mini|Johan Cesar Godeffroy, Fotografie aus dem Atelier von E. Bieber Johan Cesar Godeffroy (* 1. Juli 1813 in Kiel; † 9. Februar 1885 in Dockenhuden) war ein deutscher Kaufmann und Hanseat.

Leben Cesar Godeffroy entstammte einer hugenottischen Familie, die sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Berlin kommend, in Hamburg niedergelassen hatte.

Cesar Godeffroy besuchte die Bürgerschule des Katharineum zu Lübeck von ca. 1821 bis 1830, ebenso seine jüngeren Brüder Gustav und Adolph. Seine Lehre machte er bei Parish & Co. Der Inhaber Richard Parish war mit Susanne Godeffroy verheiratet, einer Tochter von Peter Godeffroy, Bruder seines Großvaters. Ein Volontariat in England folgte. Gegen Ende 1835 trat er in die väterliche Firma „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ ein, am 1. Januar 1837 wurde er deren Teilhaber. Zuvor wurde er am 12. August 1836 Hamburger Bürger.Verzeichnis derer, welche Bürger geworden, in: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg [Hamburger Nachrichten]. 15. August 1836, Seite 3 Nach dem Tod seines Vaters Johan Cesar Godeffroy (1781–1845) am 3. Juli 1845 übernahm Cesar die Führung der Handelshauses.

Cesars Bruder Gustav Godeffroy war zeitweilig Teilhaber von „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“, von 1854 bis 1872 Senator und von 1856 bis 1893 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Norddeutschen Bank. Sein Bruder Adolph Godeffroy war 1847 Mitbegründer der „Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-AG“ (HAPAG) und bis 1880 deren vorsitzender Direktor.

Mandate mini|Johan Cesar Godeffroy, Ölgemälde von Robert Schneider, um 1847 Von Juni 1840Erwählt anstelle des verfassungsmäßig ausscheidenden Ernst Heinrich Jacob Michahelles in der Versammlung des Ehrbaren Kaufmanns vom 13. Juni 1840. (Wahlen. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg [Hamburger Nachrichten] vom 15. Juni 1840, Seite 3) bis 1846Wahlen. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg. 18. Dezember 1846, S. 2 (Digitalisat) war Cesar Godeffroy Deputierter der Handelskammer Hamburg, 1845 deren Präses und von 1850 bis 1879 Altadjungierter.Siehe unter „Commercium“, „Kaufmannschaft“ oder „Handelskammer“ in „Abt. Handel und Gewerbe“ in den Ausgaben des Hamburgische Staatskalender auf das ....te Jahr ... (Digitalisate). Am 12. November 1846 wurde Cesar Godeffroy für fünf Jahre zum Bancobürger gewählt.Verhandlungen zwischen E.E. Rathe und Erbges. Bürgerschaft in deren heutigen Convente. Hamburg den 12ten November. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg [Hamburger Nachrichten]. 13. November 1846, S. 1 Nachdem er 1851 deren Präses geworden war,VII. Raths- und bürgerliche Deputationes und sonstige öffentliche Behörden nebst den vorzüglichsten Beamten bei denselben. 4. Bank. In: Hamburgischer Staatskalender auf das Jahr 1851. Nestler und Melle, Hamburg o. J., S. 82 schied er Ende des Jahres turnusgemäß aus. Von 1859 bis 1864 saß er als Mitglied in der Hamburgischen Bürgerschaft. Er war Mitbegründer der Norddeutschen Bank und der Norddeutschen Versicherungsgesellschaft.

Im Februar 1869 wurde Cesar Godeffroy zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Eisen- und Stahlwerks zu Osnabrück erwählt.Verschiedene Bekanntmachungen. In: Königlich Preußischer Staats-Anzeiger. 23. Februar 1869, S. 808 (Digitalisat).

