung; und

4. Kindersterblichkeit: der Anteil der Kinder, die vor ihrem fünften Geburtstag sterben, was zum Teil das fatale Zusammenwirken von mangelnder Nährstoffversorgung und einem ungesunden Umfeld widerspiegelt.

Basierend auf den Werten der vier Indikatoren bildet der WHI-Wert auf einer 100-Punkte-Skala die jeweilige Hungerlage ab, auf der 0 der beste Wert (kein Hunger) und 100 der schlechteste Wert ist 3. Der WHI-Wert jedes Landes wird je nach Schweregrad von niedrig bis gravierend eingestuft.

Die für die Berechnung der WHI-Werte verwendeten Daten stammen von verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen (UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, Weltgesundheitsorganisation, UNICEF und Interagency Group for Child Mortality Estimation), der Weltbank sowie aus demografischen Erhebungen und Gesundheitserhebungen.

Für den WHI-Bericht 2025 wurden Daten für 136 Länder ausgewertet. Für 123 davon waren ausreichend Daten vorhanden, um WHI-Werte für 2025 zu berechnen und sie im Ranking zu platzieren (zum Vergleich: Die Datenverfügbarkeit ermöglichte im Bericht 2024 die Einstufung von 127 Ländern). Für 13 Länder konnten aufgrund unvollständiger Daten keine individuellen WHI-Werte berechnen und keine Ränge bestimmt werden. Wo möglich, wurden diese Länder vorläufig in die Kategorien der WHI-Schweregradskala eingestuft: zwei Länder in die Kategorie mäßig, drei Länder in ernst und zwei in sehr ernst. Für sechs Länder konnte keine vorläufige Einstufung vorgenommen werden.

Die WHI-Werte sind nur innerhalb des jeweiligen Jahresberichts vergleichbar, nicht aber zwischen den Berichten verschiedener Jahre. Um die Fortschritte eines Landes oder einer Region im Laufe der Zeit verfolgen zu können, enthält dieser Bericht WHI-Werte für 2000, 2008 und 2016, die mit den WHI-Werten für 2024 verglichen werden können.

Legende Kategorie Wert Länder mit einem gravierenden WHI-Wert≥ 50 Länder mit einem sehr ernsten WHI-Wert35,0 – 49,9 Länder mit einem ernsten WHI-Wert20,0 – 34,9 Länder mit einem mäßigen WHI-Wert10,0 – 19,9 Länder mit einem niedrigen WHI-Wert≤ 9,9

Rangfolge Rang1Land2000200820162025Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25.220.310.86.7≤5≤5≤5≤5≤59.56.15.0≤58.68.17.3≤5≤5≤5≤5≤513.87.3≤5≤55.9≤5≤5≤57.1≤5≤5≤5≤5≤5≤5≤511.88.05.7≤5≤5≤5≤5≤512.010.25.7≤5≤5≤5≤5≤55.3≤5≤5≤55.0≤5≤5≤5–5.8≤5≤57.45.5≤5≤58.16.0≤5≤510.66.05.5≤5–5.3≤5≤55.3≤5≤5≤514.86.9≤5≤5≤5≤5≤5≤57.9≤5≤5≤525.712.75.7≤52618.115.05.85.12629.517.38.05.12812.88.35.25.22925.214.18.15.63010.18.56.65.9319.89.27.16.03210.710.37.16.1339.17.66.16.2346.55.25.36.43411.66.35.46.43415.212.88.66.43715.315.36.77.03814.110.88.07.13921.112.98.07.24012.49.58.37.44117.312.39.27.54213.611.68.97.6438.38.38.38.04318.412.28.98.04517.015.310.78.34611.18.37.18.54715.611.58.69.34816.213.111.59.44914.38.714.29.65017.512.310.49.75019.914.310.29.7529.210.210.69.95316.210.212.010.25410.27.67.710.35514.910.410.810.45512.810.09.710.45716.415.514.510.55819.114.611.310.95911.211.09.711.06025.719.714.111.16122.117.614.111.26221.715.913.112.56322.919.214.712.86339.326.915.312.86529.021.516.513.16615.313.212.813.46623.921.417.713.46815.113.913.413.66911.914.816.313.97027.020.914.014.67025.027.818.214.67237.028.520.614.87339.824.717.714.97417.116.412.915.17541.528.316.815.37632.520.916.815.67723.925.818.915.97836.826.920.417.17935.725.720.517.28029.523.318.817.38037.627.724.717.38229.023.820.818.08319.818.416.118.88426.627.122.018.98534.632.524.419.28631.320.121.219.9*–––10–19.9**21.417.113.110–19.9*8736.028.629.120.28832.833.222.320.48818.918.821.820.49035.529.627.220.99140.329.424.721.19249.736.428.221.79329.927.222.521.89444.832.824.621.99543.328.523.122.09640.331.324.722.39735.132.226.622.69844.534.425.422.99936.831.928.423.710053.037.526.124.410137.630.426.625.410238.134.629.325.810332.225.523.825.910335.728.723.125.910346.832.736.425.910636.232.325.426.0107–42.230.528.010857.841.132.428.510949.632.728.029.011051.241.431.729.611163.835.325.729.711247.736.832.930.011314.817.023.730.611431.332.831.931.011538.232.329.932.811646.841.936.033.411752.739.033.333.911849.643.838.534.8*–––20–34.9**––27.520–34.9**43.830.827.620–34.9*11940.237.229.935.712042.036.635.035.812146.139.536.437.5121–––37.512364.360.549.442.6* –––35–49.9*

— = Es liegen keine Daten vor. Einige Länder existierten in ihren heutigen Grenzen im gegebenen Jahr oder Bezugszeitraum noch nicht.

Die Rankings und Indexwerte in dieser Tabelle können nicht direkt mit Rankings und Indexwerten aus früheren Berichten verglichen werden. Die Farben entsprechen den Kategorien der WHI Schweregradskala.

1 Rangfolge gemäß WHI-Werten für 2025. Länder mit identischen WHI-Werten für 2025 erhalten dieselbe Platzierung (Moldau und Mongolei belegen beispielsweise beide Rang 26).

2 Die 25 Länder mit WHI-Werten für 2025 unter 5 werden nicht einzeln, sondern gemeinsam auf den Rängen 1 bis 25 platziert. Die Unterschiede zwischen ihren Werten sind minimal.

*Für 13 Länder konnten aufgrund unvollständiger Daten keine individuellen WHI-Werte berechnet und keine Ränge bestimmt werden. Wo möglich, wurden diese Länder vorläufig in die Kategorien der WHI-Schweregradskala eingestuft: zwei Länder fallen dabei in die Kategorie „mäßig“, drei Länder in "ernst" und zwei in die Kategorie „sehr ernst“. Für sechs Länder konnte keine vorläufige Einstufung vorgenommen werden.

Schwerpunktthema im WHI 2025: 20 Jahre Fortschritt im Blick: Zeit für ein neues Bekenntnis zu Zero Hunger Der Welthunger-Index 2025 stellt fest, dass das Ziel, den globalen Hunger bis 2030 zu beenden, nach heutigem Stand voraussichtlich verfehlt wird, langfristig aber erreichbar bleibt. Zum Jubiläum blickt der Bericht auf zwei Jahrzehnte evidenzbasierter Politikempfehlungen zurück und zeichnet die inhaltliche Entwicklung nach: von produktivitätsorientierter Landwirtschaft hin zu rechtsbasierten, inklusiven und resilienzorientierten Ansätzen. Zu den priorisierten Handlungsfeldern zählen stärkere Governance und Rechenschaftspflicht, klimaangepasste und transformierte Ernährungssysteme, Chancengleichheit, die Förderung ländlicher Lebensgrundlagen, sektorübergreifende Strategien sowie koordinierte und verantwortungsvolle Entwicklungsfinanzierung. Hervorgehoben werden außerdem die wachsende Bedeutung verlässlicher Daten, vorausschauenden Risikomanagements sowie lokalen Empowerments – insbesondere von Frauen und marginalisierten Gruppen.

Anders als in den Vorjahren enthält die Ausgabe 2025 keinen thematischen Essay; stattdessen beruht das Schwerpunktkapitel auf Interviews mit führenden Experten, darunter Joachim von Braun, Klaus von Grebmer oder auch Bimala Rai Paudyal. Diese bilanzieren, welche Maßnahmen in der Vergangenheit nachweislich Wirkung entfaltet haben (u. a. soziale Sicherung, diversifizierte Erwerbschancen, Risikoabsicherung, Governance-Reformen) und benennen Anpassungen, die künftig nötig sind, damit alle Menschen Zugang zu ausreichender und angemessener Nahrung erhalten.

Der Bericht unterstreicht, dass Absichtserklärungen nur dann tragen, wenn sie von dauerhaftem politischem Willen, ausreichender Finanzierung, Reformen und konkreter Umsetzung begleitet werden. Die Kernbotschaft, die sich durch 20 Jahre WHI zieht, bleibt bestehen: Hunger besteht nicht, weil es an Lösungen mangelt, sondern weil verfügbare Lösungen noch nicht konsequent und flächendeckend umgesetzt werden. Schwerpunktthema im WHI 2024: Mit Gendergerechtigkeit zu mehr Klimaresilienz und Zero Hunger