Kolonialismus-Vorwurf Im Rahmen einer Debatte zur Beteiligung Hamburger Kaufleute am Deutschen Kolonialismus und deren Verantwortung (koloniales Erbe), die von dem an der Universität Hamburg seit 2014 tätigen Jürgen Zimmerer angestoßen wurde, werden wiederholt Vorwürfe gegen Angehörige der Familie Godeffroy erhoben, i. E. Cesar Godeffroy als Inhaber von Joh. Ces. Godeffroy & Sohn, nachdem nach 1857 begonnen wurde, Früchte der Kokospalme von den Inseln rund um Samoa zu importieren, Handelsware zu exportieren und eigene Niederlassungen auf den Inseln aufzubauen. Die Bezeichnung „Könige der Südsee“ wurde erstmals von Ludwig Bamberger während seiner Rede als Abgeordneter zur Samoa-Vorlage im April 1880 im Reichstag benutzt.Deutscher Reichstag 35. Plenarsitzung, Donnerstag, 22. April 1880 (Ausschnitt aus dem Sitzungsbericht). In: Hamburgischer Correspondent. 23. April 1880, S. 13–14.Im September 1932 wurde im Rundfunk unter dem Titel „„Godeffroy, der Südseekönig“ ein hansisches Hörspiel von Albert Petersen“ gesendet. (Bergedorf-Sander Volksblatt. 5. September 1932, S. )

Vorgeworfen wird: jährlich Hunderte von Menschen durch Blackbirding zur Arbeit auf die Plantagen gezwungen zu haben, Arbeit für Hungerlöhne, Durchsetzung monopolartiger Handelsstrukturen, vollkommene Kontrolle über die lokale Wirtschaft u. a. durch hohe Zinsforderungen und die Inseln als de facto Kolonien seines Unternehmens anzusehen.

Initiator Gründer eines Sport-Clubs Cesar Godeffroy begeisterte sich für „englische Sportarten“. Im Juli 1835 nahm er an den ersten Pferderennen in Wandsbek teil. Im Juni 1836 gründete er mit seinem jüngeren Bruder Adolph, Carl Merck, Charles Parish, Edward Sieveking, Johann Gustav Heckscher und fünf weiteren den Hamburger Ruderclub. Der Ruderclub besteht heute als Der Hamburger und Germania Ruder Club und gilt als der älteste Ruderclub/-verein auf europäischem Festland. Aufforstungen Für einen Hamburger Kaufmann recht ungewöhnlich erwarb Cesar Godeffroy ab 1842 unbewaldete Flächen von über 600 ha im Nordwesten von Hamburg,Andere Angaben: 3300 Morgen = 825 ha () um sie im Laufe der folgenden Jahre u. a. mit Douglasien aufforsten zu lassen. Die Pflanzen wurden von der Baumschule James Booth und Söhne geliefert. Ihre Inhaber gehörten zu den ersten, die Douglasien pflanzten,John Booth: Die Douglas-Fichte; und einige andere Nadelhölzer namentliche aus dem nordwestlichen Amerika in Bezug auf ihren forstlichen Anbau in Deutschland, Julius Springer, Berlin 1877, S. 54–55. deren Samen um 1830 nach Europa gelangt waren. Bau einer Musikhalle Am 27. Januar 1866 trafen sich ca. 180 Personen im „Streit’s Hotel“ am Jungfernstieg in der Absicht, eine Musikhalle in Hamburg zu errichten. Es bildete sich ein Verwaltungsrat zur Gründung einer Aktiengesellschaft unter dem Vorsitz Cesar Godeffroy.Anzeige: Musikhalle. In: Hamburger Nachrichten. 10. Februar 1866, S. 4 Anfang 1867 wurde in den Hamburger Nachrichten die Meinung geäußert, ein Konzerthaus ohne ein dazugehöriges Orchester sei ohne Wert.Musikhalle. In: Hamburger Nachrichten. 7. Januar 1867, S. 3 Anfang 1868 äußerten sich Aktionäre zur Lage unterschiedlicher Standorte für die Errichtung einer Musikhalle.Musikhalle. In: Hamburger Nachrichten 23. Januar 1868, S. 3–4 Der Senat installierte am 15. Oktober 1869 eine Kommission zur „eventuellen Ausweisung eines Platzes zum Bau einer Musikhalle“.39ste Sitzung der Bürgerschaft. In: Hamburger Nachrichten. 15. Oktober 1869, S. 3 Es ist nicht bekannt, wann sich der Verwaltungsrat auflöste.

Ehrungen Die Aktivitäten des Museums Godeffroy brachten Cesar Godeffroy Ehrenmitgliedschaften: 1868 die des Entomologischen Vereins in Stettin,Entomologischen Verein zu Stettin (Hrsg.): Entomologische Zeitung, 29. Jg. No. 1–3, Jan.–März 1869, S. 105, . 1875 die des Vereins für naturwissenschaftliche Unterhaltung zu Hamburg,Verein für Naturwissenschaftliche Heimatforschung zu Hamburg e. V. 1875 die des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg–Altona,Ehrenmitglieder, in: August Voller (Hrsg.): Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg–Altona, Neue Folge I, Friederichsen, Hamburg 1877, S. 20 1875 die des Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte,Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Jahrgang 1875, Wiegandt, Hempel & Parey, Berlin 1875, S. 231 (). 1879 die des Thüringisch–Sächsischen Vereins für Erdkunde zu Halle.Das Vereinsjahr 1879/80. In: Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a.d. Saale. Bd. 4, S. 84 Seit 1873 war Cesar Godeffroy korrespondierendes Mitglied der Senckenbergschen Naturforschenden Gesellschaft (Frankfurt am Main). Ihm zu Ehren wurden zahlreiche Tiere und Pflanzen benannt.

Privatleben Am 2. Februar 1837 heiratete er Emily Hanbury (1815–1894).Heirath-Anzeigen. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg [Hamburger Nachrichten]. 4. Februar 1837, S. 6, Digitalisat. Der Ehe entstammten fünf Kinder, von denen Johan Cesar Godeffroy (1838–1912) der älteste Sohn war.

Während der Wintermonate lebte die Familie in den oberen Stockwerken im Alten Wandrahm, in dem sich auch die Kontorräume befanden.Die als Kontor, Lager und Wohnhaus genutzten nebeneinanderliegenden Häuser Alter Wandrahm 25 und 26 wurden um 1886 im Zusammenhang mit dem Bau der Hamburger Speicherstadt abgerissen. Hausnummer 26 war vermutlich 1852 erworben worden, Nummer 25 war seit ca. 1781 im Besitz der Fam. Godeffroy. Den Rest des Jahres bewohnte man weit außerhalb der Stadtmauern im heutigen Nienstedten das vom dänischen Architekten C. F. Hansen um 1792 erbaute Landhaus J. C. Godeffroy. Johan Cesar Godeffroy (1742–1818) hatte das Haus und den dazugehörigen Park, der wegen seines heute noch bestehenden Hirschgatters Hirschpark genannt wird, zu großen Teilen anlegen lassen.

Nachdem der Straßenzug Alter Wandrahm zugunsten des Baues der Speicherstadt zum Abriss freigegeben war und die geschäftlichen Aktivitäten eingestellt worden waren, zog sich Cesar Godeffroy mit seiner Frau in sein Landhaus zurück. Hier starb er nahezu erblindetCesar Godeffroy litt an einer „tückischen Augenkrankheit“. (Karl-Heinrich Wiederkehr: Die hamburgische Seefahrt und die Einführung der meteorologisch-geophysikalischen Navigation. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Band 73, 1987, S. 22.)Johann Caesar Godeffroy, der vor wenigen Tagen in seiner Villa bei Hamburg … In: II. Beilage der Berliner Börsenzeitung, Nr. 74, 13. Februar 1885, S. 14, („Obgleich fast erblindet, machte Herr Godeffroy in den …“) im Februar 1885. Beigesetzt wurde er in der Familiengrabstätte auf dem Friedhof der reformierten Gemeinde vor dem Dammtor.Hamburger Mittheilungen. Die feierliche Bestattung … In: Hamburger Nachrichten, Wochenausgabe, 20. Februar 1885, S. 6

Literatur

Biografie

Literatur

Historisch Worte des Gedenkens von Rudolph Virchow an das Ehrenmitglied Cesar Godeffroy im Bericht zur Sitzung am 21. Februar 1885, in: Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Jahrgang 1885, Verlag A. Asher & Co, Berlin 1885, S. 53–54, () und im Verwaltungsbericht für das Jahr 1885 in der Sitzung vom 19. Dezember 1885, S. 539, ().

Sport

Weblinks

Einzelnachweise

Johan Cesar Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Reeder (Hamburg) Kategorie:Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (1859–1919) Kategorie:Naturaliensammler Kategorie:Naturalienhändler Kategorie:Präses der Handelskammer Hamburg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1813 Kategorie:Gestorben 1885 Kategorie:Mann